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Grippeschutzimpfung (Stand: 6.10.2021)

Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung

  • für alle Personen ab 60 Jahre,
  • für alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab 1. Trimenon (siehe "Warum wird die saisonale Influenza-Impfung auch für Schwangere empfohlen?"),
  • für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z.B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV) (siehe "Warum sollten Personen mit Grundkrankheiten gegen Influenza geimpft werden?"),
  • für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie für
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen (siehe oben) gefährden können.

Geimpft werden sollten im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos außerdem

  • Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal),
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr,
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können.

Neu ist, dass die STIKO für Personen ab 60 Jahren die jährliche Influenza-Impfung im Herbst mit einem inaktivierten quadrivalenten Hochdosis-Impfstoff (mit jeweils aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination) empfiehlt (aufgrund einer geringfügigen, aber signifikanten Überlegenheit der Impfeffektivität (Epid Bull 1/2021). Dieser Hochdosis-Impfstoff wird nach G-BA-Beschluss von den Krankenkassen erstattet.

Während der COVID-19-Pandemie sind diese Empfehlungen weiterhin gültig und eine Impfung gegen Influenza gemäß der STIKO-Empfehlungen bleibt ein wesentlicher Schutz vor schweren Verläufen (EpidBull 34/2021). Die Influenza-Impfung kann simultan, d.h. gleichzeitig, mit einer COVID-(Booster-)Impfung verabreicht werden. Die Injektion soll jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen. Siehe hierzu FAQ „Darf die Influenza-Impfung zusammen mit der COVID-19-Impfung gegeben werden?

Stand: 06.10.2021

Warum sollten sich insbesondere Risikogruppen gerade in der COVID-19-Pandemie gegen Grippe impfen lassen?

Die Gruppen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, sind bei Influenza und COVID-19 sehr ähnlich: insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren/hochaltrige Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen. Diesen Menschen wird auch eine Influenza-Impfung empfohlen, die Impfquoten sind jedoch seit Jahren zu niedrig (siehe „Wie viele Menschen lassen sich gegen die saisonale Influenza impfen?“).

Gerade im Rahmen der COVID-19-Pandemie ist eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen essentiell, um in der Grippewelle schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern (u.a. bei Intensivbetten, Beatmungsplätzen) zu vermeiden.

Die STIKO kommt zu dem Schluss, dass zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems der größte Effekt mit den verfügbaren Grippeimpfstoffen erzielt werden kann, wenn die Impfquoten – entsprechend der STIKO-Empfehlungen – vor allem bei Risikogruppen möglichst hoch sind.

Siehe auch Epidemiologisches Bulletin 34/2021

Stand: 07.09.2021

Warum wird eine Impfung gegen Influenza nicht für alle empfohlen?

Eine Influenza-Erkrankung bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Auch im Rahmen der COVID-19-Pandemie spricht die STIKO keine generelle Impfempfehlung aus (siehe Stellungnahme der STIKO: Bestätigung der aktuellen Empfehlungen zur saisonalen Influenzaimpfung für die Influenzasaison 2020/21 in Anbetracht der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, Epid Bull 32+33/2020 (PDF, 5 MB, Datei ist nicht barrierefrei)).

Dass die Ständige Impfkommission (STIKO) die Influenza-Impfung nur für bestimmte Personengruppen empfiehlt (siehe "Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?"), bedeutet jedoch nicht, dass die STIKO von einer Influenzaimpfung anderer Personen abrät. Bei Bedarf sollte geklärt werden, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Auch viele Arbeitgebende bieten ihren Angestellten die Influenzaimpfung an, um Grippeerkrankungen und dem damit verbundenen Arbeitsausfall vorzubeugen.

Stand: 07.09.2021

Wann ist der richtige Impfzeitpunkt?

Die jährliche Influenzawelle hat in Deutschland in den vergangenen Jahren meist nach der Jahreswende begonnen. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich ab Oktober bis Mitte Dezember impfen zu lassen. Sollte die Impfung in diesen Monaten versäumt werden, kann es auch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen. Schließlich ist nie genau vorherzusagen, wie lange eine Influenzawelle andauern wird.

Stand: 07.09.2021

Wie viele Dosen Influenza-Impfstoff stehen in Deutschland zur Verfügung?

Das Paul-Ehrlich-Institut informiert auf seiner Webseite www.pei.de/influenza-impfstoffe kontinuierlich über die in Deutschland freigegebenen Dosen an Influenza-Impfstoffen.

Stand: 07.09.2021

Warum empfiehlt die STIKO die Verwendung eines Vierfachimpfstoffs?

Quadrivalente Influenzaimpfstoffe bieten Schutz gegen 4 verschiedene Virussubtypen. Sie enthalten Bestandteile von 2 Subtypen der Influenza A-Viruslinie sowie 2 Subtypen der Influenza B-Viruslinie. Die STIKO hat deshalb im November 2017 beschlossen, die Impfung gegen saisonale Influenza generell mit einem quadrivalenten Influenzaimpfstoff zu empfehlen (wissenschaftliche Begründung im Epidemiologischen Bulletin 2/2018). Zuvor wurden trivalente Impfstoffe empfohlen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im April 2018 beschlossen, dass die Grippeschutzimpfung ab der Saison 2018/19 mit einem Vierfach-Impfstoff erfolgen soll (Pressemitteilung des G-BA vom 5.4.2018). Die Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA bestimmt, welche Impfungen Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung sind.

Stand: 07.09.2021

Wie wird die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs bestimmt?

Die saisonale Influenza wird derzeit von A(H1N1)-, A(H3N2)-Viren und zwei Gruppen von Influenza-B-Viren verursacht. Von diesen vier Gruppen zirkulieren weltweit verschiedene Varianten. Der saisonale Influenza-Impfstoff enthält Bestandteile der Virus-Varianten, die für die kommende Saison erwartet werden. Referenzlaboratorien auf der ganzen Welt – in Deutschland das am Robert Koch-Institut angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Influenza – untersuchen dafür kontinuierlich die zirkulierenden Influenzaviren und übermitteln ihre Ergebnisse an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auf Grundlage dieser Daten legt die WHO die Zusammensetzung für den Impfstoff jedes Jahr aufs Neue fest. Für die Nordhalbkugel wird die Empfehlung in der Regel im Februar veröffentlicht, damit die Hersteller genug Zeit haben, ausreichend Impfstoff bis zum Beginn der Impfsaison im Herbst zu produzieren.

