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Zielgruppeneinstiege

Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe

Stand: 9.10.2018

Wie ist die aktuelle Situation?

Für Deutschland veröffentlicht das Robert Koch-Institut während der Influenzasaison im Winter jeden Mittwoch einen Bericht auf seinen Internetseiten und bei Bedarf aktuelle Situationseinschätzungen oder Beiträge im Epidemiologischen Bulletin.

Auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI, siehe auch "Was ist die Arbeitsgemeinschaft Influenza?"), wo die Wochen-, Monats- und Jahresberichte abrufbar sind, sind unter dem Menüpunkt „Diagramme“ auch täglich aktualisierte Informationen zu Virusnachweisen im Sentinel der Arbeitsgemeinschaft Influenza sowie von Influenza-Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz verfügbar. Über die europäische Situation berichtet das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gemeinsam mit dem europäischen Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO Euro) in Wochenberichten. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht regelmäßig Updates zum weltweiten Influenza-Geschehen.

Stand: 06.09.2018

Wann beginnt eine Grippewelle?

Die jährliche Grippewelle hat in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und drei bis vier Monate gedauert. Außerhalb dieser Zeit werden nur wenige Fälle beobachtet.

Es gibt verschiedene Vermutungen, warum die Grippewelle in den gemäßigten Zonen der Nord- und Südhemisphäre jeweils im Winter auftritt: Influenzaviren sind bei niedrigen Temperaturen und in trockener Luft stabiler. Außerdem wird vermutet, dass die Schleimhaut der oberen Atemwege bei trockener Luft anfälliger für eine Infektion ist und das Immunsystem im Winter weniger schlagkräftig ist als im Sommer. Ein weiterer Faktor könnte auch sein, dass man sich im Winter längere Zeit zusammen mit anderen Menschen in weniger belüfteten Räumen aufhält. Schließlich muss für das Entstehen einer Grippewelle erstens eine genügend große Anzahl an empfänglichen Personen in der Bevölkerung vorhanden sein und zweitens (bei den oben genannten Bedingungen) ein genügend großer Eintrag an infektiösen Patienten in die empfängliche Bevölkerung erfolgen.

Die Grippewelle in Europa beginnt häufig in den südwestlichen Ländern Europas (zum Beispiel Spanien, Portugal) und setzt sich dann über Mitteleuropa nach Osteuropa fort.

In den sehr seltenen Fällen einer Influenzapandemie durch ein völlig neues Virus kann eine Grippewelle auch außerhalb des Winters kommen (siehe Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Pandemie).

Stand: 06.09.2018

Welche saisonalen Grippeviren kommen bei Menschen vor?

Die saisonale Influenza wird seit Jahrzehnten von insgesamt vier Influenza-Subtypen oder –Linien verursacht: Bei Influenza Typ A die beiden Subtypen H1N1 und H3N2 (H steht für Hämagglutinin, N für Neuraminidase – das sind zwei Proteine auf der Virushülle), außerdem zwei Influenza-B-Linien (Victoria- und Yamagata-Linie). Von diesen vier Gruppen zirkulieren weltweit verschiedene Varianten. Von Saison zu Saison unterscheidet sich, welche Virusgruppe - und welche Variante davon - am häufigsten vorkommt. Referenzlaboratorien auf der ganzen Welt – in Deutschland das Nationale Referenzzentrum für Influenza im RKI – untersuchen kontinuierlich die zirkulierenden Influenzaviren und übermitteln ihre Ergebnisse an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die auf dieser Basis etwa die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs für die kommende Grippesaison bestimmt (siehe Häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung).

Stand: 06.09.2018

Kann man den Verlauf einer Grippesaison vorhersagen?

Es lässt sich nicht vorhersagen, in welcher Häufigkeit die einzelnen Influenza-Subtypen oder Linien in der Grippesaison auftreten werden (siehe Frage "Welche saisonalen Grippeviren kommen bei Menschen vor?"). Auch die Zahl der Influenzaerkrankungen wie auch die Zahl der Influenza-bedingten Todesfälle kann von Saison zu Saison stark schwanken.

Es ist bekannt, dass die Influenza-Aktivität in verschiedenen Regionen der Welt sehr unterschiedlich verlaufen kann und man zum Beispiel von einem moderaten oder schweren Verlauf in einem Staat nicht unbedingt auf einen ähnlichen Verlauf in einem anderen Staat schließen kann. Allerdings können Hinweise über eine bevorstehende Saison im eigenen Land gewonnen werden, wenn in Nachbarländern die Grippewelle schon begonnen hat. Im Influenza-Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) wird deshalb auch regelmäßig über die Situation in Europa berichtet. Informationen zur aktuellen Grippewelle sind auf der Internetseite der AGI abrufbar (siehe Frage "Wie ist die aktuelle Situation?").

Stand: 06.09.2018

Wie wirken sich die verschiedenen Grippeviren auf auf die Grippewellen aus?

