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RKI-Studien zum Thema HIV

Folgende Forschungsvorhaben liefern neben den Erhebungsintrumenten für die primäre Surveillance die Datengrundlage für eine Beurteilung der HIV /AIDS-Epidemie

Laufende Studien:

Abgeschlossene Studien:

EMIS (European MSM Internet Survey)

EMIS ist ein von der EU-Kommission gefördertes Projekt einer europaweiten Befragung von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Die ausführliche Projekt-Beschreibung ist nur in englischer Sprache verfügbar.

Zusammengefasst geht es darum, mit Hilfe eines in 25 Sprachen erhältlichen Online-Fragebogens europaweit Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten über einen einheitlichen Zugang zu erreichen. MSM sind einerseits in besonderem Maße von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) betroffen, andererseits stellen sie eine "versteckte" Bevölkerungsgruppe dar. Ausmaß und Geschichte von Ausgrenzung, Diskriminierung, und Verfolgung homosexuell lebender Menschen ist in den verschiedenen Ländern Europas recht unterschiedlich; und somit auch die Zugänge zu gesundheitlichen Ressourcen, angemessener Information und gesundheitlicher Versorgung.

Bislang wurden MSM hauptsächlich im Rahmen nationaler oder regionaler Erhebungen befragt. Aufgrund unterschiedlicher Zugangswege waren innereuropäische Ländervergleiche nur sehr eingeschränkt möglich. Untersucht werden sollen nun sexuelle Gesundheit, Sexualverhalten, HIV- und STI-Testverhalten, Präventions-Ressourcen (z.B. Zugang zu sinnvoller Information, Zugang zu Test- und Beratungsangeboten, Wissen zu Übertragungswegen und Behandelbarkeit) und Präventions-Hindernisse (z.B. Stigma, Diskriminierung, Gewalterfahrungen, Fehlannahmen zu Übertragungswegen).

Erkenntnisse hierzu sind zum einen grundlegend für eine europäische 2nd generation surveillance sowie für die Harmonisierung nationaler Erhebungsinstrumente. EMIS ist daher auch gerade für solche Länder interessant, in denen bislang keine Verhaltenssurveillance für vulnerable Gruppen existiert. In das EMIS-Projekt eingebunden sind neben nahezu allen EU-Ländern auch die Schweiz, Norwegen, Russland, Weißrussland, die Ukraine, Moldavien, Serbien, und die Türkei. Gleichzeitig birgt EMIS durch die Menge der beteiligten unterschiedlichen Länder die Chance, europaweit zielgerichtete präventive Kampagnen auf empirischer Grundlage zu planen.

Das Projekt wird gemeinsam getragen und durchgeführt vom Robert Koch-Institut (Wissenschaftliche Koordination), dem an der Universität Porthmouth angesiedelten Präventionsforschungsinstitut Sigma Reseach (London), dem niederländischen Maastricht University College, der italienischen Regione del Veneto (Verona), und dem katalanischen Zentrum für epidemiologische Studien zu Aids und STI (CEEISCAT, Barcelona). Die administrative Koordination obliegt der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ).

Der Fragebogen in 25 Sprachen wurde vom 4. Juni bis zum 31. August 2010 online geschaltet. Europaweit wurde der Fragebogen von mehr als 180.000 schwulen, bisexuellen and anderen Männern, die Sex mit Männern haben, ausgefüllt, darunter von mehr als 55.000 Männern, die in Deutschland leben. Dieser enorme Rücklauf wäre ohne die großzügige Unterstützung durch das Kontaktportal GayRomeo (779.000 angemeldete Benutzer in Europa) nicht möglich gewesen. In Deutschland ersetzt EMIS die 9. Erhebungswelle der im Auftrag der BZgA durgeführten Studienreihe Schwule Männer und AIDS, die auch unter dem Namen Bochow-Studien bekannt geworden sind.

Erste Ergebnisse werden ab November 2010 auf der englisch-sprachigen Projektseite verfügbar sein und bis Ende 2011 laufend ergänzt werden. Ergebnisse in deutscher Sprache werden außerdem über die Internetpräsenz der Deutschen AIDS Hilfe sowie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) verfügbar sein.

