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Fallzahlen und Meldungen (Stand: 23.12.2021)

Welche Aussagekraft hat die 7-Tage-Inzidenz, wenn immer mehr Menschen gegen COVID-19 geimpft sind?

Um die aktuelle Situation einschätzen zu können, betrachtet und bewertet das RKI verschiedene Indikatoren (siehe u.a. www.rki.de/covid-19-situationsbericht). Ein zentraler – jedoch nicht der einzige – Indikator ist die Entwicklung der Fallzahlen. Sie wird dargestellt als 7-Tage-Inzidenz, das bedeutet die Anzahl der innerhalb der letzten 7 Tage neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner. Die 7-Tage-Inzidenz gibt die Geschwindigkeit an, mit der sich die Infektionen verbreiteten. Weitere wichtige Indikatoren ist die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz (als Maß für die Krankheitsschwere, siehe auch "Wie wird die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz berechnet und was ist bei der Bewertung zu berücksichtigen?") und die Anzahl der Fälle, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen (als Maß für die Belastung des Krankenversorgungssystems). Die verschiedenen Indikatoren bilden unterschiedliche Aspekte des Pandemiegeschehens ab. Sie hängen zusammen und werden immer gemeinsam betrachtet. Allerdings kann sich ihre jeweilige Bedeutung im Verlauf der Pandemie und bei neuen Rahmenbedingungen ändern.

Generell gilt: Je mehr Fälle auftreten, desto mehr schwere Verläufe (Krankenhauseinweisungen/ITS) und Todesfälle werden – mit etwas Zeitverzug – registriert. Gleichzeitig steigt die Belastung des Gesundheitssystems. Eine steigende 7-Tage-Inzidenz geht dieser Entwicklung voraus. Es ist der früheste aller Indikatoren. Die 7-Tage-Inzidenz ist daher auch weiter wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren.

Eine wachsende Grundimmunität in der Bevölkerung bedeutet nicht, dass die 7-Tage-Inzidenz vernachlässigt werden kann. Noch sind viele Millionen Menschen in Deutschland noch gar nicht oder nicht vollständig geimpft. Außerdem können sich auch Geimpfte infizieren (schwere Verläufe sind in solchen Fällen jedoch selten) und das Virus weitergeben – daher sind die AHA+A+L-Regeln auch für Geimpfte weiter empfohlen.

Je höher die 7-Tage-Inzidenz ist, desto schneller steigen die Fallzahlen (siehe FAQ Was bedeutet ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen?) und desto schwieriger wird es, Kontakte nachzuverfolgen und die Infektionszahlen niedrig zu halten. Auch deswegen sollten die Fallzahlen und Inzidenzen generell möglichst niedriggehalten werden. Bei sehr hohen Inzidenzen steigt auch die Zahl der Betroffenen mit Long-COVID oder schweren Verläufen, die im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Dazu kommen immer mehr Kontaktpersonen, die unter Quarantäne gestellt werden und damit am Arbeitsplatz fehlen. Die vom RKI empfohlenen Maßnahmen (siehe ControlCovid und Vorbereitung auf den Herbst/Winter 2021/2022) haben das Ziel, die Infektionszahlen zu senken und so niedrig wie möglich zu halten.

Bei den Fällen der 7-Tage-Inzidenz liegt das Meldedatum beim Gesundheitsamt zugrunde, also das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat (also nicht das Datum, an dem ein Fall im RKI übermittelt wird).

Stand: 23.12.2021

Was ist alles meldepflichtig?

Meldepflichtig sind gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) der Verdacht auf eine Erkrankung, eine Erkrankung und der Tod in Bezug auf COVID-19 sowie der Nachweis des Erregers SARS-CoV-2, soweit er auf eine akute Infektion hinweist (siehe www.rki.de/covid-19-meldepflicht). Dies gilt auch für Leiter von Einrichtungen (wie Schulen und Altenpflegeheime, siehe § 36 Abs. 1 IfSG), wenn in diesen Einrichtungen Antigennachweise durchgeführt werden, diese positiv sind und wenn ein Arzt nicht hinzugezogen wurde, da bei einem positiven Antigennachweis grundsätzlich von einem relevanten Erkrankungsverdacht im Sinne des IfSG auszugehen ist. Was die zur Meldung verpflichteten Personen melden müssen – falls die Informationen vorliegen - wird hier genauer beschrieben. Die Meldepflicht wurde am 12.07.2021 erweitert für Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern, die dem zuständigen Gesundheitsamt auch melden müssen, wenn ein Patient oder eine Patientin mit Bezug auf COVID-19 in ein Krankenhaus aufgenommen wird.

Ein direkter Erregernachweis z.B. durch eine PCR, weist in der Regel auf eine akute Infektion hin und muss daher gemeldet werden. Dies gilt auch für patientennahe Schnelltests auf SARS-CoV-2 (z.B. Antigennachweise). Die Meldepflicht für positive Erregernachweise besteht für Labore, aber auch für Ärzte, die Infektionserregerdiagnostik z.B. in ihrer Praxis durchführen.

