23. März 2017

RKI-Newsletter zu aktuellen Infektionsschutzthemen

Sehr geehrte Damen und Herren,

an dieser Stelle informieren wir Sie über Neuigkeiten zu aktuellen Infektionsschutzthemen des Robert Koch-Instituts.

Anstieg der Norovirus-Infektionen 2016/2017 und neuer Norovirus-Typ

Noroviren unter dem Elektronenmikroskop. Quelle: Hans R. Gelderblom / RKI

Im Jahr 2016 begann die Norovirus-Saison in Deutschland mit einer unerwartet hohen Anzahl an Norovirus-Erkrankungen. Bereits für den Monat November wurden 14.935 labordiagnostisch bestätigte Norovirus-Erkrankungen an das Robert Koch-Institut übermittelt. Im selben Zeitraum der letzten fünf Jahre lag der Median bei 7.810 bestätigten Erkrankungen. Noroviren sind weltweit verbreitet und verursachen 18% der akuten Gastroenteritiden. Untersuchungen des Robert Koch-Instituts konnten belegen, dass die unerwartet hohe Anzahl an Norovirus-Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Auftreten eines neuen rekombinanten Norovirus-Typs steht.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/07_17.pdf?__blob=publicationFile

Bundeslandübergreifende HUS-Häufung Anfang 2017

Kind mit Bauchschmerzen. Quelle: Imcsike - Fotolia

Im Epidemiologischen Bulletin 8/2017 berichtet das Robert Koch-Institut über eine Häufung von Hämolytisch-Urämischem Syndrom (HUS). Seit dem 1. Dezember 2016 sind 21 Menschen erkrankt. Bei 13 der 21 registrierten HUS-Fälle wurde die Serogruppe O157 nachgewiesen, bei zwei Fällen eine andere Serogruppe, und bei 6 Fällen liegt keine Serogruppen-Information vor. In der 5. Meldewoche (MW) 2017 hatten 8 Fälle ihren Erkrankungsbeginn mit Durchfall. Im Vergleichszeitraum (48. MW – 7. MW) der 5 Vorjahre waren 7-14 Fälle übermittelt worden. Da es sich um ein mehrere Bundesländer betreffendes Geschehen handelt, koordiniert das Robert Koch-Institut die Untersuchung der HUS-Häufung und führt – wo nicht schon geschehen – Befragungen der Patienten bzw. deren Eltern durch, um Hinweise zu Expositionen zu erhalten.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/08_17.pdf?__blob=publicationFile

Monitoring schwerer Lungenerkrankungen durch Influenza-Infektionen in den Saisons 2012/2013 bis 2014/2015 - Bericht vom ARDS-Netzwerk

Influenzaviren vom Subtyp A/H1N1, elektronenmikroskopische Aufnahme, koloriert. Quelle: RKI

Die Überwachung und Risikobewertung des Grippegeschehens basiert in Deutschland vor allem auf dem schon lange etablierten Arzt-Sentinel der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) und dem bevölkerungsbasierten Überwachungssystem von GrippeWeb. Für die Risikobewertung sind außerdem Daten aus Krankenhäusern zur Häufigkeit besonders schwer verlaufender Influenza-Erkrankungen unabdingbar. Um die Möglichkeit einer Surveillance beatmungspflichtiger Influenza-Patienten zu erproben, kooperierte das Robert Koch-Institut von 2012 – 2015 mit dem deutschen ARDS-Netzwerk (ARDS – Acute Respiratory Distress Syndrome). Im Epidemiologischen Bulletin 8/2017 werden die Erfahrungen der Grippesaisons 2012/2013 – 2014/2015 zusammenfassend dargestellt.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/08_17.pdf?__blob=publicationFile

Häufung "Polio-ähnlicher" Erkrankungen im Jahr 2016

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Polioviren. Quelle: Hans R. Gelderblom/RKI

Seit August 2016 wird das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren ungewöhnlich häufig von Neurologen kontaktiert, die von Patienten mit „Polio-ähnlichen“ Symptomen berichteten. Polioviren als Ursache von akuten schlaffen Paresen (AFP) konnten mit Hilfe von Laboruntersuchungen ausgeschlossen werden. Im Epidemiologischen Bulletin 9/2017 werden Ergebnisse der bundesweiten Enterovirus-Surveillance (EVSurv) zusammenfassend dargestellt und auf die für alle pädiatrischen und neurologischen Kliniken in diesem Rahmen angebotene unentgeltliche Enterovirus-Diagnostik zur Abklärung viraler Meningitiden bzw. Enzephalitiden sowie AFP hingewiesen.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/09_17.pdf?__blob=publicationFile

Hepatitis-A-Ausbruch in Berlin bei Männern, die Sex mit Männern haben

Hepatitis A-Virus. Elektronenmikroskopie. Quelle: CDC/PHIL

Seit November 2016 (46. KW 2016 – 11. KW 2017) wurden in Berlin 71 Hepatitis-A-Fälle einem Ausbruch unter Männern, die Sex mit Männern haben, zugeordnet. Der letzte Erkrankungsbeginn war der 4. März 2017. Eine Übertragung von Hepatitis A findet meist fäkal-oral statt, wobei eine erhöhte Infektionsgefährdung auch bei Sexualverhalten mit möglicher oraler Aufnahme von Fäkalspuren besteht.