Die vier Subtypen bzw. Linien von Grippeviren (siehe auch die Frage "Welche saisonalen Grippeviren kommen bei Menschen vor?" haben viele Gemeinsamkeiten, und alle vier können das ganze Spektrum von relativ leichten zu schwereren Krankheitsverläufen und sogar Todesfällen verursachen (das höchste Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle haben – bei allen saisonalen Grippeviren – ältere Menschen.) In mancher Hinsicht unterscheiden sich die Viren jedoch – etwa in der Erkrankungshäufigkeit in bestimmten Altersgruppen.

  • Influenza A(H1N1): Während der Influenza-Pandemie 2009 trat erstmals Influenza A (H1N1)pdm auf, die so genannte Schweinegrippe, und zirkuliert seitdem auch saisonal in Deutschland, zuletzt deutlich in der Saison 2015/16. Bei Grippewellen, in denen Influenza A(H1N1)pdm09-Viren dominierten, war bislang zu beobachten, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen und Kindern zu sehr schweren Erkrankungen und Todesfällen gekommen ist, insbesondere beim Vorliegen von Grundkrankheiten. Insgesamt sind solche schweren Verläufe bei jungen Menschen aber selten.
  • Influenza A(H3N2): Bei Grippewellen, in denen Influenza A(H3N2)-Viren dominierten, waren in der Vergangenheit besonders ältere und hochbetagte Menschen von schweren Krankheitsverläufen betroffen (jüngstes Beispiel: Saison 2016/17). In solchen Saisons wird meist auch eine deutliche Übersterblichkeit beobachtet (siehe auch "Wie werden Todesfälle durch Influenza erfasst?" und "Wie viele Menschen sterben jährlich an Influenza?"). A(H3N2)-Viren scheinen sich auch am schnellsten zu verändern (siehe auch "Was bedeuten Mutationen bei Influenzaviren?"). Das bedeutet, dass die A(H3N2)-Komponente im saisonalen Grippeimpfstoff häufig angepasst werden muss – und dass viele Menschen nach wenigen Jahren erneut an den dann leicht veränderten Viren erkranken können. Influenza A(H3N2)-Viren dominieren daher auch in den meisten Grippe-Saisons: In den letzten 30 Jahren (Saisons 1986/87 bis 2016/17) zirkulierten 17 mal A(H3N2)-Viren dominant, in acht Saisons Influenza B-Viren, und in sechs Saisons dominierten Influenza A(H1N1)-Viren (ab 2009 (H1N1)pdm09). Nur in einer Saison (2012/13) wurden alle drei Grippeviren fast gleich häufig nachgewiesen.
  • Influenza B: Influenza B-Viren zirkulieren während saisonaler Grippewellen zeitlich oft später als Influenza A-Viren und verursachen damit eine insgesamt längere Grippewelle. Bei Typ B-Viren gibt es eine Yamagata- und eine Victoria-Linie. Bei dominanter Influenza B-Victoria-Viruszirkulation fällt auf, dass ältere Kinder (fünf bis 14 Jahre) häufiger erkranken, während Influenza A-Viren eher schon bei Kindern im Kindergartenalter die erste Grippeinfektion des Lebens verursachen. An Yamagata-Viren scheinen mehr Personen in den Altersgruppen ab 35 Jahre zu erkranken. Ältere Erkrankte haben generell ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod, je älter desto höher. Da die an Influenza B Erkrankten meist nicht so alt sind wie A(H3N2)-Patienten, ist die Zahl der Todesfälle durch Influenza B häufig geringer als bei dominanter A(H3N2)-Zirkulation. Eine dominante Zirkulation von Influenza B-Viren hat vor allem in den Neunzigerjahren zu einer gewissen Exzessmortalität beigetragen (siehe Übersicht im Influenza-Saisonbericht, Kapitel „Influenza-assoziierte Todesfallschätzungen“).

Stand: 06.09.2018

Warum verlaufen die Grippewellen unterschiedlich schwer?

Die Grippewellen unterscheiden sich sehr deutlich darin, wie viele Menschen in einer Saison an Grippe erkranken, wie viele davon im Krankenhaus behandelt werden müssen oder sogar sterben. Besonders viele Menschen werden dann krank, wenn das Virus sich genetisch verändert hat und in der Vorsaison nicht schon ein großer Anteil der Bevölkerung mit dem Virus Kontakt hatte und damit gegen das Virus immun ist.

Kompliziert wird es durch die verschiedenen Subtypen, die zirkulieren (A(H3N2), A(H1N1), B, siehe dazu auch die Frage "Wie wirken sich die verschiedenen Grippeviren auf die Grippewellen aus?"). Wenn sich zum Beispiel das H3N2-Virus nicht sehr verändert, ist es nach einer schweren H3N2-dominierten Welle relativ unwahrscheinlich, dass es im folgenden Jahr wieder eine schwere H3N2-Welle gibt, da viele Menschen aufgrund einer durchgemachten Infektion vergleichsweise gut geschützt sind. Die Grundimmunität in der Bevölkerung hängt also maßgeblich von dem Ausmaß der Grippewelle und Typ bzw. Subtyp des Virus ab, der jeweils in den Vorjahren zirkuliert ist.

