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Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 23.06.2020

Welche Krankheiten werden durch Pneumokokken verursacht?

Pneumokokken besiedeln den Nasenrachenraum des Menschen, überwiegend ohne dabei Symptome zu verursachen. Sie können allerdings durch lokale Ausbreitung Krankheiten der oberen (Sinusitis, Otitis media) und unteren Atemwege (Pneumonie) verursachen. Besonders schwerwiegend sind sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankungen (invasive pneumococcal disease, IPD), bei denen Pneumokokken in normalerweise sterile Körperregionen eindringen und dort Erkrankungen hervorrufen. Zahlenmäßig überwiegen Septikämien (Nachweis durch Blutkultur) und Meningitiden (Nachweis im Liquor cerebrospinalis). Septikämien treten häufig zusammen mit einer Pneumonie auf. Wesentlich seltener werden Pneumokokken in Pleura-, Gelenk- oder Aszitespunktaten gefunden. Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich über 5000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung sterben.

Stand: 23.06.2020

Wer soll sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Das Risiko einer schwer verlaufenden Erkrankung an Pneumokokken ist altersabhängig. Besonders gefährdet sind Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und ältere Menschen. Auch Menschen, die an chronischen Krankheiten der Lunge oder des Herzens, an einem behandlungsbedürftigen Diabetes oder an bestimmten neurologischen Krankheiten leiden, haben ein erhöhtes Risiko und sollten sich deshalb impfen lassen. Dies gilt auch für Patienten mit einer Immundefizienz oder einer immunsuppressiven Therapie und für Personen mit z.B. einem Cochlea-Implantat oder einer Liquorfistel.

Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung deshalb für alle Säuglinge ab dem Alter von 2 Monaten, für alle Menschen ab dem Alter von 60 Jahren, und für Patienten mit einer der oben genannten Indikation, s. auch Tabelle 2 der STIKO-Empfehlungen.

Stand: 23.06.2020

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Pneumokokken-Impfstoffe?

Die Immunantwort auf die Pneumokokken-Impfung richtet sich gegen die in den jeweligen Impfstoffen enthaltenen Polysaccharid-Antigene. Diese sind im Impfstoff entweder in reiner Form oder in chemisch an ein Protein gebundener Form („konjugiert“) enthalten. Entsprechend unterscheidet man zwischen reinen „Polysaccharidimpfstoffen“ und „Konjugatimpfstoffen“. Ein weiterer Unterschied besteht in der Zahl der Pneumokokken-Serotypen, die im Impfstoff enthalten sind.

Pneumokokken- Polysaccharidimpfstoffe (PPSV) gibt es bereits seit den 1970er Jahren. Der aktuell verfügbare Impfstoff enthält Antigene von 23 Serotypen (PPSV23, Pneumovax®, zugelassen ab dem Alter von 2 Jahren).

Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe (PCV) wurden später entwickelt, nachdem sich gezeigt hatte, dass die PPSV bei Kindern unter 2 Jahren, einer besonders gefährdeten Altersgruppe, keine ausreichende Immunantwort auslösen. Aktuell sind in Deutschland ein Konjugatimpfstoff gegen 10 Serotypen (PCV10, Synflorix®, zugelassen bis zum Alter von 5 Jahren) und ein Konjugatimpfstoff gegen 13 Serotypen (PCV13, Prevenar 13®, zugelassen für alle Altersgruppen) erhältlich.

Stand: 23.06.2020

Wer sollte mit welchem Impfstoff geimpft werden?

Für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter, die bis zu einem Alter von 2 Jahren empfohlen ist, können aufgrund der Unreife des Immunsystems ausschließlich Konjugatimpfstoffe verwendet werden. Bei Konjugatimpfstoffen ist das Antigen an ein Proteinträgermolekül gekoppelt. Durch diese Kopplung wird die Immunreaktion verstärkt. Die beiden verfügbaren Konjugatimpfstoffe (Prevenar 13 und Synflorix) bauen gegen 13 bzw. 10 der insgesamt über 90 bekannten Pneumokokken-Serotypen einen wirksamen und lang anhaltenden Impfschutz auf.

Nach Einführung der Säuglingsimpfung (2006) zeigte sich eine deutliche Abnahme der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen, die durch die Serotypen ausgelöst waren, gegen die die Konjugatimpfstoffe schützen. Dieser Rückgang zeigt sich nicht nur in der Altersgruppe der geimpften Kleinkinder sondern zusätzlich auch in allen anderen Altersgruppen. Invasive Pneumokokken-Erkrankungen durch die Serotypen, gegen die die Konjugatimpfstoffe schützen, treten in Deutschland daher bei Senioren kaum noch auf. Pneumovax 23 kann dagegen Schutz gegen die zehn zusätzlichen Serotypen vermitteln, die bei Senioren die größte Rolle spielen. Erwachsene ab 60 Jahre sollen aufgrund der breiteren Serotypenabdeckung mit einem 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (Pneumovax 23) geimpft werden.

Personen mit chronischen Krankheiten haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Pneumokokken-Infektion und sollten unabhängig vom Alter eine Pneumokokken-Impfung erhalten.

Jugendliche (ab 16 Jahre) und Erwachsene erhalten Pneumovax 23. Kinder und Jugendliche im Alter von 2-15 Jahren mit chronischen Krankheiten erhalten eine sequenzielle Impfung, die mit Prevenar 13 eingeleitet und nach 6-12 Monaten mit Pneumovax 23 komplettiert wird. Auch erwachsene Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten bzw. Immunsuppression haben ein erhöhtes Risiko für eine schwere Pneumokokken-Infektion und sollten ebenso wie Personen mit anatomischen und fremdkörper-assoziierten Risiken für eine Pneumokokken-Meningitis sequenziell geimpft werden.