Bei einem indirekten Erregernachweis sollte folgendes beachtet werden: Mit den derzeit am Markt befindlichen serologischen Tests kann bei einmaliger Untersuchung noch nicht ausreichend sicher festgestellt werden, ob eine akute Infektion vorliegt. Sollte im Rahmen einer Untersuchungsserie bei einer Person eine Serokonversion festgestellt werden (Abstand der beiden Tests maximal 30 Tage), kann dies auf eine akute Infektion hinweisen. Der Nachweis von IgM-Antikörpern und der Nachweis von IgG-Antikörpern in getrennten Tests, kann ebenfalls bei entsprechender Beurteilung durch das Labor unter Berücksichtigung der verwendeten Tests, ein Hinweis auf eine akute Infektion sein. Der einmalige Nachweis von IgM lässt nicht sicher auf eine akute Infektion schließen. Die Bewertung, ob der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist, muss unter Berücksichtigung der Eigenschaften der jeweils verwendeten Tests, ggf. durchgeführten Voruntersuchungen und anamnestischen Angaben durch das diagnostizierende Labor im Rahmen des laborärztlichen Befundes erfolgen (siehe auch „Wie wird eine Infektion mit SARS-CoV-2 labordiagnostisch nachgewiesen, welche Test gibt es?“).

Seit 01.01.2021 haben gemäß § 14 Abs. 8 IfSG alle Labore verpflichtend das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) für die Meldung von SARS-CoV-2-Erregernachweisen zu nutzen.

Stand: 23.12.2021

Wie funktioniert der Meldeweg und welche Informationen zu den Erkrankten werden ans RKI übermittelt?

Die Ärztin oder der Arzt, aber auch andere zur Meldung verpflichtete Personen wie z.B. Leiter von Einrichtungen (z.B. Schulen, Pflegeheime), der bei einer Person den Verdacht auf COVID-19 stellt, muss dies dem Gesundheitsamt gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) melden (siehe dazu die "Empfehlungen zur Meldung von Verdachtsfällen von COVID-19"). Auch das Labor, das SARS-CoV-2 bei einem Menschen nachweist, muss dies dem Gesundheitsamt melden. Die Meldepflicht ermöglicht dem Gesundheitsamt, die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen zu treffen.

Die Meldung muss unverzüglich erfolgen und dem Gesundheitsamt spätestens innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Dabei müssen auch Name, Adresse und Kontaktdaten der betroffenen Person dem Gesundheitsamt gemeldet werden, damit das Gesundheitsamt die Person kontaktieren kann und die notwendigen Maßnahmen (z.B. Isolierung der betroffenen Person, Ermittlung von Kontaktpersonen) einleiten kann. Der Meldeweg vom Arzt oder anderen Meldepflichtigen zum Gesundheitsamt läuft derzeit noch routinemäßig per Fax, selten per Telefon oder E-Mail. Seit Mitte Juni 2020 haben Labore die Möglichkeit, Erregernachweise von SARS-CoV-2 elektronisch an das zuständige Gesundheitsamt zu melden (erste Ausbaustufe des Deutschen Elektronischen Melde- und Informationssystems für den Infektionsschutz DEMIS). Für Labore muss die Meldung von SARS-CoV-2-Erregernachweisen seit dem 01.01.2021 verpflichtend über DEMIS erfolgen.

COVID-19-Fälle, die die Falldefinition des RKI erfüllen, müssen vom zuständigen Gesundheitsamt spätestens am nächsten Arbeitstag elektronisch an die zuständige Landesbehörde und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag an das RKI übermittelt werden, allerdings ohne Name, Wohnort und Kontaktdaten der Betroffenen. In der aktuellen Lage übermitteln die meisten Gesundheitsämter früher und häufiger als gesetzlich vorgesehen, meist täglich und auch am Wochenende. Allerdings kann es bei der Übermittlung der Fälle auch zu einem Melde- und Übermittlungsverzug von einigen Tagen kommen. Siehe dazu auch „Warum sind die Fallzahlen am Wochenende geringer als an Arbeitstagen?“ und „Wie entsteht die Diskrepanz zwischen Inzidenzen der Landkreise den Angaben des RKI-Dashboards?“.

Dabei können – sofern sie dem Gesundheitsamt vorliegen bzw. vom Gesundheitsamt ermittelt werden können – auch zusätzliche Informationen übermittelt werden, z.B. Erkrankungsbeginn, wahrscheinlicher Infektionsort, Symptome und ob der/die Betroffene ins Krankenhaus oder auf eine Intensivstation eingewiesen worden ist oder geimpft ist. Die Daten werden vom RKI ausgewertet und dargestellt (siehe u.a. Dashboard, Situations- und Wochenberichte, COVID-19-Trends). In vielen Fällen sind die Informationen aber nicht vollständig, weil sie zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht vorliegen, nicht Inhalt der Meldung sind und von den Gesundheitsämtern erst ermittelt werden müssen. Bei COVID-19 kann es vorkommen, dass zunächst mild erkrankte Personen erst einige Tage später schwer erkranken und im Krankenhaus behandelt werden müssen, diese Information zum Verlauf aber den Gesundheitsämtern nicht immer vorliegt. Damit insbesondere die Informationen zur Hospitalisierung von COVID-Fällen schneller und vollständiger beim Gesundheitsamt vorliegen, wurde die Meldepflicht für Krankenhauseinweisungen mit Bezug zu COVID-19 erweitert. Siehe auch  "Wie erfassen Gesundheitsämter Fälle, Ausbrüche und Infektionsumstände?" und "Wie werden Todesfälle erfasst?".

