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Empfehlungen für Gesundheitsämter zu Prävention und Management von COVID-19-Erkrankungen in Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Schutzsuchende (im Sinne von §§ 44, 53 AsylG)

Stand: 19.5.2022

Änderung gegenüber der Version vom 25.01.2022: Anpassung an ab dem 02.05.2022 gültige Isolations- und Quarantäneregelungen des Bundes.

Hintergrund

Das Übertragungsrisiko virusbedingter Erkrankungen der Atemwege ist in Aufnahmeeinrichtungen (AE) und Gemeinschaftsunterkünften (GU) besonders hoch, da hier viele Menschen auf engem Raum zusammen leben und Wohn-, Küchen-, Ess- und Sanitärräume gemeinsam nutzen. Grundsätzlich gelten für schutzsuchende Menschen die allgemeinen Standards für die Prävention und das Ausbruchsmanagement des Robert Koch-Instituts. Zudem müssen die rechtlichen Kontaktbeschränkungen, die als Maßnahmen gegen eine Ausbreitung der COVID-19-Pandemie in Deutschland gelten, für Menschen in AE und GU umsetzbar sein. Notwendig ist der Zugang zu Informationen über COVID-19 sowie zu aktuellen Empfehlungen. Hohe Priorität hat während der Pandemie vor dem Hintergrund des hohen Ausbruchspotentials in AE und GU ein umfassendes Impfangebot gemäß aktueller STIKO-Empfehlung mit entsprechender Aufklärung und die frühzeitige Identifikation und Information aller Risikopersonen. Auch der Zugang zu Testung sollte sichergestellt und medizinische Masken (FFP2, Mund-Nasen-Schutz (MNS)) verfügbar sein.
Diese Empfehlungen richten sich auf Grundlage der jeweils geltenden infektionsschutzrechtlichen Vorschriften an die Gesundheitsämter. Die Belange der Gesundheits- und Innenressorts des Bundes und der Länder haben Berücksichtigung gefunden. Die asylrechtlichen Vorschriften, insbesondere das Asylbewerberleistungsgesetz, bleiben unberührt.

Vorgehen

Wegen des erhöhten Risikos einer raschen Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektion in einer AE und GU wird empfohlen, dass das zuständige Gesundheitsamt bereits vor dem Auftreten eines Falls vorsorglich Maßnahmen mit dem jeweiligen Betreiber bespricht. Die notwendige räumliche Trennung von a) nachweislich positiv getesteten Personen (zur Isolierung), b) Kontakten und Verdachtsfällen (zur Ermöglichung der Kontaktreduzierung) sowie c) Nicht-Fällen muss im Vorfeld gut vorbereitet sein, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern und die Menschen vor einer Infektion zu schützen. Bei Auftreten einer SARS-CoV-2-Infektion bei Bewohner:innen oder Personal in einer AE oder GU muss unverzüglich gehandelt werden. Zuständig für die Anordnungen von konkreten Absonderungs- und sonstigen Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz ist das jeweilige Gesundheitsamt. Da die örtlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich sein können, müssen für jede AE oder GU individuell sachgerechte Lösungen gefunden werden, die u.a. die konkrete epidemiologische Lage in der betroffenen Umgebung berücksichtigen. Die vorliegenden Empfehlungen sollen eine Hilfestellung für Gesundheitsämter sein und können entsprechend angepasst werden. Gute Vorbereitung und Kommunikation sind zentral für ein effektives und verantwortungsvolles Handeln.

Präventionsmaßnahmen vor Auftreten einer Infektion

Kommunikation

Bewohner:innen und Personal (z. B. Mitarbeitende, aber auch Ehrenamtliche und externe Dienstleistende) müssen präventiv umfassend in geeigneter Weise (z. B. mündlich, schriftlich, digital) über die Erkrankung, allgemeine Schutz- und Präventionsmaßnahmen (inkl. Testung und Impfung) und Verhalten im Erkrankungsfall aufgeklärt werden. Informationen dienen der Vorbeugung von Ängsten, Unsicherheiten und Missverständnissen und sollen die Umsetzung geeigneter Maßnahmen fördern um eine gezielte Prävention zu ermöglichen.

