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Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Krankenhausinfektionen und Antibiotikaresistenz

Stand: 27.8.2015

Wie viele Krankenhausinfektionen und wie viele Todesfälle, die auf Krankenhausinfektionen zurückzuführen sind, gibt es jährlich in Deutschland?

Die Zahlen der geschätzten 400.000 bis 600.000 nosokomialen Infektionen und 10.000 bis 15.000 Todesfälle in Zusammenhang mit Kranken­haus­in­fek­tionen pro Jahr beruhen auf einer Hochrechnung des Nationalen Referenz­zentrums (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen. Für diese Hochrechnung wurden mehrere Datenquellen herangezogen: Daten des Statistischen Jahrbuches 2006, Daten des Krankenhaus-Infektions-Sur­veil­lance-Systems (KISS) und Daten aus Studien, die Mitte der 1990er Jahre durchgeführt wurden.
Diese Hochrechnung, die im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, wird durch eine repräsentative Prävalenzerhebung aus dem Jahr 2011 gestützt, die eine ähnliche Punktprävalenz für Krankenhausinfektionen wie die Prävalenzstudie aus Mitte der 1990er Jahre ergab. Die Daten aus dem Jahr 2011 sind Teil einer europaweiten Erhebung des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm (ECDC) und wurden für Deutschland vom NRZ für Surveillance von nosokomialen Infektionen erhoben.
Vom ECDC wurde die Anzahl der Todesfälle in Europa, die auf nosokomiale Infektionen zurückzuführen sind, im Jahr 2008 auf 37.000 Fälle geschätzt.

Literatur:

Stand: 13.03.2015

Hat die Zahl der Krankenhausinfektionen zugenommen?

Im Rahmen einer vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen durchgeführten Studie (Prävalenzstudie) mit einer repräsentativen Stichprobe von Krankenhäusern wurde im Herbst 2011 unter anderem die Zahl der nosokomialen Infektionen in Deutschland erhoben. Die Daten zeigen, dass bei rund 3,5 % der Patienten eine während des aktuellen Krankenhausaufenthaltes erworbene nosokomiale Infektion vorlag.
Dieser Wert hat sich somit seit 1994 nicht wesentlich verändert. In Deutschland treten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eher weniger nosokomiale Infektionen auf.

Literatur:

Stand: 13.03.2015

Welche Erreger spielen für Krankenhausinfektionen eine Rolle?

Nach Daten der 2011 durchgeführten Prävalenzstudie sind die häufigsten Erreger von Krankenhausinfektionen Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Clostridium difficile, Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium.

Literatur:

Stand: 13.03.2015

Hat die Antibiotikaanwendung in Krankenhäusern zugenommen?

Laut Prävalenzstudie von 2011 erhielten knapp ein Viertel der Patienten (23,3%) zum Zeitpunkt der Studie Antibiotika. Das stellt gegenüber einer vergleichbaren Studie aus 1994 eine Zunahme dar. Damals lag die Prävalenz der Antibiotikaanwendung noch bei 17,7%. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss beachtet werden, dass das Durchschnittsalter der Krankenhauspatienten seit 1994 zugenommen, die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus im selben Zeitraum aber abgenommen hat. Bei den Antibiotikaanwendungen fällt der hohe Anteil von perioperativen Antibiotika-Prophylaxen auf, die länger als vorgesehen gegeben wurden.

Literatur:

Stand: 13.03.2015

Wie viele der Krankenhausinfektionen werden durch antibiotikaresistente Keime verursacht?

