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Operationen - Infektionsrisiko und Festlegung infektions­präventiver Maßnahmen

Welche Arten von Operationen werden hinsichtlich des Infektions­risikos von der KRINKO unterschieden?

Eine Operation (OP) ist gemäß KRINKO-Definition von 2018 eine diagnostische und / oder therapeutische Maßnahme, die mit Durchtrennung der Haut bzw. Schleimhaut und ggf. tieferer Gewebeschichten einschließlich knöcherner Strukturen einhergeht – unter Ausschluss von Injektionen und Punktionen [1]. Im Rahmen der o.g. Empfehlung werden Operationen mit "normalem Infektionsrisiko" und solche mit geringerem Infektionsrisiko gemäß nachstehenden Kriterien unterschieden:

Ein geringes Infektionsrisiko ist z.B. gegeben bei kleinen Eingriffen an der Haut/Subkutis, am Auge, in der Mund-, Kiefer-, Stirnhöhle, Endoskopien von Körperhöhlen, Abzesseröffnung sowie für die interventionellen radiologischen und kardiologischen Eingriffe (außer mit regelhaft erwartetem Verfahrenswechsel).

Noch geringer ist das Infektionsrisiko bei im Hautniveau liegenden Tumoren oder Fremdkörpern (außer wenn sehr ausgedehnt) sowie bei Verletzungen der Haut oder der Subkutis (außer wenn sehr ausgedehnt).

Entscheidend für die Risikobewertung ist die Beurteilung des postoperativen Infektionsrisikos (soweit vorhanden anhand von Surveillancedaten) und der Bedeutung einer etwaigen SSI. Es wird empfohlen, dass das Risk Assessment für die Zuordnung anhand des geplanten OP-Spektrums gemeinsam vom chirurgischen Fachvertreter und dem beratendem Hygieniker durchgeführt wird.

Welchen Einfluss auf die erforder­lichen infektions­präventiven Maßnahmen hat diese Unterscheidung?

Operationen mit geringem SSI-Risiko können unter modifizierten räumlichen Bedingungen durchgeführt werden. Dort können die außerhalb des OP-Raums liegenden Nebenräume bzw. deren Funktionen zusammengefasst werden. Auch kann bei mobilen Patienten die Umlagerung vereinfacht werden und es kann auf eine RLTA aus infektions­hygienischen Gründen verzichtet werden. Die desinfizierende Zwischenreinigung der Flächen kann auf die patientennahen Flächen und alle sichtbaren Kontaminationen beschränkt werden.

Bei noch geringerem Infektionsrisiko können die invasiven Maßnahmen auch in einem Raum durchgeführt werden, der nicht in eine OP-Abteilung integriert ist. Der Raum ist ausreichend groß, seine Oberflächen sind leicht zu reinigen und zu desinfizieren. Die zuvor beschriebenen räumlichen Funktionen sind dort zusammengefasst. Steriler Schutzkittel, Haarschutz und MNS sind nicht regelhaft erforderlich, das Ausmaß der Sterilabdeckung und die Art der Personal­bekleidung richten sich nach der Art der Operation und nach der Größe des Operationsfelds.

Entscheidend für die Ausgestaltung der eine Operation begleitenden organisatorischen Maßnahmen und der baulichen Bedingungen ist das Gesamtrisiko aller Operationen einer Abteilung / Organisationseinheit. Dies wird gemeinsam mit dem Krankenhaushygieniker bewertet [1]. Diesbezüglich möchten wir auch auf die Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention zu "Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen“ verweisen [2]. Dort wird unter Ziffer 3.1 die Aufgaben des Krankenhaushygienikers/ der Krankenhaushygienikerin definiert. Diese/r sollte immer der erste Ansprechpartner bei der Festlegung einrichtungsspezifischer Maßnahmen sein, da oft die Gegebenheiten vor Ort mitberücksichtigt werden müssen. Einen gewissen Entscheidungsfreiraum für die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort durch den Krankenhaushygieniker enthält auch die aktuelle SSI-Empfehlung [1]. Auch die DIN 1946-4:2018-06 lässt unter Ziffer 4.3 "Dokumentation von Norm-Abweichungen" die Möglichkeit, unter Beteiligung des Krankenhaushygienikers/ der Krankenhaushygienikerin von Inhalten der Norm abzuweichen, offen [3].

Da die Infektionshygiene Ländersache ist und Einrichtungen des Gesundheitswesens der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt unterliegen, empfehlen wir zudem, sich mit dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt vor Ort zu beraten.

Quellen

[1] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Prävention postoperativer Wundinfektionen. Bundesgesundheitsblatt 2018 · 61:448–473

[2] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen. Bundesgesundheitsblatt 2009 52:951–962

[3] DIN 1946-4:2018-09 Raumlufttechnik - Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens. Beuth Verlag: Berlin.

Stand: 02.04.2019

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