Der Einfluss der Impfquote auf die Schwere einer Grippewelle ist begrenzt. Zum einen ist die Impfquote vergleichsweise gering (etwa ein Viertel der Bevölkerung ist geimpft), und die Wirksamkeit der Impfung ist nicht optimal (etwa 50% der Geimpften sind geschützt) und kann zudem stark schwanken. Dennoch ist die Impfung die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor einer Influenza-Erkrankung (siehe Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung).

Niedrige Temperaturen und kalte Luft können zwar die Ausbreitung von Influenzaviren begünstigen (siehe auch: "Wann beginnt eine Grippewelle?"), auf die Schwere und den Verlauf einer Grippewelle hat das Wetter jedoch praktisch keinen Einfluss.

Stand: 21.09.2017

Ist beim Karnevalfeiern das Gripperisiko erhöht?

Generell kann jeder enge persönliche Kontakt mit einem bereits Erkrankten (selbst bei leichter Symptomatik) zu einer Infektion mit Influenzaviren führen, ob beim Karneval, bei anderen Großveranstaltungen oder dort, wo Menschen eng beisammen sind (siehe auch die Frage "Wie steckt man sich mit Influenzaviren an?"). Es gibt aber keine wissenschaftlichen Belege, dass die Feierlichkeiten in Karnevalshochburgen die Grippewelle beschleunigen oder verstärken.

Beherzigen sollte man immer - nicht nur im Karneval - die üblichen Empfehlungen zum Infektionsschutz, über die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internetseite www.infektionsschutz.de informiert. Menschen mit Grundkrankheiten, Schwangere und über 60 Jahre alte Personen sollten bei Bedarf mit ihrem Arzt sprechen, sie sollten auf jeden Fall eine Grippeschutzimpfung haben (siehe auch die Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung). Für die Einschätzung der Gesundheitssituation vor Ort und die Bewertung etwaiger Gesundheitsrisiken bei Veranstaltungen sind die Gesundheitsämter zuständig.

Stand: 01.02.2018

Was ist die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI)?

Die AGI ist ein Netzwerk von rund 700 Haus- und Kinderärzten, die zusammen etwa ein Prozent der Bevölkerung versorgen. Sie teilen dem Robert Koch-Institut das ganze Jahr über freiwillig wöchentlich die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen in ihrer Praxis mit. Auf dieser Grundlage ermitteln die Experten im RKI die Krankheitslast durch akute Atemwegsinfektionen in der Bevölkerung – darunter speziell durch Influenza. Diese so genannten AGI-Sentinelpraxen bilden das Rückgrat der Influenza-Surveillance in Deutschland. Interessierte Praxen können sich beteiligen, weitere Informationen sind unter https://influenza.rki.de/Sentinelpraxis.aspx abrufbar. Auch das Nationale Referenzzentrum für Influenza im Robert Koch-Institut ist Teil der Arbeitsgemeinschaft Influenza.

Stand: 09.10.2018

Wie wird die Grippe-Aktivität in Deutschland erfasst?

Für die Einschätzung der Grippe-Aktivität sind mehrere Datenquellen erforderlich, die zusammen bewertet werden müssen. Situationsberichte werden wöchentlich (im Sommer monatlich) sowie am Ende jeder Influenzasaison auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Influenza veröffentlicht, einige Datenquellen werden täglich aktualisiert (unter dem Menüpunkt Diagramme).

Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz: Laboratorien müssen gemäß den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes Influenzavirus-Nachweise an die zuständigen Gesundheitsämter melden, die sie über die Landesbehörden an das Robert Koch-Institut übermitteln. Üblicherweise entnehmen Ärzte nur bei einem sehr kleinen Teil von Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen Probenmaterial aus den Atemwegen, und lassen es in einem Labor auf Influenzaviren testen. Seit der Influenzapandemie im Jahr 2009 wurden von Jahr zu Jahr mehr Personen getestet, allerdings sehr unterschiedlich von Region zu Region. Für die Abschätzung der Krankheitslast sind die Daten deshalb nur bedingt geeignet, sie enthalten aber wichtige Einzelfall-Informationen, zum Beispiel zu Krankheitsverlauf und Impfstatus.

Bestimmung der Krankheitslast/ARE-Aktivität: Um die Krankheitslast auf Bevölkerungsebene zu bestimmen, werden die Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) genutzt. Die AGI ist ein Netzwerk von 500 bis 700 Haus- und Kinderärzten, die zusammen etwa ein Prozent der Bevölkerung versorgen. Sie teilen dem Robert Koch-Institut wöchentlich die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen – fachliche Bezeichnung: akute respiratorische Erkrankungen, ARE – und als Bezugsgröße die Zahl aller Patienten der Praxis mit. Damit kann die Krankheitslast durch ARE bestimmt werden (ARE-Aktivität).

