Zweiter Fall von Milzbrand bei einem Heroinkonsumenten in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen (Städteregion Aachen) erkrankte Mitte März ein weiterer Heroinkonsument an Milzbrand. Der Mann wird antibiotisch behandelt und ist derzeit in klinisch stabilem Zustand. Neben dem Mitte Dezember in Aachen Verstorbenen ist dies der zweite Milzbrandfall bei einem Heroinkonsumenten in Deutschland seit Dezember 2009.
Das jetzige Auftreten eines weiteren Falls bei einem Heroinkonsumenten in derselben Region in Deutschland legt nahe, dass kontaminiertes Heroin weiter im Umlauf ist. Es ist weiterhin nicht auszuschließen, dass es auch in anderen Bundesländern vertrieben worden sein könnte.
Auch aus Schottland und England werden weiterhin Fälle von Milzbrand nach meist intravenösem Heroinkonsum bekannt. Aufgrund vergleichender Untersuchungen von Proben des im Dezember in Aachen Verstorbenen und von Proben von Fällen aus Schottland ist nicht auszuschließen, dass es sich um identische Stämme des Milzbranderregers bei allen untersuchten Fällen handelt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass verunreinigtes Heroin in Deutschland und Großbritannien eine gemeinsame Quelle der Verunreinigung haben könnte.
Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn z.B. mit Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin injiziert oder inhaliert wird oder mit verletzter Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommt. Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.
Bei entsprechender Anamnese sollten Ärzte Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt: Milzbrand (Anthrax) – Kurzinformation
Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link: Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte
Wir bitten um Kontaktaufnahme mit dem örtlichen Gesundheitsamt, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten.
Bei begründetem Verdacht bietet das RKI nach Absprache Unterstützung bei der Laboranalyse von klinischem Material oder potentiellen Infektionsquellen zum Ausschluss des Milzbranderregers an. Dazu kann auch eine Beratung zur Gewinnung und dem Versand der Proben erfolgen.
Ansprechpartner für epidemiologische Fragen sind im Robert Koch-Institut Frau Dr. Bernard (Tel.: 030 18754-3173) und Herr Dr. Faber (Tel.: 030 18754-3353). Ansprechpartner für diagnostische Fragen zu Milzbrand ist Herr PD Dr. Grunow (Tel.: 030 18754-2100).