  • COVID-19-Informationen sollten in möglichst allen von den Bewohner:innen in der AE oder GU verstandenen Sprachen zur Verfügung stehen. Neben schriftlichen Informationen sind auch, etwa im Internet verfügbare, Audioformate und/oder digitale Formate möglich, um die unterschiedlichen Bedarfe der Bewohner:innen abzudecken (möglichen Analphabetismus berücksichtigen). Es sollen auch Lösungen für ggf. vor Ort untergebrachte gehörlose oder sehbehinderte Menschen geschaffen werden.
    PDF-Vorlagen gibt es u.a. hier:

  • Für die Information und Aufklärung der Bewohner:innen ist eine bedarfsgerechte Sprachmittlung dringend empfohlen (z. B. vor Ort, telefonisch oder per Video). Sobald die Behörde in die Rechte einer der deutschen Sprache unkundigen Person eingreift (z. B. Absonderung), ist die Hinzuziehung von Sprachmittlung dringend empfohlen.
  • Inhalte der Informationen sind zum Beispiel:

    • Aufklärung über die Übertragungswege und die möglichen Krankheitsverläufe
    • Informationen darüber, dass Infektionen mild bis asymptomatisch verlaufen können. Einer Phase mit leichten Symptomen kann jedoch später eine Phase mit schweren Symptomen und starkem Krankheitsgefühl folgen. Eine große Bedeutung hat die Übertragungen von infektiösen Personen, wenn sie bereits Krankheitszeichen (Symptome) entwickelt haben. Es kann aber auch durch Personen mit leichteren Symptomen oder Personen ohne Symptome zu einer Übertragung der Infektion kommen
    • Informationen und Aufklärung zur COVID-19-Impfung einschließlich dem Hinweis, dass auch die Impfung nicht vollständig vor einer SARS-CoV-2-Übertragung, wohl aber vor schweren COVID-19-Krankheitsverläufen schützt
    • Erklärung der AHA+A+L-Regel (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske, Corona-Warn-App, Lüften)
    • Anlassbezogene Anleitung zum Tragen medizinischer Masken (FFP2 (KN95 oder N95), Mund-Nasen-Schutz)
    • Aufklärung darüber, dass ältere Menschen und Menschen mit spezifischen Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungsverläufe haben
    • Erklärung, warum positiv Getestete nicht immer eine Behandlung benötigen
    • Informationen darüber, in welchen Situationen medizinische Hilfe aufgesucht werden sollte und an wen sich gewendet werden kann
    • Informationen über Möglichkeiten zur Testung

Risikopersonen

Für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ist die größtmögliche Minderung des Risikos für eine Infektion besonders wichtig. Durch ein entsprechendes Konsultations- und Diagnostikangebot sollten die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf möglichst umfassend und frühzeitig identifiziert werden. Eine Aufklärung über die Risikofaktoren mit einer entsprechenden Sprachmittlung für alle Bewohner:innen einschließlich des Personals wird empfohlen.

  • Für Personen, die noch keine COVID-19-Impfung erhalten haben, sollte umgehend ein Impfangebot unter Berücksichtigung der aktuellen STIKO-Empfehlung organisiert werden.
  • Es wird dringend empfohlen, Personen, die erwartbar nicht ausreichend auf eine COVID-19-Impfung ansprechen (z. B. Personen unter ausgeprägter immunsuppressiver Therapie nach Organtransplantation oder aufgrund von Krebserkrankungen) ggf. auch mit ihren engen Angehörigen präventiv möglichst für die Dauer der gesamten Pandemie separat unterzubringen oder ihnen dies zumindest anzubieten, um für sie das Risiko einer Infektion zu reduzieren. Dazu sollten besondere Schutzmaßnahmen wie ein eigener Sanitärbereich, z. B. die von übrigen Personen getrennte Einnahme der Mahlzeiten auf den Zimmern bzw. in dem eigenen Wohnbereich sichergestellt werden. Ziel der separierten Unterbringung ist die unbedingte Kontaktreduktion mit Meidung hochfrequentierter Gemeinschaftsräume und Schaffung einer Möglichkeit zur Selbstisolation. Es wird dringend empfohlen Risikopersonen ggf. mit Hilfe von Sprachmittlung über ihr erhöhtes gesundheitliches Risiko und die Notwendigkeit und Dauer der separaten Unterbringung aufzuklären.

