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Informationen zum Ebolafieber-Ausbruch in Westafrika 2014/2015

Stand: 30.3.2016

Situation im Ausbruchsgebiet in Westafrika

In Westafrika kam es 2014/2015 zum bisher größten Ebolafieber-Ausbruch in der Geschichte. In den hauptsächlich betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone erkrankten mehr als 28.000 Menschen, mehr als 11.000 starben. Erstmals waren Länder großflächig von Ebolafieber betroffen: In Guinea, Sierra Leone und Liberia trat die Krankheit in fast allen Provinzen, auch in großen Städten mit Flug­hafen-Anbindung auf. Nach dem Höhepunkt des Ausbruchs im Herbst 2014 ist die Zahl der Neuinfektionen im Laufe des Jahres 2015 kontinuierlich gefallen. Seit August 2015 werden nur noch Einzelfälle registriert. Der Ausbruch kann damit als weitgehend beendet angesehen werden. Am 29. März 2016 erklärte die Welt­ge­sund­heits­orga­ni­sa­tion (WHO) die seit August 2014 bestehende „Gesund­heit­li­che Notlage von Internationaler Tragweite“ (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC) für beendet (Link siehe unten).

Allerdings kann das Ebolavirus auch nach der Genesung monatelang im Körper (unter anderem in der Samenflüssigkeit) überleben (Link siehe unten). Bei der großen Zahl Überlebender kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass auch in Zukunft in den vom Ausbruch betroffenen Ländern einzelne Fälle von Ebola­fieber auftreten. Guinea, Sierra Leone und Liberia befinden sich derzeit in einer Phase erhöhter Wachsamkeit. Sie beginnt, nachdem der letzte bekannte Fall in einem Land genesen ist oder beerdigt wurde. Wenn dann für die Dauer von 42 Tagen (= zwei maximale Inkubationszeiten) keine weiteren Fälle auftreten, gilt das Land als frei von Ebolafieber. Eine erhöhte Wachsamkeit bleibt anschließend jedoch weiterhin bestehen, um eventuelle spät auftretende Ebolafieber-Fälle rechtzeitig diagnostizieren und eine Weiterverbreitung verhindern zu können.

Beispiel Liberia: Nachdem innerhalb von 42 Tagen keine Fälle mehr registriert wurden, erklärte die WHO das Land am 9. Mai 2015 für frei von Ebolafieber. Nach weiteren Fällen im Juni und Juli 2015 wurde Liberia am 3. September 2014 (wie­de­rum nach Ablauf der 42 Tage) zum zweiten Mal für Ebolafieber-frei erklärt. Im November 2015 traten jedoch erneut drei Fälle auf. Am 14. Januar 2016 wurde das Land ein drittes Mal für frei von Ebolafieber erklärt.

Aktuelle Fallzahlen und Situationsberichte stellt die Weltgesundheitsorganisation auf ihren Internetseiten zur Verfügung (Links siehe unten). Hinweise für Reisende sind auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes abrufbar (Reise- und Sicherheitshinweise, Länder A-Z, Link siehe unten).

Fälle von Ebolafieber in anderen Staaten

Während des Ausbruchs sind vereinzelt infizierte oder bereits erkrankte Menschen unerkannt in andere Länder gereist. In einigen Fällen kam es zu weiteren Ansteckungen:

