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Kontaktpersonen-Nachverfolgung bei Infektionen durch SARS-CoV-2

Stand: 16.11.2020

Änderung gegenüber der Version vom 19.10.2020:

  • Ergänzung Management Kontaktpersonen Kategorie 1: Quarantäne für Haushaltsangehörige

Änderung gegenüber der Version vom 24.9.2020:

  • Grundlegende redaktionelle Umstrukturierung
  • Änderung der Testung asymptomatischer Kontaktpersonen der Kategorie I als Einzelfallentscheidung
  • Änderung von "täglicher" auf "regelmäßiger" Kontakt mit dem Gesundheitsamt bei Kontaktpersonen der Kategorie I
  • Aufnahme der Exposition im privaten Umfeld bei Kontaktpersonen der Kategorie III
  • Inhaltliche Anpassung zur Aussetzung der Kontaktpersonennachverfolgung bei Flugreisen prospektiv ab dem 20.10.2020

Infografik Kontaktpersonen­nachverfolgung

1. Vorbemerkungen

1.1. Allgemeine Hinweise

  • Die folgenden Hinweise können in der Situation vor Ort im Rahmen einer Risikobewertung durch das zuständige Gesundheitsamt unter Berücksichtigung der angestrebten Schutzziele angepasst werden.
  • Unseren Empfehlungen liegen folgende Annahmen zugrunde:

    • Die Dauer der Inkubationszeit beträgt in den meisten Fällen maximal 14 Tage.
    • Der Mittelwert/Median für die Inkubationszeit liegt bei 5-6 Tagen.
    • Die Dauer der infektiösen Periode beträgt etwa 12 Tage. Sie beginnt

      • bei asymptomatischem Quellfall (Exposition bekannt): am Tag 3 nach Exposition;
      • bei asymptomatischem Quellfall (nur Probenahme-Termin bekannt): am Tag 2 vor der Probenahme;
      • bei symptomatischem Quellfall: 2 Tage vor Symptombeginn
  • Aufgrund der epidemiologischen Lage weltweit und in Deutschland wird die Empfehlung zur Kontaktpersonennachverfolgung bei Flugreisenden prospektiv ab dem 20.10.2020 ausgesetzt. Die Kontaktpersonennachverfolgung auf Flügen ist sehr zeit- und personalaufwändig. Durch die Aussetzung der Empfehlung sollten die verfügbaren Ressourcen vermehrt auf das Geschehen vor Ort konzentriert werden können.

1.2. Ziel

Unterbrechung von Infektionsketten ausgehend von einem bestätigten Fall

1.3. Allgemeine Prinzipien der Kontaktpersonennachverfolgung:

  • Sowohl die "Vorwärts-Ermittlung" der von einem bestätigten Fall ausgehenden, möglichen Übertragungen, als auch die „Rückwärts-Ermittlung“ (Infektionsquellensuche) sind von Bedeutung.
  • Die Ermittlung eines schon bestätigten oder potentiellen Ausbruchsgeschehens ("Herd"; Cluster) hat Vorrang vor Einzelfällen.
  • Ereignisse bei oder im Kontext von vulnerablen Personen oder medizinischem Personal (z.B. Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser) haben Vorrang vor anderen Situationen.
  • Bei der Ermittlung von Kontaktpersonen gilt folgende Priorität: Kategorie I > Kategorie III > Kategorie II
  • Information der Kontaktpersonen zu ihrem Erkrankungsrisiko, über die Kontaktreduktion und das Vorgehen bei eintretender Symptomatik.
  • Frühe Erkennung von Erkrankungen unter den Kontaktpersonen.

