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KOMMI - Erstellung einer Kontaktmatrix für die mathematische Modellierung von Infektionserkrankungen

Projektleitung und Ansprechpartner: Stefan Scholz

Projektfinanzierung: Robert Koch-Institut Sonderforschungsmittel

Laufzeit: 01.01.2020- 31.12.2020

Hintergrund

Mathematische Transmissionsmodelle bieten eine Möglichkeit, den Verlauf von Infektionskrankheiten zu simulieren und damit beispielsweise die Auswirkung von Interventionen zu untersuchen. Während einer Pandemie gibt es neben pharmazeutischen Interventionen (Impfstoffe, medikamentöse Therapie) auch wichtige, nicht-pharmazeutische Interventionen, die den Verlauf einer Pandemie beeinflussen sollen. Insbesondere, wenn Entwicklung, Herstellung und Verteilung von Impfstoffen Monate dauern, muss auf andere Interventionen, wie z.B. die soziale Distanzierung ausgewichen werden. Folgen und Auswirkungen auf den Verlauf der Pandemie durch solche Maßnahmen können aktuell nur geschätzt werden. Mathematische Transmissionsmodelle könnten Vorhersagen für solche Interventionen in kürzester Zeit liefern.

Bei Atemwegserkrankungen, die durch Influenzaviren oder das neuartige Coronavirus verursacht werden, spielen für die Verbreitung in der Bevölkerung mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen hängt die Verbreitung von den Eigenschaften des Erregers ab, also wie infektiös er ist und welche Symptome er verursacht. Zum anderen hängt sie von den Eigenschaften der Personen ab, die sich mit dem Virus infizieren:  hier sind das Immunsystem, aber auch das Kontaktverhalten der Personen wichtig. Eine empirische Analyse des Kontaktverhaltens von Menschen während einer staatlichen Empfehlung oder Anordnung einer soziale Distanzierung ist von entscheidender Bedeutung, da sie die Häufigkeit der Kontakte zwischen den Individuen unter den Einschränkungen des sozialen Zusammenseins darstellt und daher die Wirksamkeit der nicht-pharmazeutischen Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit messen kann.

Ziele

Der Zweck der Studie ist das Kontaktverhalten zu untersuchen, um die Verbreitung von Krankheitserregern wie des Corona- oder Influenzavirus in der deutschen Bevölkerung besser zu verstehen, und eine aktuelle Kontaktmatrix für Deutschland unter Berücksichtigung unterschiedlicher, für Infektionserkrankungen relevanter Kontaktarten zu konstruieren. Darüber hinaus werden die Ergebnisse mit mathematischen Modellen kombiniert, um die Auswirkungen von verschiedenen Interventionen wie Schulschließungen oder -öffnungen oder sozialer Distanzierung genauer einzuschätzen.

Methodik

Zur Erhebung des Kontaktverhaltens wird eine für die deutsche Bevölkerung repräsentative Stichprobe gezogen. Für diese Stichprobe sollen Daten zur Anzahl der Kontakte, die für die Ausbreitung von über die Luft oder Tröpfen übertragbaren Infektionskrankheiten relevant sind, zwischen verschiedenen Altersgruppen, unter Berücksichtigung des Kontexts (bspw. Haushalt, Schule, etc.) und der Art der Kontakte erhoben werden. Es werden „physische“ und „nicht-physische“ Kontakte unterschieden. In die erste Kategorie fallen Haut-zu-Haut-Kontakte (z.B. ein Kuss oder ein Händedruck), während die zweite Kategorie als wechselseitige Konversation mit drei oder mehr Wörtern in der physischen Anwesenheit einer anderen Person, jedoch ohne Haut-zu-Haut-Kontakt, definiert wird.  Zur Datenerfassung werden Tagebücher zum Selbstausfüllen in Papierform verwendet. Die Teilnehmer nutzen den Fragebogen, um die Anzahl der physischen oder nicht-physischen Kontakte zu notieren. Die Teilnehmer für die geplante schriftliche Befragung werden aus der Allgemeinbevölkerung telefonisch über die USUMA GmbH rekrutiert.  Die Rekrutierten bekommen die Einladung zur Studie und den Fragebogen zu Kontakten in einem frankierten Umschlag auf postalischem Wege vom RKI zugesandt.

Datenschutz

Die Rekrutierung wird im Auftrag des Robert Koch-Instituts von der USUMA GmbH telefonisch durchgeführt. Dazu erbitten die Interviewer nach einer kurzen Beschreibung des Studienzwecks die Einwilligung, dass sie den Personen Informationen und eine Einladung zur Studienteilnahme zusenden können und hierfür die Kontaktdaten aufnehmen dürfen. Ohne diese Einwilligung wird kein Telefoninterview durchgeführt.

Die datenschutzrechtliche Grundlage der KOMMI-Studie bildet die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und die schriftliche Einwilligungserklärung der Personen für die schriftliche Befragung. Bei minderjährigen Teilnehmenden ist die Zustimmung der Eltern oder Sorgeberechtigten erforderlich. Personen im Alter von 16 bis 18 Jahren sollen zusätzlich zu ihren Eltern/Sorgeberechtigten schriftlich in die Teilnahme einwilligen.

Kontakt

Verantwortlich für die Studie: Robert Koch-Institut, Fachgebiet 33, Seestr. 10, 13353 Berlin

Ansprechpartner: Stefan Scholz, KOMMI-Team [at] rki.de, Tel: 030 18754 4442

Stand: 14.07.2020

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