Das Robert Koch-Institut führt zurzeit in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten des Arbeitskreises AIDS Berlin, Gesundheitsämtern und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin eine Ausbruchsuntersuchung durch, bestehend aus einer Befragung der Fälle, Erhebung von klinisch-labordiagnostischen Daten über die Ärzte, der Feintypisierung von Stuhl- oder Blutproben der Fälle und einer Befragung der Ärzte zur Umsetzung der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission. Die Ärzte des Arbeitskreises AIDS wurden über die Impfempfehlung und die Anwendung der postexpositionellen Prophylaxe informiert.
Der Hepatitis-A-Ausbruch in Berlin hat epidemiologische Zusammenhänge zu Fällen in anderen deutschen und europäischen Städten.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisA.html
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/02/Art_02.html
http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22709

Globale Liste prioritärer Antibiotika-resistenter Erreger veröffentlicht

Die Hand eines Laborassistenten mit einer Petrischale © angellodeco - Fotolia.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 27. Februar 2017 erstmalig eine globale Liste prioritärer Antibiotika-resistenter Erreger veröffentlicht, um die Forschung und Entwicklung neuer Substanzen in besonders kritischen Bereichen zu unterstützen. Die WHO hat Tuberkulose mit der Begründung nicht mit in die Liste aufgenommen, da hierfür eigene krankheitsspezifische Programme existieren. Die Liste soll auch dem öffentlichen Bereich und Regierungen helfen, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Fördergelder und Ressourcen dort zielgerichtet eingesetzt werden, wo sie aus globaler Perspektive am dringendsten benötigt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/09_17.pdf?__blob=publicationFile
http://www.who.int/medicines/publications/global-priority-list-antibiotic-resistant-bacteria/en/

Engpässe bei Antibiotika: Alternativen für die 1. Wahl

Petrischale mit Bakterienkolonien, die grünlich fluoreszieren. © Melissa Dankel / CDC

Der Lieferengpass von Piperacillin-Tazobactam zwingt die Ärzteschaft, andere antiinfektive Wirkstoffe einzusetzen. Eine gemeinsame Stellungnahme des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektologie (DGPI), der Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (ART) sowie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) wurde im Deutschen Ärzteblatt vom 3. März 2017 veröffentlicht.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/ART/Links/Engpaesse-bei-Antibiotika.html
https://www.aerzteblatt.de/archiv/186568/Engpaesse-bei-Antibiotika-%282%29-Alternativen-fuer-die-1-Wahl

Voraussetzungen und Strategien für die erfolgreiche Implementierung infektiologischer Leitlinien – Positionspapier der Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie

Kommissionsmitglieder ART Quelle: RKI

Die Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (ART) beim Robert Koch-Institut hat kürzlich ein Positionspapier veröffentlicht, das sich mit der Umsetzung infektiologischer Leitlinien im ambulanten und stationären Bereich – eine Grundvoraussetzung, um die Behandlung mit Antibiotika zu verbessern und die Resistenzentwicklung zu verhindern – beschäftigt.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/ART/Positionspapier/Positionspapier_Leitlinien_Implementierung.html
https://www.aerzteblatt.de/archiv/186460/Infektiologische-Leitlinien-Nur-die-praktische-Anwendung-zaehlt

Neuberufung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention

Kommissionsmitglieder KRINKO Quelle: RKI

Die beim Robert Koch-Institut angesiedelte Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) wurde im Dezember 2016 für die Periode 2017-2020 neu berufen. Die konstituierende Sitzung fand am 13. Januar 2017 statt. In der aktuellen Berufungsperiode hat die KRINKO 18 ständige (berufene) Mitglieder. Die Kommission setzt sich aus Experten aus den Bereichen Hygiene, Mikrobiologie und Infektiologie sowie krankenhaushygienisch besonders relevanten klinischen Fachrichtungen zusammen, die ehrenamtlich in der Kommission tätig sind. Die Mitglieder der KRINKO werden vom Bundesministerium für Gesundheit im Benehmen mit den obersten Landesgesundheitsbehörden und dem Robert Koch-Institut in der Regel für 3 Jahre berufen.
Die Geschäftsstelle und das wissenschaftliche Sekretariat der KRINKO sind im Fachgebiet Angewandte Infektions- und Krankenhaushygiene des Robert Koch-Instituts angesiedelt.
In der letzten Berufungsperiode hat die KRINKO 8 Empfehlungen erstellt bzw. aktualisiert, für 6 weitere Empfehlungen liegt bereits ein Entwurf vor.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/KRINKO/krinko_node.html