Praxisindex: Die ARE-Aktivität wird zum einen als Praxisindex dargestellt. Der Praxisindex zeigt, wie viel mehr Patienten die Praxis während einer Grippewelle aufsuchen als in einem vergleichbaren Zeitraum ohne Grippewelle. Dafür wird für jede Arztpraxis die ARE-Aktivität in einem Zeitraum ohne Grippewelle (Herbst) berechnet und als Normalniveau angesehen. Dieses Normalniveau wird für jede Praxis auf den Wert 100 (Prozent) eingestellt, mit Sicherheitsabstand auf den Wert 115. Wenn die ARE-Aktivität in der Praxis den Wert 115 überschreitet, handelt es sich um eine erhöhte ARE-Aktivität – je nach Höhe des Werts wird die Aktivität als geringfügig, moderat, deutlich oder stark erhöht ausgewiesen. Ein Praxisindex von 200 während der Grippewelle bedeutet also praktisch doppelt so viele Arztbesuche aufgrund einer akuten respiratorischen Erkrankung wie im Herbst.

AGI-Karte: Die ARE-Aktivität wird während der Grippesaison außerdem in Form einer Karte für jede Woche räumlich aufgeschlüsselt und auf der Startseite der Arbeitsgemeinschaft Influenza veröffentlicht. Die Karte gibt einen Eindruck des regionalen Verlaufs der ARE-Aktivität, erlaubt aber aufgrund der Datendichte (Zahl der Sentinelpraxen) keine Beurteilung der lokalen Situation. Die Karte zeigt die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen. Wenn die Erhöhung der ARE-Aktivität hauptsächlich durch Influenzaviren verursacht wird und keine oder nur wenige andere Atemwegserreger nachgewiesen werden, stellt die ARE-Karte also die Grippe-Aktivität dar.

Konsultationsinzidenz: Die ARE-Daten werden auch als sogenannte Konsultationsinzidenz dargestellt. Das ist die geschätzte Zahl an Patienten mit einer akuten Atemwegserkrankung, die eine Arztpraxis aufsuchen, pro 100.000 Einwohner in der jeweiligen Altersgruppe pro Woche.

Die AGI-Ärzte berichten außerdem die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Arbeitsunfähigkeiten (oder Pflegebedürftigkeit) aufgrund einer ARE-Diagnose.

Virologische Surveillance: Das Nationale Referenzzentrum für Influenza im Robert Koch-Institut nimmt im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Influenza die Aufgabe der virologischen Surveillance wahr. Etwa 150 AGI-Arztpraxen senden dem Referenzzentrum überwiegend Nasenabstriche von Patienten mit typischen Influenzasymptomen. Der Anteil der Proben, in denen Influenzaviren nachgewiesen werden (die sogenannte Positivenrate), ist eine wichtige Information für die Einschätzung der bundesweiten Influenza-Aktivität. Sie ist aber auch wichtig für Ärzte, weil sie eine Einschätzung ermöglicht, wie zuverlässig eine Diagnose anhand von klinischen Symptomen gestellt werden kann. An der Positivenrate orientiert sich auch die Definition der AGI für den Beginn der Grippewelle: Vereinfacht kann man sagen, dass bei einer genügend großen Anzahl von eingesandten Proben eine Positivenrate von 20% den Beginn der Grippewelle markiert. Auch das Erbgut der Viren wird untersucht – so wird zum Beispiel überwacht, wie sich diese Viren genetisch verändern (siehe Frage "Was bedeuten Mutationen bei Influenzaviren?") und wie gut der Impfstoff zu den zirkulierenden Viren passt.

Onlineportal GrippeWeb: Seit 2011 fragt das RKI über ein Onlineportal die Bevölkerung direkt nach akuten Atemwegserkrankungen, einschließlich grippeähnlichen Symptomen (GrippeWeb, https://grippeweb.rki.de). Je mehr Teilnehmer sich registrieren und die wöchentliche Frage nach einer akuten Atemwegserkrankung beantworten, umso zuverlässiger kann der saisonale Verlauf von Atemwegserkrankungen im Allgemeinen und grippeähnlichen Erkrankungen im Besonderen verfolgt werden. Zudem helfen die Daten, den Anteil der Erkrankten abzuschätzen, die einen Arzt aufsuchen.

Stand: 09.10.2018

Wie viele Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Influenza?

Nach jeder Grippesaison wird die Gesamtzahl der über das erwartete Maß hinausgehenden Arztbesuche aufgrund akuter Atemwegserkrankungen geschätzt. Diese Gesamtzahl entspricht vermutlich in etwa der Zahl der arztpflichtigen Influenza-Erkrankungen der jeweiligen Saison.

Saisonale Influenzawellen verursachen in Deutschland jährlich zwischen einer und fünf Millionen zusätzliche Arztkonsultationen, in Jahren mit starken Grippewellen auch deutlich mehr.