1.4. Herdsituation (Cluster)

Da manche Fälle mehr Personen anstecken als andere (Überdispersion) und somit auch mehr zum Infektionsgeschehen beitragen, sollte ein besonderes Augenmerk auf schon bestätigte oder potentielle Herdsituationen gelegt werden. Dabei sind sowohl mögliche Herdsituationen von Relevanz, bei denen sich der Fall (und möglicherweise auch mehrere andere Personen) angesteckt haben (Rückwärts-Ermittlung), als auch Herdsituationen, die der Fall selbst ausgelöst haben könnte, als er schon infektiös war (Vorwärts-Ermittlung). Dazu sollten die folgenden Schritte beachtet werden:

  • In die Risikobewertung gehen u. a. ein: einmalige Exposition vs. fortdauernde Exposition; Beurteilung des Infektionsumfelds/Setting (z.B. Räumlichkeit, Dauer des Aufenthalts, Personendichte, Lüftungsverhältnisse, Aktivitäten)
  • Epidemiologische Analyse: z.B. ob es bei dem Ereignis Hinweise gab, dass eine (Aerosol-)Übertragung über mehr als 1,5 m stattfand
  • Ggf. Einbindung des Veranstalters oder einer anderen Schlüsselperson (z.B. zur Erstellung einer Kontaktpersonenliste; schnelle Informationsweiterleitung)
  • Fallsuche (ggf. Kommunikation mit anderen Gesundheitsämtern; ad hoc-Testung von symptomatischen und asymptomatischen Exponierten)
  • Ggf. Quarantäne aller Personen in der Gruppe, z.B. nach relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation mit dem Quellfall, unabhängig von der individuellen Risikoermittlung (Bsp. Schulklassen, Gruppenveranstaltungen)

1.5. Bemessung der infektiösen Periode des Quellfalls

Personen, die im infektiösen Zeitintervall Kontakt mit einem bestätigtem COVID-19-Fall („Quellfall“) hatten, werden als „Kontaktperson“ bezeichnet. Im Folgenden wird beschrieben, wie sich das infektiöse Intervall bemisst, wenn ein Quellfall symptomatisch bzw. asymptomatisch ist.

Das infektiöse Zeitintervall für symptomatische Fälle mit bekanntem Symptombeginn:
Ab dem 2. Tag vor Auftreten der ersten Symptome des Falles bis mindestens 10 Tage nach Symptombeginn, bei schwerer oder andauernder Symptomatik ggf. auch länger, siehe www.rki.de/covid-19-entlassungskriterien

Das infektiöse Zeitintervall für asymptomatische Fälle:
In Situationen, in denen keine weiteren Informationen zur Infektionsquelle zu dem asymptomatischen Fall vorliegen und es sich um keine besondere Risikosituation handelt (z.B. Mitarbeiterin/Mitarbeiter in der Altenpflege oder in einem Krankenhaus, dies erfordert immer eine Einzelfallentscheidung), kann in Analogie zu symptomatischen Fällen der Labornachweis als Näherung für den Symptombeginn angenommen werden, somit sind Personen mit Kontakt ab 48h vor Probenabnahmedatum nachzuverfolgen. Das Ende der infektiösen Periode wird entsprechend mit 10 Tagen nach Probenentnahme angenommen.

Das bedeutet: Infektiöse Periode bei unbekanntem Infektionsdatum = 2 Tage vor Probenahmedatum bis 10 Tage nach Probenahmedatum.

Wenn bekannt oder sehr wahrscheinlich ist, bei wem und wann oder bei welchem Ereignis sich der asymptomatische Fall vermutlich angesteckt hat (häufig werden diese im Rahmen der Umgebungsuntersuchung von Fällen identifiziert), können Kontakte ab dem dritten Tag nach der Exposition gegenüber dem Quellfall als potenziell infektiös angenommen werden, aber nicht später als das Datum der Probennahme. Die Dauer der infektiösen Periode wird entsprechend für 12 Tage nach dem dritten Tag nach der Exposition angenommen.

Das bedeutet: Infektiöse Periode bei bekanntem Infektionsdatum = von Tag 3 nach Exposition bis Tag 15 nach Exposition.