Prevenar soll bei der sequenziellen Impfung ein besseres Ansprechen des Immunsystems gewähren. Die alleinige Impfung mit Prevenar ist aber aufgrund der unzureichenden Serotypenabdeckung nicht sinnvoll. Darum soll der Impfschutz mit Pneumovax 23 verbreitert werden. Die Immunantwort gegen die Serotypen, die in beiden Impfstoffen enthaltenen sind, wird so durch Pneumovax23 geboostert.

Stand: 23.06.2020

Wie oft soll gegen Pneumokokken geimpft werden?

Säuglinge sollen 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten erhalten. Frühgeborene (Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) sollen hingegen 4 Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten erhalten. Für gesunde Kinder wird eine Wiederholungsimpfung nach erfolgter Grundimmunisierung im Säuglingsalter nicht empfohlen, weil das Risiko für eine schwere Pneumokokkenerkrankung nach dem Alter von 2 Jahren sehr gering ist.

Da die Schutzdauer der Pneumokokken-Impfung begrenzt ist, hält die STIKO Wiederholungsimpfungen im Abstand von mindestens 6 Jahren für Senioren und für Menschen, die entsprechende Grunderkrankungen haben (siehe FAQ „Wer soll sich gegen Pneumokokken impfen lassen?“), grundsätzlich für sinnvoll. Für Wiederholungsimpfungen wird ausschließlich PPSV23 verwendet. Vorübergehende Nebenwirkungen (Rötung, Schwellung und Schmerzen des Armes, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Fieber) sind nach Wiederholungsimpfungen häufiger als nach der 1. Impfung. Wird das Zeitintervall von 6 Jahren unterschritten, ist mit stärkeren Nebenwirkungen zu rechnen.

Für Personen mit chronischen Grundkrankheiten ist die wiederholte Impfung durch die Zulassung des PPSV23-Impfstoffs gedeckt. Für Personen, bei denen das Alter ≥60 Jahre die einzige Indikation darstellt, ist aufgrund unklarer und in sich widersprüchlicher Formulierungen in der Fachinformation derzeit umstritten, ob die wiederholte Impfung zulassungskonform ist.

Die STIKO hat alle verfügbaren Studien zur Immunogenität und Verträglichkeit der Wiederholungsimpfung ausgewertet (1). Auf dieser Basis ist sie zu dem Schluss gekommen, dass die Vorteile der Wiederholungsimpfung (Aufrechterhaltung des Schutzes gegen lebensbedrohliche Erkrankungen) die Nachteile (verstärkte Nebenwirkungen) überwiegen.

Der Hersteller des PPSV23 beabsichtigt, eine Änderung der Fachinformation zu beantragen, um die Zweifel an der Zulassungskonformität der Wiederholungsimpfung auszuräumen.

Literatur:
(1) Remschmidt C, Harder T, Wichmann O, Bogdan C, Falkenhorst G. Effectiveness, immunogenicity and safety of 23-valent pneumococcal polysaccharide vaccine revaccinations in the elderly: a systematic review. BMC Infect Dis. 2016 Nov 25;16(1):711.

Stand: 23.06.2020

Warum werden unterschiedliche Impfstoffe für die Pneumokokken-Impfung empfohlen?

Die 10- bzw. 13-valenten Konjugatimpfstoffe (Prevenar 13 und Synflorix) schützen gegen die Serotypen, die vor der Impfeinführung am häufigsten bei Kindern mit schweren Pneumokokken-Infektionen vorgefunden wurden. Außerdem ermöglichen sie den Aufbau von Immunität in einem sich noch entwickelnden bzw. geschwächten Immunsystem. Daher sind die Konjugatimpfstoffe für die Grundimmunisierung der Säuglinge bzw. für den Beginn der sequenziellen Impfung bei Immunsupprimierten vorgesehen.

Da bei Jugendlichen und Erwachsenen auch bereits vor Impfeinführung eine Reihe weiterer Serotypen auftraten, die nicht mit den Konjugatimpfstoffen abgedeckt sind, spielte und spielt für diesen Personenkreis die möglichst breite Serotyopenabdeckung des Impfstoffes die entscheidende Rolle für einen guten Schutz vor Pneumokokken-Infektionen. Die Einführung der Säuglingsimpfung hat nicht nur zu einem erfreulichen Rückgang der schweren Erkrankungsfälle bei Kindern geführt sondern auch dazu, dass die Serotypen, gegen die der Konjugatimpfstoff schützt, auch bei Personen aller anderen Altersgruppen mit schweren Pneumokokken-Erkrankungen immer seltener gefunden werden.

Im Jahr 2017 waren nur noch rund 11% dieser Erkrankungsfälle in Deutschland von Serotypen verursacht worden, gegen die der 13-valente Konjugatimpfstoff in der Regel schützen kann. Dagegen waren rund 47% der Fälle durch die Serotypen bedingt, gegen die der 23-valente Impfstoff zusätzlich gerichtet ist. Deshalb ist bei erwachsenen Personen durch die Verwendung von Pneumovax 23 die Möglichkeit gegeben, den in dieser Altersgruppe am häufigsten vorkommenden Pneumokokken-Serotypen wirksam zu begegnen.

Stand: 23.06.2020

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