  • 23. Juli 2014: Bei einem Patienten in Lagos, Nigeria, wurde Ebolafieber be­stä­tigt. Der Mann war am 20. Juli 2014 mit dem Flugzeug aus Liberia eingereist und zeigte bereits während des Fluges Symptome. Er verstarb am 25. Juli 2014. In der Folge erkrankten 19 weitere Personen in Lagos und Port Harcourt; sieben davon starben.
  • 29. August 2014: Im Senegal wurde bei einem Patienten, der auf dem Land­weg aus Guinea eingereist war, eine Ebolavirus-Infektion festgestellt. Am 5. September 2014 wurden in seinem Blut keine Ebolaviren mehr nachgewiesen; der junge Mann kehrte am 18. September 2014 geheilt nach Guinea zurück.
  • 30. September 2014: In den USA wurde erstmals ein Fall von Ebolafieber außerhalb Afrikas bestätigt. Der Patient war aus Liberia nach Dallas, Texas, gereist und entwickelte mehrere Tage nach seiner Einreise Symptome. Er wurde in einem Krankenhaus in Dallas behandelt und starb am 8. Oktober 2014. Zwei Mitarbeiterinnen des Krankenhauses infizierten sich bei der Pflege des Patienten; sie wurden am 10. bzw. 15. Oktober 2014 positiv auf das Ebola­virus getestet. Beide Frauen wurden am 24. bzw. 28. Oktober 2014 geheilt entlassen.
  • 6. Oktober 2014: In Madrid, Spanien, wurde bei einer Krankenschwester Ebola­fieber bestätigt. Sie hatte einen an Ebolafieber erkrankten Helfer betreut, der am 22. September 2014 aus Sierra Leone evakuiert worden war und wenige Tage später starb. Es handelte sich um die erste Mensch-zu-Mensch-Übertragung von Ebolafieber außerhalb Afrikas. Die Krankenschwester wurde am 21. Oktober 2014 Ebolavirus-frei getestet und später geheilt entlassen.
  • 23. Oktober 2014: In Mali wurde eine Ebolafieber-Erkrankung bei einem Klein­kind festgestellt. Es war auf dem Landweg nach Guinea gereist und am 19. Oktober 2014 krank zurückgekehrt. Das Mädchen starb am 24. Ok­to­ber 2014.
  • 23. Oktober 2014: In den USA wurde ein Ebolafieber-Fall aus New York City gemeldet. Es handelte sich um einen Arzt, der mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Guinea im Einsatz war. Er wurde am 11. November 2014 geheilt entlassen.
  • 11. November 2014: In Bamako, Mali, wurde eine Ebolavirus-Infektion bei einem Krankenpfleger nachgewiesen. Er starb am selben Tag. Bis zum 24. November 2014 erkrankten sechs weitere Personen, von denen vier starben. Alle sieben Fälle ließen sich auf einen religiösen Würdenträger zurückführen, der am 17. Oktober 2014 in Guinea erkrankt war, am 25. Oktober 2014 im Krankenhaus in Bamako aufgenommen wurde und dort zwei Tage später starb.
  • 29. Dezember 2014: In Großbritannien erkrankte eine Krankenschwester an Ebolafieber, nachdem sie von einem Hilfseinsatz in Sierra Leone zurück­ge­kehrt war. Die Patientin wurde am 24. Januar 2015 geheilt entlassen. Seitdem hat sie sich wiederholt in stationäre Behandlung begeben müssen, weil sie ungewöhnliche Spätfolgen der Ebolafieber-Infektion entwickelt hatte.
  • 12. Mai 2015: In Italien wurde bei einem Krankenpfleger Ebolafieber nach­ge­wiesen. Er war am 7. Mai 2015 von einem Hilfseinsatz in Sierra Leone zurück­ge­kehrt. Am 10. Juni 2015 wurde der Patient geheilt entlassen.

Westliche Hilfskräfte, die sich während ihres Einsatzes in Westafrika mit dem Ebolavirus infizierten oder bei denen der Verdacht einer Infektion bestand, wurden in der Regel in ihre Heimatländer oder in andere Industrienationen ausgeflogen. Dort wurden sie in spezialisierten Behandlungszentren therapiert beziehungs­wei­se beobachtet. Auch einige erkrankte Hilfskräfte internationaler Organisationen wurden zur Behandlung evakuiert, unter anderem nach Deutschland. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden weltweit 65 Menschen aus den von Ebolafieber betroffenen Gebieten ausgeflogen, 38 davon nach Europa. Die bislang letzte Evakuierung fand am 18.3.2015 statt (Link siehe unten).

