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Tag des Gesundheitsamtes 2020

Gesundheitsmonitoring für evidenzbasiertes Handeln

Johann Peter Frank, Lithographie von Adolph Friedrich Kunike, 1819

Das Gesundheitsamt vor Ort ist eine zentrale Säule für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. Die Arbeit der rund 400 kommunalen Gesundheitsämter wird bislang nicht ausreichend gewürdigt, und die personelle Ausstattung der Gesundheitsämter sinkt seit Jahren. Daher hat das RKI 2019 erstmals den Tag des Gesundheitsamtes ausgerufen, am 19. März, dem Geburtstag von Johann Peter Frank. Der Mitte des 18. Jahrhunderts geborene Arzt und Sozialmediziner Johann Peter Frank gilt als Begründer des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Einen Tag des Gesundheitsamtes oder „Local Health Authority Day“ gab es zuvor auch auf internationaler Ebene nicht. Leistungsfähige lokale Gesundheitsbehörden sind überall auf der Welt das Rückgrat aller Bemühungen um die Gesundheit der Bevölkerung. Der Öffentliche Gesundheitsdienst ist „Public Health vor Ort“, wie er selbst in seinen Leitlinien konstatiert.

Motto für den Tag des Gesundheitsamtes 2020

Das Motto für den Tag des Gesundheitsamtes 2020 ist „Gesundheitsmonitoring für evidenzbasiertes Handeln". Die Erfassung von Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten sowie die darauf basierende Gesundheitsberichterstattung sind auf kommunaler Ebene von großer Bedeutung. Vergleichsweise bekannt dürften die Schuleingangsuntersuchungen sein. Darin erheben die Gesundheitsämter seit Jahrzehnten unter anderem Impfstatus, Gewicht und Sprachentwicklung der Schulanfänger und empfehlen bei Bedarf Fördermaßnahmen.

Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsmonitoring seit den Achtzigerjahren

Gesundheitsberichterstattung hat sich in vielen Ländern und Kommunen seit den 1980er Jahren erfolgreich etabliert. Unterstützt wurde dies durch die gesetzliche Verankerung der Gesundheitsberichterstattung als Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in den meisten Bundesländern. Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes wurde vor mehr als 20 Jahren konzipiert, angestoßen durch ein Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 1987. Sie wird seitdem gemeinsam vom Robert Koch-Institut und dem Statistischen Bundesamt getragen.

Untersuchung während der KiGGS-Studie 2017, Quelle: © Robert Koch-Institut

Ab Mitte der Achtzigerjahre führte das RKI auf Bundesebene in unregelmäßigem Abstand große Bevölkerungsstudien (Gesundheitssurveys) durch, mit dem Schwerpunkt auf nicht übertragbaren Krankheiten, seit 2008 gibt es ein kontinuierlich finanziertes System des RKI-Gesundheitsmonitorings. Im Frühjahr 2020 startet ein neuer großer Gesundheitssurvey, die gern-Studie, dieses Mal in Kooperation mit dem Max Rubner-Institut mit dem Schwerpunkt auf Gesundheit und Ernährung. Auf Länderebene und kommunaler Ebene gibt es ebenfalls zahlreiche Aktivitäten zur Erfassung von Gesundheitsdaten und deren Auswertung, mit Veröffentlichung in elektronischer Form oder als GBE-Bericht im Printformat. Einige Länder bieten eine webbasierte Plattform an, in denen kommunale Berichte zusammengestellt sind, um den Austausch zwischen den Berichterstattenden zu unterstützen und die Sichtbarkeit der Berichte für einen breiten Adressatenkreis zu verbessern.