Stand: 07.09.2021

Wie ist der Influenza-Impfstoff für die jeweils aktuelle Saison zusammengesetzt?

Die von der WHO empfohlene Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs für die Nordhalbkugel sowie die EMA-Empfehlungen zu geeigneten Stämmen für die Impfstoff-Herstellung sind auf der Webseite des Paul-Ehrlich-Instituts abrufbar: www.pei.de/influenza-impfstoffe.

Stand: 07.09.2021

Warum wird die saisonale Influenza-Impfung für Schwangere empfohlen?

Daten zur saisonalen Influenza sowie während vergangener Influenzapandemien gewonnene Erfahrungen zeigen, dass Schwangere bei einer Influenzainfektion ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2010 die saisonale Influenzaimpfung für alle Frauen, die während der Influenzasaison im Winter schwanger sind. Das erhöhte Komplikationsrisiko von Schwangeren hängt mit verschiedenen physiologischen und immunologischen Veränderungen zusammen, die während einer Schwangerschaft im Körper ablaufen. Diese Veränderungen können schwangere Frauen für virale Erreger wie das Influenzavirus empfänglicher machen und schwere Krankheitsverläufe begünstigen.

Da es sich bei den in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffen für Erwachsene um Totimpfstoffe handelt, ist eine Impfung generell in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO die Impfung dennoch erst ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel. Damit soll verhindert werden, dass die im 1. Schwangerschaftsdrittel häufiger auftretenden Spontanaborte fälschlicherweise mit der Impfung in Verbindung gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden.

Schwangere Frauen, bei denen aufgrund einer chronischen Grunderkrankung eine zusätzliche Indikation zur Influenza-Impfung besteht, sollten unabhängig vom Schwangerschaftsstadium geimpft werden. Die Sicherheit der Impfstoffe wurde sowohl für Schwangere als auch für Ungeborene bestätigt. Es wurde in Studien keine erhöhte Zahl von schweren Reaktionen aufgrund einer Grippeimpfung festgestellt. Weder war die Anzahl der Frühgeburten oder Kaiserschnitte erhöht, noch gab es Unterschiede im Gesundheitszustand der Säuglinge nach der Geburt.

Auch Neugeborene profitieren von der Impfung ihrer Mütter: über die Plazenta werden Antikörper von der Mutter an das Kind weitergegeben, die ihm einen Schutz gegen Influenza in den ersten Monaten nach der Geburt verleihen.

Siehe auch „Warum sollten sich Risikogruppen gerade in der Corona-Pandemie gegen Grippe impfen lassen?“

Stand: 07.09.2021

Warum sollten Personen mit Grundkrankheiten gegen Influenza geimpft werden?

Personen mit Grundkrankheiten haben ein erhöhtes Risiko, schwere oder tödliche Krankheitsverläufe einer Influenza-Infektion zu entwickeln. Besonders gefährdet sind dabei:

  • Personen, die eine Überempfindlichkeit der Atemwege oder eine eingeschränkte Lungenfunktion haben (z.B. Personen mit Asthma, chronischer Bronchitis, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung),
  • Personen mit einer chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenkrankheit, Personen mit Diabetes oder einer anderen Stoffwechselkrankheit,
  • Personen mit einer neurologischen oder neuromuskulären Grundkrankheit oder einem eingeschränkten Immunsystem durch eine zugrundeliegende Erkrankung oder Medikamenteneinnahme (beispielsweise hochdosiertes Kortison, Chemotherapie bei Krebserkrankungen).

Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit solchen chronischen Grundkrankheiten sollten daher gegen Influenza geimpft werden.

Stand: 07.09.2021

Warum ist die Impfung des medizinischen Personals gegen Influenza wichtig?

Medizinisches Personal stellt eine mögliche Infektionsquelle für die zu betreuenden Patient:innen dar. Dabei handelt es sich oft um Patient:innen, die wegen bestehender Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko haben, eine schwere, eventuell tödliche Verlaufsform der Influenza zu entwickeln. Die Impfung des medizinischen Personals folgt daher dem ethischen Gebot, Patient:innen nicht zu schaden. Gleichzeitig dient die Impfung dem persönlichen Schutz des medizinischen Personals, das mit Influenzakranken in Kontakt kommen kann.

Siehe Stellungnahme der STIKO zu Impfungen bei medizinischem Personal

Stand: 07.09.2021

Sollten Asylsuchende in Gemeinschaftseinrichtungen gegen Influenza geimpft werden?

In Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften sollte das Angebot alle von der STIKO empfohlenen Impfungen beinhalten. Durch die lokalen Gesundheitsbehörden kann erwogen werden, über die STIKO-Empfehlungen hinausgehend allen Bewohner:innen – Erwachsenen und Kindern – eine Impfung gegen saisonale Influenza anzubieten, nicht nur Risikogruppen. Zum einen erscheint die Identifizierung von Risikogruppen aufgrund von Sprachbarrieren schwierig; zum anderen besteht in Erstaufnahmeeinrichtungen bzw. Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende durch das enge Zusammenleben ein im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung erhöhtes Risiko für Influenza-Ausbrüche, die dann auch nur schwer kontrolliert werden können.

Entsprechend den STIKO-Empfehlungen können Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren mit einem Totimpfstoff oder mit dem Influenza-Lebendimpfstoff (als Nasenspray) geimpft werden, sofern keine Kontraindikation besteht (s. Fachinformation, siehe auch "Was ist bei der Influenzaimpfung bei Kindern zu beachten?" und "Was ist bei dem Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) zu beachten?"). Für Säuglinge und Kleinkinder zwischen 6 Monaten und 2 Jahren sowie für Erwachsene (inklusive Schwangere) sind lediglich Totimpfstoffe zugelassen.

