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Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Tollwut und Schutzimpfung gegen Tollwut

Stand: 6.7.2018

Was ist Tollwut?

Tollwut ist eine durch Tiere übertragene Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die durch verschiedene Lyssaviren ausgelöst wird, darunter Rabiesvirus (klassisches Tollwutvirus) und verschiedene Fledermaus-Tollwutviren. Die Erkrankung kann – auch noch nach einer Infektion mit dem Virus – durch eine Impfung verhindert werden. Sobald jedoch typische Krankheitszeichen wie Lähmungen oder Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser aufgetreten sind, verläuft sie in der Regel tödlich. Eine heilende Therapie gibt es bisher nicht.

Stand: 02.02.2018

Von welchen Tieren geht eine Tollwutgefahr aus?

Verschiedene Säugetiere können Tollwutviren in sich tragen und teilweise übertragen, darunter in erster Linie Hunde, Füchse und Fledermäuse. Weltweit gehen die meisten Todesfälle beim Menschen auf Bisse durch infizierte Hunde in Ländern zurück, in denen die Tollwut regulär vorkommt, also endemisch ist.

Wie viele andere europäische Staaten gilt Deutschland als frei von der terrestrischen Tollwut. In der Vergangenheit waren hierzulande Füchse das Hauptreservoir für klassische Tollwutviren. Durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, insbesondere durch den Einsatz von Impfködern, wurde der Erreger bei Füchsen ausgerottet. Der letzte identifizierte Tollwutfall bei einem Fuchs in Deutschland trat im Februar 2006 auf. Der illegale Import von Haustieren (Hunde und Katzen) aus Regionen, die als nicht tollwutfrei gelten, stellt jedoch weiterhin ein Risiko dar.

Stand: 02.02.2018

Wie wird Tollwut durch Tiere übertragen?

Bei einem infizierten Tier vermehren sich die Tollwutviren im zentralen Nervensystem. Die Viren werden über den Speichel ausgeschieden und in der Regel durch Bisse auf den Menschen übertragen. Auch eine Übertragung über Hautverletzungen oder die Schleimhaut ist bei direktem Kontakt mit infektiösem Speichel möglich.

Stand: 02.02.2018

Kann Tollwut von Mensch zu Mensch übertragen werden?

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Vereinzelt wurden Ansteckungen durch Organtransplantationen bekannt. Andere Formen der Mensch-zu-Mensch-Übertragung, z.B. durch Bisse einer bereits erkrankten Person, sind theoretisch denkbar, wurden aber bisher nicht beschrieben.

Stand: 02.02.2018

Ab wann sind Tiere und Menschen, die mit Tollwut infiziert sind, ansteckend?

Es wird davon ausgegangen, dass mit Tollwuterregern infizierte Tiere bereits bis zu 10 Tage vor Auftreten der Symptome infektiös sind. Tollwut-infizierte Menschen sind mit Beginn der Krankheitssymptome ansteckend.

Stand: 02.02.2018

Wie viele Tollwut-Fälle bei Menschen gibt es?

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit jährlich rund 59.000 Menschen an Tollwut, wobei von einer erheblichen Dunkelziffer insbesondere in Afrika und Asien ausgegangen wird.

In Deutschland sind seit dem Jahr 2001 insgesamt 6 Tollwuterkrankungen an das RKI übermittelt worden. Zuletzt verstarb im Jahr 2007 ein Mann an der Krankheit, nachdem er von einem streunenden Hund in Marokko gebissen worden war. 2005 erkrankten drei Organempfänger durch die Organe einer infizierten Spenderin und starben. 2004 erkrankte und verstarb ein Patient, der sich höchstwahrscheinlich in Indien infiziert hatte.

Stand: 02.02.2018

Für welche Personen wird eine prophylaktische Impfung gegen Tollwut empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (www.stiko.de) empfiehlt eine Impfung gegen Tollwut für Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen sowie für Personen, die in Laboratorien mit Tollwutviren arbeiten. Auch bei Reisen in Tollwut-Endemiegebiete wird eine Tollwutimpfung empfohlen. Eine Impfung von Tierärzten, Jägern, Forstpersonal usw., die nicht mit Fledermäusen arbeiten, ist derzeit in Deutschland nicht erforderlich.