Kontaktreduktion und Schutzverhalten

Die räumlichen Bedingungen sollten eine physische Distanzierung (mind. 1,5 m Abstand), ausreichendes Lüften und eine Kontaktreduzierung zulassen.

  • In einem Zimmer sollten möglichst nur Personen aus einer Familie bzw. enge Bezugspersonen zusammen untergebracht werden. Es wird empfohlen, alle anderen Personen in weniger belegten Zimmern unterzubringen. Dies kann z. B. durch eine Reduzierung der Belegung der Unterkunft realisiert werden. Ein Wechsel der Belegung sollte vermieden werden. Geeignete Maßnahmen zur Herstellung dieser räumlichen Bedingung oder der physischen Distanzierung dienende Umstände sollten schnellstmöglich ergriffen werden.
  • In AE und GU ist es für die Betriebsfähigkeit der Einrichtung notwendig, dass Bewohner:innen und Personal sich selbst und andere schützen können. Es wird daher dringend empfohlen, dass genügend Materialien wie z. B. Seife, Einwegpapiertücher und medizinische Masken (Mund-Nasen-Schutz, FFP2) zur Verfügung gestellt werden oder von den Bewohner:innen beschafft werden können.
  • Gemeinsam genutzte bzw. öffentlich zugängliche Räume: Es können Pläne für eine zeitlich gestaffelte Nutzung von gemeinsam genutzten Räumen (z. B. Küchen, Sanitär-, Wäsche-, Fernseh-, Lernräume) erstellt und möglichst unter Mitwirkung der Bewohner:innen umgesetzt werden. Besondere Bedarfe von Familien mit kleinen Kindern sollten dabei berücksichtigt werden. Je nach baulichen Gegebenheiten können Einbahnregelungen in Korridoren oder auf Zugangswegen zu öffentlich zugänglichen Räumen (z. B. Cafeteria) sinnvoll sein.
  • Hygienepläne der Einrichtungen sind zu beachten und müssen bedarfsentsprechend fortlaufend aktualisiert werden.

Etablierung eines Infektionsschutzteams

Zusätzlich zu in den Einrichtungen bestehenden Infektionsschutzmaßnahmen wird empfohlen, ein Team zur Umsetzung von Präventionsmaßnahmen und zur Durchführung des Ausbruchsmanagements zu bilden. Dadurch wird im Ausbruchsgeschehen ein strukturiertes Vorgehen erleichtert. Hierbei ist es sinnvoll, dass neben Vertreter:innen des Gesundheitsamts und der Einrichtung (Leitung) z. B. auch Vertreter:innen der Sozialarbeit, der psychosozialen Versorgung und der Bewohner:innen, sowie Sprachmittelnde zum Infektionsschutzteam gehören. Zuständigkeiten sollten klar festgelegt sein. Auch der Einsatz von Bewohner:innen als Multiplikator:innen hat sich bewährt. Eine Vernetzung der Einrichtung mit dem entsprechenden örtlichen Hilfesystem (Psychosoziale Zentren, Suchtberatungsstellen etc.) wird sowohl im Hinblick auf die Krisensituationen als auch auf die präventiven Maßnahmen empfohlen.

Räumliche Trennung

Um im Ausbruchsfall das Ziel der räumlichen Trennung in verschiedene Bereiche zeitnah realisieren zu können, sollten vorsorglich separate Unterbringungsmöglichkeiten vorgehalten werden (siehe oben). Eine weitere Möglichkeit könnte, je nach regionalen Voraussetzungen, die Schaffung einer gemeinsamen Isolationseinheit für alle Fälle aus Einrichtungen einer Region sein.

  • Um während der Isolierung von Erkrankten eine medizinische Versorgung inklusive Rufdienst am Wochenende vorhalten zu können müssen entsprechende Vorbereitungen getroffen werden.
  • Es wird dringend empfohlen, Möglichkeiten der Einzelunterbringung sowie einer eventuell notwendigen Selbstisolation zu schaffen.
  • Soweit die räumlichen Bedingungen es zulassen, wird die Bildung kleiner Kohorten mit jeweils eigenem Sanitär- und, je nach Art der Unterkunft, Küchenbereich dringend empfohlen. Ist die Versorgung mit den Mahlzeiten zentral organisiert, dann sollten Speisesäle pandemiegerecht ausgestaltet und ggf. durch die Kohorten zu unterschiedlichen Zeiten genutzt werden können.
  • Es wird empfohlen Personalpläne entsprechend den Bereichen anzupassen. Personal mit perspektivisch mehrmaligem individuellem Kontakt zu den Bewohner:innen sollte nach Möglichkeit den Bereichen fest zugeteilt sein.