Stand: 07.09.2021

Warum wird in anderen Ländern die Impfung gesunder Kinder empfohlen und nicht in Deutschland?

Nur wenige EU-Länder empfehlen (z.B. Finnland, Litauen, Malta, Slowenien, Großbritannien, Slowakei) die Influenza-Impfung von gesunden Kindern. Hier gibt es jedoch Unterschiede bei den empfohlenen Altersgruppen. Je nach Land ist die Influenzaimpfung für Kinder z.B. von 6 Monaten bis zwei, drei, fünf oder zwölf Jahren empfohlen bzw. von zwei Jahren bis zu elf Jahren (siehe Veröffentlichung des ECDC: Seasonal influenza vaccination and antiviral use in EU/EEA Member States, 2018). Kein Land empfiehlt die Impfung aller Kinder und Jugendlichen.

Zur Verhinderung von Influenza-Erkrankungen durch Impfung gibt es verschiedene Strategien. Die meistgewählte Strategie, die auch in Deutschland praktiziert wird, ist die Impfung von Risikogruppen: ältere Personen, Schwangere und chronisch Kranke (inkl. chronisch kranker Kinder) haben ein deutlich erhöhtes Risiko, dass eine Influenza-Erkrankung schwer verläuft oder zum Tod führt. Sie profitieren daher besonders von einer Impfung. Andere Strategien wären die Impfung der gesamten Bevölkerung oder die gezielte Impfung von Kindern, wodurch – bei entsprechend hohen Impfquoten – auch ältere Altersgruppen indirekt geschützt würden, weil Kinder oftmals die Infektionsquelle sind bzw. die Virus-Zirkulation in der Bevölkerung insgesamt reduziert werden kann (Gemeinschaftsschutz). Bevor die STIKO eine Impfempfehlung für alle Menschen, insbesondere für alle gesunden Kinder, aussprechen kann, werden mehr Daten benötigt. Die STIKO behält das Thema im Blick und bewertet fortlaufend die entsprechende Literatur -gerade auch vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie.

Stand: 07.09.2021

Wie viele Menschen lassen sich gegen die saisonale Influenza impfen?

Zur Bestimmung von Impfquoten der saisonalen Influenzaimpfung werden vor allem Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und damit der gesetzlich Krankenversicherten (etwa 85% der Bevölkerung in Deutschland) der KV-Impfsurveillance herangezogen und durch Daten aus Online-Befragungen ergänzt.
Insgesamt sind die Impfquoten in den empfohlenen Zielgruppen in Deutschland zu niedrig. So werden die Zielvorgaben der Europäischen Union, wonach eine Impfquote von 75% bei älteren Menschen vorgesehen ist, in Deutschland nicht annähernd erreicht.

Ältere Menschen: Die Daten der -Impfsurveillance zeigen einen rückläufigen Trend seit den Saisons 2008/09 und 2009/10, in denen in Deutschland noch knapp die Hälfte aller Personen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft war. Mit der Saison 2012/13 stagnierten die Impfquoten zunächst auf einem Niveau, bei dem knapp 1/3 aller Personen ab 60 Jahre geimpft war. Ab der Saison 2018/19 wurde ein leichter Anstieg verzeichnet, der sich in der Saison 2019/20 mit einer bundesweiten Impfquote von 38,8% fortgesetzt hat. Auf Ebene der einzelnen Bundesländer ist die Spannweite nach wie vor groß, und es ist ein klarer Unterschied zwischen den westlichen und östlichen Bundeländern zu erkennen: In der Saison 2019/20 ließen sich in westlichen Bundesländern 34,8% (Spannweite der KV-Regionen: 23,9% – 49,1%) der über-60-Jährigen impfen, in den östlichen Bundesländern waren es hingegen 57,1% (Spannweite: 52,9% – 62,0%).

Erwachsene mit impfrelevanten Grunderkrankungen: Auf Basis der KV-Impfsurveillance liegen in der Saison 2019/20 die Impfquoten für chronisch kranke Personen ab einem Alter von 18 Jahren bundesweit bei 32,3%.Auch hier liegt die Impfquote in den östlichen Bundesländern mit 49,2% (Spannweite: 44,8% – 54,0%) weit über der Impfquote von 28,8% (Spannweite: 20,4% – 40,4%) in den westlichen Bundesländern. Der zeitliche Verlauf der Impfquote über die Saisons ähnelt dem der Standardimpfung ab 60 Jahren, allerdings auf niedrigerem Niveau.

Schwangere: Die KV-Daten zeigen eine besonders geringe Impfquote bei Schwangeren. Sie lag in der Saison 2014/15 bei 9% und ist seit 2016/17 von 9,9% auf 16,6% in der Saison 2019/20 angestiegen. Auch bei den Schwangeren ist ein deutlicher Unterschied der Impfquoten zwischen westlichen und östlichen Bundesländern zu erkennen: In der Saison 2019/20 lag die Impfquote in den östlichen Bundesländern bei 22,1% und in den westlichen bei 15,3%.

Medizinisches Personal: Im Rahmen der OKaPII-Studie, einer bundesweiten Online-Befragung von Krankenhaus-Personal zur Influenza-Impfung des Robert Koch-Instituts, werden jährlich im Frühjahr Klinikmitarbeiter:innen zu ihrem Impfstatus befragt. Die Impfquote aller befragten Berufsgruppen ist in den vergangenen Jahren angestiegen. In der Ärzteschaft ist die Impfquote über alle Jahre am höchsten und lag in der Saison 2019/20 bei 79,3%. Damit konnte ein leichter Anstieg zur Vorsaison bzw. ein Unterschied von rund 20 Prozentpunkten zur Saison 2017/18 verzeichnet werden. Von den Mitarbeiter:innen des Pflegedienstes waren in der Saison 2019/20 46,7% gegen Influenza geimpft, was etwa der Impfquote der Vorsaison entspricht und im Vergleich zur Saison 2017/18 einen Anstieg von rund 16 Prozentpunkten bedeutet. Die Impfquote anderer Berufsgruppen lag in der Saison 2019/20 bei 48%.