In Deutschland treten schätzungsweise 400.000 bis 600.000 nosokomiale Infektionen pro Jahr auf. Nur ein Teil davon geht auf antibiotikaresistente Erreger zurück. Anhand der Daten der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des RKI und der Prävalenzstudie lässt sich schätzen, dass bei einem Mittelwert von 500.000 Fällen im Jahr 2013 circa 11.000 Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), 4.000 Infektionen durch Vancomycin-resistente Enterokokken (Enterococcus faecalis und faecium), 8.000 Infektionen durch multiresistente Escherichia coli, 2.000 Infektionen durch multiresistente Kebsiella pneumoniae und etwa 4.000 Infektionen durch Pseudomonas aeruginosa verursacht wurden. Die wichtigsten multiresistenten Erreger führten damit zu etwa 29.000 Infektionen. Somit waren 2013 schätzungsweise ca. 6 % der nosokomialen Infektionen durch multiresistente Erreger bedingt. 1.500 Fälle bzw. 0,3 % aller nosokomialen Infektionen in Deutschland gehen auf multiresistente Erreger zurück, die gegen fast alle Antibiotikaklassen resistent sind.

Literatur:

Stand: 24.07.2015

Wie viele Todesfälle gehen auf antibiotikaresistente Keime zurück?

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) haben basierend auf Zahlen, die im Jahr 2007 erhoben wurden, geschätzt, dass in Europa 25.000 Todesfälle im Jahr auf Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern zurückzuführen sind. Für die USA hat das US-amerikanische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) mindestens 23.000 Todesfälle durch antibiotikaresistente Keime geschätzt.

Literatur:

Stand: 13.03.2015

Welche antibiotikaresistenten Erreger breiten sich besonders stark aus?

Nachdem die letzten Jahrzehnte durch eine zunehmende Ausbreitung grampositiver nosokomialer Infektionserreger wie Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) gekennzeichnet waren, wurde in den letzten Jahren auch eine Zunahme der Resistenzen bei gramnegativen Stäbchen-Bakterien beobachtet wie beispielsweise die Resistenz von Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae gegenüber Cephalosporinen der 3. Generation.
Unter anderem durch zahlreiche Maßnahmen im Bereich Infektionsprävention und Krankenhaushygiene konnte in den letzten Jahren eine weitere Zunahme von Methicillin-resistenten Staphylokokken aufgehalten und zuletzt ein Rückgang verzeichnet werden.

Stand: 13.03.2015

Wie wird die Ausbreitung antibiotikaresistenter Erreger am RKI erfasst?

Mit der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) hat das RKI die Infrastruktur für eine flächendeckende Surveillance antibiotikaresistenter Erreger implementiert. Das Ziel von ARS ist es, Daten zur Epidemiologie der Antibiotika-Resistenz in Deutschland für den ambulanten und den stationären Bereich zu erheben. ARS ist konzipiert als laborgestütztes Surveillance-System zur kontinuierlichen Erhebung von Resistenzdaten aus der Routine für das gesamte Spektrum klinisch relevanter bakterieller Erreger.

Die Nationalen Referenzzentren (NRZ), die vom RKI in Abstimmung mit dem BMG berufen und finanziell gefördert werden, berichten regelmäßig zur Epidemiologie von resistenten Erregern und nosokomialen Infektionen. Hier sind insbesondere das NRZ für die Surveillance nosokomialer Infektionen, das NRZ für Staphylokokken und Enterokokken und das NRZ für gramnegative Krankenhauserreger zu nennen.

Zur Überwachung von MRSA-Infektionen besteht seit 2009 eine Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes für Labornachweise aus Blut und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor). Zudem besteht im Rahmen des IfSG eine Melde- und Übermittlungspflicht für nosokomiale Ausbrüche. Die Meldedaten zu MRSA-Fällen können in einer interaktiven Datenbank, SurvStat@RKI 2.0, öffentlich zugänglich abgerufen werden. Die Fälle werden bei der Auswertung auf die Bevölkerung bezogen dargestellt.

Stand: 13.03.2015

Welche Rolle spielt die Antibiotikaanwendung bei landwirtschaftlichen Nutztieren?

Der Anteil des Einsatzes von Antibiotika bei landwirtschaftlichen Nutztieren am Resistenzproblem beim Menschen lässt sich gegenwärtig noch nicht genau beziffern und kann auch bei den einzelnen für den Menschen bedeutsamen Erregern, Resistenz(gen)en und Tierarten unterschiedlich sein.