In den Statistiken des RKI werden nur Fälle veröffentlicht, die die Referenzdefinition erfüllen. Das sind COVID-19-Fälle, bei denen ein labordiagnostischer Nachweis mittels Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR) oder Erregerisolierung vorliegt (unabhängig vom klinischen Bild). Fälle, bei denen lediglich eine positiver Antigennachweis vorliegt, erfüllen nicht die Referenzdefinition.

Stand: 23.12.2021

Wie wird die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz berechnet und was ist bei der Bewertung zu berücksichtigen?

Der Indikator 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz ist ein sehr wichtiger Indikator, der von RKI-Seite regelmäßig im Lagebericht veröffentlicht und für die Lagebewertung herangezogen wird. Die Hospitalisierungsinzidenz ermöglicht die Bewertung des Auftretens schwerer COVID-19-Erkrankungen.
Zur Steuerung von präventiven Maßnahmen ist aus fachlicher Sicht die Hospitalisierungsinzidenz nicht als alleiniger Indikator geeignet. Für eine Einschätzung der Situation ist aus fachlicher Sicht eine Kombination verschiedener Leitindikatoren und weiterer epidemiologischer Analysen erforderlich.

Berechnung:
Für die Berechnung wird die Anzahl COVID-19-Fälle genutzt, bei denen angegeben ist, dass sie hospitalisiert sind, mit einem Meldedatum in den letzten 7 Tagen bezogen auf 100.000 Bevölkerung in der jeweils ausgewiesenen Altersgruppe bzw. Bundesland. Für die Berechnung der Inzidenzen werden die Daten der Bevölkerungsstatistik des Statistischen Bundesamtes mit Datenstand 31.12.2020 verwendet.

Bewertung/Einordnung:
Folgende Aspekte sollten bei der Bewertung der Daten berücksichtigt werden.:

  • Zeitlicher Bezug:

    Die Daten werden nach Meldedatum und nicht nach Hospitalisierungsdatum ausgewiesen. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass Angaben zum Hospitalisierungsdatum nicht für jeden hospitalisierten COVID-19-Fall vorliegen, sondern teilweise von den Gesundheitsämtern nachermittelt werden müssen. Gleichzeitig zeigt sich für die vorhandenen Hospitalisierungsdaten, dass das Hospitalisierungsdatum und Meldedatum häufig eng beieinander liegen. Um eine vollständigere Darstellung der COVID-19-Hospitalisierungen zu erreichen, wird daher auf das Meldedatum zurückgegriffen. Bei der Bewertung der Daten sollte berücksichtigt werden, dass die betroffene Person bei Meldung noch gar nicht oder nur leicht erkrankt sein kann und sich eine schwere Erkrankung erst im Verlauf entwickelt. Wenn die Hospitalisierung mehr als 7 Tage nach der Meldung erfolgt, dann werden diese Fälle zum Berichtsdatum nicht in der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz erfasst, sondern werden nur bei rückblickender Betrachtung der Daten sichtbar.

  • Geografischer Bezug:

    Die Daten werden nach Meldelandkreis und nicht nach Hospitalisierungslandkreis ausgewiesen. Die Daten werden in der Regel von dem Gesundheitsamt an das RKI übermittelt, das für den Wohnort der betroffenen Person zuständig ist. Das bedeutet, dass die Daten keinen direkten Rückschluss auf die Krankenhausbelegung im jeweiligen Kreis zulassen.

  • Grund für die Hospitalisierung:

    Bei der Berechnung der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz wird der Grund für die Hospitalisierung nicht berücksichtigt, da diese Informationen nicht immer vollständig und valide vorliegen. Bei der Gruppe der hospitalisierten Personen handelt es sich bzgl. Aufnahmegründen und Verläufen um eine sehr heterogene Gruppe. Entscheidungen über die Aufnahme sind nicht immer an die Schwere der Erkrankung geknüpft (z. B. junge Kinder, ältere Erwachsene zur Beobachtung). Meldepflichtig gemäß Infektionsschutzgesetz ist jede Hospitalisierung in Bezug auf COVID-19. Das bedeutet, dass der Grund der Aufnahme in Zusammenhang mit der COVID-19-Erkrankung steht, aber ein direkter kausaler Zusammenhang zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht hergestellt werden muss. Dies soll eine niedrigschwellige, zügige und aufwandsarme Meldung gewährleisten. Wird bei Aufnahme der betroffenen Person jedoch deutlich, dass die Krankenhausaufnahme in keinem Zusammenhang mit der COVID-19-Diagnose steht, z.B. bei einem Verkehrsunfall, dann besteht keine Meldepflicht.

