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Was versteht man unter unspezifischen Effekten von Impfungen?

Impfungen senken seit vielen Jahrzehnten zuverlässig die Krankheitslast und die Sterblichkeit in der Bevölkerung. Mit der Entwicklung von Impfstoffen und deren breiten Anwendung gelang es, Krankheitsfälle einer Vielzahl von Infektionskrankheiten weltweit erheblich zu reduzieren bzw. sogar zu eradizieren (Pocken). Ihre Schutzwirkung entfalten Impfungen über den Aufbau einer spezifischen Immunität, unter anderem durch die Bildung spezifischer Antikörper, die sich gezielt gegen den Erreger oder seine Toxine richtet.

Mehrere Studien lieferten in den letzten Jahren Hinweise darauf, dass bei Impfungen neben den spezifischen Wirkungen gegen den Krankheitserreger auch unspezifische Effekte auftreten könnten. Unter unspezifischen Impfeffekten versteht man eine Modulation des Immunsystems, die den Gesundheitszustand von Geimpften negativ oder positiv beeinflusst.

Die WHO nimmt diese Hinweise ernst und hat daher 2013 eine Arbeitsgruppe (im Rahmen des Stra-tegischen Beirats der WHO-Strategic Advisory Group of Experts, SAGE) zu unspezifischen Effekten von Impfungen gebildet. Die Arbeitsgruppe hat eine Bewertung der Studienlage vorgenommen. Hinweise auf eine unspezifische Stärkung des Immunsystems liefern verschiedene Studien zur Bacille Calmette-Guerin (BCG)-Impfung gegen Tuberkulose. Es wurde postuliert, dass die Gesamtsterblichkeit bei mit BCG-geimpften Kindern in den ersten 6-12 Monaten im Vergleich zu nicht mit BCG geimpften Kindern stärker zurückgeht, als dies durch die Verhinderung von Tuberkuloseerkrankungen erklärbar ist. Laut der WHO deutet einiges darauf hin, dass diese Effekte durch eine unspezifische Stärkung des Immunsystems durch die BCG-Impfung hervorgerufen werden könnten. Ähnliche Hinweise gibt es zur Masern-Impfung. Sowohl beim BCG- als auch dem Masern-Impfstoff handelt es sich um Lebendimpfstoffe.

Beobachtungsstudien, die eine Schwächung des Immunsystems durch den Totimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten beschreiben, werden von der WHO aufgrund signifikanter methodischer Limitationen angezweifelt. Insgesamt lassen die Ergebnisse aufgrund der geringen Anzahl von randomisierten, kontrollierten Studien und weiteren erheblichen methodischen Bedenken keine abschließende Beurteilung dieser Hypothese zu. Dazu kommt, dass ein Großteil der Studien regional beschränkt in Subsahara-Afrika durchgeführt wurde, einer Region, in der Infektionskrankheiten eine der wesentlichen Ursachen für Kindersterblichkeit sind. Eine Übertragung der Ergebnisse auf Industrienationen ist deswegen nicht ohne weiteres möglich. Die WHO-Arbeitsgruppe kommt daher zu dem Ergebnis, dass weitere qualitativ hochwertigere Studien notwendig sind, um eindeutige Aussagen zu positiven sowie negativen unspezifischen Effekten von Impfungen machen zu können.

Stand: 12.01.2018

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