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Zielgruppeneinstiege

KAB|a|STI-Studie: Einleitung

(Knowledge, Attitudes, Behaviour as to Sexually Transmitted Infections)

Ansprechpartner: Dr. Ulrich Marcus

Studie des Robert Koch-Instituts zu Wissen, Einstellungen und Verhalten bezüglich sexuell übertragbarer Infektionen bei homosexuellen Männern

Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten stellen in Deutschland wie auch in anderen westlichen Industriestaaten eine Bevölkerungsgruppe dar, die in besonderem Maße von STI betroffen ist. Auf sie entfällt zum Beispiel zwei Drittel der in Deutschland gemeldeten HIV-Infektionen und bis zu vier Fünftel der Syphilis-Infektionen.

Nachdem es in Folge des Auftretens von AIDS Mitte der Achtziger Jahre zu dramatischen Verhaltensänderungen gekommen war (Rückgang der Partnerzahlen, Einschränkung des sexuellen Repertoires durch Verzicht auf penetrierende Sexualpraktiken sowie eine deutliche Zunahme des Gebrauchs von Kondomen), nahm auch die Häufigkeit von STI bei homo- und bisexuellen Männern deutlich ab. Seit Beginn der 90er Jahre und verstärkt seit Mitte der 90er Jahre stiegen die Partnerzahlen jedoch wieder an und das Repertoire der Praktiken wurde wieder breiter, wenngleich noch immer bei der Mehrzahl penetrierender genital-analer Kontakte Kondome verwendet werden. Vieles spricht dafür, dass die beobachteten Anstiege sexuell übertragbarer Infektionen damit in Zusammenhang stehen.

Vor diesem Hintergrund bewilligte das Bundesministerium für Gesundheit dem Robert Koch-Institut im Jahr 2005 Mittel für eine bundesweite Studie, mit der Daten zu Wissen, Einstellungen und Verhalten homosexueller Männer in Bezug auf sexuell übertragbare Erkrankungen erhoben und analysiert wurden. Ziel war es, besser zu verstehen, wie sich Wissen, Überzeugungen und Erfahrungen in Bezug auf sexuell übertragbare Infektionen verändert haben, und wie diese Veränderungen Einfluss auf das sexuelle Verhalten (und das sogenannte Risikomanagement) und damit auf das Übertragungsgeschehen nehmen. Die Studie sollte somit dazu beitragen, sexuell übertragbaren Infektionen besser vorbeugen zu können.

Teilnehmer wurden 2006 über das Internet rekrutiert (durch Schaltung eines Links zum Fragebogen auf schwulen Internetportalen und Kontaktseiten); zudem wurden Teilnehmer über Arztpraxen / Klinikambulanzen mit einem hohen Anteil homosexueller Klienten. Die Befragung erfolgte dabei vollständig anonym.

Als Besonderheit bekamen diejenigen Teilnehmer, die ihren Fragebogen über Berliner Arztpraxen erhielten, zusätzlich eine kleine Stechhilfe, mit der sie sich selbst Blut aus der Fingerkuppe abnehmen konnten, um dieses auf ein ebenfalls bereitgestelltes Filterpapier aufzutropfen und die angetrockneten (und somit nicht mehr infektiösen) Blutstropfen zusammen mit dem Fragebogen an das Robert Koch-Institut zu senden. Das angetrocknete Blut wurde dann wieder in Lösung gebracht und auf Antikörper gegen Syphilis, HIV, Hepatitis B und C getestet. Ergebnisse konnten an drei Berliner Gesundheitsämtern im Rahmen einer ärztlichen Beratung zu sexuell übertragbaren Infektionen von den Teilnehmern dort ca. zwei Wochen später abgefragt werden.

Im Monat Mai 2006 fand in Berlin eine Vor-Ort-Beratungskampage für Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten statt. Auch im Rahmen dieser Kampagne wurde Teilnehmern angeboten, sich auf die vier genannten sexuell übertragbaren Infektionen testen zu lassen. Von den Teilnehmern der Beratungskampagne wurde ein reduzierter Fragebogen ausgefüllt.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Menschen, die sich an der Studie durch das Ausfüllen eines Fragebogens beteiligt haben!

Kontakt: KAB|a|STI - Studie

Stand: 30.05.2013

Ausgewählte Publikationen

  • Schmidt AJ, Marcus U (2011): Self-reported history of sexually transmissible infections (STIs) and STI-related utilization of the German health care system by men who have sex with men: data from a large convenience sample.
    BMC Infect. Dis. 11: 132. Epub May 18. doi: 10.1186/1471-2334-11-132. mehr

  • Marcus U, Schmidt AJ, Hamouda O (2011): HIV serosorting among HIV-positive men who have sex with men is associated with increased self-reported incidence of bacterial sexually transmissible infections.
    Sexual Health 8 (2): 184–193. doi:10.1071/SH10053. mehr

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