Regionale Schwerpunkte der Gesundheitsberichterstattung

Die inhaltlichen Kernthemen der kommunalen Gesundheitsberichterstattung sind vielfältig und spiegeln die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen. Wichtige Themen sind dabei die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (unter Nutzung der jeweiligen Schuleingangsuntersuchungen), die Gesundheitsversorgung,  Aspekte der psychischen Gesundheit sowie die Gesundheit von Älteren. Gerade auf kommunaler Ebene kann Gesundheitsberichterstattung wichtige Impulse für die Planung von Gesundheitsförderung und Prävention geben sowie kleinräumig Versorgungsbedarfe aufzeigen. Bei den Lebensverhältnissen und damit auch bei der gesundheitlichen Lage  gibt es regional große Unterschiede. Daher ist eine kleinräumigere Betrachtung unter Berücksichtigung der regional unterschiedlichen Lebensverhältnisse eine große Herausforderung. Auch dies ist nur möglich mit Hilfe einzelner Aspekte des Gesundheitsmonitorings.

In  „Gute Praxis Gesundheitsberichterstattung – Leitlinien und Empfehlungen 2.0“, Anfang September 2019 im Journal of Health Monitoring veröffentlicht, heißt es: „Die Gute Praxis Gesundheitsberichterstattung soll Gesundheitsberichterstatterinnen und Gesundheitsberichterstattern auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sowie innerhalb anderer Institutionen eine Orientierung bieten. Zentrales Anliegen ist es, zu unterstreichen, dass Gesundheitsberichterstattung kein Selbstzweck ist, sondern eine gesellschaftliche Funktion hat und dem alten, immer noch aktuellen Grundsatz "Daten für Taten" folgt. Die Gesundheitsberichterstattung hat die Aufgabe, Problemfelder und Handlungsbedarfe aufzuzeigen, um damit einen Beitrag zur Förderung und Aufrechterhaltung der Gesundheit aller in psychischer, sozialer und physischer Hinsicht zu leisten.“ In „Gute Praxis“ sind Stellungnahmen aus der Gesundheitsberichterstattung der kommunalen, Landes-und Bundesebene sowie weiterer Institutionen und Verbände eingeflossen.

Neue Herausforderungen für Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsmonitoring

Deutschlandkarte, Quelle: © katty2016 / stock.adobe.com

Die Anfänge der modernen Gesundheitberichterstattung waren geprägt durch einen grundlegenden Bedarf an Übersichtsdarstellungen zur gesundheitlichen Situation der Bevölkerung bei gleichzeitig fehlenden Daten in vielen Bereichen. Demgegenüber steht heute ein breites Spektrum an Akteuren und Formaten der Gesundheitsberichterstattung. Bei manchen Themen ist die Datenfülle kaum mehr zu bewältigen, zu manch anderen Themen gibt es nach wie vor keine ausreichende Datenlage. Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsmonitoring sind heute deutlicher als früher durch eine Verbindung mit konkreten Public-Health-Anliegen geprägt, z.B. zur Prävention von Krebs, Diabetes oder psychischen Störungen. Auch die zunehmende Alterung der Gesellschaft und Migration bringen neue Herausforderungen für Gesundheitsmonitoring und Gesundheitsberichterstattung mit sich, auf Bundesebene geht das Robert Koch-Institut darauf mit speziellen Surveys (Gesundheit 65+ und IMIRA) bzw. Nationalen Surveillance-Aktivitäten (Diabetes-Surveillance) ein.

Einen wichtigen Entwicklungsimpuls hat das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz gebracht. Es sieht einen nationalen Präventionsbericht vor, in den auch Daten des RKI-Gesundheitsmonitorings eingehen,  zudem hat es auf Länder- und kommunaler Ebene den Aufbau einer regionalspezifischen Präventionsberichterstattung angeregt. Mit der vom „Zukunftsforum Public Health“ angestrebten nationalen Public-Health-Strategie könnten Gesundheitsmonitoring und Gesundheitsberichterstattung einen weiteren Entwicklungsimpuls erfahren. Vor dem Hintergrund dieser Dynamik wird es im Bundesgesundheitsblatt in der Ausgabe September 2020 eine Bestandsaufnahme der Gesundheitsberichterstattung in Deutschland geben.

Stand: 18.11.2019

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