Um eine Impfempfehlung auszusprechen, benötigt die STIKO umfangreiche Daten zur impfpräventablen Krankheit und zur jeweiligen Impfung. Da zum Zeitpunkt der letzten Datenbewertung durch die STIKO (2018) die Evidenzlage zur Impfung noch nicht ausreichend war und eine niedrige Meningokokken B (MenB)-Krankheitslast in Deutschland vorlag, hat die STIKO entschieden, mit der Evidenzbewertung für eine mögliche Routine-Impfempfehlung zu warten.
Zum Zeitpunkt der letzten Evidenzbewertung lagen zwar erste Daten zur Impfstoffwirksamkeit aus England vor [1]. Diese berücksichtigten jedoch erst Daten nach den ersten beiden Impfdosen im Alter von 2 und 4 Monaten; Daten nach der vollständigen Grundimmunisierung standen noch aus. Darüber hinaus konnten noch keine Aussagen zur längerfristigen Impfwirksamkeit gemacht werden und auch die Übertragbarkeit der Effektivitätsschätzungen auf Deutschland war nur eingeschränkt möglich. So wurde die Abdeckung der MenB-Stämme durch den Impfstoff bei Säuglingen in Deutschland niedriger als in England eingeschätzt.
Außerdem war noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit MenB schützt. Dies könnte zu einem Herdenschutz führen und würde z.B. für eine Impfung Jugendlicher sprechen. Diese Altersgruppe weist die höchste Besiedlungsrate auf und spielt somit eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Erreger.
Sobald robustere Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung vorliegen, wird die STIKO die Einführung einer MenB-Impfempfehlung neu bewerten. In der Zwischenzeit sollte die Entscheidung für eine MenB-Impfung nach individueller Risiko-Nutzen-Abschätzung getroffen werden.
Bisher empfiehlt die STIKO die Impfung gegen MenB lediglich Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko (die wissenschaftliche Begründung wurde im Epid Bull 37/2015 veröffentlicht). Dies sind vor allem Personen mit bestimmten Immundefekten, insbesondere Komplementdefekten, Personen mit Asplenie oder Personen, die eine Therapie mit Eculizumab (Soliris®) erhalten. Die aktualisierte Stellungnahme der STIKO zum Stand der Bewertung einer Impfung gegen Meningokokken wurde im Epid Bull 3/2018 veröffentlicht.
Bei KatastrophenhelferInnen und je nach Exposition auch bei EntwicklungshelferInnen und medizinischem Personal wird ebenfalls eine Impfung gegen MenB empfohlen (siehe Reiseimpfempfehlungen der STIKO).
Literatur
1. Parikh SR, et al.: Effectiveness and impact of a reduced infant schedule of 4CMenB vaccine against group B meningococcal disease in England: a national observational cohort study. The Lancet, 2016. 388(10061): p. 2775–2782
Stand: 08.09.2023