Ein am 24. August 2014 an die WHO gemeldeter Ausbruch von Ebolafieber in der Demokratischen Republik Kongo war epidemiologisch nicht mit dem Ausbruch in Westafrika verbunden. In diesem separaten Ausbruch erkrankten 66 Personen, 49 von ihnen starben. Der letzte Fall wurde am 4. Oktober 2014 bestätigt. Am 21. November 2014 wurde offiziell das Ende dieses Ausbruchs erklärt.

Situation in Deutschland

Deutschland war vom Ebolafieber-Ausbruch nicht betroffen. Es sind keine Fälle von Ebolafieber in Deutschland aufgetreten. Auch keiner der deutschen Helfer, die zur Bekämpfung der Epidemie in Westafrika im Einsatz waren, hat sich mit dem Virus infiziert.

Das Risiko, dass Reisende Ebolafieber aus den betroffenen Staaten Westafrikas nach Deutschland bringen, war während des Ausbruchs sehr gering. Nur einer von 100 Flugreisenden aus Westafrika hat Deutschland als Ziel. In den betrof­fe­nen Ländern fanden Ausreisekontrollen statt. Während des Ausbruchs wurden nur acht Fälle bekannt, in denen Infizierte oder Erkrankte unerkannt aus den be­trof­fe­nen Ländern ausgereist sind. Drei davon waren rückkehrende Helfer (siehe Fälle von Ebolafieber in anderen Staaten). Gegenwärtig ist das Risiko, dass Ebolafieber aus dem Ausbruchsgebiet nach Deutschland gelangt, zu ver­nach­läs­si­gen.

Auf ein mögliches Auftreten von Ebolafieber ist Deutschland gut vorbereitet. Das Robert Koch-Institut begleitet das Geschehen weiterhin aufmerksam. Die Emp­feh­lun­gen, die das RKI gemeinsam mit Bundesländern und Fachkreisen in der Hochphase des Ausbruchs erstellt hat, werden fortlaufend an die neuesten wis­sen­schaft­li­chen Erkenntnisse angepasst (Rahmenkonzept, Link siehe unten).

Deutschland ist auch auf die Behandlung von Personen, die an Ebolafieber er­krankt sind, gut vorbereitet. Für das seuchenhygienische und klinische Mana­ge­ment gibt es ein Netzwerk von Kompetenz- und Behandlungszentren (STAKOB), die auf den Umgang mit hochkontagiösen, lebensbedrohlichen Infektions­krank­hei­ten spezialisiert sind. Deren Mitarbeiter sind speziell ausgebildet und trainieren regelmäßig die Versorgung von Patienten unter Isolationsbedingungen. Die STAKOB-Geschäftsstelle ist beim Robert Koch-Institut angesiedelt (Link siehe unten). Für die Beratung in speziellen infektionsepidemiologischen Frage­stel­lun­gen, z.B. der Besprechung möglicher Verdachtsfälle, steht im Robert Koch-Institut für die Fachöffentlichkeit eine 24-stündige Rufbereitschaft zur Verfügung. Sie ist über die Telefonzentrale zu erreichen.

Drei Patienten, die sich in Westafrika mit Ebolafieber infiziert hatten, wurden nach Deutschland ausgeflogen und – unter Beachtung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen – in Behandlungszentren verlegt:

  • Vom 27. August 2014 bis 3. Oktober 2014 wurde ein Patient im Be­hand­lungs­zen­trum Hamburg betreut. Der Erkrankte wurde aus Sierra Leone evakuiert; er hatte in Westafrika für die WHO gearbeitet. Er wurde geheilt entlassen.
  • Vom 3. Oktober 2014 bis 19. November 2014 befand sich ein Patient im Behandlungszentrum Frankfurt. Der Erkrankte war in Sierra Leone für eine italienische Hilfsorganisation tätig gewesen und wurde von dort evakuiert. Er wurde ebenfalls geheilt entlassen.
  • Ein dritter Patient, der vom 9. Oktober 2014 bis zum 13. Oktober 2014 im Behandlungszentrum Leipzig versorgt wurde, verstarb. Es handelte sich um einen UN-Mitarbeiter, der aus Liberia evakuiert worden war.