  • Sensitivität in Abhängigkeit von der Bevölkerungszahl:

    In Kreisen und Altersgruppen mit geringer Bevölkerungszahl können bereits Einzelfälle zu hohen Werten bei der Hospitalisierungsinzidenz führen, während in bevölkerungsreichen Kreisen und Altersgruppen eine hohe Anzahl hospitalisierter COVID-19-Fälle notwendig ist, um zu merkbaren Änderungen der Hospitalisierungsinzidenz zu führen.

  • Datenvollständigkeit, Meldeverzug und Datenvalidität:

    Angaben zur Hospitalisierung müssen von den Gesundheitsämtern ermittelt werden, wenn sie bei Meldung nicht vorliegen bzw. die Meldung bei Aufnahme ins Krankenhaus nicht durch die Krankenhäuser erfolgt. Bei erstmaliger Meldung des Falls ans Gesundheitsamt liegt zudem häufig noch kein schwerer Krankheitsverlauf vor, sondern dieser entwickelt sich erst im Verlauf der Erkrankung. In anderen Fällen wird die COVID-19-Erkrankung erst in Zusammenhang mit der Aufnahme ins Krankenhaus diagnostiziert. Der größte Teil des Verzugs, bis die Informationen zur Hospitalisierung am RKI vorliegen, ist auf den natürlichen Krankheitsverlauf sowie auf die Ermittlungs- und Dokumentationsverzüge zurückzuführen. Die Datenvollständigkeit bei den Angaben zur Hospitalisierung liegt bei über 80%, variiert aber sehr stark nach Landkreis und z.B. verwendeter Software. Die Übermittlung vom Gesundheitsamt an das RKI erfolgt in der Regel innerhalb eines Tages. Die Vollständigkeit der Variable gibt jedoch keinen Hinweis darauf, wie valide die Angaben sind, also z.B. ob eine Person, bei der bei initialer Meldung erfasst worden ist, dass sie nicht hospitalisiert ist, im Verlauf hospitalisiert wurde. Die Validität der Angaben ist auf RKI-Ebene durch Datenanalysen nicht auswertbar

  • Einfluss der Verordnung:

    Aufgrund der erst vor einigen Monaten eingeführten Verordnung, die Krankenhäuser dazu verpflichtet, die Aufnahme einer Person in ein Krankenhaus in Bezug auf COVID-19 zu melden, wird erwartet, dass die Untererfassung der Hospitalisierung weiter abnimmt. Bisher gibt es noch keine Erfahrungen, wie sich das auf die Hospitalisierungsinzidenz auswirken wird und wie in der Folge ggf. Grenzwerte angepasst werden müssen.

  • Der Zusammenhang zwischen der 7-Tage-Inzidenz, der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und der Intensivbelegung hängt von mehreren Faktoren ab, u.a. der Impfquote und dem damit selteneren Auftreten von schweren Krankheitsverläufen, aber auch der Teststrategie, wenn z.B. bei Screeninguntersuchungen vermehrt asymptomatische Fälle gefunden werden oder bestimmte Altersgruppen wie Kinder häufiger getestet werden. Ein Anstieg der 7-Tage-Inzidenz lässt nicht mehr mit demselben Verhältnis einen Anstieg der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und der Intensivbelegungen erwarten. Auch das Verhältnis von 7-Tage-Hospitalisierungsinzdenz und Belegung der Intensivstationen ist zueinander nicht konstant, da dieses u. a. von den betroffenen Altersgruppen und dem Anteil der Geimpften unter den SARS-CoV-2 Infektionen abhängt. Bei gleichbleibender Hospitalisierungsinzidenz, aber längeren Zeiten der Intensivbehandlung steigt die Belastung der Kapazität weiter an.

Stand: 23.12.2021

Wie entsteht die Diskrepanz zwischen Inzidenzen, die von den Landkreisen selbst kommunziert werden, und den Angaben des RKI-Dashboards?

Generell gilt: Die Behörden im Land- oder Stadtkreis verfügen immer über die aktuellsten Zahlen. Diese sind mit ausschlaggebend für die Bewertung der Situation vor Ort. Die örtlichen Behörden entscheiden auch darüber, welche Maßnahmen ergriffen werden.

Das RKI-Dashboard bietet eine Übersicht über die COVID-19-Fälle in Deutschland nach Bundesland. Die Zahlen, die für einen Landkreis im Dashboard aktuell angezeigt werden, können jedoch von den Zahlen, die die lokalen Behörden für den Landkreis aktuell kommunizieren, abweichen.

Diskrepanzen zwischen den berichteten Inzidenzen der Landkreise und den Daten des Dashboards können verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise können sie durch den Übermittlungsverzug bedingt sein (z.B. wenn das Gesundheitsamt bereits Fälle an die zuständige Landesbehörde übermittelt hat, diese aber noch nicht vom Land an das RKI übermittelt worden sind, siehe „Wie funktioniert der Meldeweg und welche Informationen zu den Erkrankten werden ans RKI übermittelt?“). In anderen Fällen kann das auch an einem anderen Datenstand liegen (das RKI verwendet den Datenstand jeweils 0 Uhr, möglicherweise nutzen die Landebehörden/Gesundheitsämter einen anderen zeitlichen Rahmen).