Literatur:

Rieck T, Steffen A, Schmid-Küpke N, Feig M, Wichmann O, Siedler A: Impfquoten bei Erwachsenen in Deutschland – Aktuelles aus der KV-Impfsurveillance und der Onlinebefragung von Krankenhauspersonal OKaPII. Epid Bull 2020;47:3-26 | DOI 10.25646/765

Steffen A, Rieck T, Siedler A. Monitoring of Influenza Vaccination Coverage among Pregnant Women in Germany Based on Nationwide Outpatient Claims Data: Findings for Seasons 2014/15 to 2019/20. Vaccines (Basel). 2021 May 11;9(5):485 | DOI 10.3390/vaccines9050485

Stand: 10.09.2021

Können geimpfte Personen andere anstecken?

Bei den in Deutschland verwendeten Influenzaimpfstoffen handelt es sich um Totimpfstoffe. Eine Ausnahme bildet der für Kinder und Jugendliche zugelassene Lebendimpfstoff (siehe "Was ist bei dem Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) zu beachten?"), der abgeschwächte Viren enthält. Durch die Impfung mit einem Totimpfstoff wird weder die Krankheit hervorgerufen, noch können Impfviren an Dritte weitergegeben werden. Bei der Impfung mit einem Lebendvirusimpfstoff sind entsprechend den Hinweisen in der Fachinformation gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen. Hier besteht in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen nach Impfung die Gefahr der Virus-Übertragung auf stark immungeschwächte Personen. Deshalb sollten Geimpfte engen Kontakt zu Personen meiden, die sich z.B. nach einer Knochenmarktransplantation noch in Isolation befinden.

Unabhängig von der Art des Impfstoffes kann es auch bei geimpften Personen zu einer Infektion mit dem Influenzawildvirus kommen (bei Impfversagen). Häufig verlaufen solche Infektionen dann mit milderen Krankheitssymptomen oder völlig unbemerkt. In diesen Fällen können Influenzaviren ausgeschieden und auf Kontaktpersonen übertragen werden. Siehe auch FAQ „Kann es trotz Influenza-Impfung zu einer Influenza-Erkrankung kommen?“

Stand: 07.09.2021

Kann es trotz Influenza-Impfung zu einer Influenza-Erkrankung kommen?

Keine Impfung bietet einen hundertprozentigen Schutz, deshalb kann es auch nach einer Grippeschutzimpfung zu einer Influenza-Erkrankung kommen (siehe auch die Frage "Wie hoch ist die Wirksamkeit der Influenza-Impfung?"). Zu einer Erkrankung kann es auch dann kommen, wenn die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat (wenn also in der Inkubationszeit geimpft wurde) oder wenn eine Infektion in den ersten 10 bis 14 Tagen nach der Impfung erfolgt ist, bevor der Impfschutz vollständig ausgebildet werden konnte.

Bei entsprechenden Symptomen sollte trotz erfolgter Impfung an Influenza gedacht werden. Bei bestimmten Patientengruppen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe (vorliegende Grunderkrankungen, höheres Alter) oder bei schweren Krankheitsverläufen sollte rechtzeitig auch eine antivirale Behandlung in Betracht gezogen werden.

Oft werden aber auch Atemwegsinfekte, die durch andere Erreger verursacht werden, fälschlicherweise für Impfversagen gehalten. Die Influenza-Impfung erfolgt im vorzugsweise im späten Herbst, also der Jahreszeit, in der Atemwegsinfekte aufgrund anderer Erreger häufig vorkommen. Gegen diese Erreger vermag die Influenza-Impfung nicht zu schützen. Das Auftreten einer fieberhaften Erkältung aufgrund anderer Erreger stellt also trotz der verwirrenden Bezeichnung "grippaler Infekt" kein Versagen der Influenza-Impfung dar. Zudem kann die Impfung selbst in zeitlicher Nähe leichte fieberhafte Reaktionen hervorrufen (siehe "Welche Nebenwirkungen sind nach der Influenzaimpfung zu erwarten?"), die eine Reaktion des Immunsystems darstellen und nicht mit einer Atemwegs- oder Grippeinfektion verwechselt werden sollten.

Für weitere Möglichkeiten, sich zusätzlich zur Impfung vor einer Influenza-Infektion zu schützen, siehe "Was kann man außer der Influenzaimpfung noch tun, um eine Grippeerkrankung zu vermeiden?"

Stand: 07.09.2021

Wie hoch ist die Wirksamkeit der Influenza-Impfung?

Die Wirksamkeit der Influenza-Impfungen kann in den einzelnen Saisons sehr unterschiedlich sein und sich auch hinsichtlich der einzelnen Virussubtypen bzw. Virustypen unterscheiden (H1N1, H3N2, B). Die Impfeffektivität hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Die Zusammensetzung des Impfstoffes wird jährlich aktualisiert (siehe "Wie wird die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs bestimmt?"). Es ist trotzdem möglich, dass die in der folgenden Saison hauptsächlich auftretenden Influenzaviren nicht so gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen übereinstimmen, weil sich in der Zwischenzeit andere Virusstämme durchgesetzt haben. Wenn sich zirkulierende Viren oder die Anteile der einzelnen Virus(sub)typen im Verlauf der Saison ändern kann sich die Schutzwirkung des Impfstoffs auch im Laufe einer Grippesaison verändern. Zudem kann es bei der Herstellung des Impfstoffs zu Mutationen beim Impfstamm kommen, die die Passgenauigkeit des Impfstoffs mitunter beeinträchtigen können.