Daten des RKI-Bürgerportals GrippeWeb deuten darauf hin, dass jeder zweite Erkrankte mit typischen Grippesymptomen zum Arzt geht. Demnach erkranken während einer saisonalen Grippewelle in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen an Influenza, bisweilen auch mehr. Die Zahl der Infektionen während einer Grippewelle - nicht jeder Infizierte erkrankt - wird auf 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung geschätzt, in Deutschland wären das 4 bis 16 Millionen Menschen.

Stand: 06.09.2018

Wie werden Todesfälle durch Influenza erfasst?

Üblicherweise wird die Zahl der mit dem Auftreten von Influenza zusammenhängenden Todesfälle auf dem Wege eines statistischen Berechnungsverfahrens geschätzt, das - weltweit üblich - auf der so genannten Übersterblichkeit (Exzessmortalität) beruht. Die influenzabedingte Sterblichkeit (Mortalität) kann durch statistische Verfahren aus der Zahl der Gesamttodesfälle oder aus der Zahl der als „Pneumonie oder Influenza“ kodierten Todesfälle geschätzt werden. Dieser Ansatz wird gewählt, weil bei weitem nicht alle mit Influenza in Zusammenhang stehenden Todesfälle als solche erkannt oder gar labordiagnostisch bestätigt werden. Die Zahl der mit Influenza in Zusammenhang stehenden Todesfälle wird – vereinfacht dargestellt – als die Differenz berechnet, die sich ergibt, wenn von der Zahl aller Todesfälle, die während der Influenzawelle auftreten, die Todesfallzahl abgezogen wird, die (aus historischen Daten berechnet) aufgetreten wäre, wenn es in dieser Zeit keine Influenzawelle gegeben hätte. In Deutschland wird, wie in vielen anderen Ländern, die Zahl der Gesamttodesfälle für die Schätzung verwendet. Das Schätz-Verfahren ist im Epidemiologischen Bulletin in den Ausgaben 10/2011 und 3/2015 ausführlich erläutert.

Todesfälle mit Influenza werden auch sporadisch an das RKI übermittelt. Diese Daten bilden jedoch keine Grundlage für Hochrechnungen. Nicht bei allen Todesfällen wird auf Influenzaviren untersucht, zudem wird der Tod nach einer Influenzainfektion oft durch eine anschließende bakterielle Lungenentzündung verursacht, so dass die Influenzaviren häufig nicht mehr nachweisbar sind. Die offizielle Todesursachenstatistik ist ebenfalls nicht aussagekräftig, sie beruht auf den Angaben auf dem Totenschein, auf dem die Influenza praktisch nie als Todesursache eingetragen wird, sondern zum Beispiel die bakterielle Lungenentzündung.

Stand: 06.09.2018

Wie viele Menschen in Deutschland sterben jährlich an Influenza?

Die Zahl der geschätzten Todesfälle kann bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken. Die meisten Todesfälle in den letzten Jahren gab es mit geschätzten 22.900 in der Grippesaison 2016/2017.

Aber auch in Grippesaisons, in denen die Schätzung keine Exzess-Mortalität ergab, werden laborbestätigte Influenzatodesfälle gemäß Infektionsschutzgesetz an das RKI übermittelt, meist mehrere hundert. Für die Schätzung einer Exzessmortalität war in diesen Saisons die Differenz zu der für diesen Zeitraum erwarteten Gesamtmortalität ohne Influenzaviruszirkulation zu klein. Die Zahl der dem RKI übermittelten Influenza-Todesfälle gemäß Infektionsschutzgesetz der vergangenen Grippesaison und eine Übersicht der geschätzten Todesfälle der vergangenen Jahrzehnte ist im jährlichen Influenza-Saisonbericht enthalten, der üblicherweise im September veröffentlicht wird.

Stand: 12.09.2018

Wie ist das Krankheitsbild der Influenza?

Die Influenza-typische Symptomatik (influenza-like illness, kurz ILI) ist oft durch einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber, Muskel- und/oder Kopfschmerzen gekennzeichnet. Häufig kommt etwas später ein trockener Reizhusten dazu. Allerdings erkranken längst nicht alle Infizierten so typisch. Als Faustregel gilt: Etwa ein Drittel der Infizierten erkrankt mit den genannten Symptomen, ein Drittel zeigt eine mildere Symptomatik (wie bei Erkältungs­krank­hei­ten) und ein Drittel entwickelt gar keine Symptome. Insbesondere ältere Erkrankte bekommen häufig kein Fieber. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen, kann in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren jedoch auch deutlich länger sein. Zu den besonders betroffenen Gruppen siehe RKI-Ratgeber.

Influenzabedingte Todesfälle werden meist durch eine bakterielle Lungen­entzündung verursacht, nachdem die Influenza­viren die Lunge vorgeschädigt haben. Es gibt auch virale Lungenentzündungen – in diesen Fällen kann das Influenzavirus direkt und ohne bakterielle Super-Infektion zu einer schweren Erkrankung oder sogar zum Tod führen (siehe auch RKI-Ratgeber, Abschnitt Klinische Symptomatik).

Stand: 16.12.2016

Was ist der Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Influenza-Erkrankung?