Es ist unstrittig, dass bestimmte resistente Bakterien oder ihre Resistenz­gene aus dem Bereich der Landwirtschaft (wie etwa der Tiermast) auf den Menschen übertragen werden können. Genauere Daten gibt es für den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, MRSA. Der bei konventionell gehaltenen Masttieren (Schweine, Rinder, Geflügel) vorwiegend als Besiedler weit verbreitete Livestock-assoziierte MRSA CC398 (LA-MRSA CC398) besiedelt vor allem Menschen mit beruflichen Kontakten zu diesen Tieren und tritt auch als Infektionserreger bei Menschen auf. Dementsprechend gibt es in Deutschland regionale Unterschiede. In Regionen mit einer hohen Dichte an Mastanlagen stieg der Anteil von LA-MRSA CC398 unter allen MRSA aus Infektionen beim Menschen auf rund 10% an.

Bei mehrfachresistenten Darmbakterien ist die Situation weniger klar. Diese Bakterien bilden Enzyme, die sogenannten Extended Spectrum Beta-Lacta­masen (ESBL), die eine wichtige Gruppe von Antibiotika unwirksam machen können. Studien zeigten eine Verbreitung über alle Altersgruppen von 4-8% ESBL-bildenden Escherichia (E.) coli im Darm der Normalbevölkerung in Deutschland. Die molekulare Typisierung der Resistenzgene zeigte, dass die Hälfte dieser resistenten E. coli eine ESBL-Variante bilden, die fast aus­schließ­lich beim Menschen vorkommt und durch den Antibiotikaeinsatz im ambulanten Bereich und im Krankenhaus selektiert werden kann. Der Anteil der E. coli mit ESBL-Varianten, die sowohl beim Menschen als auch beim Tier bzw. Tierprodukt vorkommen, liegt bei 25-30%. Eine Aufnahme über (ungekochte) Lebensmittel wäre somit möglich, weshalb der Küchenhygiene besondere Bedeutung zukommt. Ausführliche Informationen zum Thema Lebensmittelsicherheit und Antibiotikaresistenzen sind beim Bundesinstitut für Risikobewertung abrufbar (www.bfr.bund.de > A-Z Index > Antibiotikaresistenz). Beim BfR ist auch ein Verbrauchermerkblatt zum Thema Schutz vor Lebensmittelinfektionen zu finden.

Für den Erwerb ESBL-bildender Bakterien spielen auch Auslandsreisen eine Rolle. Mehrere Studien zeigten, dass bis zu 30% der Reiserückkehrer aus Regionen mit hoher ESBL-Prävalenz (z.B. Asien und indischer Subkontinent) mit ESBL-bildenden E. coli kolonisiert sind.

Problematisch ist, dass nicht nur resistente Stämme weitergegeben werden, sondern auch die Resistenzgene zwischen verschiedenen bakteriellen Spezies ausgetauscht werden können. Welche Rolle der Austrag resistenter Bakterien und ihrer Resistenzgene aus Mastanlagen (z.B. Gülle, Immission von Staub) als Reservoir von Antibiotikaresistenzen hat, ist noch Gegenstand von Untersuchungen. Es ist sicher, dass die Humanmedizin durch breite Anwendung von Antibiotika eigene Resistenzprobleme schafft. In der Deutschen Antibiotikaresistenzstrategie (DART) stehen daher sowohl die Landwirtschaft als auch die Humanmedizin im Mittelpunkt.

Eine ausführliche Darstellung der Bedeutung von LA-MRSA und ESBL-bildenden Enterobacteriaceae (insbesondere E. coli und Klebsiella pneumoniae) bei Masttieren für den Menschen ist auf der Antibiotikaresistenzseite des RKI abrufbar.

Stand: 13.03.2015

Wo kann man sich weiter informieren?

Unter www.rki.de/antibiotikaresistenz sind umfangreiche Informationen für die Fachöffentlichkeit abrufbar. Unter „Weitere Informationen“ gibt es dort auch Links zu Bürger-Informationen zum Thema Antibiotikaresistenz, unter anderem beim Bundesinstitut für Risikobewertung und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.rki.de > Infektionsschutz > Antibiotikaresistenz > Weitere Informationen.

Stand: 27.08.2015

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