Die 7-Tage-Inzidenz basiert auf dem Meldedatum der Fälle, das ist der Zeitpunkt, an dem der Fall dem Gesundheitsamt bekannt wird. Durch den Übermittlungsverzug kann es zu einer Unterschätzung der 7-Tage-Inzidenz kommen, insbesondere bei dynamischen Entwicklungen, da noch nicht alle Daten vollständig vorliegen.

Im Rahmen der COVID-19-Pandemie werden die Daten aufgrund des großen Informationsbedürfnisses tagesaktuell veröffentlicht. Die Daten werden automatisiert und elektronisch übermittelt. Die anschließende Qualitätskontrolle kann dazu führen, dass Datensätze im Verlauf ergänzt oder korrigiert werden. Es kann zum Beispiel sein, dass dadurch Fälle und Todesfälle wieder aus der Berichterstattung fallen und so auch negative Differenzen zum Vortag entstehen. Die Korrektur der Daten erfolgt immer auf Ebene des Gesundheitsamtes.

Stand: 02.12.2020

Warum sind die Fallzahlen am/nach dem Wochenende geringer als an Arbeitstagen?

In der Regel werden an Samstagen und Sonntagen sowie an Feiertagen weniger COVID-19-Fälle an das RKI übermittelt als an anderen Tagen. Das führt dazu, dass an Sonntagen, Montagen und nach Feiertagen meist deutlich geringere Fallzahlen vom RKI berichtet werden als an anderen Wochentagen.
Dies hat mehrere Gründe: Zum einen suchen am Wochenende meist weniger Personen einen Arzt auf und es werden keine Screenings am Arbeitsplatz, in der Schule und in Kitas durchgeführt, dadurch werden weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet werden. Zum anderen kann es sein, dass am Wochenende oder Feiertagen nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an das RKI übermitteln. Gemäß IfSG ist sollte die Übermittlung, sobald die Falldefinitionen des RKI erfüllt sind, spätestens am folgenden Arbeitstag erfolgen. In der aktuellen Lage übermitteln jedoch die meisten Gesundheitsämter früher und häufiger als gesetzlich vorgesehen, meist täglich, auch am Wochenende.

Stand: 23.12.2021

Wie erfassen Gesundheitsämter Fälle, Ausbrüche und Infektionsumstände?

Gesundheitsämter ermitteln nicht nur im Rahmen der Umgebungsuntersuchung Kontaktpersonen, die sich bei dem Fall angesteckt haben könnten, sondern erheben auch, wo sich ein Fall selbst angesteckt haben könnte (Quellensuche). Die betroffenen Personen werden hierfür vom Gesundheitsamt eingehend befragt, ob sie innerhalb der 14 Tage vor ihrem Symptombeginn Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten und wenn ja, ob sich dieser Kontakt im Haushalt, am Arbeitsplatz oder in einer medizinischen Einrichtung zugetragen hat. Diese Informationen lassen sich nicht immer ermitteln, sie liegen nur für einen Teil der Fälle vor.

Das wahrscheinliche Infektionsumfeld wird ebenfalls erhoben und in die Meldesoftware eingegeben.Tatsächlich ist es in der Praxis für Gesundheitsämter und Betroffene oft sehr schwer, den exakten Infektionsort zu bestimmen. Die Inkubationszeit ist mit bis zu 14 Tagen sehr variabel und die Symptome beginnen schleichend und sind oft unspezifisch. Übertragungen können auch von Personen ausgehen, die (noch) keine Symptome zeigen. In den 14 Tagen vor Symptombeginn kann sich ein COVID-19-Fall an vielen möglichen Orten und Umständen angesteckt haben. Eine eindeutige Aufklärung der eigenen Infektionsumstände ist daher für sehr viele Einzelfälle nicht möglich. Die Angaben hierzu im Meldewesen sind daher nur mehr oder weniger hohe Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten.

Gemäß Infektionsschutzgesetz soll auch übermittelt werden, ob die COVID-19-Fälle in einer für den Infektionsschutz relevanten Einrichtung betreut, untergebracht oder tätig sind. Dabei wird zwischen verschiedenen Arten von Einrichtungen unterschieden (z.B. betreut oder tätig in einer Gemeinschaftseinrichtung, einer medizinischen Einrichtung oder einer Gemeinschaftsunterkunft). Betreuung oder Tätigkeit in einer Einrichtung bedeutet jedoch nicht, dass die Infektion auch tatsächlich in der Einrichtung passiert ist. Aus den Angaben zur Einrichtung kann also nicht direkt auf das wahrscheinliche Infektionsumfeld geschlossen werden – die Angaben sollen vielmehr das Gesundheitsamt frühzeitig in die Lage zu versetzen, nach Auftreten des Falls in diesen Einrichtungen Infektionsschutzmaßnahmen zu treffen und z.B. durch Betretungs- oder Tätigkeitsverbote oder auch Schließungen die weitere Verbreitung des Erregers zu verhindern.