2. Definition und Umgang mit Kontaktpersonen

2.1. Kontaktpersonen der Kategorie I (höheres Infektionsrisiko):

Kontaktpersonen werden in folgenden zwei Situationen in die Kategorie 1 eingruppiert:

A. Enger Kontakt (<1,5 m, Nahfeld)
Infektiöses Virus wird vom Quellfall über Aerosole/Kleinpartikel (im Folgenden als „Aerosol(e)“ bezeichnet) und über Tröpfchen ausgestoßen (emittiert). Die Zahl der emittierten Partikel steigt von Atmen über Sprechen, zu Schreien bzw. Singen an. Im Nahfeld (etwa 1,5 m) um eine infektiöse Person ist die Partikelkonzentration größer („Atemstrahl“). Es wird vermutet, dass die meisten Übertragungen über das Nahfeld erfolgen. Die Exposition im Nahfeld kann durch korrekten Einsatz einer Maske (Mund-Nasenschutz (MNS), Mund-Nasen-Bedeckung (MNB, entspricht Alltagsmaske) oder FFP-Maske) gemindert werden.

B. Kontakt unabhängig vom Abstand (hohe Konzentration infektiöser Aerosole im Raum)
Darüber hinaus können sich Viruspartikel in Aerosolen bei mangelnder Frischluftzufuhr in Innenräumen anreichern, weil sie über Stunden in der Luft schweben können. Vermehrungsfähige Viren haben (unter experimentellen Bedingungen) eine Halbwertszeit von etwa 1 Stunde. In einer solchen Situation mit hoher Konzentration infektiöser Viruspartikel im Raum sind auch Personen gefährdet, die sich weit vom Quellfall entfernt aufhalten („Fernfeld“, siehe auch Steckbrief des RKI).
Das Risiko steigt dann an mit

  • der Zahl der infektiösen Personen
  • der Infektiosität des Quellfalls (um den Erkrankungsbeginn herum höher als später im Erkrankungsverlauf)
  • der Länge des Aufenthalts der infektiösen Person(en) im Raum
  • der Intensität der Partikelemission (Atmen<Sprechen<<Schreien/Singen; eine singende Person emittiert pro Sekunde in etwa so viele Partikel wie 30 sprechende Personen)
  • der Intensität der Atemaktivität der exponierten Personen (z.B. Sporttreiben)
  • der Enge des Raumes und
  • dem Mangel an Frischluftzufuhr (Details siehe Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene am Umweltbundesamt).

Die Exposition einer Einzelperson zu im Raum hochkonzentriert schwebenden infektiösen Partikeln kann durch MNS/MNB kaum gemindert werden, da die Aerosole an der Maske vorbei eingeatmet werden.

Beispielhafte Konstellationen für Kontaktpersonen der Kategorie I

  • Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichts- ("face-to-face") Kontakt mit einem Quellfall, z.B. im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören z.B. Personen aus demselben Haushalt (A)
  • Personen mit direktem Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten, insbesondere zu respiratorischen Sekreten eines Quellfalls, wie z.B. Küssen, Anhusten, Anniesen, Kontakt zu Erbrochenem, Mund-zu-Mund Beatmung, etc. (A)
  • Personen, die nach Risikobewertung durch das Gesundheitsamt mit hoher Wahrscheinlichkeit einer hohen Konzentration von infektiösem Aerosol im Raum ausgesetzt waren (z.B. Feiern, gemeinsames Singen oder Sporttreiben in Innenräumen ohne adäquate Lüftung) (B)
  • Optional: Personen in relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation mit dem bestätigten COVID-19-Fall (z.B. Schulklassen, Gruppenveranstaltungen), unabhängig von der individuellen Risikoermittlung (A, B)
  • Medizinisches Personal in einem Raum mit Kontakt zum Quellfall z.B. im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung (≤ 1,5 m) ohne adäquate Schutzausrüstung (A) (siehe unten)
  • Medizinisches Personal in einem Raum mit hoher Konzentration infektiöser Aerosole (z.B. Intubation oder Bronchoskopie) ohne adäquate Schutzausrüstung (B) (siehe unten)
  • Falls die Kontaktperson früher bereits selbst ein laborbestätigter Fall war, ist keine Quarantäne erforderlich. Es soll ein Selbstmonitoring erfolgen und bei Auftreten von Symptomen eine sofortige Selbst-Isolation und Testung. Bei positivem Test wird die Kontaktperson wieder zu einem Fall. In dieser Situation sollten alle Maßnahmen ergriffen werden wie bei sonstigen Fällen auch (inkl. Isolation).