Eine Erkältung wird oft als "grippaler Infekt" bezeichnet, hat mit der echten Grippe (Influenza) jedoch nichts zu tun. Beide Erkrankungen werden durch verschiedene Erreger verursacht. Eine Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Sie kann durch einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber oder deutlichem Krank­heits­ge­fühl, verbunden mit Muskel- und/oder Kopf­schmer­zen und Reizhusten, einhergehen (siehe "Wie ist das Krank­heits­bild der Influenza?"). Eine Influenza-Erkrankung kann vor allem bei älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren zu Komplikationen wie beispielsweise einer Lungenentzündung führen und dann sogar tödlich verlaufen (siehe "Wie viele Menschen sterben jährlich an Influenza?"). Grippe-Impfstoffe sind verfügbar (siehe Häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung).

Erkältungen werden von mehr als 30 verschiedenen Erregern (z.B. RSV, Rhino- und Coronaviren) hervorgerufen. Zu den Symptomen zählen Hals­schmer­zen, Schnupfen und Husten, seltener auch erhöhte Temperatur oder Fieber. In Einzel­fällen, etwa bei immunsupprimierten Menschen und Klein­kin­dern, kann jedoch auch eine Erkältung zu schweren Komplikationen führen.

Es ist oft nicht möglich, eine echte Grippe und eine Erkältung nur anhand der Symptome zu unterscheiden. Für Ärzte ist es daher auch wichtig zu wissen, welche Viren gerade in der Bevölkerung zirkulieren. Mitten in der Grippewelle ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient an Grippe erkrankt ist, auch bei milder Symptomatik hoch. Informationen zu zirkulierenden Atemwegsviren sind auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) abrufbar.

Stand: 21.09.2017

Wie steckt man sich mit Influenzaviren an?

Eine Ansteckung erfolgt überwiegend durch virushaltige Tröpfchen, wenn sie insbesondere beim Husten oder Niesen von Erkrankten ausgeschieden werden und über eine geringe Distanz auf die Schleimhäute der Atemwege von empfänglichen Personen gelangen. Darüber hinaus ist eine Übertragung auch über Hände und Oberflächen möglich, die durch virushaltige Sekrete verunreinigt sind, wenn die Hand anschließend Kontakt zu Mund oder Nase hat.

Stand: 19.08.2011

Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten und wie lange sind Patienten ansteckend?

Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Tage. Das ist die Zeitspanne, die durchschnittlich vergeht, bis nach einer Infektion mit Influenzaviren die ersten Symptome wie Fieber oder Muskelschmerzen auftreten.

Ein Erkrankter kann prinzipiell andere Menschen infizieren, solange er vermehrungsfähige Viren ausscheidet, wobei die Menge der ausgeschiedenen Viren mit der Stärke der Symptome korreliert, das heißt zu Beginn der Erkrankung mehr und bei nachlassender Symptomatik immer weniger. Dies ist im Mittel nach vier bis fünf Tagen ab Auftreten der ersten Symptome der Fall. Eine längere Ausscheidungsdauer ist aber möglich, vor allem bei Immunsupprimierten und schwerer Erkrankten. Bei Patienten im Krankenhaus, die häufig chronische Vorerkrankungen und einen schweren Verlauf haben, ergab eine Studie z.B. eine mittlere Ausscheidungsdauer von sieben Tagen. Eine Virusausscheidung schon vor Symptombeginn ist möglich.

Stand: 06.09.2018

Wie kann eine Influenza-Erkrankung diagnostiziert werden?

Während der Grippewelle können Ärzte aufgrund klinischer Merkmale und Symptome relativ zuverlässig die Erkrankung diagnostizieren, ohne dass zusätzliche Labortests durchgeführt werden müssen. In Einzelfällen können frühzeitige Laboruntersuchungen aber Therapieentscheidungen unterstützen, wenn sich z.B. Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf vorstellen, die eventuell keine typische Influenzasymptomatik entwickeln (z.B. ältere Menschen, Personen mit chronischen Vorerkrankungen wie Diabetes oder Patienten unter immunsupprimierender Therapie). Wichtig ist die Erregerdiagnostik auch bei respiratorischen Ausbrüchen in Alters- und Pflegeheimen.

In diesen Fällen können Influenzaviren mit der so genannten PCR-Methode zuverlässig nachgewiesen und charakterisiert werden. Dabei werden charakteristische Abschnitte im Erbgut des Virus nachgewiesen. Zur Diagnose sollte ein Rachen- oder Nasenabstrich möglichst rasch nach Beginn der Erkrankung von einem Arzt entnommen und an ein Labor eingesandt werden. Im Rahmen der virologischen Influenzaüberwachung der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) werden außerdem auch vor dem Beginn, im Verlauf und am Ende der Erkrankungswelle systematisch Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen labordiagnostisch untersucht. Eine Fotogalerie mit Erläuterungen zur Influenzadiagnostik ist auf den Influenza-Seiten des Robert Koch-Instituts (www.rki.de/influenza) abrufbar. Dort sind auch Informationen für Ärzte zu finden.