Medizinische Versorgung vor Ort

Eine medizinische Versorgung vor Ort mit Testkapazität erleichtert die Identifikation und Versorgung von Erkrankten und die SARS-CoV-2-Testung in der Einrichtung (Hinweise zum Testen des RKI).

Psychosoziale Versorgung

Bewohner:innen können auf Grund besonderer Belastungen vor, während und nach der Flucht einen erhöhten Bedarf an psychosozialer Versorgung haben. Pandemiebedingte Stressoren wie die Sorge um die eigene Gesundheit und soziale Isolation stellen eine zusätzliche Belastungssituation dar. Es wird dringend empfohlen, dem erhöhten individuellen Bedarf an psychosozialer Versorgung durch psychosoziale und sozialbetreuerische Versorgungsangebote (auch telefonisch oder digital) Rechnung zu tragen. Dabei sollte insbesondere auch an zugängliche und altersgerechte Angebote für Kinder und Jugendliche gedacht werden.

Neuzugänge

Für Quarantäneregelungen für aus dem Ausland Einreisende und allgemeine Einreisebestimmungen verweisen wir auf die jeweils gültigen Bestimmungen des Bundesministeriums für Gesundheit. Wird im Einzelfall eine Quarantäne ausgesprochen, sollte ein Symptom-Monitoring (Symptom-Tagebuch in 5 Sprachen) erfolgen. Personen mit COVID-19-verdächtigen Symptomen müssen zur Entscheidung über das weitere Vorgehen und eine Testung zeitnah ärztlich vorgestellt werden.

  • Bei nicht bestehendem Impfschutz sollte umgehend ein Impfangebot organisiert werden.
  • Ob ein systematisches Eingangsscreening erfolgt, sollte je nach epidemischer Lage und nach individueller Risikoeinschätzung entschieden werden.
  • Bei starkem Infektionsgeschehen ist eine Testung aller Personen vor Eintritt in die Einrichtung empfohlen (alternativ ist auch ein Testnachweis möglich, der nicht älter als 48h (PCR) bzw. 24h (Antigen-Schnelltest) ist.
  • Kriterien für die individuelle Risikoeinschätzung sind zum Beispiel die Verlegung aus einer Einrichtung mit einem oder mehreren bekannten COVID-19-Fällen, Einreise aus einem Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet, vorhandene Symptome einer COVID-19-Erkrankung oder der Impfstatus der Personen.
  • Falls eine systematische Testung aller Neuzugänge unter Berücksichtigung des Impfstatus der Personen durchgeführt wird, gilt zu beachten, dass die Aussagekraft eines negativen Tests eingeschränkt ist (negativ Getestete können noch in der Inkubationszeit sein, bzw. unmittelbar nach einem negativen Testergebnis eine Infektion erwerben).
  • Es wird dringend empfohlen, Zugehörige zu Risikogruppen bei Ankunft z. B. durch Abfrage relevanter Vorerkrankungen möglichst zu identifizieren und gemäß den Empfehlungen zur Prävention möglichst frühzeitig und mit ihren engen Familienangehörigen separat unterzubringen.

Impfangebote

Eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19 zum Individualschutz aber auch zur Verhinderung von Ausbrüchen stellen Impfungen dar. Bewohner:innen und Personal in AE und GU haben die Möglichkeit sich kostenfrei gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlungen gegen COVID-19 impfen zu lassen. Bewohner:innen müssen über Impfangebote mit Hilfe von Sprachmittlung informiert werden. Wenn es kein (mobiles) Impfangebot vor Ort gibt, muss sichergestellt sein, dass die lokalen Angebote erreichbar sind. Dies umfasst Sprachmittlung, Internetzugang und Unterstützung bei der Registrierung, Transport zum Impfzentrum oder Praxis. Auch sollten Ansprechpersonen für Fragen zur Impfung zur Verfügung stehen.