HIV-Inzidenzstudie

Die Zeit von der Infektion bis zur Diagnosestellung ist bei HIV sehr variabel und kann viele Jahre betragen. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist es meistens nicht möglich, zwischen eine frischen (inzidenten) oder länger bestehenden Infektionen zu unterscheiden. Schätzungen zu inzidenten (frischen) Infektionen sind jedoch wichtig, um die Aktivität und Dynamik der HIV-Infektion in der Bevölkerung und insbesondere in Gruppen mit erhöhtem Risiko zu beurteilen. Zeitnahe Prävention hängt außerdem stark von Informationen zu aktuellem Risikoverhalten ab. Der BED-CEIA, ein HIV-spezifischer IgG-capture ELISA, erlaubt bei einer serologisch gesicherten HIV-Infektion mit relativ hoher Spezifität und Sensitivität die Identifizierung von frischen HIV-Infektionen (Zeitfenster bis 140 Tage vor dem Zeitpunkt der Diagnosestellung). Ein hoher Anteil frischer Infektionen spricht für hohe aktuelle Übertragungsraten. Allerdings spielen weitere Faktoren eine Rolle wie z.B. HIV-Testhäufigkeit, Risikobewusstsein, tatsächlich eingegangene Risiken und Zugang zur Diagnose. Nach Abschluss einer Pilotphase in Berlin sollen jetzt in der HIV-Inzidenzstudie bundesweit Daten zum Anteil frischer HIV-Infektionen und zu Wissen, Einstelllungen, Verhalten und Praktiken bezüglich HIV/AIDS gesammelt werden. Die Datensammlung erfolgt anonym und unverbunden. Die Studie wird in Kooperation mit etwa 90 Laboren sowie Praxen, Kliniken, Gesundheitsämtern und Beratungsstellen in sechs Regionen in Deutschland durchgeführt. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse der Studie zur Verbesserung der HIV-Prävention in Deutschland beitragen werden.

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HIV-Serokonverterstudie

Seit Juli 1997 wird am RKI im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Forschungsvorhabens in Zusammenarbeit mit klinischen Zentren und niedergelassenen Ärzten die HIV-Serokonverterstudie durchgeführt. Im Rahmen dieser Untersuchung werden Daten zum Krankheitsverlauf HIV-infizierter Menschen, deren Serokonversionszeitpunkt bekannt ist, gesammelt und analysiert. Das Ziel dieser Untersuchung besteht in validen Schätzungen des Zeitintervalls zwischen HIV-1-Serokonversion und dem Auftreten AIDS-definierender Erkrankungen bzw. der Überlebenszeit nach HIV-1-Serokonversion, sowie in der Analyse von Faktoren, die die genannten Zielvariablen beeinflussen. Diese Schätzungen sind von grosser Bedeutung für das Verständnis des natürlichen Krankheitsverlaufes, die Bestimmung möglicher Effekte der intensivierten antiretroviralen Therapie (ART) sowie für die Evaluation neuer Therapiestrategien und die Beurteilung der zukünftigen Entwicklung der HIV/AIDS-Epidemie.
Bei den StudienteilnehmerInnen wird darüber hinaus der HI-Virussubtyp bestimmt, um sowohl Vorkommen und Verbreitung der verschiedenen Subtypen in Deutschland zu untersuchen als auch den Verlauf der HIV-Erkrankung in Abhängigkeit vom Subtyp zu analysieren.
Auf Grund der mittlerweile weitgehenden Etablierung der ART geht die Studie ebenfalls der Frage nach, ob und mit welcher Häufigkeit es zur Übertragung primärresistenter Viren kommt und inwieweit eine Zunahme dieser Übertragungsfrequenz zu beobachten ist. Untersuchungen zu geno- und phänotypischen Resistenzmustern und deren Veränderung über die Zeit unter oder ohne ART sind für die Beurteilung von Behandlungsstrategien von grosser Bedeutung.
Die HIV-Serokonverterstudie schafft die Voraussetzung für die Langzeitbeobachtung einer definierten Kohorte und bildet so eine wichtige Datengrundlage für weiterführende Untersuchungen.