Ständige Impfkommission mit neuem Vorsitz

Kommissionsmitglieder STIKO Quelle: RKI

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hat sich zur konstituierenden Sitzung der Berufungsperiode 2017 – 2020 getroffen. Zum neuen Vorsitzenden bis 2020 wurde der Ulmer Virologe Prof. Thomas Mertens gewählt, zu seiner Stellvertreterin die Göttinger Allgemeinmedizinerin Prof. Eva Hummers-Pradier. Neue Mitglieder der Kommission sind der Hamburger Tropenmediziner Prof. Gerd-Dieter Burchard, der Freiburger Pädiater PD Dr. Jörg Meerpohl, die Münchner Gynäkologin Dr. Marianne Röbl-Mathieu, der Erlanger Virologe Prof. Klaus Überla sowie die Berliner Amtsärztin Gudrun Widders. Die derzeit 18 Mitglieder der Kommission werden für drei Jahre vom Bundesministerium für Gesundheit in ehrenamtlicher Tätigkeit berufen. Die STIKO gibt in regelmäßigen Abständen Impfempfehlungen heraus und beobachtet das Infektionsgeschehen sowie die Impfsituation in Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie hier:
www.rki.de/stiko

RKI und PEI mit verlässlichen Informationen zum Impfen im Internet

Impfausweis

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überprüft regelmäßig Impfseiten im Internet und listet Seiten, die besonders vertrauenswürdig sind. Das Impfangebot des Robert Koch-Instituts ist dort seit 2013 als vertrauenswürdig gelistet; dies wurde gerade wieder von der WHO bestätigt.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.vaccinesafetynet.org/
http://www.rki.de
http://www.pei.de

Welttuberkulosetag 2017: Gemeinsam gegen Tuberkulose

Mycobacterium tuberculosis. Scanning electron microscopy. Bar = 1 µm. Colouring: Andrea Schnartendorff/RKI

Die Zahl der Tuberkulosefälle in Deutschland ist 2016 weitgehend unverändert gegenüber 2015, damit aber auf ähnlich hohem Niveau wie zuletzt vor etwa zehn Jahren. Im Jahr 2016 wurden dem Robert Koch-Institut 5.915 Erkrankungen übermittelt, 2015 waren es 5.852. Das Epidemiologische Bulletin widmet sich anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März den Herausforderungen einer modernen Tuberkulosekontrolle in mehreren Beiträgen. Eine ausführliche Bewertung der Tuberkulose-Situation für das Jahr 2015 enthält der Ende 2016 vom Robert Koch-Institut veröffentlichte Jahresbericht.
Die am 20. März 2017 stattfindende Tagung „Tuberkulose aktuell“ ermöglicht Austausch und überregionale Vernetzung, um die vorhandene Expertise zu nutzen und die Tuberkulosekontrolle gemeinsam weiterzuentwickeln. Zu dieser Tagung laden das Robert Koch-Institut, das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose und das Forschungszentrum Borstel zum vierten Mal seit 2014 nach Berlin ein.

Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2017/03_2017.html
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/11-12_17.pdf?__blob=publicationFile
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/T/Tuberkulose/Download/TB2015.pdf?__blob=publicationFile
www.rki.de/tb2017
www.rki.de/tuberkulose

Aktuelle Daten zur gesundheitlichen Lage der Bevölkerung: Ausgabe 1/2017 des Journal of Health Monitoring ist online

Public Health Journal for Germany

In der März-Ausgabe des neu aufgelegten Journal of Health Monitoring des Robert Koch-Instituts werden aktuelle Daten zur Verbreitung chronischer Krankheiten in Deutschland in fünf Fact sheets präsentiert. In einem Focus-Artikel geht es um den Vergleich mit Gesundheitsdaten aus Europa. Der zweite Focus-Artikel gibt Auskunft über die gesundheitliche Situation und Versorgung von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Deutschland, auch zur Situation bei übertragbaren Krankheiten.

Weitere Informationen finden Sie hier:
www.rki.de/journalhealthmonitoring

Der Newsletter der Gesundheitsberichterstattung informiert über neue Ausgaben:
www.rki.de/gbe-newsletter