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Tierversuche im RKI: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum müssen im Robert Koch-Institut Tierversuche gemacht werden?

Wissenschaftler des RKI erforschen unter anderem, wie Infektionskrankheiten entstehen, wie sie verlaufen und auf welche Weise sich Erreger wirkungsvoll bekämpfen lassen. Bei bestimmten Fragestellungen müssen die Wissenschaftler dafür auch auf Tierexperimente zurückgreifen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse tragen unter anderem dazu bei, die Entstehung und den Verlauf von Infektionskrankheiten besser zu verstehen, neue diagnostische Methoden zu entwickeln und Grundlagen für Therapeutika und Impfstoffe zu schaffen. Auch für die Entwicklung alternativer Testverfahren, etwa zur Sicherheitsüberprüfung auf biologische Toxine, sind zunächst Tierversuche notwendig; langfristig soll mit Hilfe dieser Verfahren auf Tierversuche verzichtet werden.

Stand: 17.08.2017

Wie groß ist die Versuchstierhaltung im RKI, und welche Tiere werden gehalten?

Das Robert Koch-Institut besitzt eine Erlaubnis zur Zucht und Haltung von verschiedenen Versuchstierarten. Derzeit werden im RKI etwa 1.000 Tiere gehalten, in erster Linie kleine Nagetiere: Mäuse, Rötelmäuse, Ratten, Hamster und Meerschweinchen. Die Haltung der Tiere erfolgt entsprechend tierschutzrechtlicher Vorgaben unter standardisierten Bedingungen und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Tierart berücksichtigen.

Stand: 29.03.2018

Woher stammen die Versuchstiere?

Tiere dürfen nur dann zu Versuchszwecken eingesetzt werden, wenn sie speziell für diesen Zweck gezüchtet worden sind, da die hygienischen und genetischen Anforderungen an ein Versuchstier sehr hoch sind. Die im RKI gehaltenen und für Experimente verwendeten Tiere werden in der Regel entweder bei spezialisierten Unternehmen erworben oder sind Nachkommen der institutseigenen Zucht.

Stand: 29.03.2018

Welche rechtlichen Grundlagen gelten bei Tierversuchen?

Tierexperimente müssen bei der zuständigen Behörde – in Berlin beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) – angemeldet und genehmigt werden. Den rechtlichen Rahmen bilden das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Versuchstierverordnung.

Nach dem Tierschutzgesetz sind Experimente mit Tieren nur zu bestimmten Zwecken zulässig, beispielsweise im Rahmen der Grundlagenforschung, der Forschung zur Vorbeugung, Erkennung oder Behandlung von Krankheiten bei Menschen oder Tieren oder zum Schutz der Umwelt.

Wenn im Versuchsablauf Änderungen notwendig sind, müssen diese ebenfalls genehmigt werden. Andernfalls dürfen die Wissenschaftler diese Eingriffe oder Behandlungen nicht an den Tieren vornehmen.

Tierversuche, die gesetzlich vorgeschrieben sind, müssen der Behörde lediglich angezeigt werden. Dazu zählen etwa Tests im Rahmen der Arzneimittelentwicklung. Im RKI werden solche gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche nicht durchgeführt.

Bei der Entwicklung von Kosmetika, Waschmitteln, Tabakerzeugnissen und Waffen sind Tierversuche verboten.

Stand: 17.08.2017

Wer genehmigt die Tierversuche im RKI – und wie läuft das Verfahren ab?

In Berlin müssen Tierversuche beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) angezeigt oder genehmigt werden.

