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Virus und Epidemiologie (Stand: 19.5.2022)

Wie erfasst das RKI die Situation in Deutschland?

Das RKI analysiert fortlaufend verschiedene Datenquellen, um die Lage in Deutschland so genau wie möglich erfassen und einschätzen zu können. Dazu zählen unter anderem die offiziellen Meldedaten (u.a. Fall- und Todeszahlen, geografische Verteilung, zeitlicher Verlauf, betroffene Altersgruppen, Hospitalisierungen, Ausbrüche), aber auch Informationen aus bereits bestehenden Surveillance-Systemen (für akute Atemwegserkrankungen oder zu Laborergebnissen) und aus Projekten und Studien, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie - auch in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen - durchgeführt werden. Auch die Impfquoten, Impfdurchbrüche, die Anzahl der COVID-19-Patienten auf Intensivstationen und die Zahl der durchgeführten Labortests auf SARS-CoV-2 werden erfasst. Auch eine Erfassung zirkulierender Virusvarianten bei sequenzierten Proben findet statt. Darüber hinaus arbeitet das Institut eng mit verschiedenen Behörden und Einrichtungen zusammen - auf nationaler und internationaler Ebene.

Alle Informationen und Dokumente sind unter www.rki.de/covid-19 abrufbar. Sie werden kontinuierlich aktualisiert.

Stand: 17.03.2022

Wie zuverlässig sind die Meldedaten angesichts sehr hoher Fallzahlen?

Durch die sehr hohen Infektionszahlen während der Omikronwelle ist auch für Deutschland damit zu rechnen, dass die Infektionszahlen über das Meldewesen (IfSG) weniger gut erfasst werden. Das hat verschiedene Gründe: Unter anderem wird mit steigender Inzidenz die Untererfassung größer - mehr Infizierte ohne oder nur mit geringen Symptomen gehen erst gar nicht zum Test. Auch wegen begrenzter Laborkapazitäten wird nur noch ein Teil der Infizierten PCR-getestet werden und als Fall gezählt. Durch die hohe Belastung der Gesundheitsämter können auch nicht mehr alle Kontaktpersonen identifiziert oder Daten zu den Fällen nachrecherchiert werden. Der Diagnose- und Meldeverzug wird vermutlich größer. Daher ist davon auszugehen, dass die Sensitivität und Detailtiefe der einzelfallbasierten Datensätze des Meldewesens vorübergehend nachlassen werden, dass die auf den Meldedaten basierende 7-Tage-Inzidenz, 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und Angaben zum Impfstatus am Höhepunkt der Welle weniger vollständig sein werden.

Das RKI kann die Situation jedoch weiterhin gut einschätzen – insbesondere die Krankheitslast und Krankheitsschwere auf Bevölkerungsebene, die in der jetzigen Phase der Pandemie von besonderem Interesse ist. Neben den Meldedaten, die nach wie vor die Trends im Infektionsgeschehen abbilden, gewinnen dabei weitere Surveillancesysteme an Bedeutung. Dazu zählen insbesondere die syndromische und virologische Surveillance von Atemwegsinfektionen, die bereits seit vielen Jahren am RKI etabliert ist und deren Ergebnisse ebenfalls seit Pandemiebeginn in die Bewertung der COVID-19-Lage in Deutschland einfließen (siehe www.rki.de/covid-19-wochenbericht).


Die virologische Surveillance zeigt, welche verschiedenen Atemwegserreger aktuell zirkulieren, welche Altersgruppen sie betreffen und in welchem Verhältnis diese zu einander stehen.

Syndromische Surveillance: Mit GrippeWeb kann bevölkerungsbasiert die Aktivität akuter Atemwegsinfektionen geschätzt werden. Das Sentinel der Arbeitsgemeinschaft Influenza erfasst, wie viele Patientinnen und Patienten aufgrund von akuten Atemwegsinfektionen im ambulanten Bereich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Mit dem krankenhausbasierten Sentinel ICOSARI kann abgebildet werden, wie sich die Zahl schwerer Atemwegsinfektionen, die im Krankenhaus behandelt werden, entwickeln. Diese Ergebnisse werden schon lange im COVID-19-Wochenbericht dargestellt.

