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Laborcontainment

Nach der globalen Zertifizierung der Poliofreiheit (d.h. wenn es keine Zirkulation von Polio­wildviren und keine Poliofälle mehr gibt) können Labore, die Polio­viren und potenziell infektiöses Material lagern, eine Gefahr darstellen. Daher gilt das Containment, d.h. die sichere Aufbe­wahrung von Polio­wildviren, neben hohen Impfraten und einer funktions­fähigen Surveillance, als drittes wichtiges Element für die Zertifi­zierung einer WHO-Region als poliofrei. Nachdem die WHO-Region Europa diese Zertifizierung im Jahr 2002 erhalten hat, gewann auch in Deutschland das Containment zunehmend an Bedeutung. Dessen Umsetzung, d.h. die Befragung von Laboren nach der Verwendung/Lagerung von Poliowild­viren und die Erstellung eines bundes­weiten Registers von Laboren, die mit Polio(wild)viren arbeiten, wurde am Nieder­sächsischen Landes­gesundheits­amt in Hannover begonnen.

Seit 2010 ist die Überwachung des Labor­containments in den Aufgaben­bereich des RKI übergegangen.

Die WHO hat 2015 die globale Ausrottung von Polio­wildviren des Typs 2 erklärt. 2016 wurde in OPV-impfenden Ländern der trivalente Polio­lebend­impfstoff durch bivalenten (Polio 1+3) ersetzt.

Der Besitz von allen Polio­viren des Typs 2 ist bereits seit 2016 außerhalb von zentralen Einrichtungen nicht mehr zulässig.

Mit der Novellierung des Infektions­schutz­gesetzes (IfSG) erhielt das Polio­containment mit dem neuen Paragraphen 50a ("Labor­contain­ment und Ausrottung des Polio­virus") eine gesetzliche Grundlage (Link zum Gesetzestext siehe unten). Seit dem 25.7.2017 ist der Besitz von Polio­viren oder Material, das möglicher­weise Polioviren enthält, bei der zuständigen Behörde (i.d.R. Gesundheitsamt) anzeige­pflichtig. Die zuständige Behörde übermittelt Angaben zur Einrichtung, zur verantwort­lichen Person, zu Art und Menge der Polioviren/ des Materials sowie dem damit verfolgten Zweck unverzüglich der obersten Landes­gesund­heits­behörde, die sie unverzüglich der Geschäfts­stelle der Nationalen Kommission für die Polio­era­dikation am RKI übermittelt.

Darüber hinaus ermächtigt der neue Paragraph das Bundes­gesundheits­ministerium, die Zeitpunkte festzulegen,

  1. zu denen Polioviren und Material, das möglicher­weise Polioviren enthält, nach Absatz 2 spätestens vernichtet sein müssen,
  2. ab denen nur eine zentrale Einrichtung Polio­wildviren des Typs 1 und 3, Polioimpf­viren des Typs 1 und 3 sowie Material, das möglicher­weise solche Polioviren enthält, besitzen darf.

Wenn der Verdacht besteht, dass eine Person Polioviren oder Material, das möglicher­weise Polioviren enthält, besitzt, ohne dass dies angezeigt wurde, kann die zuständige Behörde die erforder­lichen Ermittlungen durchführen (Link zum Gesetzestext siehe unten).

Stand: 11.04.2018

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