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Zielgruppeneinstiege

Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV 1) und Typ 2 (HSV 2)

Seroprävalenz in der deutschen Bevölkerung: Veränderungen über die Zeit und Vergleich zwischen den alten (ABL) und neuen (NBL) Bundesländern

Hintergrund

Es gibt zwei Typen des Herpes simplex-Virus, Typ 1 und Typ 2. Herpes simplex Virus Typ 1 (HSV 1) ist verantwortlich für die meisten Fälle von Herpes im Gesichts-/ Lippenbereich. Herpes simplex Virus Typ 2 (HSV 2) steckt hinter der überwiegenden Mehrzahl der genitalen Herpes-Manifestationen (am Penis, an der Scheide, im Analbereich). Etwa 20-30% der genitalen Herpes-Infektionen werden jedoch durch HSV 1 verursacht.
Die Infektion mit HSV 1 (Gesichts-/ Lippenbereich) kann schon ab dem Kindesalter durch engen körperlichen Kontakt z.B. zwischen Mutter und Kind, zwischen Geschwistern oder Spielkameraden übertragen werden. Der genitale Herpes wird dagegen in erster Linie bei sexuellen Kontakten übertragen, der Infektionszeitpunkt liegt daher im Durchschnitt später.

Beide Infektionen, wenn sie einmal stattgefunden haben, persistieren lebenslang (das Virus versteckt sich in Nervenenden) und es kann wiederholt, in individuell unterschiedlich langen Abständen, zum Auftreten der typischen Herpes-Bläschen kommen. Es gibt aber auch Reaktivierungen der Herpes-Infektion, die für den Betroffenen ohne auffällige Symptome ablaufen, bei denen sich aber dennoch das Virus vermehrt und über die Schleimhaut ausgeschieden wird. Eine Übertragung der Infektion kann auch in Phasen solcher symptomarmer Reaktivierungen stattfinden. Ob eine Infektion stattgefunden hat, kann durch den Nachweis von Antikörpern im Blut festgestellt werden. Auf Grund der leichteren Übertragbarkeit sind Antikörper gegen HSV 1 bei einem deutlich höheren Anteil der Bevölkerung nachweisbar als Antikörper gegen HSV 2.

Obwohl Infektionen mit Herpes simplex-Viren in Deutschland weit verbreitet sind, liegen bisher nur wenige Daten aus repräsentativen, bevölkerungsbezogenen Untersuchungen zur Häufigkeit dieser Infektionen vor. Aus diesem Grunde wurden vom Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Konsiliarlaboratorium für HSV, dem Institut für Antivirale Chemotherapie der Universität Jena, Serumproben aus zwei repräsentativen Bevölkerungsuntersuchungen auf Antikörper gegen HSV untersucht. Bei den beiden Untersuchungen handelt es sich um die Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie (DHP) aus dem Jahre 1984 (nur alte Bundesländer) und den Bundesgesundheitssurvey (BGS) aus dem Jahre 1997-98 (alte und neue Bundesländer).

Die Seren aus dem Bundesgesundheitssurvey wurden auf Antikörper gegen HSV 1 und HSV 2 untersucht, die Seren aus der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie nur auf Antikörper gegen 2.

Ziel war zum einen ein Vergleich der HSV 1- und HSV 2-Prävalenz zwischen den alten und den neuen Bundesländern, zum anderen eine Abschätzung der Entwicklung der HSV 2-Seroprävalenz in den alten Bundesländern über die Zeit, vor dem Hintergrund von Studien aus den USA, die dort eine Zunahme der HSV 2-Seroprävalenz in der erwachsenen Bevölkerung in den vergangenen Jahren festgestellt haben.

Methoden

Untersucht wurden eine nach Alter und Geschlecht geschichtete Stichprobe von 3792 der 6748 vorhandenen Seren des BGS sowie alle vorhandenen 4843 Seren der DHP. Alle Proben wurden mittels ELISA auf HSV2-Antikörper untersucht. Seren des BGS wurden zudem auf HSV1-Antikörper untersucht (HSV1- und 2-ELISA-IgG, MRL-Diagnostics). Ferner wurden Teilstichproben mittels Western-Blot untersucht.

Vor der Untersuchung wurden alle Proben vollständig anonymisiert, so dass keine Verknüpfung mehr zwischen den Studienteilnehmern und den Untersuchungsergebnissen möglich war.

Vorläufige Ergebnisse

(ausführlichere Publikation in Vorbereitung):

Die altersadjustierte HSV-2-Seroprävalenz der Probanden von 25 bis 64 Jahren (Tabelle) zeigt von 1984 bis 1998 eine Abnahme in den alten Bundesländern (ABL). Die höheren HSV1- und HSV2-Seroprävalenzen in den neuen Bundesländern (NBL) sind fast ausschließlich bedingt durch Unterschiede bei den Frauen.

Schlussfolgerungen

Im Gegensatz zu den USA zeigt sich in Deutschland in den untersuchten Altersgruppen eine Abnahme der HSV-2 Seroprävalenz. Dies könnte bedingt sein durch die relativ hohe HSV1-Seroprävalenz in Deutschland, die eine partielle Kreuzimmunität vermittelt, aber auch durch Unterschiede im Sexualverhalten. Die höhere HSV2-Seroprävalenz in den neuen Bundesländern könnte an der dort selteneren Kondomnutzung in der Vergangenheit liegen.

Tabelle: HSV1 Seroprävalenz

Seroprä-
valenz (%)*
HSV1 1998 (ABL)
(95% CI)
HSV1 1998 (NBL)
(95% CI)
Männer84,1 (81,6-86,7)84,9 (82,4-87,4)
Frauen86,3 (83,9-88,7)92,2 (90,3-94,1)
Gesamt85,2 (83,5-86,9)88,5 (86,9-90,0)

Tabelle: HSV2 Seroprävalenz

Seroprä-
valenz (%)*
HSV2 1984 (ABL)
(95% CI)
HSV2 1998 (ABL)
(95% CI)
HSV2 1998 (NBL)
(95% CI)
Männer12,3 (10,9-13,7)10,6 (8,5-12,6)11,6 (9,3-13,9)
Frauen18,6 (16,9-20,3)14,4 (12,0-16,9)21,7 (18,2-24,0)
Gesamt15,3 (14,3-16,5)12,5 (10,9-14,1)16,2 (14,4-18,1)

Quellenangaben

  • Hellenbrand W, Müller B, Thierfelder W, Färber I, Hamouda O, Breuer T. Die Herpes simplex-Virus 1 (HSV1) und 2 (HSV2) Seroprävalenz in der deutschen Bevölkerung: Ein Vergleich zwischen den alten und neuen Bundesländern und Veränderungen über die Zeit. In: Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Garmisch-Partenkirchen: GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, 2001.
  • Hellenbrand W, Thierfelder W, Müller-Pebody B, Hamouda  O, Breuer T. Seroprevalence of Herpes simplex virus Type 1 (HSV1) and Type 2 (HSV2) in former East (FEG) and West (FWG) Germany, 1997-1998. EJCMID 2004; accepted for publication.

Stand: 18.01.2005

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