Bei einer sehr guten Übereinstimmung der zirkulierenden Influenzaviren mit dem Impfstoff wurde bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung bis zu 80% beobachtet. Ältere Menschen haben oft eine reduzierte Immunantwort, sodass die Impfung bei ihnen weniger zuverlässig wirkt. Insbesondere die Effektivität gegen den Subtyp H3N2 war in den letzten Saisons aufgrund einer schlechten Übereinstimmung des Impfvirus mit den zirkulierenden Viren teilweise herabgesetzt. Dennoch können auch ältere Menschen ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, durch die Impfung im Mittel etwa halbieren. Dies bedeutet bei einer Wirksamkeit von 41% bis 63% bei älteren Erwachsenen (Manzoli L et al. in Human Vaccines & Immunotherapeutics 2012): Wenn im Laufe einer Influenzasaison von 100 ungeimpften älteren Erwachsenen 10 an Grippe erkranken, erkranken von 100 geimpften älteren Erwachsenen nur etwa 4 bis 6.

Aufgrund einer geringfügigen, aber signifikanten Überlegenheit der Impfeffektivität bei älteren Menschen wird von der STIKO für alle Personen ≥ 60 Jahre inzwischen ein quadrivalenter Hochdosis-Impfstoff mit aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination empfohlen (Epid Bull 1/2021, siehe FAQ "Warum empfiehlt die STIKO den Hochdosis-Impfstoff zur Impfung von Senior:innen ab der Saison 2021/2022?").

Auch wenn die Wirksamkeit der Influenza-Impfung mitunter geringer ausfallen kann als bei anderen Impfstoffen, können aufgrund der Häufigkeit von Influenza doch viele Erkrankungsfälle durch Impfungen verhindert werden. In Deutschland sind dies - selbst bei den aktuell mäßigen Impfquoten (siehe "Wie viele Menschen lassen sich gegen die saisonale Influenza impfen?") - schätzungsweise ca. 400.000 Influenza-Erkrankungen pro Jahr bei Personen über 60 Jahren (Weidemann F et al. BMC Infectious Diseases 2017).

Zudem wurde in zahlreichen Studien gezeigt, dass eine Influenza-Erkrankung bei geimpften Personen milder, also mit weniger Komplikationen verläuft als bei Ungeimpften (z.B. VanWormer JJ et al., BMC Infect Dis. 2014; 14: 231).

Weitere Möglichkeiten, sich zusätzlich zur Impfung gegen eine Influenzainfektion zu schützen, finden sich bei der Frage "Was kann man außer der Influenza­impfung noch tun, um eine Grippe­erkrankung zu vermeiden?".

Stand: 07.09.2021

Wie wird die Wirksamkeit der Influenza-Impfung gemessen?

Bevor ein Influenza-Impfstoff überhaupt zum Einsatz kommt, müssen die Hersteller – wie bei anderen Impfstoffen auch – dessen Wirksamkeit und Sicherheit in großangelegten Zulassungsstudien nachweisen. Über die Zulassung entscheidet dann die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bzw. die nationale Zulassungsbehörde (in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut). Das Besondere bei Grippeimpfstoffen ist, dass die Komponenten praktisch jedes Jahr angepasst (siehe auch: "Wie wird die Zusammensetzung des Grippeimpfstoffs bestimmt?") und für jeden Impfstoff in einem besonderen Verfahren neu zugelassen werden müssen. Auch nach der Zulassung sind die Hersteller dazu verpflichtet, die Wirksamkeit und Sicherheit der Influenza-Impfstoffe in verschiedenen Studien zu überprüfen und die Daten den Behörden zur Verfügung zu stellen.

Die Wirksamkeit von Influenza-Impfstoffen kann hinsichtlich verschiedener Endpunkte untersucht werden – einerseits, ob und in welchem Grad die Impfung vor einer laborbestätigten Infektion schützt, aber auch, ob sie Influenza-assoziierte Hospitalisierungen oder schwere Verläufe verhindern kann. Die Werte können dementsprechend unterschiedlich ausfallen.

Grippeviren verändern sich ständig. Es kann passieren, dass die einzelnen Komponenten des Impfstoffs nicht optimal mit den tatsächlich zirkulierenden saisonalen Viren übereinstimmen (siehe auch "Wie hoch ist die Wirksamkeit der Influenza-Impfung?"). Daher untersuchen Fachleute in vielen Ländern (u.a. auch im RKI) bereits während der laufenden Grippesaison, wie gut die Impfung zu den Viren passt und vor einer Erkrankung schützt.

Ob der Grippe-Impfstoff (bzw. die darin enthaltenen Virusstämme) passt, wird im Labor über einen Hämagglutinations­hemmtest (HHT) oder einen Neutralisations­test (NT) bestimmt. Dabei wird geprüft, ob Antikörper, die durch die Impfung gebildet wurden, in der Lage sind, die jeweiligen Influenzaviren unschädlich zu machen. In diesem Fall spricht man von einer guten Übereinstimmung zwischen den Impfstoff-Komponenten und den zirkulierenden Grippeviren. Von dieser Prüfung kann jedoch nicht abgeleitet werden, in welchem Grad der Impfstoff schlussendlich vor einer klinischen Manifestation der Erkrankung schützt.

Wie gut der Influenza-Impfstoff tatsächlich vor der Grippe schützt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab - etwa davon, wie oft jemand schon geimpft worden ist, wie oft man mit ähnlichen Grippeviren infiziert war und wie gut das Immunsystem funktioniert.

Die Effektivität der Impfung muss für jede Grippesaison neu bestimmt werden. Eine erste, vorläufige Schätzung wird von der Arbeitsgemeinschaft Influenza bereits während der laufenden Grippesaison mit einer "Test-negativen Fall-Kontroll-Studie" durchgeführt: Dabei werden Daten von Patient:innen ausgewertet, die in einem bestimmten Zeitraum eine Sentinelpraxis der AGI mit Grippesymptomen aufgesucht haben. Abstriche der Patient:innen werden im Nationalen Referenzzentrum für Influenzaviren im RKI untersucht: Bei einigen werden Influenzaviren nachgewiesen (Fälle), bei anderen nicht (Kontrollen). Anschließend prüfen die Wissenschaftler:innen, wie viele der echten Influenza-Fälle geimpft waren – und wie viele der Kontrollen geimpft waren, die nicht an Influenza erkrankt sind. Aus diesen Zahlen lässt sich grob ableiten, wie wirksam die Impfung ist. Allerdings handelt es sich hierbei nur um eine vorläufige Schätzung, die mit hohen Unsicherheiten einhergeht. Eine endgültige Aussage über die Impfeffektivität kann erst nach der Influenzasaison auf der Basis weiterer Daten getroffen werden.