Wer sich in Regionen mit Ebolafieber-Fällen aufgehalten hat, sollte auf Symp­tome der Infektion achten und sich beim Auftreten von Krankheitszeichen an einen Arzt wenden. Ärzte sollten bei Reiserückkehrern mit entsprechenden Symptomen und Reiseanamnese eine Ebolavirus-Infektion in Betracht ziehen. Ein begründeter Verdacht auf Ebolafieber liegt vereinfacht gesagt nur bei Per­so­nen vor, die in den letzten 21 Tagen aus Gebieten mit Ebolafieber-Erkrankungen eingereist sind, passende Symptome haben und vor Ort Kontakt zu Ebolafieber-Erkrankten oder -Verstorbenen, mit deren Körperflüssigkeiten oder kranken Tieren gehabt haben (Details siehe Flussschema zur Abklärung, ob ein begründeter Ebolafieber-Verdachtsfall vorliegt, Link siehe unten). Hoch oben auf der Liste der Diagnosen bei Fieberpatienten mit Westafrika-Reisehintergrund ist die Malaria. In Deutschland wurden in den Wintermonaten der Vorjahre durchschnittlich 20 Fälle von Malaria pro Monat bei Reiserückkehrern allein aus Westafrika diagnostiziert.

Für Fragen zur Diagnostik des Ebolafiebers sind das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM) als Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger und das Institut für Virologie der Universität Marburg als Kon­si­li­ar­la­bor für Filoviren erste Ansprechpartner. Für Notfälle existiert ein 24-stündiger Notdienst, der beim BNITM über die Telefonzentrale erreichbar ist (Links siehe unten). Im RKI steht das Fachgebiet Hochpathogene Viren (Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene) für Fragen zur Diagnostik des Ebolavirus zur Verfügung (Link siehe unten).

RKI-Aktivitäten zur Ausbruchsbekämpfung in Westafrika

Das RKI hat die gemeinschaftlichen Bemühungen zur Bekämpfung der Ebolafieber-Epidemie auf verschiedenen Ebenen unterstützt (Links siehe unten).

  • Virologen des Robert Koch-Instituts arbeiteten gemeinsam mit anderen deutschen und europäischen Wissenschaftlern in mehreren Europäischen Mobilen Laboren in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Das Europäische Mobile Labor-Projekt ist eine multinationale europäische Initiative, die vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) koordiniert und von der Europäischen Kommission unterstützt wird (Link siehe unten).
  • Virologen des RKI waren außerdem am Aufbau eines Labors für die Diagnostik von viralen hämorrhagischen Fiebern an der Elfenbeinküste beteiligt. Die Elfenbeinküste grenzt an die von Ebolafieber betroffenen Länder Guinea und Liberia. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt finanziert.
  • Epidemiologen des RKI unterstützen die WHO in der Zentrale in Genf und hal­fen, unter anderem im Rahmen des GOARN-Netzwerks, bei der Aus­bruchs­be­kämp­fung in Westafrika: Unter anderem spürten sie neue Fälle auf, isolierten sie, ermittelten Kontaktpersonen und stellten diese unter Beobachtung.
  • Das STAKOB-Trainingszentrum in Würzburg und das RKI haben zusammen mit afrikanischen Partnern ein Trainingsprogramm zur Erkennung von und zum Umgang mit hochansteckenden, lebensbedrohlichen Erkrankungen entwickelt. Die Schulungen richten sich an medizinisches Personal in Afrika und werden vom Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen eines Forschungsprojekts finanziert (EFFO-Projekt, Link siehe unten).
  • Bereits im April 2014 hat ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des RKI den Ursprung des Ebolafieber-Ausbruchs in Westafrika untersucht. Demnach hat sich Ende 2013 ein zweijähriger Junge in Guinea bei einer Fledermaus mit dem Virus infiziert. Die Ergebnisse wurden im Januar 2015 in der Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht (Link zu einer ausführlichen Darstellung auf Englisch siehe unten).

Stand: 30.03.2016

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