In Einzelfällen kann für den behandelnden Arzt eine schnelle Diagnostik durch einen Influenza-Schnelltest hilfreich sein – etwa, um zu entscheiden, ob ein Patient mit einer Vorerkrankung rasch ein Grippemedikament einnehmen sollte. Wenn der Schnelltest während der Grippewelle positiv ausfällt, kann man davon ausgehen, dass eine Influenzaerkrankung vorliegt (hohe Spezifität). Der Test erkennt Influenzaerkrankungen jedoch nicht immer zuverlässig: wenn das Testergebnis also negativ ausfällt, kann man nicht sicher sein, dass tatsächlich keine Influenzaerkrankung vorliegt (mäßige Sensitivität).

Stand: 09.10.2018

Was sollte man tun, wenn man befürchtet, an einer Influenza erkrankt zu sein?

Bei einer akuten Atemwegserkrankung, der eine Influenza zugrunde liegen könnte, sollten vor allem folgende Personengruppen eine Ärztin oder einen Arzt ansprechen:

  • Erkrankte, bei denen eine chronische Erkrankung oder Schwangerschaft vorliegt, oder die sehr jung (Kinder unter zwei Jahren) oder schon älter (über 60 Jahre) sind;
  • jede Person, egal, welchen Alters oder mit welcher Grunderkrankung, mit schwerem Krankheitsgefühl oder –verlauf.

Auf dem Weg zur Praxis sollte enger Kontakt zu anderen Menschen vermieden werden. Grundsätzlich sollten beim Husten oder Niesen Mund beziehungsweise Nase bedeckt sein. Empfohlen wird, in den Ärmel zu husten oder zu niesen. Es sollten Einmaltaschentücher verwendet werden. Allgemeine Verhaltenshinweise sind bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung abrufbar (www.infektionsschutz.de).

Stand: 06.09.2018

Was sollten an Influenza Erkrankte beachten?

Betroffene sollten (enge) Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermeiden oder mindestens zwei Meter Abstand halten. Vor allem zu Kindern, chronisch Kranken, Schwangeren und älteren Leuten sollte der Kontakt minimiert werden. Während der akuten Phase der Erkrankung sollte man zu Hause bleiben. Die besonders gute Einhaltung einer persönlichen Hygiene ist wichtig, insbesondere häufiges Händewaschen (Hautpflege nicht vergessen). Erkrankte sollte in den Ärmel husten oder niesen, nicht in die Hand. Es sollten Einwegtaschentücher verwendet und am besten in einen Mülleimer oder Behälter entsorgt werden, damit die Taschentücher nicht zur „Virenschleuder“ werden. Der Partner sollte, wenn möglich, in einem anderen Zimmer schlafen. Regelmäßiges Lüften ist sinnvoll, denn frische Luft ist wichtig für das Immunsystem und verringert die Zahl der potentiell erregerhaltigen feinsten Tröpfchen in der Luft. Regelmäßiges Fiebermessen hilft, um Veränderungen der Symptome, insbesondere Verschlechterungen, frühzeitig festzustellen. Wenn die Beschwerden zunehmen, sollte der Arzt (erneut) konsultiert werden, dies gilt insbesondere für Kinder, chronisch Kranke, Schwangere und ältere Menschen.

Stand: 06.09.2018

Was sollte man tun, wenn man Kontakt zu Erkrankten hat?

Das Risiko einer Ansteckung mit einem Influenza-Virus ist bei engen Kontakten größer als bei flüchtigen Begegnungen. Als enge Kontaktpersonen werden Menschen bezeichnet, die mit Erkrankten im selben Haushalt leben, die Patienten ohne adäquaten Schutz pflegen oder sonstigen engen Kontakt mit Erkrankten hatten. Gerade für Haushaltskontakte lässt sich eine Übertragung nur begrenzt vermindern, z.B. durch getrenntes Schlafen oder die räumlich/zeitlich getrennte Einnahme der Mahlzeiten. Weitere Hinweise sind bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung abrufbar (https://www.bzga.de/themenschwerpunkte/infektionsschutz/).

Stand: 20.09.2016

Was sollte man übers Impfen wissen?

Informationen zur Impfung gegen Influenza sind in eigenen Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung (FAQ) zu finden (die fachlichen Informationen sind auf speziellen Seiten zur Influenza-Impfung zu finden, der Pfad lautet www.rki.de/impfen > Impfungen A-Z > Influenza). Detaillierte Informationen zu allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen sind auf den Internetseiten des Paul-Ehrlich-Instituts/Bundesinstitut und Impfstoffe und biologische Arzneimittel abrufbar unter www.pei.de. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert unter www.impfen-info.de speziell zum Thema Impfung und Influenza.

Stand: 21.09.2017

Was kann man außer der Influenzaimpfung noch tun, um eine Grippeerkrankung zu vermeiden?

