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Zielgruppeneinstiege

Der Berliner Masernausbruch aus Sicht des Nationalen Referenzzentrums Masern, Mumps, Röteln

Masern sind eine durch Tröpfchen übertragene, hochansteckende Infektionserkrankung. Das Masernvirus zeichnet sich durch eine besonders hohe Ansteckungsfähigkeit aus; an einem Infizierten stecken sich bis zu 18 Folgefälle an. Die Anzahl der tödlich verlaufenden Fälle ist verglichen mit Viruserkrankungen wie Ebola oder den Pocken mit ein bis zwei Todesfällen pro 1.000 Erkrankten eher niedrig. Dennoch sterben jährlich ca. 150.000 Menschen an den Masern, vor allem Kinder in bestimmten Regionen Afrikas oder Asien. Glücklicherweise kann dieser gefährlichen Erkrankung mit der Masernimpfung vorgebeugt werden. Die Impfkommission STIKO hat dementsprechend eine Impfempfehlung für Kinder, aber auch bestimmte Gruppen von Erwachsenen ausgesprochen. Von der Weltgesundheitsorganisation wurde darüber hinaus ein weltweites Ausrottungsziel für Masern ausgerufen. Die Annäherung an die Elimination wird in Deutschland von der nationalen Verifizierungskommission NAVKO begleitet. Zum Eliminationsprozess trägt das Nationale Referenzzentrum Masern, Mumps, Röteln (NRZ MMR) u.a. die Charakterisierung der Masernviren auf molekularer Ebene bei. Dies ermöglicht uns die zeitliche Dauer von Übertragungsketten abzuschätzen. Der Nachweis einer Virusvariante für einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten ist nicht mit Eliminationsziel für die Masernviren vereinbar.

Von Oktober 2014 bis August 2015 kam es in Berlin zum größten Masernausbruch seit Einführung der Meldepflicht nach IfSG. Der Indexfall stammte aus einer in Berlin asylsuchenden Familie aus Bosnien-Herzegowina. Das Virus aus einem Abstrich dieses Patienten zeigt genetische Übereinstimmung mit einem erstmalig 2013 in Russland nachgewiesenen Virus (Masernvirus D8, Variante Rostov on Don). Diese Virusvariante wurde über die ganze Dauer des Berliner Ausbruchs bis August 2015 nachgewiesen, betraf aber auch andere Regionen Deutschlands. Die Masernfälle traten zunächst in Berliner Einrichtungen für Asylsuchende auf und griffen zum Jahreswechsel 2014/15 verstärkt auf die einheimische Bevölkerung über. Überwiegend waren nicht die Gruppe der Asylsuchenden, sondern ungeimpfte Berlinerinnen und Berliner betroffen. Die meisten Erkrankungsfälle traten in der Gruppe der 18- bis 44-Jährigen auf, überdurchschnittlich stark betroffen war aber die Gruppe der 1- bis 2-Jährigen. Die Einsendungen an das NRZ MMR wurden in Bezug auf die Zuverlässigkeit der Impfung analysiert. Wir haben dabei nur einige wenige Fälle von Impfversagen festgestellt, die vor allem Geimpfte mittleren Alters mit einer über mehrere Jahrzehnte zurückliegenden letztmaligen Masernimpfung betrafen. Wir können daraus den Schluss ziehen, dass die Masernimpfung noch zuverlässig vor einer Infektion schützt. Das Phänomen des Absinken des Impfschutzes über die Zeit sollte aber nicht außer Acht gelassen und in weiteren Studien untersucht werden.

Im Verlauf des Berliner Masernausbruchs erkrankte ein ungeimpftes Kleinkind an den Masern und verstarb. Das Kind litt aufgrund einer vorangegangen Infektion an einer nicht erkannten Herzerkrankung. Das Berliner Ausbruchsvirus wurde durch das NRZ MMR im Gewebe des Kindes nachgewiesen. Dieses Kind hätte von einer Masernimpfung oder der Herdenimmunität in der Berliner Bevölkerung geschützt werden können. Dieses Beispiel zeigt sehr eindringlich, wie wichtig die rechtzeitige MMR-Impfung von kleinen Kindern ist.

Die Einsendefrequenzen an das NRZ MMR waren hoch. Die Laborbestätigungsrate war in der Ausbruchszeit deutlich höher als davor und bestätigt die Erkenntnis, dass die klinische Diagnose vor allem bei sporadisch auftretenden Masern nicht immer zuverlässig ist. Das Ausbruchsvirus wurde in Berlin und anderen Regionen Deutschlands von Juli 2014 bis August 2015 kontinuierlich nachgewiesen. Damit mussten wir erstmalig wieder die endemische Verbreitung einer Masernvirusvariante feststellen; der Prozess der Masernelimination in Deutschland erleidet dadurch einen herben Rückschlag.

Stand: 08.10.2015

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