Empfohlenes Management von Kontaktpersonen der Kategorie I

  • Ermittlung der persönlichen Daten der Kontaktpersonen und bei Veranstaltungen zusätzlich des Namens und der Telefonnummer des Ansprechpartners durch das Gesundheitsamt
  • Information der Kontaktpersonen zu Übertragungsrisiken und über das COVID-19-Krankheitsbild sowie mögliche Krankheitsverläufe
  • Häusliche Absonderung für 14 Tage (Quarantäne) - gerechnet ab dem letzten Tag des Kontaktes zum Quellfall
  • Ggf. kann die Absonderung unter Abwägung der Möglichkeiten und nach Risikobewertung des Gesundheitsamtes in einer anderen Einrichtung erfolgen
  • Die Quarantäne für Haushaltsmitglieder eines bestätigten Falles beträgt maximal 14 Tage – gerechnet ab dem Symptombeginn des Primärfalles
  • Im Haushalt nach Möglichkeit zeitliche und räumliche Trennung der Kontaktperson von anderen Haushaltsmitgliedern. Eine „zeitliche Trennung“ kann z.B. dadurch erfolgen, dass die Mahlzeiten nicht gemeinsam, sondern nacheinander eingenommen werden. Eine räumliche Trennung kann z.B. dadurch erfolgen, dass sich die Kontaktperson in einem anderen Raum als die anderen Haushaltsmitglieder aufhält
  • Häufiges Händewaschen, Einhaltung der Nies- und Hustenregeln
  • War der Kontakt in relativ beengter Raumsituation oder gab es eine schwer zu überblickenden Kontaktsituation, kann eine Quarantäneanordnung für alle Personen unabhängig von der individuellen Risikoermittlung sinnvoll sein (z.B. Schulklassen oder Gruppenveranstaltungen)
  • Gesundheitsüberwachung bis zum 14. Tag nach dem letzten Kontakt mit dem Quellfall in der infektiösen Periode (siehe 1.5.) auf folgende Weise:

    • Zweimal täglich Messen der Körpertemperatur durch die Kontaktperson selbst
    • Führen eines Tagebuchs durch die Kontaktperson selbst bezüglich Symptomen, Körpertemperatur, und Kontakten zu weiteren Personen:

      • Retrospektiv kumulativ oder, wenn möglich/erinnerlich, retrospektiv täglich (Beispiel eines „Tagebuchs“ auf den RKI-Seiten, www.rki.de/covid-19-kontaktpersonen).
      • Prospektiv täglich.
    • Regelmäßige Information des Gesundheitsamts zu der häuslichen Quarantäne sowie über den Gesundheitszustand, in Absprache mit dem Gesundheitsamt und orientierend am Einzelfall.
  • Entwickelt eine Kontaktperson innerhalb von 14 Tagen nach dem letzten Kontakt mit einem mutmaßlich infektiösen Quellfall eine Symptomatik vereinbar mit COVID-19, so gilt sie als krankheitsverdächtig und eine weitere diagnostische Abklärung muss erfolgen. Folgender Ablauf wird empfohlen:

    • Sofortige Kontaktaufnahme der Person mit dem Gesundheitsamt zur weiteren diagnostischen Abklärung und Besprechung des weiteren Vorgehens.
    • Isolation nach Maßgabe des Gesundheitsamtes. Dies kann eine häusliche Absonderung während der weiteren diagnostischen Abklärung unter Einhaltung infektionshygienischer Maßnahmen oder eine Absonderung in einem Krankenhaus umfassen.
    • In Absprache mit dem Gesundheitsamt ärztliche Konsultation, inklusive Diagnostik mittels einer geeigneten Atemwegsprobe gemäß den Empfehlungen des RKI zur Labordiagnostik (www.rki.de/covid-19-diagnostik) und ggf. Therapie.
  • Das Testen asymptomatischer Kontaktpersonen ist eine Einzelfallentscheidung nach Maßgabe des zuständigen Gesundheitsamts. Ein negatives Testergebnis hebt das Gesundheitsmonitoring nicht auf und ersetzt nicht eine Quarantäne. Die Testung sollte so früh wie möglich an Tag 1 der Ermittlung erfolgen, um mögliche Kontakte der positiv getesteten asymptomatischen Kontaktpersonen rechtzeitig in die Quarantäne zu schicken. Zusätzlich sollte 5-7 Tage nach der Erstexposition ein zweiter Test erfolgen, da zu diesem Zeitpunkt die höchste Wahrscheinlichkeit für einen Erregernachweis besteht.
  • Für Kontaktpersonen der Kategorie 1, die zu medizinischem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern gehören, gibt es in Situationen mit relevantem Personalmangel Optionen zum Management, siehe hier: www.rki.de/covid-19-hcw

Die nachfolgenden Tabellen sollen als Wegweiser, nicht als absolute Vorgabe dienen, um dem Gesundheitsamt im Einzelfall eine adäquate Entscheidung zu ermöglichen.

Tabelle 1: Einstufung von Kontaktpersonen als Kategorie I (KP1). (A) Auf Grund eines Kontakts im Nahfeld (<1,5 m) bzw. (B) bei Aufenthalt in einem Raum mit wahrscheinlich hoher Konzentration infektiöser Aerosole - unabhängig von der Entfernung zum Quellfall -.

AB
KP1Enger Kontakt (<1,5 m, Nahfeld)Kontakt unabhängig vom Abstand * (hohe Konzentration infektiöser Aerosole im Raum)
Dauer> 15 min (etwa)>30 min (etwa*)
Räum­lichkeitNicht relevantInnen­raum
und schlechte Lüftung
und längerer Auf­enthalt von Quellfall vor/zeitgleich mit längerem Aufenthalt von Kontakt­person(en)
Aero­sol­emissionSingen/lautes Sprechen >> normales Sprechen > AtmenSingen/lautes Sprechen >> normales Sprechen > Atmen

Tabelle 2: Reduktion des Infektionsrisikos und Änderung der Kontakt-Kategorie (von KP 1 in KP2) durch Schutzmaßnahmen

Reduktion des Infektionsrisikos
Allgemeinbevölkerung
Kann zu KP2 werden, wenn...AB
MNS/MNB# getragen wurde?
(in Situationen, in denen 1,5 m Mindest­abstand nicht eingehalten werden konnte)
Ja, wenn Quellfall und Kontaktperson MNS oder eine MNB# durchgehend und korrekt tragenNein, in dieser Situation ist durch Tragen eines MNS/MNB keine Änderung der Kontaktkategorie erreichbar.

Tabelle 3: Änderung der Kontakt-Kategorie (von KP1 in KP3) durch Schutzmaßnahmen (nur im medizinischen/pflegerischen Bereich).

Reduktion des Infektionsrisikos
Nur für medizinisches Personal im medizinischen/pflegerischen Setting
Kann zu KP3 werden, wenn...AB
...MNS/MNB# getragen wurde? Ja, wenn Kontakt­person (med. Personal) MNS durchgehend und korrekt trägt UND Quellfall MNS/MNB trägt #+ Nein, in dieser Situation ist durch Tragen eines MNS durch die Kontaktperson bzw. MNS/MNB durch den Quellfall keine Änderung der Kontakt­kategorie erreichbar
...eine per­sön­liche Schutz­aus­rüstung (ent­sprechend BAuA-Empfehlung) getragen wurde?Ja, wenn von Kontakt­person getragen (ob Quellfall MNS/MNB trägt, hat keinen weiteren Einfluss)Ja, wenn von Kontakt­person getragen (ob Quellfall MNS/MNB trägt, hat keinen weiteren Einfluss)

*die Faktoren Anzahl potentiell infektiöser Personen im Raum, Lüftung/Frischluftzufuhr, Raumvolumen, Aufenthaltsdauer (von Quellfall und. Kontaktperson), Aerosolproduktion sowie Infektiosität (als Proxy: Erkrankungstag) des Quellfalls müssen gegeneinander abgewogen werden. Absolute Angaben können nicht gemacht werden.