Bei der Interpretation dieser Daten muss berücksichtigt werden, dass es sich bei der Test-negativen Fall-Kontroll-Studie um eine Beobachtungsstudie handelt, die ein höheres Verzerrungspotenzial hat als randomisierte kontrollierte klinische Studien und wichtige Einflussfaktoren wie z.B. frühere Influenza-Infektionen nicht erfasst. Weite Konfidenzintervalle und ein hoher Anteil an eingeschlossenen Personen, die nicht zur Zielgruppe der STIKO-Empfehlung gehören, sind weitere Limitationen dieser Studien. Gerade weil von Saison zu Saison aber auch in unterschiedlichen Studien bzw. in unterschiedlichen Studienorten oftmals unterschiedliche Schätzer zur Wirksamkeit der Influenza-Impfung gemessen werden, kann anhand einer einzelnen über eine Saison durchgeführten Studie kaum der Nutzen der Influenza-Impfung bewertet werden. Um die statistische Aussagekraft der einzelnen Studien zu erhöhen, werden daher auf europäischer Ebene Daten aus Studien mit dem gleichen Studiendesign zusammengeführt und analysiert. Die STIKO wertet dann alle verfügbaren Studien der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte im Rahmen von systematischen Reviews und Meta-Analysen aus und entscheidet, für welche Ziel- und Altersgruppen die Impfung empfohlen werden soll.

Stand: 07.09.2021

Welche Nebenwirkungen sind nach der Influenza-Impfung zu erwarten?

Der saisonale Influenza-Impfstoff ist in der Regel gut verträglich. In Folge der natürlichen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es bei der Impfung mit dem Totimpfstoff – wie bei anderen Impfungen auch – vorübergehend zu Lokalreaktionen (leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle) kommen („Impfreaktion“).

Der Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) aus abgeschwächten Influenzaviren kann eine verstopfte oder laufende Nase auslösen. Unabhängig vom Impfstoff treten gelegentlich vorübergehend Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf (Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen). In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab.

Zum Nebenwirkungsprofil der Hochdosis-Impfstoffe: „Wie sieht das Nebenwirkungsprofil von Influenza-Hochdosis-Impfstoffen aus?“

Stand: 07.09.2021

Was ist bei der Influenza-Impfung bei Personen mit eingeschränkter Immunfunktion („Immundefizienz“) zu beachten?

Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe einer Influenza-Erkrankung [1,2]. Deshalb empfiehlt die STIKO die jährliche Impfung gegen Influenza. Aufgrund der eingeschränkten Immunfunktion kann es jedoch zu einer weniger ausgeprägten oder fehlenden Immunantwort nach der Impfung kommen.

Bei Patient:innen, die eine Chemotherapie erhalten, sollte die Impfung möglichst ≥2 Wochen vor dem Beginn der Chemotherapie oder zwischen zwei Chemotherapiezyklen erfolgen. Eine Impfung während des Nadirs wird jedoch nicht empfohlen. Sollte ein sofortiger Chemotherapie-Beginn indiziert sein, ist eine Impfung auch noch zu Beginn der Therapie möglich [3].

Eine Impfung mit dem Totimpfstoff ist erst 6 Monate nach allogener oder autologer Stammzelltransplantation (HSZT) empfohlen.

Wichtig: Der attenuierte Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray, zugelassen für das Alter von 2–17 Jahren) darf bei Patient:innen mit Immundefizienz nicht verabreicht werden. Da nach Gabe von LAIV bei 80% der Geimpften eine Virusausscheidung über etwa 8 Tage und eine Übertragung auf ungeimpfte Kinder beobachtet wurde [5] und da wirksame und sichere Influenzatotimpfstoffe als Alternative verfügbar sind, sollte LAIV auch bei Kontaktpersonen Immundefizienter nicht angewendet werden.

Da Patient:innen mit Immundefizienz generell anfälliger für viele Infektionskrankheiten sind und diese mit schwereren Verläufen einher gehen können als bei Immungesunden, empfiehlt die STIKO sowohl den Patient:innen selbst als auch ihren Kontaktpersonen einen möglichst umfassenden Impfschutz [6].

Weitere Mitteilungen der STIKO zum Impfen bei Immundefizienz hier.


Literatur:

[1] Kunisaki KM, Janoff EN. Influenza in immunosuppressed populations: a review of infection frequency, morbidity, mortality, and vaccine responses. Lancet Infect Dis 2009; 9(8):493-504.

[2] Beck CR, McKenzie BC, Hashim AB, Harris RC. Influenza vaccination for immunocompromised patients: systematic review and meta-analysis by etiology. J Infect Dis 2012; 206:1250–1259.

[3] Waqar SN, Boehmer L, et al. Immunogenicity of Influenza Vaccination in Patients With Cancer. American journal of clinical oncology. 2015.

[4] Ljungman P, Cordonnier C, Einsele H, Englund J, et al.Vaccination of hematopoietic cell transplant recipients. Bone Marrow Transplant. 2009;44(8):521–6

[5] Vesikari T, Karvonen A, Korhonen T et al (2006) A randomized, double-blind study of the safety, transmissibility and phenotypic and genotypic stability of cold-adapted influenza virus vaccine. Pediatr Infect Dis J 25:590–595

[6] Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2021. Epid Bull 2021;34:3-63| DOI 10.25646/8824

Stand: 10.09.2021

Wer darf nicht gegen Influenza geimpft werden?

