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In(tra)- und After-Action Reviews: Aus epidemisch bedeutsamen Lagen lernen

In(tra)- und After-Action Reviews (IAR/AAR) sind Teil des Monitoring und Evaluation Frameworks der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV, 2005). Sie sind primär qualitative, kollektive Lernprozesse, um kritisch und systematisch Maßnahmen zur Bewältigung einer epidemisch bedeutsamen Lage zu analysieren. IAR/AARs stellen keine externe Evaluierung der Leistung eines Einzelnen oder eines Teams dar. Vielmehr sind sie als Chance für einen offenen, partizipativen, system- und prozessanalytischen sowie lösungsorientierten Erfahrungsaustausch gedacht.

Ein IAR/AAR zielt darauf ab, Lücken, Herausforderungen sowie Beispiele guter Praxis auf Arbeitsebene zu identifizieren und kurz-, mittel- sowie langfristige Handlungsempfehlungen (i.S. von Daten für Taten) zu entwickeln, damit Beispiele guter Praxis beibehalten/ausgebaut und wiederkehrende Herausforderungen bewältigt werden können. Darüber hinaus soll ein IAR/AAR die Konsensfindung und Netzwerkbildung unter den verschiedenen Teilnehmenden fördern.

Im Rahmen eines IAR/AAR können unterschiedliche Themenbereiche („response areas“, Europäisches Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten / ECDC; „pillars“, WHO) oder auch gezielte Fragestellungen innerhalb bestimmter Themenbereiche aufgegriffen werden. Z.B. wurden im Rahmen der COVID-19-Bewältigung seitens ECDC und WHO Themen wie internationale Koordination und Zusammenarbeit, Surveillance, Laborsysteme, non-pharmakologische Maßnahmen, Risiko- (und Krisen-)Kommunikation, Impfungen, vulnerable Gruppen u.Ä. definiert.

Je nach Bedarf kann ein IAR/AAR umfassend bis eng umschrieben konzipiert werden (z.B. Diskussion mehrerer oder aller Themenbereiche vs. Fokus auf eng umschriebene Fragestellung, ggf. Einschränkung auf bestimmte Zeitabschnitte einer epidemisch bedeutsamen Lage). In jedem Fall sollte die Zielsetzung, einschließlich der zu behandelnden Themenbereiche und des räumlichen und zeitlichen Bezugs, klar definiert und kommuniziert werden. Dabei hilft ein Konzeptpapier, das neben der Zielsetzung auch Umfang, Methoden, Beteiligte, Ressourcen und Zeitplan darstellen sollte.

Konzipierung, Vorbereitung und Durchführung sollten während (IAR) oder möglichst innerhalb von 3 Monaten nach einer epidemisch bedeutsamen Lage (AAR) erfolgen. Für die Bearbeitung eines Themas im Rahmen eines IAR werden je nach Anzahl der Teilnehmenden und Fokus zwischen 3 und 8 Stunden (bzw. im Rahmen eines integrierten Formats bis zu mehreren Arbeitstagen) empfohlen. Abhängig von Ressourcen und Fokus sind AARs tendenziell länger.

Teilnehmende sollten idealerweise fachlich versiert, interessiert und einflussreich in Hinblick auf gewählte Themen sein, sich aktiv an Diskussionen beteiligen und unterschiedliche Perspektiven (z.B. aus Leitungs- sowie Ausführungsebene) mitbringen. Die Durchführung einer Stakeholderanalyse kann hilfreich sein, um multisektorale und multidisziplinäre Beteiligung zu berücksichtigen. Z.T. ist auch nach Erstidentifikation relevanter Behörden/Institutionen ein Schneeballprinzip nützlich, so dass weitere geeignete Teilnehmende seitens relevanter Behörden/Institutionen nominiert werden.

Grundsätzlich sind unterschiedliche Formate wie Debriefing, Arbeitsgruppen, Experteninterviews oder ein gemischter Methodenansatz für die Planung eines IAR/AAR unter Berücksichtigung qualitativer Forschungsstandards denkbar. Die Umsetzung eines IAR/AAR kann in Präsenz, virtuell, hybrid oder durch Beobachtung und Diskussion der Routinetätigkeiten („integriert“, Englisch „embedded“) erfolgen.

Eine zentrale Rolle in der Umsetzung eines IAR/AAR spielt die Moderation. WHO und ECDC stellen dafür thematisch sortierte Sets an Leitfragen sowie Moderationshinweise zur Verfügung. Moderatorinnen und Moderatoren sollten in der Methodik und im Ablauf geschult sein, ein grundlegendes Verständnis für die Thematik und qualitative Forschungsmethoden mitbringen und möglichst keine Doppelrolle (z.B. als Teilnehmende) übernehmen.

Stand: 13.05.2022

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