# wenn folgende Bedingungen erfüllt werden: (1) MNS oder eine MNB nach Definition wie bei BfArM (oder nach neuem Eurostandard (CWA 17553)) UND (2) wenn diese durchgehend und korrekt, d.h. enganliegend und sowohl über Mund und Nase getragen wurde.

+ Falls kein(e) MNS/MNB beim Quellfall, individuelle Entscheidung basierend auf der jeweiligen Expositionssituation gemäß Einschätzung des Gesundheitsamtes

2.2. Kontaktpersonen der Kategorie II (geringeres Infektionsrisiko)

Keine Exposition wie unter Kontaktkategorie I beschrieben (A, B), aber eine Exposition ist dennoch möglich.

Beispielhafte Konstellationenfür Kontaktpersonen der Kategorie II:

  • Nahfeldexposition (< 1,5 m) weniger als 15 Minuten
  • Quellfall und Kontaktperson tragen MNS oder eine MNB durchgehend und korrekt in Situationen, in denen 1,5 m Mindestabstand nicht eingehalten werden konnte. Folgende Bedingungen müssen dabei erfüllt sein: (1) MNS oder eine MNB nach Definition wie bei BfArM (oder nach neuem Eurostandard (CWA 17553)) UND (2) wenn diese durchgehend und korrekt, d.h. enganliegend und sowohl über Mund und Nase getragen wurde.
  • Kurzzeitiger Aufenthalt (Anhaltswert < 30 min) in einem Raum mit hoher Konzentration infektiöser Aerosole

Empfohlenes Vorgehen für das Management von Kontaktpersonen der Kategorie II

  • Falls gemäß Risikoeinschätzung des Gesundheitsamtes als sinnvoll angesehen, ist optional möglich:

    • Information zu COVID-19, insbesondere zu Kontaktreduktion und Vorgehen bei eintretender Symptomatik

2.3. Kontaktpersonen der Kategorie III (nur bei medizinischem Personal anzuwenden)

Hintergrund:
Unerkannte Infektionen bei medizinischem Personal stellen eine potentielle Gefährdung für die Betroffenen, ihre Angehörigen, andere Mitarbeitende sowie für die von ihnen betreuten Patienten dar und können zu nosokomialen Übertragungen führen. Personen in der Pflege und medizinischen Versorgung sind im Rahmen ihrer Tätigkeit regelmäßig in engem Kontakt mit einer großen Zahl von Personen mit chronischen Grundkrankheiten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf (vulnerable Gruppen). Der Schutz des medizinischen Personals ist daher zusätzlich zu den allgemeinen Arbeitsschutzanforderungen auch in Bezug auf die Sicherstellung der medizinischen Versorgung und der Prävention von nosokomialen Übertragungen von besonderer Bedeutung.

Die organisatorischen Maßnahmen und die persönliche Schutzausrüstung (PSA) sowie Empfehlungen des RKI „Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2“ und „Erweiterte Hygienemaßnahmen im Gesundheitswesen im Rahmen der COVID-19 Pandemie“ für medizinisches Personal dienen einer Minimierung des Infektionsrisikos. Bei Einhaltung der empfohlenen Schutzmaßnahmen besteht daher kein Anlass für eine Absonderung nach Kontakt mit einem COVID-19-Patienten. Die „Empfehlungen der BAuA und des ad-Hoc Arbeitskreises „Covid-19“ des ABAS zum „Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2“ dienen in erster Linie dem Arbeitnehmerschutz.