Stand: 02.02.2018

Ist eine Antikörperbestimmung zum Nachweis des Impfschutzes erforderlich?

Eine Antikörperbestimmung sollte bei Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen und bei Personen, die in Laboratorien mit Tollwutviren arbeiten, alles sechs Monate erfolgen. Bei einem Antikörperspiegel von weniger als 0,5 IE/ml ist eine Auffrischimpfung mit einer Impfdosis indiziert.

Stand: 02.02.2018

Was passiert, wenn es zu einem möglichen Kontakt mit Tollwutviren gekommen ist?

Die Maßnahmen sind abhängig vom Grad und von der Art der Exposition und werden im RKI-Ratgeber Tollwut, Maßnahmen bei Exposition detailliert erläutert.

Stand: 02.02.2018

Gelten die von der WHO im April 2018 ge­än­der­ten Impf­emp­feh­lungen[1] zur Prä- und Post­ex­po­sitions­pro­phy­laxe von Toll­wut auch für Deutschland?

1. Präexpositions­prophylaxe

Laut WHO-Positions­papier wird zur Präexpositions­prophylaxe eine 2-malige Impfung als ausreichend betrachtet und empfohlen. Die Applikation soll intra­muskulär (i.m.) an einer Extremität an den Tagen 0 und 7 erfolgen. Im Positionspapier der WHO wird zudem auf die Möglichkeit einer intradermalen (i.d.) Applikation von Tollwut-Impfstoffen hingewiesen. Dieses Impfschema ist insbesondere in Ländern mit eingeschränkten Ressourcen von Bedeutung, da es aufgrund der geringeren Impfstoff­menge sowohl Impfstoff-sparend als auch kosten­günstiger ist. In einer systema­tischen Übersichts­arbeit zeigte sich eine mit der i.m. Applikation vergleichbare oder höhere Impf­effektivität des jeweiligen Impfstoffs, wenn dieser i.d. verabreicht wurde [1].
Die Fachinformationen der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe Rabipur und Tollwut HDC decken weder die 2-malige Impfung zur vollständigen Präexpositions­prophylaxe noch die i.d. Impfung ab. Die STIKO empfiehlt ein Dosierungs­schema nach Angaben in den Fachin­for­mationen, die drei i.m. Impfstoffdosen an den Tagen 0, 7, 21 (oder 28) vorsehen.

2. Postexpositionsprophylaxe

2.1. Expositionsgrad I (Berühren/Füttern von Tieren, Belecken von intakter Haut)
Die STIKO-Empfehlungen bei Expositionsgrad I entsprechen denen der WHO. Eine Impfung ist nicht indiziert.

2.2. Expositionsgrad II (Nicht-blutende, oberflächliche Kratzer oder Hautabschürfungen, Lecken oder Knabbern an nicht-intakter Haut) und Expositionsgrad III (Biss­verletzungen, Kratz­wunden, Kontakt von Schleimhäuten oder Wunden mit Speichel, Verdacht auf Fledermaus­biss, Kratzer durch Fledermaus­kontakt oder Schleimhaut­kontakt mit einer Fledermaus)
Die Empfehlungen der WHO und der STIKO bei Expositionsgrad II und III weichen z.T. voneinander ab und sind in der folgenden Tabelle gegenübergestellt.

Auch für die Postexpositions­prophylaxe verweist die STIKO auf die bestehenden Impfstoff­zulassungen für Deutschland. Deshalb sollte auch für die Postexpositions­prophylaxe nicht das verkürzte Impf­schema nach WHO-Empfehlung angewendet, sondern entsprechend der STIKO-Empfehlung nach Fachinformation geimpft werden.

Referenzen
[1] World Health Organization. Rabies vaccines: WHO position paper – April 2018

Stand: 06.07.2018

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