Impfaufklärungsmaterial zur COVID-19-Impfung steht auf der RKI-Webseite in vielen Sprachen zur Verfügung.

COVID-19-Impfung und Masernimpfpflicht

Da bei der Masernimpfung ein Lebendimpfstoff verabreicht wird, sollte die Masernimpfung nicht zeitgleich mit der COVID-19-Impfung erfolgen. Vielmehr soll ein Impfabstand von 14 Tagen eingehalten werden. In der aktuellen epidemiologischen Situation ist davon auszugehen, dass in Deutschland das Infektionsrisiko für SARS-CoV-2 momentan deutlich höher ist als für Masern. Eine Ausnahme kann ein in den Einrichtungen bekannt gewordener Masernausbruch sein. Es kann sinnvoll sein, neu ankommenden Bewohner:innen die COVID-19-Impfung noch vor der Masernimpfung anzubieten. Die nach dem Masernschutzgesetz erforderliche Masernimpfung kann dann erst 14 Tage nach der 2. Impfstoffdosis der COVID-19-Impfung verabreicht werden. Das höchste Risiko schwer an Masern zu erkranken haben Kinder im Alter von <5 Jahren. Da für diese Altersgruppe noch kein COVID-19-Impfstoff zugelassen ist, ergibt sich für diese Altersgruppe keine Kollision mit der Masernimpfpflicht.

Testmöglichkeiten

Bewohner:innen und Personal sollen über die Sinnhaftigkeit regelmäßiger Antigen-Schnelltests in AE und GU und lokale Testmöglichkeiten informiert werden. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass es sich um ein freiwilliges Angebot handelt. Es müssen klare Anweisungen in den jeweiligen Sprachen vorliegen, wie im Falle eines positiven Schnelltests verfahren werden soll.

Ausbruchsmanagement

Aufgrund der Vielzahl von asymptomatisch Erkrankten, enger Lebensbedingungen und gemeinsam genutzter Räume in vielen AE oder GU wird dringend empfohlen, bereits beim Auftreten von einer nachgewiesenen SARS-CoV-2 Infektion unverzüglich zu untersuchen, ob es zu einem Ausbruch gekommen ist. Um Fälle möglichst früh identifizieren zu können, sollten für alle Personen mit akuten respiratorischen Symptomen niedrigschwellig Tests auf SARS-CoV-2 angeboten werden. Für die Testung sind bezüglich Probenmaterial und Transport Absprachen mit dem für die Einrichtung zuständigen Gesundheitsamt zu treffen. Nach Entscheidung des Gesundheitsamts wird umgehend eine räumliche Trennung in drei Bereiche von a) nachweislich positiv getesteten Personen (notwendig: Unterbringung in Isolation), b) Kontakten und Verdachtsfällen (zur Ermöglichung der Kontaktreduzierung) sowie c) Nicht-(Verdachts-)Fällen/Nicht-Kontakten veranlasst.

Auch Familien sollten die Möglichkeit einer je nach Infektionsstatus getrennten Unterbringung haben. Wenn der Wunsch nach gemeinsamer Unterbringung besteht, sollte dies in ausreichend großen Zimmern geschehen. Die Trennung in drei Bereiche kann auch durch den Betrieb von gesonderten Quarantäneunterkünften umgesetzt werden. Symptomatische Verdachtsfälle müssen zeitnah getestet, bis zum Vorliegen des Ergebnisses isoliert, gesondert untergebracht und medizinisch versorgt werden.

Kommunikation zum und im Ausbruchsgeschehen

Eine gute Kommunikation ist essentiell, um Verständnis und eine möglichst hohe Mitwirkung zu erzielen sowie Ängsten, Missverständnissen, Unverständnis und negativen Entwicklungen wie Nichteinhalten von oder Widerstand gegen Maßnahmen vorzubeugen. Es ist wichtig, dass Bewohner:innen und Personal engmaschig in den notwendigen Sprachen ggf. in Zusammenarbeit mit psychosozialen Zentren über die Situation in der Unterkunft und die laufenden Maßnahmen informiert werden. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass vermittelte Informationen (z. B. schriftliche Informationen, Nutzung von Symbolen, digitale Informationen, mündliche Informationen durch Personal/Multiplikator:innen/Peers) für alle Bewohner:innen geeignet und zugänglich sind (z. B. gesprochene Sprachen und möglichen Analphabetismus berücksichtigen). Es wird empfohlen Bewohner:innen Zugang zu Informationen und die Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten durch entsprechende Medien (z. B. Internet, Fernsehen, Printmedien) zu ermöglichen.