Hinweise zum niederschwelligen Testung von medizinischem Personal siehe nationale Teststrategie. Trotz gewissenhafter Umsetzung der Schutzmaßnahmen und ausreichendem Training können Fehler in der Handhabung und damit eine Exposition nicht vollständig ausgeschlossen werden. Daher wird medizinisches Personal mit engem Kontakt zu bestätigten Fällen von COVID-19 (inklusive asymptomatischer Fälle mit labordiagnostischem Nachweis von SARS-CoV-2) bei Einsatz von adäquaten Schutzmaßnahmen den Kontaktpersonen der Kategorie III zugeordnet (s. Tabelle 1).

Beispielhafte Konstellationen für Kontaktpersonen der Kategorie III

  • Medizinisches Personal im medizinischen/pflegerischen Setting mit Kontakt ≤ 1,5 m (z.B. Fall im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung), wenn eine adäquate persönliche Schutzausrüstung während der gesamten Zeit des Kontakts getragen wurde
  • Medizinisches Personal mit Kontakt ≤ 1,5 m (z.B. im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung) in einem Raum ohne hohe Konzentration infektiöser Aerosole, wenn neben dem Personal auch der COVID-19-Fall (Patient(en) bzw. ggf. anderes medizinisches Personal) MNS/MNB trugen.
  • Medizinisches Personal mit Kontakt > 1,5 m ohne adäquate Schutzbekleidung, ohne direkten Kontakt mit Sekreten oder Ausscheidungen der/des Patientin/en und nicht (oder nur kurzzeitig) in einem Raum mit hoher Konzentration infektiöser Aerosole
  • Kontaktpersonen mit Kontakt gemäß Kategorie II durch Exposition im privaten Umfeld mit beruflicher Tätigkeit im medizinischen/pflegerischen Setting

Empfohlenes Vorgehen für das Management von Kontaktpersonen der Kategorie III

Kernprinzipien:
Sensibilisierung, Information und Schulung der Beschäftigten sowie Erfassung und aktives Monitoring aller Kontaktpersonen von wahrscheinlichen oder bestätigten Fällen mit COVID-19 (inklusive asymptomatischer Fälle mit labordiagnostischem Nachweis von SARS-CoV-2).

Empfohlene Maßnahmen:

Maßnahmen sollten durch das Hygienefachpersonal in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt und dem Gesundheitsamt durchgeführt werden.

  • Gemäß Absprache mit dem Gesundheitsamt Information an das Gesundheitsamt über Kontaktpersonen unter dem Personal.
  • Bei Auftreten von Symptomen (auch unspezifischen Allgemeinsymptomen) sofortige Freistellung von der Tätigkeit, Befragung der Beschäftigten über mögliche Expositionssituationen (z.B. Probleme beim Einsatz der PSA), namentliche Meldung an das Gesundheitsamt und Isolation der Betroffenen bis zur diagnostischen Klärung (siehe "Empfehlungen des RKI zur Meldung von Verdachtsfällen von COVID-19").
  • Wegen der gravierenden Implikationen sollte jede/r Beschäftigte/r mit Kontakt zu bestätigten Fällen mit COVID-19 angehalten werden, fortlaufend ein Tagebuch zu führen, in dem die angewendete persönliche Schutzausrüstung, und das Ergebnis der Selbstprüfung auf Symptome festgehalten werden (Beispiel eines Tagebuchs siehe www.rki.de/covid-19-kontaktpersonen).
  • Bei Exposition ohne adäquate Schutzausrüstung oder selbst wahrgenommener Beeinträchtigung der Schutzmaßnahmen sofortige Mitteilung an den Betriebsarzt/ärztin sowie an die/den Krankenhaushygieniker/in, Information des Gesundheitsamtes und je nach Risikoeinschätzung ggf. Absonderung zu Hause (s.o. Kontaktpersonenmanagement für Kontaktpersonen der Kategorie I).