Darüber hinaus kann speziell der Anteil von symptomatischen COVID-19-Patienten mit Arztbesuch, an den im Krankenhaus und auf der Intensivstation wegen akuter Atemwegserkrankungen behandelten Patienten und die Inzidenz von symptomatischen COVID-19-Fällen in Deutschland geschätzt werden. Diese Angaben werden ab dem 20.1.2022 im COVID-19-Wochenbericht ergänzt. Für die Belastung des intensivmedizinischen Bereichs gibt es weiterhin das DIVI-IntensivRegister.

Alle diese Instrumente vermitteln einen sehr guten Eindruck zum Trend symptomatischer Infektionen verschiedener Schweregrade der Erkrankung und zur Belastung des Gesundheitswesens. Sie ermöglichen in der Gesamtschau auch bei sehr hohen Inzidenzen in der Bevölkerung eine gute Bewertung der aktuellen epidemischen Lage in Deutschland.

Stand: 17.03.2022

Wie wird die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz berechnet?

Für die Berechnung wird die Anzahl COVID-19-Fälle genutzt, bei denen angegeben ist, dass sie hospitalisiert sind, mit einem Meldedatum in den letzten 7 Tagen bezogen auf 100.000 Personen. Folgende Aspekte sollten bei der Bewertung der Daten berücksichtigt werden.:

  • Zeitlicher Bezug:
    Die Daten werden nach Meldedatum und nicht nach Hospitalisierungsdatum ausgewiesen. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass Angaben zum Hospitalisierungsdatum nicht für jeden hospitalisierten COVID-19-Fall vorliegen, sondern teilweise von den Gesundheitsämtern nachermittelt werden müssen. Gleichzeitig zeigt sich für die vorhandenen Hospitalisierungsdaten, dass das Hospitalisierungsdatum und Meldedatum häufig eng beieinander liegen. Um eine vollständigere Darstellung der COVID-19-Hospitalisierungen zu erreichen, wird daher auf das Meldedatum zurückgegriffen. Bei der Bewertung der Daten sollte berücksichtigt werden, dass die betroffene Person bei Meldung noch gar nicht oder nur leicht erkrankt sein kann und sich eine schwere Erkrankung erst im Verlauf entwickelt. Wenn die Hospitalisierung mehr als 7 Tage nach der Meldung erfolgt, dann werden diese Fälle zum Berichtsdatum nicht in der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz erfasst, sondern werden nur bei rückblickender Betrachtung der Daten sichtbar.
  • Geografischer Bezug:
    Die Daten werden nach Meldelandkreis und nicht nach Hospitalisierungslandkreis ausgewiesen. Die Daten werden in der Regel von dem Gesundheitsamt an das RKI übermittelt, das für den Wohnort der betroffenen Person zuständig ist. Das bedeutet, dass die Daten keinen direkten Rückschluss auf die Krankenhausbelegung im jeweiligen Kreis zulassen.
  • Grund für die Hospitalisierung:
    Bei der Berechnung der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz wird der Grund für die Hospitalisierung nicht berücksichtigt, da diese Informationen nicht immer vollständig und valide vorliegen. Bei der Gruppe der hospitalisierten Personen handelt es sich bzgl. Aufnahmegründen und Verläufen um eine sehr heterogene Gruppe. Entscheidungen über die Aufnahme sind nicht immer an die Schwere der Erkrankung geknüpft (z.B. junge Kinder, ältere Erwachsene zur Beobachtung). Meldepflichtig gemäß Infektionsschutzgesetz ist jede Hospitalisierung in Bezug auf COVID-19. Das bedeutet, dass der Grund der Aufnahme in Zusammenhang mit der COVID-19-Erkrankung steht, aber ein direkter kausaler Zusammenhang zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht hergestellt werden muss. Dies soll eine niedrigschwellige, zügige und aufwandsarme Meldung gewährleisten. Wird bei Aufnahme der betroffenen Person jedoch deutlich, dass die Krankenhausaufnahme in keinem Zusammenhang mit der COVID-19-Diagnose steht, z.B. bei einem Verkehrsunfall, dann besteht keine Meldepflicht.
  • Sensitivität in Abhängigkeit von der Bevölkerungszahl:
    In Kreisen und Altersgruppen mit geringer Bevölkerungszahl können bereits Einzelfälle zu hohen Werten bei der Hospitalisierungsinzidenz führen, während in bevölkerungsreichen Kreisen und Altersgruppen eine hohe Anzahl hospitalisierter COVID-19-Fälle notwendig ist, um zu merkbaren Änderungen der Hospitalisierungsinzidenz zu führen.
  • Datenvollständigkeit, Meldeverzug und Datenvalidität:
    Angaben zur Hospitalisierung müssen von den Gesundheitsämtern ermittelt werden, wenn sie bei Meldung nicht vorliegen bzw. die Meldung bei Aufnahme ins Krankenhaus nicht durch die Krankenhäuser erfolgt. Bei erstmaliger Meldung des Falls ans Gesundheitsamt liegt zudem häufig noch kein schwerer Krankheitsverlauf vor, sondern dieser entwickelt sich erst im Verlauf der Erkrankung. In anderen Fällen wird die COVID-19-Erkrankung erst in Zusammenhang mit der Aufnahme ins Krankenhaus diagnostiziert. Der größte Teil des Verzugs, bis die Informationen zur Hospitalisierung am RKI vorliegen, ist auf den natürlichen Krankheitsverlauf sowie auf die Ermittlungs- und Dokumentationsverzüge zurückzuführen. Die Datenvollständigkeit bei den Angaben zur Hospitalisierung liegt bei über 80%, variiert aber sehr stark nach Landkreis und z.B. verwendeter Software. Die Übermittlung vom Gesundheitsamt an das RKI erfolgt in der Regel innerhalb eines Tages. Die Vollständigkeit der Variable gibt jedoch keinen Hinweis darauf, wie valide die Angaben sind, also z.B. ob eine Person, bei der bei initialer Meldung erfasst worden ist, dass sie nicht hospitalisiert ist, im Verlauf hospitalisiert wurde. Die Validität der Angaben ist auf RKI-Ebene durch Datenanalysen nicht auswertbar.
  • Der Zusammenhang zwischen der 7-Tage-Inzidenz, der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und der Intensivbelegung hängt von mehreren Faktoren ab, u.a. der Impfquote und dem damit selteneren Auftreten von schweren Krankheitsverläufen, aber auch der Teststrategie, wenn z.B. bei Screeninguntersuchungen vermehrt asymptomatische Fälle gefunden werden oder bestimmte Altersgruppen wie Kinder häufiger getestet werden. Ein Anstieg der 7-Tage-Inzidenz lässt nicht mehr mit demselben Verhältnis einen Anstieg der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und der Intensivbelegungen erwarten. Auch das Verhältnis von 7-Tage-Hospitalisierungsinzdenz und Belegung der Intensivstationen ist zueinander nicht konstant, da dieses u.a. von den betroffenen Altersgruppen und dem Anteil der Geimpften unter den SARS-CoV-2-Infektionen abhängt. Bei gleichbleibender Hospitalisierungsinzidenz, aber längeren Zeiten der Intensivbehandlung steigt die Belastung der Kapazität weiter an.