Kein Impfstoff schützt 100 Prozent der Geimpften. In den letzten Jahren waren bei Untersuchungen zur Wirksamkeit der Impfung durchschnittlich 40 bis 60 von 100 geimpften Personen gegen eine laborbestätigte Grippe geschützt. Vor allem Personengruppen, deren Immunsystem schwächer ist - zum Beispiel ältere Menschen - sprechen auf die Impfung weniger gut an (siehe auch Häufig gestellte Fragen zur Grippeschutzimpfung).

Zusätzlich zur Grippeschutzimpfung sollten daher weitere Maßnahmen ergriffen werden, um das Ansteckungsrisiko mit Influenzaviren zu verringern. Dazu gehört zum Beispiel das Abstandhalten zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung. Beispielsweise könnten Großeltern den Besuch bei ihren Enkelkindern verschieben, wenn diese gerade eine akute Atemwegserkrankung haben. Regelmäßiges gründliches Händewaschen kann das Risiko einer Atemwegsinfektion ebenfalls vermindern.

Stand: 20.09.2016

Welche spezifische Therapie steht zur Verfügung?

Zur ursächlichen Behandlung der Influenza stehen die Neu­ra­mi­ni­da­se­hemmer Oseltamivir (Tamiflu(R)) und Zanamivir (Relenza(R)) zur Verfügung; das ältere Amantadin spielt im Ver­schrei­bungs­ver­halten keine Rolle mehr, weil die Influenza A-Viren A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) resistent gegen Aman­ta­din sind und Amantadin gegen Influenza B ohnehin nicht ein­setz­bar ist. Der aktuelle wissen­schaft­liche Stand zu Thera­pie­mög­lich­kei­ten bei Influenza ist in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt (2016; 113 (47)) zusammengefasst.

Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza im Robert Koch-Institut wird die Empfindlichkeit der in Deutschland zirkulierenden Influen­za­viren gegenüber antiviralen Wirkstoffen permanent überwacht. Über die Ergebnisse wird in den Influenza-Wochen­be­richten und im Saisonbericht der Arbeits­ge­mein­schaft Influenza kontinuierlich informiert. Von den vor April 2009 zirkulierenden A(H1N1)-Influen­za­viren ist bekannt, dass sich Oseltamivir-Resistenzen unter Umständen sehr schnell weltweit verbreiten können.

Stand: 16.12.2016

Was bedeuten Mutationen bei Influenzaviren?

Als Mutationen werden Veränderungen im Erbgut bezeichnet. Bei Influenzaviren sind Mutationen nicht ungewöhnlich. Sie gehören zur Gruppe der so genannten RNA-Viren, bei denen die üblichen Kopierfehler beim Vermehren der Erbsubstanz nicht repariert werden, genetische Veränderungen können damit leichter entstehen. Vor allem das Oberflächenmolekül Hämagglutinin (H oder HA) verändert sich stetig in geringem Umfang (Antigendrift). HA ist ein Eiweißstoff, der für die Erkennung durch das Immunsystem entscheidend ist. Bei Influenzaviren ist eine solche Antigendrift lange bekannt, dadurch entstehen regelmäßig neue Varianten, die es erforderlich machen, den Impfstoff gegen die saisonale Influenza jeden Winter neu anzupassen. Zu Mutationen, die eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen ein Medikament verursachen können, siehe Frage "Welche spezifische Therapie steht zur Verfügung?"

Eine Besonderheit von Influenzaviren ist das Vorliegen ihres Erbguts in einzelnen Abschnitten. Diese Erbgutsegmente können bei gleichzeitiger Infektion einer Wirtszelle mit zwei unterschiedlichen Influenzaviren ausgetauscht werden. Die entstehenden „Virusnachkommen“ können wegen des neuen "Bauplans" im Erbgut andere Kombinationen von (Oberflächen-)Eiweißmolekülen tragen (Antigenshift oder Reassortment).

Die Überwachung der genetischen Eigenschaften von Influenzaviren wird in Deutschland insbesondere im Nationalen Referenzzentrum für Influenza durchgeführt, das am Robert Koch-Institut angesiedelt ist. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza informiert regelmäßig darüber.

Stand: 30.08.2012

Wo kann man sich weiter informieren?

Zuständig für Gesundheitsschutz sind die Bundesländer, für Maß­nah­men vor Ort die Gesundheitsämter. Bei besonderen akuten Geschehen werden häufig Hotlines eingerichtet. Informationen für Bürger zur Influenza und zur Influenzaimpfung bietet die Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung an, die Internetadressen lauten www.impfen-info.de und www.infektionsschutz.de. Die zentrale bundesweite fachliche Informations-Plattform ist www.rki.de/influenza.

Antworten auf häufig gestellte Fragen gibt es auch zu den Themen Saisonale Grippeschutzimpfung, zu Influenzapandemie und zur zoonotischen Influenza. Die Einstiegsseite zu allen Informationen über Influenza, aviäre Influenza und Influenzapandemie ist auf den RKI-Seiten in der Rubrik Infektionskrankheiten A-Z zu finden.

Stand: 20.09.2016

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