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2+1 statt 3+1. Neue Impfempfehlungen der STIKO veröffentlicht

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat ihre aktuellen Impf­em­pfeh­lun­gen im Epidemiologischen Bulletin 34/2015 veröffentlicht. Än­de­run­gen gibt es beim Impfschema für die Pneumo­kok­ken-Impfung im Säug­lings- und Klein­kind­alter, bei der Menin­go­kok­ken-B-Impfung, bei der Gelb­fie­ber­imp­fung und der pas­si­ven Immuni­sie­rung gegen Windpocken. Die aus­führ­li­chen wissen­schaft­li­chen Be­grün­dun­gen erscheinen in den Bulletin-Ausgaben 35, 36 und 37. Zudem hat die STIKO die Masern-Impf­em­pfeh­lun­gen redak­tio­nell überarbeitet. Impf­indi­ka­tionen für bestimmte Situationen (zum Beispiel Aus­bruchs­ge­sche­hen, Aufnahme in eine Kita) wurden bisher nur im Fließtext er­wähnt und sind nun in den Tabellen 2 und 3 der Empfehlungen detailliert aufgelistet.

Bei der Pneumokokken-Impfung sollen Säuglinge zukünftig drei statt bisher vier Impf­stoff­do­sen eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs erhalten, im Alter von 2, 4 und 11-14 Monaten (sogenanntes 2+1-Impf­schema, zwei Grund­im­mu­ni­sie­run­gen plus eine Auffrischung). Für die bestmögliche Wirksamkeit der Impfung sol­len die einzelnen Impf­stoff­do­sen unbedingt im jeweils emp­foh­le­nen Alter gegeben werden. Dies gilt auch für die letzte Dosis im Alter von 11-14 Monaten, die für die Auf­recht­er­hal­tung des indi­vi­du­el­len Impfschutzes und für den Herden­schutz aus­schlag­ge­bend ist. Das 2+1-Sche­ma hat den Vorteil, dass Säuglinge im Alter von drei Mo­na­ten eine Impfung weniger benötigen. Neue Daten zur Wirksamkeit des kürzeren Impfschemas hatten die Än­de­rung möglich gemacht. Für Frühgeborene (Geburt vor der voll­en­deten 37. Schwan­ger­schafts­woche) wird unverändert das 3+1-Schema empfohlen, da in der Impfstoff-Zu­las­sung die Anwendung des kür­ze­ren Impf­sche­mas bislang auf Reifgeborene beschränkt ist. Frühgeborene sollen demnach wie bisher vier Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11-14 Monaten erhalten.

Primäres Impfziel der universellen Kinderimpfung gegen Pneumo­kok­ken ist es weiter­hin, die Zahl invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (Erreger in nor­ma­ler­wei­se sterilen Körperflüssigkeiten) und die daraus entstehenden Folgen wie Hos­pi­ta­li­sie­rung, Be­hin­de­rung und Tod zu reduzieren. Es gibt geschätzte elf Fälle pro 100.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren.

Gegen Meningokokken der Serogruppe B ist seit Dezember 2013 ein Impfstoff in Deutschland verfügbar. Die STIKO hält die bisherigen Studienergebnisse und die daraus resultierende Evidenz noch nicht ausreichend für eine Ent­schei­dung über eine generelle Impf­emp­feh­lung. Allerdings empfiehlt die STIKO zukünftig für Per­so­nen mit spezi­fi­schen Grundkrankheiten eine Imp­fung gegen Meningokokken B (Indi­ka­tions­impfung). Da das Risiko an einer invasiven Menin­go­kok­ken-B-In­fek­tion zu erkranken je nach Grundkrankheit unterschiedlich hoch ist, sollte die Ent­schei­dung für eine Meningokokken-B-Impfung nach individueller Risikoabschätzung getroffen werden.

Bei der Gelbfieberimpfung empfiehlt die STIKO aufgrund der Än­de­run­gen in den internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) keine Auf­frisch­imp­fung mehr. Die Änderung wurde möglich, nachdem in den vergangenen Jahren mehrere Studien auf einen lebenslangen Impf­schutz nach einmaliger Gelbfieberimpfung hingewiesen haben.

Varizella-Zoster-Immunglobuline sind bei fehlender Immunität gegen das Varizella-Zoster-Virus wichtig, wenn ein erhöhtes Risiko für eine schwere Windpocken-In­fek­tion besteht und nicht mit dem Lebend­impf­stoff geimpft werden konnte. Hier hat die STIKO ihre Empfehlung er­wei­tert, hinsichtlich des Personenkreises (Früh­ge­bo­rene mit Kontakt zum Erreger) und des Zeitraums der Anwendung (bis zu 10 Tage nach Erregerkontakt).

Weitere Informationen: www.stiko.de  &  www.rki.de/impfen

Stand: 24.08.2015

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