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Zielgruppeneinstiege

Informationen des RKI zu Affenpocken im Vereinigten Königreich und allgemeine Informationen

Aktuelle Situation

Anfang September wurde bei 2 Personen im Vereinigten Königreich, die am 02.09.2018 und 04.09.2018 aus Nigeria eingereist sind, das Affenpocken-Virus nachgewiesen. Beide Personen haben sich zur Zeit des Erkrankungsbeginns in unterschiedlichen Regionen (Cornwall und Lancashire) aufgehalten. Es ist davon auszugehen, dass sich beide unabhängig voneinander in Nigeria infiziert haben. Wo die Personen sich in Nigeria aufgehalten hatten, ist bisher nicht bekannt. Mindestens eine der Personen hatte in Nigeria Kontakt zu einem Menschen mit Affenpocken-verdächtigen Symptomen und sogenanntes "Bushmeat" verzehrt.
Grundsätzlich existiert ein Risiko des Imports nach Deutschland durch Reiserückkehrer aus Endemiegebieten, welches jedoch als gering eingeschätzt wird. Das Risiko eines Imports über eingeführte Säugetiere erscheint ebenfalls sehr gering (so wurden z.B. im Jahr 2017 keine lebenden Säugetiere legal aus Nigeria nach Deutschland eingeführt).

Erreger und Vorkommen

Affenpocken sind eine seltene, von Tieren, vermutlich vor allem Nagetieren, auf Menschen übertragbare Viruserkrankung. Affenpockenviren (monkeypox virus, Genus Orthopoxvirus) sind in West- und Zentralafrika bei Nagetieren endemisch- vermutlich beschreibt dies das Endemiegebiet der Krankheit beim Menschen. Ob Fälle diagnostiziert werden hängt erheblich von der Verfügbarkeit von Labordiagnostik ab. Affenpocken beim Menschen wurden erstmals 1970 in der Demokratischen Republik Kongo bei einem 9 Jahre alten Jungen identifiziert. Seitdem wurden humane Fälle von Affenpocken aus folgenden west- und zentralafrikanischen Ländern gemeldet – der Demokratischen Republik Kongo, der Republik Kongo, Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, Nigeria, der Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone, Gabun und Südsudan. Von 2017 bis 2018 erlebte Nigeria den größten dokumentierten Ausbruch, etwa 40 Jahre nachdem das Land zuletzt Fälle von Affenpocken bestätigt hatte. Es wurden 262 Verdachtsfälle und 7 Todesfälle aus 26 Regionen in Nigeria gemeldet, davon wurden 113 Fälle labordiagnostisch bestätigt. Bei diesem Ausbruch gab es auch importierte Fälle in das Vereinigte Königreich. Weitere Affenpocken-Fälle wurden im Jahr 2018 in der Demokratischen Republik Kongo, Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik gemeldet.

Im Frühjahr 2003 kam es zum ersten Ausbruch von Affenpocken außerhalb des afrikanischen Kontinents, weil das Affenpockenvirus durch Nagetiere aus Ghana in die USA importiert und über Präriehunde auf Tierhändler und -besitzer übertragen wurde (ca. 81 Erkrankungen, davon 50% laborbestätigt und 25% hospitalisiert, 2 Kinder mit schweren Verläufen). Es gab weder Mensch-zu-Mensch Übertragungen noch Todesfälle, vermutlich weil es sich um die niedriger virulente westafrikanische Virusvariante handelte.

Infektionswege

Menschen können sich vor allem durch Kontakt mit den Hauteffloreszenzen, Blut, Gewebe oder Ausscheidungen infizierter Tiere und dem Umgang mit dem Fleisch erkrankter Tiere infizieren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und nur bei engem Kontakt möglich, kann aber durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf der Affenpocken-Infizierten auftreten.

Expositionsprophylaxe in Endemiegebieten

Vermeiden von engen Kontakten zu und Verzehr von potenziell infizierten Tieren, Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Erkrankten. Die Pocken-Impfung (z.Z. in Europa nicht verfügbar) schützt auch vor Affenpocken, ist jedoch nach WHO-Empfehlungen wegen der möglichen Nebenwirkungen gegenwärtig nicht indiziert.

Klinischer Verlauf und Therapie

Die Inkubationszeit für Affenpocken beträgt zwischen 5 und 21 Tagen. Insgesamt ist die Prognose als günstig zu bewerten, allerdings beobachtet man bei Kindern unter 16 Jahren eine Letalität von bis zu 11% mit zentralafrikanischen Virusvarianten. Im Gegensatz zu den seit 1980 ausgerotteten Menschenpocken sind Affenpocken jedoch in der Regel eine leichtere Krankheit; die meisten Menschen erholen sich innerhalb von mehreren Wochen. Bei einigen Personen kann jedoch eine schwere Erkrankung auftreten. Erste Symptome der Krankheit sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickelt sich ein Pocken-ähnliches Exanthem, das oft im Gesicht beginnt und sich dann auf andere Körperteile ausbreitet. Der Hautausschlag verändert sich und durchläuft verschiedene Stadien, bevor sich schließlich Krusten bilden, die später abfallen. Die Therapie ist symptomatisch und supportiv, wichtig ist das Verhindern bakterieller Superinfektionen. Ein kürzlich von der FDA zugelassenes Medikament zur Behandlung von Menschenpocken (TPOXX) könnte zukünftig auch zur Behandlung von Affenpocken eingesetzt werden.

Diagnostik

Labordiagnostik bei Verdacht auf eine Infektion durch zoonotische Pockenviren ist indiziert bei entsprechender Symptomatik in Verbindung mit Tierkontakten oder einem Aufenthalt in Endemiegebieten. Das Affenpockenvirus gehört in Deutschland zur Risikogruppe 3; Umgang mit vermehrungsfähigem Virus ist an virologische Laboratorien der Biologischen Sicherheitsstufe 3 gebunden (z. B. das Konsiliarlaboratorium für Pockenviren am RKI, Berlin). Der Virusnachweis erfolgt aus Exsudat, Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt, Krusten oder auch Tupfern von Hautläsionen und anderem klinischen Material während der akuten Krankheitsphase mittels PCR (Differenzierung auf Speziesebene). Die Virusanzucht oder der Nachweis von Viruspartikeln und Einschlusskörperchen ist elektronenmikroskopisch bzw. histologisch möglich. Ein Nachweis von Affenpockenvirus-spezifischen Antikörpern ist nicht möglich, da die humanpathogenen Orthopockenviren immunologisch kreuzreaktiv sind. Der serologische Befund kann jedoch bei fehlendem Direktnachweis hilfreich sein.

Differentialdiagnose: Im Exanthem-Stadium Windpocken, Zoster, Scharlach, andere Pockenvirus-Infektionen. Im präeruptiven Stadium Influenza, Malaria, Typhus abdominalis, Leptospirose und viral-hämorraghische Fieber.

Beratung zum klinischen Management

Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB)
Zuständiges Kompetenz- und Behandlungszentrum siehe www.rki.de/stakob

Meldepflicht

Um mögliche Affenpocken-Erkrankungen zu erfassen und deren Weiterverbreitung zu verhindern, sollten diagnostizierte Fälle von Erkrankungen durch Affenpocken systematisch erfasst werden. Daher weist das RKI auf die Arzt-Meldepflicht gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 5 IfSG und die Labor-Meldepflicht gemäß § 7.2 IfSG hin.

Stand: 14.09.2018

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