  1. Die Wissenschaftler des RKI füllen ein Antragsformular aus, in dem sie zahlreiche Fragen beantworten müssen, die auf Vorgaben im Tierschutzgesetz beruhen. Sie müssen beispielsweise erläutern, welche wissenschaftliche Fragestellung beantwortet werden soll und dass dafür der beschriebene Tierversuch unerlässlich ist, wie viele Tiere sie verwenden wollen, die Auswahl der Tierart begründen und nachweisen, dass sie für die Durchführung solcher Experimente qualifiziert sind.
  2. Die Wissenschaftler besprechen das Experiment, das sie planen, mit den Tierschutzbeauftragten des RKI. Dabei steht der Schutz der Tiere im Mittelpunkt: Unter anderem legen sie gemeinsam Maßnahmen fest, mit denen die Zahl der Tiere so gering wie möglich gehalten und das Leid bestmöglich minimiert wird.
  3. Der Antrag wird beim LAGeSo eingereicht.
  4. Das LAGeSo prüft die Antragsunterlagen auf Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit.
  5. Während des Genehmigungsverfahrens wird das LAGeSo von einer unabhängigen Tierversuchskommission beraten. Sie besteht aus fachkundigen Mitgliedern (Veterinärmediziner, Humanmediziner, Naturwissenschaftler) sowie zu einem Drittel aus Vertretern von Tierschutzorganisationen.
  6. Rückfragen zum Versuchsantrag, die im Laufe des Genehmigungsverfahrens entstehen, muss der für den Tierversuch im RKI Verantwortliche schriftlich beantworten. Die Tierschutzbeauftragten des RKI werden dafür ebenfalls einbezogen.
  7. Wenn es keine Rückfragen seitens der Behörde mehr gibt, wird der Genehmigungsbescheid für maximal 5 Jahre erteilt. Ein Antrag kann natürlich auch abgelehnt werden, etwa wenn der wissenschaftliche Zweck nicht gegeben scheint oder die Belastung der Tiere – im Verhältnis zum Erkenntnisgewinn – zu groß ist.

Stand: 17.08.2017

Wer überwacht im RKI, dass die Tierversuche vorschriftsmäßig durchgeführt werden?

Intern prüfen die Tierschutzbeauftragten – das sind speziell ausgebildete Tierärzte – des RKI, ob die Mitarbeiter die gesetzlichen Auflagen und Bestimmungen bei ihrem Tierversuch einhalten. Extern werden die Versuche durch das LAGeSo überwacht, das auch unangekündigte Kontrollen durchführt. Bei Verstößen gegen Auflagen kann das LAGeSo Bußgelder erheben oder den Versuch sogar beenden.

Stand: 17.08.2017

Woran erkennt man, ob Tiere leiden?

Tiere, die leiden, zeigen bestimmte Verhaltensweisen. Sie sondern sich beispielsweise von der Gruppe ab, fressen und trinken weniger, magern ab, verzichten auf den Nestbau. Auch mangelnde Fellpflege, zugekniffene Augen und eine kauernde Haltung deuten darauf hin, dass es dem Tier nicht gut geht. Es gibt noch eine Reihe weiterer Merkmale, die die Mitarbeiter erkennen und einordnen müssen – das ist Teil der versuchstierkundlichen Qualifikation, die jeder vorweisen muss, der Experimente mit Tieren macht. Erfahrene Mitarbeiter können den Zustand eines Tieres sogar am Gesichtsausdruck ablesen (Mouse/Rat/Rabbit Grimace Scale).

Stand: 17.08.2017

Wie wird sichergestellt, dass die Tiere so wenig wie möglich leiden?

Bereits während des Antragsverfahrens müssen bestimmte Kriterien (z.B. Gewichtsverlust, Körpertemperatur, Verhaltensweisen, Durchfall, Symptome einer Atemwegserkrankung usw.) definiert werden, die bei Auftreten zum Abbruch des Versuchs führen. Darüber hinaus werden Punkt-Scores (z.B. keine Veränderung der Kriterien – geringe Veränderung – mittelgradige Veränderung – hohe Veränderung) definiert und bestimmt, bis zu welchem Grad das Leid im Rahmen des Versuchs noch tolerierbar ist und ab welchem Grad nicht mehr. Wenn der Grad überschritten wird, wenn etwa die Schmerzen für das Tier zu groß werden, ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Ergebnisse des Versuchs verzerrt werden; das wollen Wissenschaftler ebenfalls vermeiden. Entsprechend wird auch festgelegt, ab welchem Zeitpunkt des Erscheinens der Kriterien die Tiere wie oft kontrolliert werden müssen, wann sie Schmerzmittel erhalten, wann Rücksprache mit den Tierschutzbeauftragten erforderlich ist und wann ein Versuch beendet werden, das heißt das Tier getötet werden muss. All das hängt in großem Maße vom Ziel des Experiments ab, also welche Erkenntnisse mit Hilfe der Tiere gewonnen werden sollen.

Stand: 17.08.2017

Mit welchen Alternativ- und Ergänzungsmethoden wird gearbeitet?

Einige Tierversuche können heute schon durch Zellkulturassays ersetzt oder ergänzt werden. Im RKI wird darüber hinaus unter anderem an Alternativmethoden für Tests auf biologische Toxine (ZBS 3), zur Überprüfung von Grippe-Impfstoffen (FG 17) und Nachweistests für proteinöse Keimaktivität von Prionen und Prionoiden (ZBS 6) geforscht.

Stand: 26.10.2017

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