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Ein neues Labor für die Elfenbeinküste

In Bouaké richten Mitarbeiter des RKI ein Labor für die Diagnostik von Ebolaviren ein

Laborleiterin Chantal Akoua-Koffie  und Claudia Kohl testen die Glovebox. © Andreas Nitsche/RKI

Wenn auf dem Display von Claudia Kohls Diensthandy die Ziffern +225 aufleuchten, kann es sein, dass sie sofort ihre Koffer packen muss. +225 ist die Vorwahl von Côte d‘Ivoire, der Elfenbeinküste. In Bouaké haben Claudia Kohl und ihre Kollegen gerade ein neues Labor aufgebaut, für die Diagnostik von Ebolaviren. Was dort noch fehlt, sind Labormitarbeiter, die die hochinfektiösen Proben bearbeiten können. Deshalb hält Claudia Kohl, zusammen mit anderen Virologen des Robert Koch-Instituts, eine Art inoffizielle Rufbereitschaft: "Wenn in der Region tatsächlich ein Fall von Ebolafieber auftritt, fliegen wir am nächsten Tag hin und übernehmen die Arbeit."

Claudia Kohl arbeitet für das Deutsche Partnerschaftsprogramm für biologische Sicherheit und Gesundheitssicherstellung des Auswärtigen Amtes, das zum Teil im Fachgebiet für Hochpathogene Viren im RKI angesiedelt ist. Das Programm hat das Ziel, gemeinsam mit afrikanischen Partnerländern biologische Sicherheitsrisiken zu verhindern und die dafür benötigten Laborkapazitäten aufzubauen. Die Elfenbeinküste liegt im Westen Afrikas; sie grenzt an Guinea und Liberia - jene Länder, in denen seit mehr als einem Jahr das Ebolafieber grassiert. Das Virus hat in Westafrika schon öfter Grenzen überwunden. Es gab Fälle im Senegal, in Mali und in Nigeria. Die Elfenbeinküste blieb bislang verschont. Etliche Verdachtsfälle haben sich nicht bestätigt. Doch Fachleute fürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die erste echte Infektion auftaucht.

Die Virologen des Robert Koch-Instituts wollen daher die diagnostischen Möglichkeiten an der Elfenbeinküste erweitern. Das Land soll Fälle von Ebolafieber schnell und zuverlässig identifizieren können. Nur so lässt sich im Ernstfall eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern. 1,8 Millionen Euro hat das Auswärtige Amt dafür bereitgestellt; Claudia Kohl und Andreas Nitsche, der Leiter des Fachgebiets Hochpathogene Viren, koordinieren das Projekt.

Warten auf das Virus

Die Menschen in Côte d‘Ivoire haben sich, so gut es geht, auf die Seuche vorbereitet. "In den Städten klären Plakate über Symptome auf, in Restaurants stehen Desinfektionsmittel auf den Tischen", sagt Claudia Kohl. Einreisenden wird am Flughafen Fieber gemessen.

Verdachtsproben werden bislang aber nur an einem Ort im ganzen Land untersucht: im Institut Pasteur de Côte d‘Ivoire, dem nationalen Referenzlabor für Ebolaviren. Es liegt in Abidjan, ganz im Süden. Das Robert Koch-Institut und das Auswärtige Amt haben darum jetzt ein weiteres Labor für die Diagnostik von Ebolaviren aufgebaut - in Bouaké. Die Stadt im Zentrum der Elfenbeinküste ist ein Verkehrsknotenpunkt; sternförmig führen hier die Hauptverkehrsstraßen aus allen Landesteilen zusammen. Viele Reisende aus Guinea und Liberia kommen hier vorbei, die das Virus möglicherweise in sich tragen könnten. "Das Labor ist seit dem 13. Dezember einsatzbereit", sagt Andreas Nitsche.

Die Laborausstattung wird geliefert. © Andreas Nitsche/RKI Die Laborausstattung wird geliefert.

Es ist das Ergebnis eines wochenlangen logistischen und organisatorischen Kraftakts. Seit Oktober 2014 sind zehn Mitarbeiter des RKI immer wieder an die Elfenbeinküste gereist, um das Vorhaben voranzutreiben. Einer der ersten war Heinz Ellerbrok, der stellvertretende Leiter des Fachgebiets Hochpathogene Viren. Heinz Ellerbrok spricht fließend Französisch. Er hat das Projekt dem ivorischen Gesundheitsministerium vorgestellt, sich mit dem Institut Pasteur in Abidjan abgestimmt und mit seinen Kollegen mögliche Standorte ausgelotet.

Heinz Ellerbrok war zuvor erst einmal in Afrika. Im Sommer 2014 hatte er vier Wochen im European Mobile Laboratory in Guinea gearbeitet, mitten im Ausbruchsgeschehen in Guéckédou, wo er wie am Fließband Blutproben von Ebolafieber-Verdachtsfällen untersucht hat. "Guinea ist ein Land ohne funktionierende Infrastruktur", sagt Ellerbrok. Das Gesundheitssystem sei praktisch zu Staub zerfallen.

