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Ausbruchsuntersuchungen

Um die Ursache eines Krankheitsausbruchs finden, mögliche Übertragungswege identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs durchführen zu können, sollte eine Ausbruchsuntersuchung durchgeführt werden.

Erkennung von Ausbrüchen

Meldezahlen gemäß IfSG werden vom Robert Koch-Institut immer auch auf die Erkennung von Ausbrüchen, längerfristigen Trends und saisonalen Veränderungen hin überwacht und untersucht. Von zunehmender Bedeutung für die Analyse und Erkennung von Ausbrüchen ist auch die kontinuierliche molekularbiologische Untersuchung von Infektionserregern in Nationalen Referenzzentren, Konsiliarlaboratorien und Landeslaboren. Beispielsweise fallen manche Ausbrüche deshalb auf, weil ein eigentlich seltener Erreger-Typ im Nationalen Referenzzentrum in einem bestimmten Zeitraum häufiger als erwartet diagnostiziert wurde. Über Genomsequenzierungen von Erregerisolaten können molekularbiologische Ähnlichkeiten erkannt werden und Isolate einem genetischen Cluster bzw. einem Ausbruchsgeschehen zugeordnet werden (s.a. Nationale Referenzzentren und Konsiliarlabore, Integrierte genomische Surveillance (IGS)). Eine Überwachung der Meldedaten und Ausbrüche findet nicht nur auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, sondern auch auf europäischer Ebene statt.

Untersuchung von Ausbrüchen

Ziel einer epidemiologischen Ausbruchsuntersuchung ist es, das Ausmaß der Geschehens und das Risiko für die Bevölkerung zu ermitteln, das Ausbruchsvehikel bzw. die Infektionsquelle zu identifizieren, abzustellen und durch Kontroll- oder Hygienemaßnahmen Folgefälle und ähnliche Ausbrüche in der Zukunft zu verhindern. Im Zuge von Ausbruchsuntersuchungen werden auch neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren wie z.B. zum Vorkommen von Erregern in bestimmten Lebensmitteln und Tierreservoiren, gesammelt, Informationen zur Impfeffektivität gewonnen oder auch neue Krankheiterreger erstmalig identifiziert. Basierend auf diesen Informationen, können dann z.B. Warnungen ausgesprochen und Verzehrs-, Verhaltens- oder Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personengruppen (z.B. Schwangere, Ältere, Immungeschwächte und Kinder) entwickelt werden. Epidemiologische Untersuchungen, die z.B. Befragungen von Erkrankten oder analytische epidemiologische Studien umfassen können, werden durch die molekularbiologischen Untersuchungen ergänzt.

Zuständigkeiten bei Ausbruchsuntersuchungen

Gemäß §25 IfSG ist das Gesundheitsamt für Ermittlungen zur Art, Ursache, Ansteckungsquelle und Ausbreitung von übertragbaren Krankheiten zuständig und ordnet Maßnahmen zur Abwendung von Gefahren durch übertragbare Krankheiten an. Dies gilt auch in Ausbruchsgeschehen. Zu den Maßnahmen zählen zum Beispiel Hygieneberatung, Impfkampagnen oder Riegelungsimpfungen. Zudem kann das Gesundheitsamt Umgebungsuntersuchungen durchführen.

Gesundheitsämter können bei der Untersuchung von Ausbrüchen ihre Landesgesundheitsbehörde und das Robert Koch-Institut hinzuziehen (u.a. über Amtshilfe gemäß § 4 Abs. 1 IfSG).

Unterstützung bei Ausbruchsuntersuchungen

Das Robert Koch-Institut unterstützt die Gesundheitsämter und Landesgesundheitsbehörden bei Ausbruchsuntersuchungen, zum Beispiel durch Beratung, Bereitstellung geeigneter Fragebögen, Durchführung von Labordiagnostik (insbesondere Erregerfeintypisierung) oder epidemiologischen Studien, bei Bedarf auch vor Ort. Voraussetzung für eine Unterstützung vor Ort ist eine Anfrage der obersten Landesgesundheitsbehörde an das RKI (Amtshilfe).

