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Nosokomiale Ausbrüche

Unter einer nosokomialen Infektion versteht man eine Infektion, die Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme erwerben, die zum Beispiel in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder auch in ambulanten Praxen erfolgt ist. Das Risiko für das Auftreten von nosokomialen Infektionen ist dabei je nach Einrichtung oder Fachrichtung unterschiedlich und steht mit der Art der jeweiligen medizinischen Maßnahmen und zugrundliegenden Erkrankungen der betroffenen Patientinnen und Patienten zusammen (sogenannte Risikobereiche). Mit die höchsten Infektionsraten sind auf Intensivstationen zu beobachten, wo die Patientinnen und Patienten aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung und der damit verbundenen intensiven und häufig auch invasiven Behandlung einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Von einem nosokomialen Ausbruchsgeschehen im Sinne des Infektionsschutzgesetzes spricht man, wenn bei zwei oder mehr Personen nosokomiale Infektionen (im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationären oder einer ambulanten medizinischen Maßnahme), bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird, auftreten.

Mit der Änderung des IfSG im Jahr 2011 werden die Meldungen nosokomialer Ausbrüche, die bis dahin ausschließlich an das zuständige Gesundheitsamt gingen, auch über die jeweilige Landesstelle an das RKI übermittelt (siehe auch Meldepflicht). Im Jahr 2014 wurden über das Routine-Surveillancesystem rund 1.200 nosokomiale Ausbrüche aus den Bundesländern übermittelt. Etwa 15% der nosokomialen Ausbrüche wurden durch bakterielle Erreger und 85% durch virale Erreger hervorgerufen. Vermutlich liegt die Zahl der nosokomialen Ausbrüche höher und es muss von einer Untererfassung ausgegangen werden.

Abbildung: Anteil der Erreger/erregergruppen an der Gesamtzahl übermittelter nosokomialer Ausbrüche mit Angabe des Erregers (n=1.146) im Jahr 2014 in Deutschland (Quelle: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch des RKI 2015)

Erkennung von nosokomialen Ausbrüchen

Nach der Literatur treten ca. 5% aller nosokomialen Infektionen im Rahmen von Ausbrüchen auf. Um Ausbrüche festzustellen müssen die Daten von Erregerhäufigkeiten und nosokomialen Infektionen in Krankenhäusern abteilungs- und stationsbezogen bekannt sein. Häufig sind mit der praktischen Durchführung beziehungsweise Umsetzung der sensiblen Überwachung die mikrobiologischen Labore und zuständigen Hygieneinstitute beziehungsweise Krankenhaushygieniker /Krankenhaushygienikerinnen beauftragt. Bei der Beurteilung der Befunde sind die Kenntnis der Struktur der jeweiligen Einrichtung sowie eine geeignete Bezugsgröße von besonderer Bedeutung.

In diesem Zusammenhang ist auch die Surveillance der zu erfassenden nosokomialen Infektionen und Krankheitserreger mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen gemäß § 23 Absatz 4 IfSG, zu der die Leiter von Krankenhäusern und Einrichtungen für ambulantes Operieren gesetzlich verpflichtet sind, zu nennen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Ausbrüche häufig mit nicht resistenten Erregern erfolgen. Da Ausbrüche mit resistenten Erregern in der Regel eher erkannt werden, muss zudem von einer entsprechenden Untererfassung ausgegangen werden.

In Bundesländern, in denen eine Meldepflicht für Carbapenem-resistente gramnegative Erregern besteht, kommt den zuständigen Gesundheitsämtern beziehungsweise Landesstellen eine besondere Bedeutung bei der Verknüpfung von scheinbaren Einzelfällen, die möglicherweise auf Einrichtungsebene nicht erkannt wurden oder nicht erkannt werden konnten, zu. Dasselbe gilt für die Zusammenführung mehrerer nosokomialer Ausbruchsgeschehen auf Ebene der zuständigen Landesstelle oder überregional auf RKI-Ebene, z.B. bei einem kontaminiertem Medizinprodukt.

Untersuchung von nosokomialen Ausbrüchen

Die zeitnahe Untersuchung und Aufklärung von nosokomialen Ausbrüchen dient zum einen der Verhinderung einer weiteren Ausbreitung (innerhalb und außerhalb einer betroffenen Einrichtung) sowie der Erkennung von Infektionsketten und möglicher Infektionsquellen, um möglichst spezifische Maßnahmen zur Eindämmung ableiten zu können. Hierdurch soll so effizient und so effektiv wie möglich die weitere Verbreitung des Ausbruchserregers vermieden und Patientinnen und Patienten vor einer Besiedlung beziehungsweise Kolonisation geschützt werden. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang beim Auftreten einer Häufung nosokomialer Infektionen Screeningmaßnahmen durchzuführen, um auch „nur“ mit dem Ausbruchserreger besiedelte Patientinnen und Patienten identifizieren zu können. Nur so kann das tatsächliche Ausmaß eines Ausbruches abgeschätzt und Maßnahmen der Infektionsprävention im Ausbruchsgeschehen adäquat umgesetzt werden. Um Ausbrüche erkennen und die Wirksamkeit von ergriffenen Maßnahmen evaluieren zu können, ist eine Surveillance über die akute Ausbruchsphase hinaus angezeigt.
In den vergangenen Jahren war das RKI an einer Reihe von Ausbruchsuntersuchungen nosokomialer Infektionen beteiligt.

Zuständigkeiten für die Untersuchung nosokomialen Ausbrüchen

Gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist das zuständige Gesundheitsamt für Ermittlungen und die Anordnung von Maßnahmen zur Verhütung übertragbarer Krankheiten verantwortlich. Im Falle eines Ausbruchs führt das Gesundheitsamt Ermittlungen im Hinblick auf Ursache, Ansteckungsquellen und Ausbreitung sowie Umgebungsuntersuchungen durch, zudem trifft es Maßnahmen zur Abwendung der dem Einzelnen oder der Allgemeinheit drohenden Gefahren. Zu dem vor Ort arbeitenden Ausbruchsteam gehören neben dem zuständigen Gesundheitsamt in der Regel die Verantwortlichen der betroffenen Einrichtung. Auf Einladung der obersten Landesgesundheitsbehörde kann das RKI bei der Untersuchung von Krankheitsausbrüchen zur Unterstützung der zuständigen Behörden hinzugezogen werden.

Meldepflicht

Das medizinische Personal von Einrichtungen ist verpflichtet ein gehäuftes Auftreten nosokomialer Infektionen dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Dabei steht im Vordergrund, dass die zuständige Gesundheitsbehörde als Berater bei der Ermittlung der Infektionsquelle durch deskriptive und analytische Untersuchungen beteiligt wird.
Mit Änderung des IfSG vom 28.07.2011 ist ein dem zuständigem Gesundheitsamt gemäß § 6 Absatz 3 gemeldetes gehäuftes Auftreten nosokomialer Infektionen gemäß § 11 Absatz 2 über die zuständige Landesstelle an das RKI zu übermitteln.
Fälle, die zu einem nosokomialen Ausbruchsgeschehen gehören, können in Abhängigkeit von Erkrankung beziehungsweise Erregernachweis gleichzeitig auch andere Meldetatbestände erfüllen und somit anderen Meldekategorien zugeordnet werden. Die Meldepflicht gemäß § 6 Abs. 3 IfSG und die Übermittlungspflicht gemäß § 11 Abs. 2 IfSG z.B. bleiben hiervon unberührt.

Stand: 07.12.2016

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