Da eine eindeutige Aufklärung der eigenen Infektionsumstände für sehr viele Einzelfälle nicht möglich ist, ist die Aufarbeitung von COVID-19-Ausbruchsgeschehen umso wichtiger. Die Gesundheitsämter ermitteln im Umfeld von Fällen, ob weitere Fälle auftreten. Solche Ausbruchsgesehen werden den Landesbehörden und dem RKI ebenfalls übermittelt. Die bisherigen Daten zeigen, dass Ausbrüche in vielfältigen Settings in Deutschland stattfinden und dass daher ein breiter Präventionsansatz mit Beachtung der AHA+L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske und Lüften) in allen Lebenswelten essenziell ist, um COVID-19-Ausbrüche zu verhindern. Im Epidemiologischen Bulletin 38/2020 ist eine erste umfassendere Auswertung von Ausbrüchen abrufbar. Aktuelle Daten sind auf der Webseite verfügbar: www.rki.de/covid-19-ausbruchsdaten.

Für die zielgerichtete Prävention von COVID-19-Infektionen und -Ausbrüchen ist es wichtig zu wissen, unter welchen Bedingungen sich Infektionsübertragungen besonders leicht ereignen und Ausbrüche entstehen.

Die Ausweisung von Ausbrüchen dient in erster Linie der Erleichterung der Arbeit im Gesundheitsamt und besseren Zusammenarbeit zwischen beteiligten Gesundheitsämtern. Wie Ausbrüche in den Gesundheitsämtern als solche gekennzeichnet werden, ist sehr unterschiedlich und hängt von den Gegebenheiten vor Ort sowie der Charakteristika der Ausbrüche ab. Manchmal kann es sinnvoll sein, einen größeren Ausbruch in mehrere kleinere Cluster zu unterteilen, sodass die absolute Anzahl der übermittelten Ausbrüche nicht immer aussagekräftig ist.

Auch bei Ausbruchsgeschehen wird erfasst, in welchem Infektionsumfeld sie sich ereignen. Dabei kann zwischen Wohnstätten, Übernachtungen, Arbeitsplatz, Ausbildungsstätten, medizinischen Behandlungseinrichtungen, Betreuungseinrichtungen, Freizeit, Speisestätten, Verkehrsmitteln, und sonstigen unterschieden werden. Es sind jeweils weitere Unterteilungen möglich. Allerdings sind auch diese Angaben mit Vorsicht zu interpretieren: Die Zuordnung ist nicht immer eindeutig. Trotz der Vielzahl der Auswahlmöglichkeiten werden nicht alle Settings abgedeckt, in denen es zu Ausbrüchen kommt. Die Gesundheitsämter haben zudem bei hohem Aufkommen von Fällen häufig nicht die Kapazität, detaillierte Informationen zu Ausbrüchen zu erheben und zu übermitteln.

Viele Erkenntnisse zu besonderen Übertragungsrisiken werden nicht direkt aus dem Meldewesen- Surveillancedaten gewonnen, sondern aus der aktiven Beteiligung des RKI an Ausbruchsuntersuchungen, beispielsweise 2020 in Tirschenreuth.

Stand: 23.12.2021

Wie werden Todesfälle erfasst?

In die Statistik des RKI gehen die COVID-19-Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 (direkter Erregernachweis) vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind. Das Risiko an COVID-19 zu versterben ist bei Personen, bei denen bestimmte Vorerkrankungen bestehen, höher. Daher ist es in der Praxis häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2-Infektion direkt zum Tode beigetragen hat. Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind („gestorben an“), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war („gestorben mit“) werden derzeit erfasst. Generell liegt es immer im Ermessen des Gesundheitsamtes, ob ein Fall als verstorben an bzw. mit COVID-19 ans RKI übermittelt wird oder nicht. Bei einem Großteil der an das RKI übermittelten COVID-19-Todesfälle wird „verstorben an der gemeldeten Krankheit“ angegeben.

Verstorbene, die zu Lebzeiten nicht auf COVID-19 getestet wurden, aber in Verdacht stehen, an COVID-19 verstorben zu sein, können post mortem auf das Virus untersucht werden.

Darüber hinaus wird in fast allen Bundesländern der vertrauliche Teil der Todesbescheinigung an das Gesundheitsamt gesendet. Dort kann ein Abgleich mit den Meldedaten erfolgen, wenn auf der Todesbescheinigung als Todesursache eine Infektionskrankheit angegeben ist (siehe auch "Was ist beim Umgang mit an COVID-19-Verstorbenen zu beachten?").

Stand: 02.12.2020

Weiß man, wie viele COVID-19-Patienten in ein Krankenhaus eingewiesen werden, wie viele aktuell auf Intensivstationen behandelt werden und wie viele die akute Infektion überstanden haben?