Bei bundeslandübergreifenden Ausbrüchen kann das RKI in Absprache mit den obersten Landesgesundheitsbehörden auch die Koordinierung der Ausbruchsuntersuchung übernehmen (gemäß § 4 Abs. 1 IfSG bzw. IfSG-Koordinierungs-Verwaltungsvorschrift (IfSG-Koordinierungs-VwV)).

Vorgehen bei Ausbruchsuntersuchungen

Das Vorgehen bei einer Ausbruchsuntersuchung hängt stark von vorliegenden Umständen ab, also dem Umfeld, dem vermuteten bzw. nachgewiesenen Erreger und dem vermuteten Übertragungsweg. Jede Untersuchung erfordert daher ein an das Geschehen angepasstes Vorgehen. Ausbruchsuntersuchungen sind zeit- und personalintensiv. Gute Kenntnisse epidemiologischer Untersuchungsmethoden und die enge vertrauensvolle Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Behörden sind entscheidend für erfolgreiche Ausbruchsuntersuchungen.

Bei Ausbruchsuntersuchungen wird systematisch vorgegangen. Die Untersuchung umfasst verschiedene Schritte, die hier beispielhaft aufgelistet sind. Die einzelnen Schritte müssen nicht zwingend in jeder Ausbruchsuntersuchung Anwendung finden. Zudem laufen sie in der Praxis häufig nicht nacheinander, sondern parallel ab und variieren in der Reihenfolge.

Allgemeine Schritte der Ausbruchsuntersuchung:

  • Ausbruch bestätigen
  • Diagnose bestätigen (Infektionserreger nachweisen)
  • Ausbruchs-Falldefinition erstellen
  • Weitere Fälle suchen und betroffene Personen befragen
  • Daten ordnen (nach Zeit, Ort, Person) und deskriptiv auswerten
  • Hypothese zur Infektionsursache bzw. zum Infektionsvehikel aufstellen
  • Hypothese testen (durch analytische epidemiologische Studien)
  • Bei Bedarf weiterführende Studien durchführen
  • Kontrollmaßnahmen ergreifen / Empfehlungen formulieren
  • Ergebnisse kommunizieren, inkl. Ausbruchsbericht

Analytisch-epidemiologische Studien im Rahmen von Ausbruchsuntersuchungen

Über strukturierte, sogenannte explorative Befragungen von erkrankten Personen werden Hinweise auf mögliche Infektionsquellen und Übertragungswege gewonnen. Aus diesen und anderen Untersuchungen werden Hypothesen zur Ausbruchsursache entwickelt, die mit Hilfe von analytischen epidemiologischen Studien geprüft werden. Die wichtigsten Studientypen der analytischen Epidemiologie, die in Ausbruchsuntersuchungen zum Einsatz kommen, sind Kohortenstudien- und Fall-Kontroll-Studien. Hierbei werden Daten von Studienteilnehmenden mit Fragebögen strukturiert erhoben. Die Daten können telefonisch, schriftlich (Versand per Post oder E-Mail), online oder in persönlichen Interviews vor Ort erhoben werden. Zusätzlich kann auch das Beproben von biologischen Materialien z.B. Stuhl oder Blut, hilfreich sein. Anhand der Studienergebnisse ist es häufig möglich, die Infektionsquelle des Ausbruchs einzugrenzen und Risikofaktoren zu identifizieren.

