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Ergebnisse des Forschungsprojektes „Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus“ vorgestellt

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Wissenschaftler des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben die Geschichte des Robert Koch-Instituts im Nationalsozialismus erforscht. Die Ergebnisse des vom RKI initiierten und finanzierten Projekts wurden am 1.10.2008 in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Aufgrund seiner zentralen Stellung in der staatlichen Gesundheitsverwaltung, zwischen 1935 und 1942 auch als Teil des Reichsgesundheitsamtes, war das Institut erheblich in die nationalsozialistische Gewaltpolitik involviert. „Für das Übertreten humanistischer Grundsätze, für die Verletzung der Würde und der körperlichen Unversehrtheit gibt zu keiner Zeit der Welt eine Rechtfertigung, auch wenn die Mehrheit ein solches Verhalten toleriert oder gar fordert“, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker nach der Vorstellung der Ergebnisse.

Die Untaten sollen nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind festgehalten in wissenschaftlichen Publikationen und in der Monografie zu den Forschungsergebnissen („Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus“, Kulturverlag Kadmos, Berlin, 2008). Außerdem wird es ein Objekt des Gedenkens und Erinnerns auf dem Gelände des Robert Koch-Instituts geben. Näheres zur Ausgestaltung und zum Standort steht noch nicht fest, aber die Planung hat begonnen. „Die wichtigste Lehre ist, dass jeder Einzelne Rückgrat beweisen muss. Diskriminierung und emotionale Verrohung, Schutz von Tätern oder eine Unterscheidung in wertvolle und weniger wertvolle Menschen dürfen wir nie hinnehmen“, unterstrich Jörg Hacker.

Mit dem 2006 begonnenen Projekt wurde erstmals das wissenschaftliche, politische und wissenschaftspolitische Handeln des RKI im Nationalsozialismus umfassend und ohne institutionelle Befangenheit erforscht. Eine Kommission aus international renommierten Historikern gewährleistete die wissenschaftliche Unabhängigkeit und Qualität des Forschungsprogramms. Vorsitzender der Kommission und Projektleiter war Volker Hess vom Institut für Geschichte der Medizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Die Beteiligung von RKI-Wissenschaftlern und dem RKI verbundenen externen Forschern an inhumanen Menschenversuchen in Konzentrationslagern und psychiatrischen Einrichtungen waren schon bekannt. Durch das Forschungsprojekt kamen eine Reihe neuer Namen und Taten ans Licht. Deutlich geworden ist vor allem die damalige fast vollständige Durchdringung des RKI mit der NS-Ideologie, forschungsthematisch und personell. Durch eine Entlassungswelle drei Monate nach der Machtergreifung 1933 verlor das RKI praktisch seinen kompletten wissenschaftlichen Mittelbau und damit innovative Forschungsrichtungen und wissenschaftliche Kooperationen. Die Wissenschaftler mussten auswandern, einer musste sich zeitweise verstecken. Auch die Führungsebene wurde umgebaut. Nach einigen Jahren waren der Direktor und fast alle Abteilungsleiter in der Partei.

Fälle von Zivilcourage, von Protestbekundungen gegen das staatliche, das institutionelle und das individuelle Vorgehen wurden nicht gefunden. Die Medizinhistoriker und -historikerinnen haben aus Arbeitszeugnissen das Bemühen gesehen, Mitarbeitern durch eine positive Beurteilung den Weg in eine neue Stelle – in der Regel im Ausland – zu erleichtern. „Wir hatten uns mehr Courage erhofft“, sagte Jörg Hacker.

Weitere Informationen: www.rki.de/geschichte

Stand: 01.10.2008

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