Wie viele COVID-19-Fälle (neu) als hospitalisiert gemeldet wurden, kann über die Meldedaten erfasst werden und wird montags bis freitags u.a. im Situationsbericht, ausführlicher im Wochenbericht (Abschnitt Hospitalisierungen) und in den COVID-19-Trends (u.a. auch nach Bundesland und Altersgruppe) veröffentlicht. Allerdings liegen die Daten aktuell nicht immer vollständig vor (siehe auch "Wie wird die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz berechnet und was bei der Bewertung zu berücksichtigen?"). Das RKI hat keine Zahlen dazu, wie viele COVID-19-Patienten sich aktuell insgesamt im Krankenhaus befinden.

Im Intensivregister von RKI und DIVI wird u.a. die Zahl intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle erfasst: Das Register stellt u.a. tagesaktuell dar, wie viele Patienten sich deutschlandweit in intensivmedizinischer Behandlung befinden, wie viele davon beatmet werden, bei wie vielen die Behandlung abgeschlossen wurde und wie viele Patienten gestorben sind. Die Zahlen werden in den Situations- und Wochenberichten zusammengefasst. Ausführliche Tagesreports, Karten, Ländertabellen und Zeitreihen sind unter www.intensivregister.de abrufbar.  

Informationen zu Krankenhausaufenthalten können aber auch über andere Surveillancesysteme des RKI erfasst werden, z.B. durch die Krankenhaussurveillance schwerer akuter respiratorischer Infektionen (ICOSARI). Seit 2015 werden am RKI – zur Bewertung der Grippewelle und anderer schwer verlaufender akuter Atemwegserkrankungen – zusätzlich Informationen aus inzwischen rund 70 Sentinelkrankenhäusern ausgewertet und in den ARE-Wochenberichten veröffentlicht. Genutzt werden dabei insbesondere Diagnosen von Patientinnen und Patienten mit Grippe, Lungenentzündungen und anderen akuten Infektionen der unteren Atemwege (SARI-Diagnosen) und SARI-Fälle mit zusätzlicher COVID-19 Diagnose. Ein ICOSARI-Kurzbericht ist jeden Donnerstag im Wochenbericht zu finden. Detailliertere Auswertungen sind u.a. im Epidemiologischen Bulletin 41/2020 publiziert.

Daten darüber, ob ein Patient die akute Infektion überstanden hat, werden nicht offiziell erhoben. Das RKI schätzt die Zahl dieser Genesenen und stellt sie täglich auf dem RKI-Dashboard ( https://corona.rki.de ) und im Situations- bzw. Wochenbericht zur Verfügung. Berücksichtigt werden die Angaben, ob ein COVID-19-Fall verstorben ist und ob Angaben zur Hospitalisierung vorliegen. In Abhängigkeit von Erkrankungsbeginn bzw. Meldedatum feste Zeitintervalle addiert, wobei angenommen wird, dass der Großteil der Personen in diesem Zeitraum bereits wieder genesen ist. Der Algorithmus zur Schätzung der Genesenen berücksichtigt jedoch nicht, ob ggf. Spätfolgen der Erkrankung vorliegen, weil diese Daten nicht regulär im Meldesystem erfasst werden.

Stand: 23.12.2021

Was ist der Unterschied zwischen den COVID-19-Meldedaten nach IfSG und SARS-CoV-2-Nachweisen aus der Arbeitsgemeinschaft Influenza?

Bei den SARS-CoV-2-Meldedaten nach IfSG handelt es sich um alle Infektionen in ganz Deutschland, die im Labor bestätigt, an die Gesundheitsämter gemeldet und ans RKI übermittelt wurden. Bei diesen Zahlen handelt es sich um die vom RKI täglich publizierten Fallzahlen für Deutschland, u.a. auf dem Dashboard, in den Situationsberichten und barrierefrei unter www.rki.de/covid-19-fallzahlen.

Die virologische Surveillance der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) hingegen erfolgt seit vielen Jahren in Zusammenarbeit des RKI mit einem kleinen Teil der niedergelassenen Ärzteschaft in Deutschland (gut 100 primärversorgende Arztpraxen, so genannte Sentinelpraxen). Diese Arztpraxen werden gebeten, wöchentlich bei Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen Nasen- und Rachenabstriche durchzuführen und diese Proben an das RKI einzusenden. Somit wird nur eine kleine Stichprobe aus der deutschen Bevölkerung erfasst. Im RKI werden die eingesandten Nasen- und Rachenabstriche auf verschiedene respiratorische Erreger untersucht, darunter auf Influenzaviren und seit Mitte Februar 2020 auch auf SARS-CoV-2. Ziel ist es, die zirkulierenden respiratorischen Viren zu erfassen und daraus Schlussfolgerungen in Bezug auf die Gesamtbevölkerung zu ziehen. Die Ergebnisse werden mittwochs im Wochenbericht zu akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) auf der AGI-Homepage sowie jeden Donnerstag im Wochenbericht zu COVID-19 veröffentlicht.

Stand: 23.12.2021

Warum bilden sich die COVID-19-Wellen bisher nicht bei GrippeWeb ab?