Wer an einer fieberhaften Erkrankung (≥38,5 °C) oder schwereren akuten Infektion leidet, sollte zu diesem Zeitpunkt nicht geimpft werden. Die Impfung sollte aber so bald wie möglich nachgeholt werden.

Bei Personen mit einer schweren Allergie gegen Hühnereiweiß oder gegen einen anderen Bestandteil des Influenza-Impfstoffs sollte die Möglichkeit einer Impfung gegen Influenza mit dem behandelnden Arzt besprochen werden (siehe "Was ist bei der Influenzaimpfung von Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie zu beachten?").

Kinder und Jugendliche, die an einer klinischen Immundefizienz oder an schwerem Asthma leiden oder eine Salicylat-Therapie erhalten, dürfen nicht mit dem Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) geimpft werden. Für weitere Informationen und die genaue Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe ist die jeweilige Fachinformation zu beachten.

Stand: 07.09.2021

Was muss bei der Influenza-Impfung bei Personen mit Autoimmunerkrankungen beachtet werden?

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Influenza für Patient:innen mit einer immun-suppressiven Therapie. Dazu gehören auch Patient:innen mit Autoimmunerkrankungen (z.B. Multipler Sklerose, systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis). Viele solcher Autoimmunerkrankungen verlaufen in Krankheitsschüben. In zahlreichen Studien wurde kein Zusammenhang zwischen dem Verabreichen von Impfstoffen gegen saisonale Influenza-Viren und dem Auftreten von Krankheitsschüben gesichert [1-3]. Es kann trotzdem nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass eine Impfung als unspezifischer Trigger einen Krankheitsschub auslöst. Eine Infektion mit dem Influenza-(Wild-)Virus kann ebenfalls einen Erkrankungsschub auslösen, wobei angenommen wird, dass dies nicht nur wesentlich häufiger vorkommt, sondern auch die Influenza in diesen Fällen schwerwiegender verläuft als es nach einer Impfung der Fall wäre.

Aufgrund der häufig eingesetzten Immunsuppressiva kann die Immunantwort eingeschränkt sein. Eine Impfung sollte vom behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin mit den Patient:innen individuell besprochen und zu einem optimierten Zeitpunkt hinsichtlich des aktuellen Saisonverlaufs und der immunsuppressiven Medikation verabreicht werden, z. B. zum Zeitpunkt der geringsten Immunsuppression.


Literatur:

[1] Mailand MT, Frederiksen JL. Vaccines and multiple sclerosis: a systematic review. J Neurol. 2017;264(6):1035-50.

[2] Holvast A, Huckriede A, Wilschut J, Horst G, De Vries JJ, Benne CA, et al. Safety and efficacy of influenza vaccination in systemic lupus erythematosus patients with quiescent disease. Ann Rheum Dis. 2006;65(7):913-8.

[3] Chalmers A, Scheifele D, Patterson C, et al. Immunization of patients with rheumatoid arthritis against influenza a study of vaccine safety and immunogenicity. J Rheumatol 1994; 21:1203–6

Stand: 10.09.2021

Was ist bei der Influenza-Impfung bei Kindern zu beachten?

Die Impfung gegen Influenza mit einem saisonalen quadrivalenten Impfstoff wird von der STIKO für Kinder mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab einem Alter von 6 Monaten empfohlen. Kinder erhalten in der Regel dieselbe Dosis wie Erwachsene. Kinder bis zu einem gewissen Alter (nach den Fachinformationen der meisten Influenzaimpfstoffe bis 9 Jahre), die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen.

Neben dem Totimpfstoff ist auch ein Lebendimpfstoff verfügbar, der über die Nase verabreicht wird und alternativ bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren angewandt werden kann, z.B. bei bekannter Spritzenangst (siehe "Was ist bei dem Influenza-Lebend­impfstoff (LAIV, Nasenspray) zu beachten?").

Stand: 07.09.2021

Können sich auch Schwangere und Stillende gegen Influenza impfen lassen?

Schwangere können ab dem 2. Trimenon einmalig gegen Influenza geimpft werden. Es handelt sich hierbei um Totimpfstoffe, die keine Infektionen auslösen können und die bereits häufig in der Schwangerschaft eingesetzt wurden. Frauen mit Kinderwunsch sollten bereits vor einer Schwangerschaft ihren Impfstatus überprüfen lassen (siehe auch Faktenblatt zur Impfung in der Schwangerschaft).

Das Stillen eines Säuglings stellt für eine Influenza-Impfung keine Kontraindikation dar. Stillende können sich dementsprechend gegen Influenza impfen lassen.

Bei der Impfung von Stillenden spielt – neben dem Schutz der Mutter – auch die Überlegung eine Rolle, indirekt auch den Säugling vor einer möglichen Infektion durch die Mutter zu schützen.

Stand: 07.09.2021

Was ist bei der Influenza-Impfung von Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie zu beachten?

Influenza-Impfstoffe werden üblicherweise unter Verwendung von Hühnereiern hergestellt, so dass trotz sorgfältiger Aufreinigung Spuren von Hühnereiweiß im Impfstoff enthalten sein können. In Deutschland ist auch ein in Zellkulturfermentern hergestellter Influenza-Impfstoff verfügbar, der für Allergiker mit einer Hühnereiweißallerie geeignet ist.

Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von Hühnereiweiß reagieren, können mit allen zugelassenen Influenza-Impfstoffen geimpft werden. Laut Empfehlung des CDC in den USA sind keine besonderen Überwachungsmaßnahmen erforderlich.

Klinisch schwerwiegende Allergien (z.B. Anaphylaxie) gegenüber Hühnereiweiß sind selten. Bei Personen, bei denen eine ärztlich diagnostizierte schwere Allergie gegen Hühnereiweiß vorliegt, ist die Indikation zur Impfung mit Hühnerei-basierten Influenzaimpfstoffen streng zu stellen. Diese Personen sollten in einem Setting geimpft werden, in dem eine klinische Überwachung nach der Impfung und die Behandlung einer ggf. auftretenden anaphylaktischen Reaktion möglich sind.