Eine Kohortenstudie eignet sich als analytisch-epidemiologische Studie, wenn in einer Gruppe von Personen z.B. nach einer gemeinsamen Aktivität (Familienfeier, Ausflug, Schulbesuch, Kantinenmahlzeit) oder nach Aufenthalt an einem gemeinsamen Ort eine Häufung von Erkrankungen auftritt. In einer Kohortenstudie werden die Studienteilnehmenden (die Kohorte besteht aus Erkrankten und Nicht-Erkrankten) in zwei Gruppen eingeteilt, abhängig davon, ob sie einem vermuteten Risikofaktor ausgesetzt waren (Exponierte) oder nicht (Nicht-Exponierte). So könnten in einem nosokomialen Ausbruch Patientinnen und Patienten einer Krankenhausstation eine Kohorte darstellen, von denen sich einige einer bestimmten Behandlung unterzogen haben (Exponierte) und andere nicht (Nicht-Exponierte). In einem lebensmittelbedingten Ausbruch könnte die Kohorte aus Teilnehmenden einer Familienfeier bestehen, von denen einige Personen eine bestimmte Speise verzehrt haben (Exponierte) und andere nicht (Nicht-Exponierte). Durch den Vergleich des Erkrankungsrisikos von Exponierten und Nicht-Exponierten kann ein Zusammenhang zwischen einer bestimmten Exposition und der Erkrankung ermittelt werden. Kohortenstudien, die im Rahmen von Ausbruchsuntersuchungen durchgeführt werden, sind üblicherweise retrospektiv, da zum Zeitpunkt der Untersuchung Expositions- und Erkrankungsstatus bereits bekannt sind.

Bei Fall−Kontroll−Studien werden die Studienteilnehmenden nach dem Erkrankungsstatus ausgewählt: Erkrankte Personen (inzidente Fälle) werden mit nicht-erkrankten Personen (Kontrollen) bezüglich der Häufigkeit ihrer Exposition gegenüber verschiedenen Risikofaktoren verglichen. Das Ziel der Fall-Kontroll-Studie ist es, die (Risiko-)Faktoren zu identifizieren, die mit dem Auftreten der Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Mit Hilfe von statistischen Methoden wird untersucht, wie stark der Zusammenhang zwischen einem vermuteten Risikofaktor und der Erkrankung ist und ob dieser Zusammenhang statistisch signifikant ist.

Auch sorgfältig durchgeführte analytisch- epidemiologische Studien ermöglichen es nicht immer, ein Infektionsvehikel bzw. die Infektionsquelle zu identifizieren. Gründe dafür könnten z.B. sein, dass die befragten Personen sich nicht oder nicht genau genug an mögliche Expositionen erinnern können, nicht genügend erkrankte Personen befragt werden können oder dass der tatsächliche Risikofaktor in der Studien nicht erhoben wurde, weil die der Studie zugrundeliegende Hypothese falsch war.

Herausforderungen in Bezug auf Ausbruchsuntersuchungen

Ausbruchsuntersuchungen stellen besondere Herausforderungen für den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) dar. Sie erfordern:

  • Rasches und flexibles Handeln
  • Ausreichende Zahl und Qualifikation des ÖGD-Personals
  • Gute Kenntnis über Nutzen und Methoden von Ausbruchsuntersuchungen
  • Einen angemessen hohen Stellenwert für das Ausbruchsmanagement innerhalb der Behörden

Schulungen zu Ausbruchsuntersuchungen und Software-Werkzeug zur Unterstützung der epidemiologischen Ausbruchsuntersuchung

Das RKI bietet Schulungen und Fortbildungen für Mitarbeitende des ÖGD an, in denen das Konzept, die Methoden und Werkzeuge zur epidemiologischen Untersuchung von Ausbrüchen vermittelt und geübt werden (Epikurs@rki.de). Dabei liegt der Fokus auf der Untersuchung von lebensmittelbedingten Ausbrüchen. Dafür hat das RKI ein Konzept zum Vorgehen bei Ausbrüchen als Vorschlag für Gesundheitsämter und ein leicht handhabbares Excel-basiertes Werkzeug zur fallbasierten Dateneingabe (Linelist) und Datenauswertung bei epidemiologischen Studien erarbeitet. Das Linelist-Tool ist hier direkt zugänglich.

Darüber hinaus bietet das Robert Koch-Institut seit 1996 eine zweijährige Postgraduiertenausbildung für angewandte Epidemiologie (PAE) an, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Infektionsepidemiologie ausgebildet werden, um epidemiologische Methoden für den Infektionsschutz im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) einzusetzen. Schwerpunkte der Ausbildung sind unter anderem die Untersuchung von Infektionsausbrüchen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen des ÖGD.

Stand: 22.03.2024

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