GrippeWeb ist ein Online-Portal des Robert Koch-Instituts, das 2011 online ging und die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland direkt aus der Bevölkerung beobachtet ( https://grippeweb.rki.de ). Derzeit melden etwa 6.500 bis 8.500 Teilnehmende pro Woche. GrippeWeb gehört zu den syndromischen Überwachungssystemen. Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die idealerweise wöchentlich online melden, geben an, ob sie in der abgelaufenen Woche eine neu aufgetretene Atemwegserkrankung hatten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen oder Fieber, oder ob dies nicht der Fall war.

Es werden bei GrippeWeb folgende Definitionen benutzt:

  • Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber ODER Husten ODER Halsschmerzen;
  • grippeähnliche Erkrankungen (influenza-like illness; ILI) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber UND (Husten ODER Halsschmerzen). Somit gehören alle ILI auch zu den ARE.

Eine Vielzahl von Atemwegserregern kann diese Symptome hervorrufen, SARS-CoV-2 ist dabei nur einer davon: den allermeisten Menschen ist gar nicht bekannt, welcher Erreger ihre Erkrankung hervorgerufen hat. GrippeWeb-Teilnehmer werden daher auch nicht gefragt, welcher Erreger ihre Atemwegserkrankung hervorgerufen hat. Auch wenn ein ARE-Betroffener den auslösenden Erreger kennt, kann dieser nicht eingegeben werden.

Die COVID-19-Wellen wie z.B. die erste Welle im März/April 2020 oder die zweite Welle im Herbst/Winter 2020/2021 können über die Meldedaten, die das RKI erreichen, gut abgebildet werden. Hierbei handelt es sich um sehr spezifische, laborbestätigte Befunde. Bei GrippeWeb hingegen stellen sich diese COVID-19-Wellen nicht gut dar, da SARS-CoV-2 nur einer von vielen Atemwegserregern ist und die COVID-19-Wellen daher schlicht "untergehen". Allerdings lassen sich die Wirkungen der Maßnahmen in GrippeWeb sehr gut verfolgen, da durch die Einhaltung der AHA(+L)-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen und Lüften) von vielen Bürgerinnen und Bürgern, ganz allgemein das Ansteckungsrisiko für viele Atemwegserkrankungen deutlich reduziert wird. Daher wurden z.B. in der kalten Jahreszeit 2020/2021 deutlich niedrigere ARE-Raten in GrippeWeb beobachtet als in den Jahren vor der Pandemie. Im Herbst 2021 zeigten die ARE-Raten in GrippeWeb allerdings wieder so viele Übertragungen von akuten Atemwegsinfektionen wie in den Vorjahren, was auf eine Rückkehr zu Verhaltensmustern vor der Pandemie hinwies. Im Herbst stiegen dann auch die Inzidenzwerte für COVID-19 schnell sehr stark an. Die ARE-Raten in GrippeWeb bleiben auch in 2021 ein guter Indikator für das infektionsrelevante Kontaktverhalten in der Bevölkerung.  

Stand: 23.12.2021

Wieso unterscheidet sich die Anzahl der COVID-19 Fälle aus dem ICOSARI-Krankenhaus-Sentinel von der Anzahl Intensivpatienten mit COVID-19 aus dem DIVI-Intensivregister?

ICOSARI (ICD-10-Code basierte Krankenhaussurveillance schwerer akuter respiratorischer Infektionen) ist ein System des RKI zur syndromischen Surveillance von akuten Atemwegserkrankungen (siehe Fachwörterbuch Infektionsschutz, „Syndromische Surveillance”, Seite 124) und berichtet analog zu anderen Systemen der syndromischen Surveillance auf Bevölkerungsebene (GrippeWeb) und auf Arztebene (AGI/SEED) seit 2017 über neu aufgetretene Atemwegserkrankungen bzw. Neuaufnahmen im Krankenhaus (siehe auch Influenza-Saisonbericht 2018/19). Diese Surveillance-Systeme werden in Ergänzung zum Meldesystem und dem DIVI-Intensivregister geführt.

Im Rahmen des ICOSARI-Krankenhaus-Sentinels berichtet das RKI über wöchentliche Neuaufnahmen von Patienten mit einer schweren akuten respiratorischen Infektion (SARI-Patienten) in ca. 70 Sentinel-Krankenhäusern (etwa 5-6% der Krankenhaus-Patienten mit einer SARI in Deutschland). Die Sentinelkrankenhäuser spiegel das Geschehen in Deutschland gut wider. Ziel ist die Bewertung der Krankheitsschwere von schweren akuten respiratorischen Erkrankungen einschließlich COVID-19-Erkrankungen und Influenza sowie die Ermittlung der Krankheitslast im stationären Sektor nach Saison bzw. nach Kalenderwoche. Im DIVI-Intensivregister sollen dagegen tagesgenau die momentan in ca. 1.300 Akutkrankenhäusern intensivmedizinisch behandelten COVID-19-Patienten und beatmeten Patienten abgebildet werden. Mit Hilfe der Echtzeiterfassung soll deutschlandweit die Auslastung der Intensivstationen mit COVID-19-Patienten bewertet werden.

Stand: 23.12.2021

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