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Klinische Surveillance der HIV-Krankheit

In vielen größeren klinischen Zentren sowie Schwerpunktpraxen der ambulanten Versorgung sind EDV-Systeme zur Patientendokumentation etabliert. Im Rahmen der "Klinischen Surveillance der HIV-Erkrankung (KlinSurv HIV)" sollen regelmäßig aktualisierte Daten der behandelten Patienten an das AIDS-Zentrum im Robert Koch-Institut übermittelt werden. Die Daten werden in einer verbindlich vorgegebenen einheitlichen Struktur erhoben. Erhoben werden neben einem die Anonymität wahrenden Identifikationscode (analog zum AIDS-Fallregister) und demographischen Daten, Angaben zum Infektionsweg, Nachweis der HIV-Infektion, AIDS-Diagnosen und Tod mit jeweiligem Diagnosedatum sowie Angaben zu bestimmten Laborparametern (CD4-Zellzahl, Viruslast) und zur durchgeführten Therapie (eingesetzte Medikamente und Zeitraum der Anwendung). Das im Rahmen der 1998 ausgelaufenen BMG-Förderung geschaffene Netzwerk und die etablierten Kooperationsstrukturen werden so weiter genutzt und neue Kooperationspartner im ambulanten Bereich sollen hinzugewonnen werden, um eine fortlaufende prospektive Erhebung von Daten zum klinischen Verlauf, zu Laborparametern und zur Therapie der HIV-Erkrankung bei HIV-Patienten in Deutschland zu ermöglichen. Durch die Erhebung von Daten über den gesamten klinischen Verlauf der HIV Infektion ergibt sich die Möglichkeit Aussagen zu treffen:

  • zur Anzahl der HIV-Patienten, die sich in den Studienzentren in Behandlung befinden
  • zur Verteilung der Risikogruppen und deren Veränderung über die Zeit
  • zu Veränderungen im Erkrankungsspektrum
  • zu Veränderungen der Krankheitsdauer und der Überlebenszeit
  • zum Anteil derjenigen Patienten in den Studienzentren, die eine Therapie erhalten
  • zur Verbreitung verschiedener Therapieschemata
  • zum Effekt verschiedener Therapieansätze außerhalb kontrollierter Studien
  • zur Evaluation möglicher Einflußgrößen auf den Krankheitsverlauf (Labormarker, soziodemographische Daten)

Zusätzlich wird durch die Möglichkeit des Abgleichs der Informationen aus verschiedenen Datenquellen die Datenqualität der anderen Surveillanceinstrumente (AIDS-Fallregister, Serokonverter-Studie) verbessert. Diese Daten bilden zusammen eine wichtige Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen im Bereich der HIV/AIDS-Problematik.

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STD-Sentinel

Seit 1991 wurde in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin die  HIV-Meßstellenstudie zur Ergänzung der im AIDS-Zentrum gewonnenen Daten genutzt. In größeren venerologischen Fachambulanzen und HIV/AIDS-Beratungsstellen in Großstädten wurden epidemiologisch relevante Daten über neu als HIV-positiv diagnostizierte Personen erhoben und monatlich in anonymisierter Form an die Studienzentrale im Robert Koch-Institut übermittelt. Seit 1995 werden in dieser Studie auch weitere diagnostizierte sexuell übertragbare Krankheiten differenziert.
Diese Erhebung zusätzlicher Daten zu HIV-Infektionen und sexuell übertragbaren Krankheiten wird ab dem Jahre 2002 ausgeweitet und mit einem modifizierten Erhebungsinstrumentarium bundesweit im Rahmen des  STD-Sentinelsystems fortgeführt.

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KAB|a|STI-Studie

Die KAB|a|STI-Studie wurde zwischen 2006 und 2007 durchgeführt und war die dritte wissenschaftliche online-Befragung schwuler und bisexueller Männer in Deutschland. Außer über das Internet wurden Teilnehmer über ärtzliche Praxen in ganz Deutschland, sowie im Rahmen einer Berliner Präventionskampagne befragt. Unter anderem wurden die Ergebnisse benutzt, um Anzahl und regionale Verteilung von MSM, sowie die Häufigkeit von HIV and Syphilis in dieser Gruppe abzuschätzen.Auch das Wissen zu STI bei MSM wurde untersucht, sowie die Inanspruchnahme von Vorsorgeunterschungen, oder Strategien zur Minimierung sexueller Risiken.

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Anonymes Unverknüpftes Testen (AUT) bei Neugeborenen

Im Rahmen eines BMG-geförderten Forschungsvorhabens wurde von 1993 bis einschließlich 1999 in Berlin und Niedersachsen (von 1994 bis 1995 auch in Bayern) ein anonymes Screening auf HIV-Antikörper bei allen Neugeborenen durchgeführt. Die erhobenen Daten spiegeln die HIV-Prävalenz bei den Müttern der Neugeborenen wider und ermöglichen eine Einschätzung der Ausbreitung von HIV in der allgemeinen Bevölkerung.

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Stand: 01.09.2010

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