Ausführliche Informationen siehe "Hinweise zur Umsetzung der Meldepflicht bei Aufnahme einer Person in ein Krankenhaus in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)"

Stand: 02.05.2022

Was versteht man unter der Reproduktionszahl R?

Die Reproduktionszahl beschreibt, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt.

Am Anfang einer Pandemie gibt es den Startwert R0 (auch: Basisreproduktionszahl), der beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, wenn die gesamte Bevölkerung empfänglich für das Virus ist (weil es noch keine Immunität in der Bevölkerung gibt), noch kein Impfstoff verfügbar ist und noch keine Infektionsschutzmaßnahmen getroffen wurden. R0 ist eine Größe, die für eine bestimmte Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt spezifisch ist, es kann somit kein allgemeingültiger Wert angegeben werden.

Beim SARS-CoV-2-Wildtyp wurden für die entsprechenden Bevölkerungen R0 zwischen 2,8 und 3,8 geschätzt, das heißt jeder Infizierte würde, wenn keine Infektionsschutzmaßnahmen befolgt werden, im Mittel zwischen drei und vier Personen anstecken. Die so genannten "besorgniserregenden Virusvarianten" weisen eine höhere Übertragbarkeit auf. Ohne Gegenmaßnahmen (wie Kontaktreduktion, Befolgen der AHA+L-Regeln und der Impfung) würde die Zahl der Infektionen rasch exponentiell ansteigen und erst dann sinken, wenn ein sehr großer Teil der Bevölkerung eine Infektion bzw. Erkrankung durchgemacht haben, also immun sind und das Virus ihrerseits nicht mehr weiterverbreiten können.