Synopse Kontaktpersonenmanagement

Kategorie IKategorie IIKategorie III
In­fek­tions­risiko++++

Prä­ven­ti­ves Po­ten­zial
++++++
Art der Kontakt­person
  • Person mit ≥15 Min. face-to-face Kontakt (≤1,5 m Nahfeld)
  • Längere Ex­position (z.B. 30 Minuten) in einem Raum mit hoher Kon­zen­tration infektiöser Aero­sole
  • Direkter Kontakt zu Sekreten
  • Med. Per­so­nal im medi­zi­ni­schen/ pfle­ge­rischen Setting ≤1,5 m, ohne adä­quate Schutz­aus­rüstung
  • Med. Personal >1,5 m, ohne adäquate Schutz­aus­rüstung mit di­rek­tem Kon­takt zu Se­kre­ten oder Aus­schei­dun­gen der/des Pa­tien­tin/en oder längerer Aufenthalt in einem Raum mit hoher Kon­zen­tration infek­tiöser Aerosole
  • Per­so­nen <15 Min. face-to-face Kontakt (ku­mu­la­tiv)
  • KEINE längere Expo­sition (z.B. unter 30 Minu­ten) in einem Raum mit hoher Kon­zen­tration infek­tiöser Aero­sole
  • Quellfall und Kontakt­person tragen MNS oder eine MNB# durch­gehend und korrekt in Situa-tio­nen, in denen 1,5 m Mindest­ab­stand nicht ein­ge­halten werden konnte 
  • Med. Per­sonal im medi­zi­ni­schen/ pfle­ge­ri­schen Setting ≤1,5 m, mit adä­quater Schutz­ausrüstung
  • Med. Per­so­nal >1,5 m, ohne adäquate Schutz­aus­rüstung, ohne direk­ten Kon­takt zu Se­kreten oder Aus­schei­dungen der/des Pa­tien­tin/en und nicht (oder kurzzeitig) in einem Raum mit hoher Kon­zen­tration infek­tiöser Aerosole
  • Kontakt ≤ 1,5 m bei Tragen von me­dizi­ni­schem MNS bei sowohl Per­sonal als auch MNS/MNB# bei Patient(en) in einem Raum ohne hohe Konzen­tra­tion infek­tiöser Aero­sole oder nur kurz­zeitige Ex­po­sition
  • Kontakt­per­sonen mit Kontakt gemäß Kate­gorie II durch Ex­po­si­tion im pri­vaten Um­feld mit be­ruf­licher Tätig­keit im medi­zi­ni­schen/ pfle­ge­ri­schen Setting
Er­mitt­lung, na­ment­liche Re­gistrie­rung durch das Gesund­heitsamt
  • Ja
  • Nein
  • Nein
Info über Krank­heit und Über­tra­gung
  • Ja
  • Optional
  • Ja
Kontakt­re­duk­tion erforderlich?
  • häus­liche Ab­son­derung (Quaran­täne) unter Ab­wä­gung der Mög­lich­keiten und nach Risiko­bewer­tung des Gesund­heits­amtes (GA)
  • Ja
  • Nein
Gesund­heits­über­wachung
  • Regel­mäßiger Kontakt mit Gesund­heits­amt
  • 2x täglich Messung der Körper­tem­pera­tur, Tage­buch zu Sympto­men
  • Ab Auf­treten einer Sympto­ma­tik:

    • sofor­tiger Kontakt zu GA
    • Isola­tion gemäß GA
    • Retro- und pro­spek­tiv Kontakt­per­sonen no­tieren
  • ab Auf­treten einer Sympto­ma­tik:

    • sofor­tiger Kon­takt zu GA
    • Isolation gemäß GA
    • Retro- und pro­spek­tiv Kontakt­per­sonen no­tieren
  • Tägliches Selbst­monitoring

 

  • ab Auf­treten einer Sympto­ma­tik:

    • sofor­tiger Kontakt zu GA
    • Isolation gemäß GA
    • Retro- und prospek­tiv Kontakt­per­sonen no­tieren
Testung
  • Testung sympto­ma­tischer Kontakt­per­sonen
  • Testung asympto­ma­tischer Kontakt­per­sonen ist eine Einzel­fall­ent­scheidung
  • Testung sympto­matischer Kontakt­personen
  • Testung sympto­matischer Kontakt­personen

Stand: 16.11.2020

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