Fallsuche

In einem Ausbruchsgeschehen müssen alle SARS-CoV-2-positiven Personen in der Einrichtung identifiziert werden. Dazu werden Bewohner:innen und Personal daraufhin sensibilisiert, ein tägliches Symptom-Monitoring durchzuführen. Bei COVID-19-verdächtigen Symptomen sollten unter Gewährleistung der Vertraulichkeit umgehend eine ärztliche Vorstellung und eine Abklärung auf SARS-CoV-2 erfolgen. Die Fallsuche sollte fachlich durch das Gesundheitsamt unterstützt werden.

Umgang mit Fällen

Verdachtsfälle und labordiagnostisch bestätigte COVID-19-Fälle müssen von einem Arzt oder einer Ärztin ggf. unter Einbeziehung von Sprachmittlung über die Diagnose bzw. Verdachtsdiagnose und damit verbundene Maßnahmen aufgeklärt und unverzüglich ggf. mit ihren engen Familienangehörigen isoliert werden. Dies gilt sowohl für Bewohner:innen als auch für Personal. Je nach Schwere der Erkrankung kann eine Isolierung außerhalb der Einrichtung oder im Krankenhaus notwendig sein. In jedem Fall ist für eine regelmäßige medizinische Betreuung zu sorgen. Falls nicht bereits erfolgt, ist eine Abklärung von Vorerkrankungen notwendig, um ein ggf. erhöhtes Risiko und medizinischen Betreuungsdarf zu erkennen. Zur Dauer der Isolierung wird auf die derzeit geltenden Empfehlungen des Bundes zu Isolierung und Quarantäne- bei SARS-CoV-2-Infektion und -Exposition verwiesen.

Umgang mit Kontaktpersonen

Mit Kontaktpersonen (im Sinne von Haushaltsangehörigen auf Grund der oft engen Wohnbedingungen in Gemeinschaftsunterkünften) ist entsprechend der derzeit geltenden Empfehlungen des Bundes zu Isolierung und Quarantäne bei SARS-CoV-2-Infektion und -Exposition zu verfahren. Alle Kontaktpersonen erhalten Informationen zu COVID-19, insbesondere zu Kontaktreduktion, Schutzmaßnahmen und Vorgehen bei eintretender Symptomatik.

Dokumentation

Das Gesundheitsamt veranlasst bei einem Ausbruchsgeschehen das Anlegen einer strukturierten Liste, in der alle Fälle und Kontaktpersonen (Bewohner:innen und Personal) nach Zeit, Ort und Person dokumentiert werden. Diese Linelist wird mit räumlichen, zeitlichen, sowie personenbezogenen Informationen geführt, damit die Infektionsketten nachvollzogen werden und alle Personen entsprechend informiert werden können. Eine Muster-Linelist sollte bei den Unterkünften hinterlegt werden. Diese kann dann auf Veranlassung des Gesundheitsamtes sofort ausgefüllt und dem Gesundheitsamt für weitere Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden.

Partizipative Umsetzung der Maßnahmen

Eine aktive Einbindung und Beteiligung der Bewohner:innen an der Umsetzung der Maßnahmen wird empfohlen. Dies kann z. B. in Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitenden erfolgen. Dieser Ansatz ist deutlich effizienter als Infektionsschutz durch Zwangsmaßnahmen. Durch Zwangsmaßnahmen und Isolation kann eine (Re-)Traumatisierung erfolgen.

  • Bewohner:innen können die Rolle von Multiplikator:innen übernehmen und als Peers beteiligt werden (Ansprechpersonen, Information, Beratung).
  • Bewohner:innen können bestimmte Aufgaben wie z. B. das (Selbst-)Monitoring der Symptome (Symptom-Tagebuch in 5 Sprachen), Fiebermessen und Dokumentation übernehmen.