Durch Infektionsschutzmaßnahmen lässt sich die Reproduktionszahl verringern. Man spricht von einer zeitabhängigen Reproduktionszahl R(t). Es gilt:

  • Wenn R größer 1, dann steigende Anzahl täglicher Neuinfektionen,
  • Wenn R gleich 1, dann konstante Anzahl täglicher Neuinfektionen,
  • Wenn R unter 1, dann sinkende Anzahl täglicher Neuinfektionen.

Bei SARS-CoV-2 ist das Ziel, die Reproduktionszahl stabil bei unter 1 zu halten.

Weitere Informationen zum mathematischen Verfahren hinter der Schätzung des R-Werts und Beispielrechnungen sind hier abrufbar.

Unter www.rki.de/covid-19-nowcasting werden Beispielrechnungen und beide R-Werte mit Prädiktionsintervallen als Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt und täglich aktualisiert.

Stand: 23.12.2021

Gibt es eine Saisonalität bei SARS-CoV-2?

Viele Viren, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, verbreiten sich in der kälteren Jahreszeit besser. Zu den beitragenden Faktoren gehört besonders die Tatsache, dass man mehr Zeit und mit mehr Menschen in Innenräumen verbringt, die aufgrund der niedrigeren Außentemperaturen auch häufig nicht so gründlich gelüftet werden. In Innenräumen ist die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich höher. Zusätzliche Faktoren könnten beitragen, wie die längere Überlebensdauer mancher Viren bei niedriger Temperatur, die geringere UV-Strahlung, die geringere Luftfeuchtigkeit oder die trockeneren (und damit anfälligeren) Schleimhäute der Menschen.

Vermutlich spielen die Faktoren, die zur Saisonalität beitragen, auch bei SARS-CoV-2 eine wichtige Rolle. Allerdings sind in einer Pandemie grundsätzlich so viele Menschen leicht empfänglich für eine Infektion mit dem dann neuartigen, pandemischen Erreger, so dass es auch es im Sommer zu Übertragungen und Ausbrüchen kommt.

Stand: 17.03.2022

Wann ist COVID-19 endemisch, und was bedeutet das?

Eine Krankheit ist dann endemisch, wenn sie in einer Region fortwährend auftritt. Beispiele sind viele virale Atemwegserkrankungen, die dabei aber nicht immer in der gleichen Häufigkeit nachzuweisen sind, sondern in (saisonalen) Wellen auftreten. Die durch COVID-19 hervorgerufene Pandemie war von heftigen Infektions- und Krankheitswellen geprägt und geht allmählich in ein endemisch-wellenförmiges Auftreten über. Dieser Übergang kann nicht eindeutig anhand eines „Schwellenwertes“ festgelegt werden und findet global auch nicht überall gleichzeitig statt.

Zudem ist zu beachten, dass „endemisch“ nicht bedeutet, dass SARS-CoV-2 harmlos wird: Ähnlich wie bei der Grippe wird es höchstwahrscheinlich auch weiterhin zu regionalen oder überregionalen Ausbrüchen und saisonalen Erkrankungswellen (insbesondere im Herbst und Winter) kommen, die auch mit schweren Verläufen und Todesfällen einhergehen. Vor allem in der älteren Bevölkerung und bei Menschen mit Grunderkrankungen ist auch in Zukunft mit schweren Verläufen zu rechnen. Daher könnten insbesondere in diesen Bevölkerungsgruppen wiederholte Impfungen erforderlich werden. Genauso ist es möglich, dass neue SARS-CoV-2-Varianten auftreten und/oder zeitweise auch wieder stärkere Infektionsschutzmaßnahmen erforderlich sind. Eine Surveillance von SARS-CoV-2 und der verursachten Krankheitslast ist daher weiterhin notwendig, um Folgen abschätzen und frühzeitig reagieren zu können.

Die Entwicklung und Auswirkungen von SARS-CoV-2 lassen sich generell nicht vorhersagen. Viele Fachleute gehen jedoch davon aus, dass sich die Auswirkungen – ähnlich wie nach den Influenzapandemien des 20. Jahrhunderts – perspektivisch im Laufe der kommenden Jahre weiter reduzieren werden. Sicher ist: Das Virus wird ein Teil unseres Lebens bleiben. Darauf müssen sich alle einstellen.

Stand: 19.05.2022

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