Zwischen Guinea und der Elfenbeinküste liegen Welten. Dem Land geht es vergleichsweise gut. Die Stromversorgung läuft stabil, und es gibt Autobahnen mit französischem Maut-System. "Die Universitätsklinik in Bouaké ist hervorragend organisiert", berichtet Ellerbrok. Mit der Leiterin des Kliniklabors, Chantal Akoua-Koffi, hat das RKI schon früher zusammengearbeitet. Es gibt geeignete Räumlichkeiten und hoch motivierte Mitarbeiter, die regelmäßig an Schulungen zum Thema Ebola teilnehmen. Eine provisorische Isolierstation für Verdachtsfälle wird gerade gebaut. Bouaké, sagt Heinz Ellerbrok, ist der perfekte Kooperationspartner.

Ein leerer Raum, mehr nicht

Im November 2014 konzipieren Claudia Kohl, Andreas Nitsche und zwei weitere Kollegen des RKI das neue Labor in Bouaké. Alle arbeiten seit Jahren mit gefährlichen Erregern und wissen, welche Anforderungen das Labor erfüllen muss. "Wir hatten einen leeren Raum, mehr nicht", sagt Claudia Kohl. Alles, was man für den Nachweis von Ebolaviren braucht, müssen die Wissenschaftler neu bestellen: Gloveboxen - das sind transparente Kisten mit integrierten Handschuhen, in denen die Blutproben vor der weiteren Bearbeitung inaktiviert, also die Viren darin abgetötet werden -, Thermocycler, Zentrifugen, Pipetten, Reagenzien, Handschuhe, Schutzkleidung.

Claudia Kohl und Andreas Kurth begutachten die faltbare Glovebox für das mobile Labor. © Andreas Nitsche/RKI Claudia Kohl und Andreas Kurth begutachten die faltbare Glovebox für das mobile Labor.

Doch damit ist es nicht getan. "Im Ernstfall muss der Umgang mit den Verdachtsproben nach einem standardisierten Prozedere ablaufen, damit das Infektionsrisiko für die Mitarbeiter so gering wie möglich gehalten wird", sagt Andreas Nitsche. Jedes Detail im Labor, vom Standort der Glovebox bis zur abwaschbaren Wandfarbe, muss darauf abgestimmt, der Raum an einigen Stellen sogar umgebaut werden.

Die Vorgaben sind streng. Zum Beispiel bei der Annahme von Proben, sagt Claudia Kohl. In Guinea, wo sie ebenfalls einige Wochen im EMLab eingesetzt war, hat sie Rachentupfer von Patienten mit Ebolafieber schon mal in einem verknoteten Gummihandschuh gereicht bekommen. So etwas würde in Bouaké gar nicht erst angenommen: "Blut- oder Speichelproben müssen in einer Biobottle verpackt sein." Eine Biobottle ist ein Spezialgefäß für hochinfektiöses Material, und für die wiederum führt nur ein einziger Weg ins Labor: durch eine eigens dafür vorgesehene Durchreiche in der Wand.

Die Umbauarbeiten im Labor sind schnell gemacht. Ob eine Wand durchbrochen oder neu hochgezogen werden muss - "Frau Akoua-Koffi greift zum Telefon, und ein paar Stunden später ist alles erledigt", sagt Andreas Nitsche. Laborbänke, Schränke und Regale werden von einem lokalen Tischler nach Maß gefertigt.

Eine komplette Laborausstattung ins Land zu schaffen ist da schon deutlich komplizierter. "Es hat zehn Tage gedauert, bis die Ladung vom Zoll in Abidjan freigegeben und nach Bouaké gebracht wurde", berichtet Claudia Kohl, trotz aller erforderlichen Einfuhrgenehmigungen.

Trainings für das einheimische Laborpersonal

Endlich, Mitte Dezember 2014, steht das neue Labor an der Uniklinik in Bouaké. Ab sofort könnten hier pro Tag bis zu 60 Ebola-Verdachtsproben analysiert werden. In einem zweiten Raum wird noch ein zusätzliches, mobiles Labor bereitgehalten, mit dem man besonders schnell und flexibel auf einen Ausbruch von Ebolafieber reagieren kann. Sollten etwa im Grenzgebiet zu Liberia Fälle auftauchen, wäre das Labor innerhalb weniger Tage dort aufgebaut. Das Equipment für ein weiteres mobiles Labor ist in Berlin stationiert. Im Notfall kann es schnell an die Elfenbeinküste oder in ein anderes Nachbarland verschickt werden. Zum Dank ließ der Direktor der Uniklinik von Bouaké seinen Schneider kommen: Die RKI-Mitarbeiter der letzten Mission bekamen alle maßgeschneiderte ivorische Kleider und Hemden geschenkt.

Der Aufbau des Labors in Bouaké ist erst der Anfang. "Unser Ziel ist, dass die Menschen dort das Labor auf lange Sicht alleine betreiben. Und dass sie nicht nur Ebolaviren, sondern auch andere hochpathogene Erreger wie Lassa- oder Marburgviren diagnostizieren können", sagt Claudia Kohl. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das Team will den Kollegen an der Elfenbeinküste Labortrainings anbieten, sie im Umgang mit den gefährlichen Proben schulen. Im Robert Koch-Institut werden eigens dafür acht neue Mitarbeiter eingestellt - bezahlt von den Projektgeldern des Auswärtigen Amtes. "Im Juni sollen die ersten Trainings beginnen", sagt Andreas Nitsche. Wenn alles gut geht, könnten die Kollegen in Bouaké das Labor gegen Ende des Jahres übernehmen. Die Rufbereitschaft bleibt vorerst bestehen.

Stand: 18.03.2015

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