Gemeinschaftlich genutzte Räume

Wenn die räumlichen Gegebenheiten die Einhaltung der Abstandsregeln nicht zulassen, sollte der Aufenthalt in Gemeinschaftsräumen (z.B. Küchen, Sanitär-, Wäsche-, Fernseh-, Lernräumen) möglichst reguliert erfolgen (z. B. max. Anzahl von Personen in einem Raum). Weiterhin sollte allen Beteiligten ein adäquater Schutz vor einer Infektion (z. B. eine medizinische Maske entsprechend der lokalen aktuellen Verordnung) ermöglicht werden. Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, sollten Hygienemaßnahmen entsprechend der Hinweise zu Reinigung und Desinfektion von Oberflächen außerhalb von Gesundheitseinrichtungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie wie z. B. erhöhte Reinigungs- und Lüftungsintervalle, Anwendung von Desinfektionsmitteln und Abstandsmarkierungen umgesetzt werden.

Vulnerable Gruppen*

Bei Durchführung der Infektionsschutzmaßnahmen sind vulnerable Gruppen im Hinblick auf besondere Schutzbedarfe zu berücksichtigen (z. B. Unterbringung in getrennten Räumen, Schutz vor Gewalt, zusätzliche Aufklärung, psychologische Betreuung um Re-Traumatisierung zu vermeiden). Minderjährige, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Schwangere, Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, Opfer des Menschenhandels, Personen mit schweren körperlichen Erkrankungen, Personen mit psychischen Störungen und Personen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige schwere Formen psychischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten haben (gemäß Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates) sind unabhängig von ihrem Risiko bezüglich COVID-19 besonders schutzbedürftig.

* Mit „vulnerable Gruppen“ sind nicht Risikopersonen im Sinne von Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf gemeint. Die EU-Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU) definiert Personengruppen mit einem erhöhten Schutzbedarf. Ein erhöhter Schutzbedarf bedeutet, dass die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet sind, die jeweils besonderen Bedürfnisse dieser vulnerablen und von Mehrfachdiskriminierungen betroffenen Menschen im Asylverfahren, in der Unterbringung und der Rehabilitation zu berücksichtigen.

Versorgung während der Quarantäne

Sollte sich eine Kontaktperson (im Sinne von Haushaltsangehörigen) in einer AE oder GU zur Kontaktreduktion in Quarantäne begeben wollen, so sollte in den Einrichtungen organisiert werden, dass die Bewohner:innen Zugang zu zusätzlichen Lebens- und Hygienemitteln für den individuellen Bedarf sowie zu Gebrauchsmitteln (z. B. Internetkarten, Batterien, Spielsachen für Kinder, Lernmaterialien) haben. In GU ist ebenso ein Zugang zu Lebens-, Hygiene-, und Gebrauchsmitteln sicherzustellen. Grundsätzlich erscheint im Falle eines Ausbruchs eine Austeilung von Mahlzeiten in die Zimmer/Wohnbereiche notwendig. Dies ist aber von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten abhängig und kann bei AE und GU unterschiedlich gehandhabt werden.

Entisolierung

Zu den Kriterien zur Entlassung aus der Isolierung wird auf die derzeit geltenden Empfehlungen des Bundes zu Isolierung und Quarantäne bei SARS-CoV-2-Infektion und -Exposition verwiesen.

Aufnahme und Weiterleitung während eines Ausbruchs

Im Ausbruchsfall sollten keine Neuzugänge in die vom Ausbruch betroffenen Kohorten (Fälle, Verdachtsfälle, Kontaktpersonen im Sinne von Haushaltsangehörigen) aufgenommen werden. Mögliche geplante Weiterleitungen aus einer betroffenen Kohorte in Anschlussunterbringungen sind ebenfalls auszusetzen. Neuankommende Personen können in ein anderes Gebäude innerhalb oder außerhalb des Geländes oder in getrennten Gebäudeteilen untergebracht werden, die nicht unmittelbar vom Ausbruch betroffen sind. Die Aufnahme positiv Getesteter zur Unterbringung bei positiv Getesteten bleibt möglich.

Weitere Informationen

Publikationen

Stand: 19.05.2022

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