Eine Vielzahl von klinischen Studien weisen allerdings darauf hin, dass auch bei Personen mit Hühnereiweißallergie schwerwiegende allergische Reaktionen auf eine Influenza-Impfung selten sind, bzw. nicht häufiger auftreten als bei Personen ohne Hühnereiweißallergie (1, 2).


[1] Kelso JM. Administering influenza vaccine to egg-allergic persons. Expert Rev Vaccines. 2014 Aug;13(8):1049-57.

[2] Turner PJ et al. Safety of live attenuated influenza vaccine in young people with egg allergy: multicentre prospective cohort study. BMJ. 2015 Dec 8;351:h6291.

Stand: 07.09.2021

Was ist bei dem Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) zu beachten?

Für Kinder im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren steht neben den Totimpfstoffen ein quadrivalenter Lebendimpfstoff (Fluenz®) zur Verfügung, der als Nasenspray verabreicht wird. Es besteht keine präferenzielle Empfehlung der STIKO, sodass der Lebendimpfstoff und die Totimpfstoffe unter Berücksichtigung möglicher Kontraindikationen (s. Fachinformationen) gleichermaßen angewendet werden können (s. Epid Bull 34/2018). Lediglich in Situationen, in denen die Injektion des Totimpfstoffs problematisch ist (z.B. Spritzenphobie, Gerinnungsstörungen), sollte präferenziell LAIV verwendet werden (s. Epid Bull 35/2017).

Es wird noch einmal darauf verwiesen, dass die STIKO eine Influenza-Impfung im Kindes- und Jugendalter nur für Kinder und Jugendliche mit bestehenden Grunderkrankungen empfiehlt (siehe "Für wen wird die Impfung gegen die saisonale Influenza empfohlen?"). Wesentliche Grundleiden (Immunschwäche) stellen laut Fachinformation von Fluenz® jedoch eine Kontraindikation dar und vor der Anwendung bei schwerem Asthma wird gewarnt. Impfstoffspezifische Informationen können den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts (www.pei.de/influenza-impfstoffe) sowie der Fachinformation entnommen werden.

Stand: 07.09.2021

Sollte man sich zusätzlich zur Influenza-Impfung gegen Pneumokokken impfen lassen?

Personen, für die sowohl die Pneumokokken- als auch die saisonale Influenza-Impfung empfohlen wird, sollten beide Impfungen erhalten, auch weil es im Rahmen von Influenza-Erkrankungen gehäuft zu Sekundärinfektionen mit Pneumokokken kommen kann (siehe Tabellen 2 und 3 der STIKO-Empfehlungen). Weitere Informationen zur Pneumokokken-Impfung finden Sie auf der RKI-Internetseite „Schutzimpfung gegen Pneumokokken“.

Im Rahmen der COVID-19-Pandemie sollte auch an den COVID-Impfschutz und ggfs. eine Auffrischimpfung gedacht werden.

Stand: 07.09.2021

Wo gibt es weitere Informationen zu Influenza?

Auf der Internetseite des RKI ist eine Sammlung weiterer Antworten auf allgemeine Fragen zur Influenza www.rki.de > Infektionskrankheiten A-Z > Influenza abrufbar.

Einen Überblick über die Informationen des RKI für die Fachöffentlichkeit ist unter www.rki.de/influenza zu finden, darunter auch Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Influenza. Bürger-Informationen zur Influenza und zur Impfung werden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.impfen-info.de/grippe bereitgestellt.

Aktuelle Informationen zur Aktivität der Influenza in Deutschland finden sich auch bei der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI: https://influenza.rki.de/

Stand: 07.09.2021

Darf die Influenza-Impfung zusammen mit der COVID-19-Impfung gegeben werden?

Ja. Gemäß Empfehlung der STIKO muss zwischen COVID-19-Impfungen und der Verabreichung anderer sog. Totimpfstoffe kein Impfabstand von 14 Tagen mehr eingehalten werden. Die Impfungen können simultan, d.h. gleichzeitig, verabreicht werden. Die Injektion soll jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen.

Die Influenza-Impfung sollte wie üblich im Spätherbst (Mitte Oktober bis Mitte Dezember) verabreicht werden. Unter der Voraussetzung, dass eine Indikation zur Impfung sowohl gegen Influenza als auch gegen COVID-19 besteht, ist die gleichzeitige Verabreichung der beiden Impfstoffe möglich.

Eine ausführliche Aufklärung der zu impfenden Person über die möglichen, vermehrten vorübergehenden lokalen und systemischen Impfreaktionen ist bei der gleichzeitigen Gabe von COVID-19-Impfstoffen und Influenza-Impfstoffen (inkl. Hochdosis-Impfstoffen) besonders wichtig.

Stand: 24.09.2021

Schützt die Influenza-Impfung vor Herzinfarkt und Schlaganfall?

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Influenza ein Risikofaktor für Herzinfarkte bzw. Schlaganfälle ist. Die Influenza kann als virale Infektion zu Entzündungen in Blutgefäßen führen, was bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen kann. Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen als Folge einer Influenza kann durch die Impfung signifikant gesenkt werden.

Stand: 07.09.2021

Sollten ältere Menschen wirkverbesserte Influenza-Impfstoffe erhalten?

Ältere Menschen haben oft eine reduzierte Immunantwort, so dass die saisonale Influenzaimpfung weniger wirksam sein kann als bei jüngeren Erwachsenen. Deshalb wurden für diese Gruppe adjuvantierte bzw. Hochdosis-Impfstoffe entwickelt. Bei adjuvantierten und Hochdosis-Impfstoffen können v.a. lokale Nebenwirkungen an der Injektionsstelle (Schmerz, Rötung, Schwellung) in erhöhtem Maße auftreten und sollten von der Ärztin bzw. vom Arzt mit den Patientinnen und Patienten im Vorfeld besprochen werden. Aufgrund einer geringfügigen, aber signifikanten Überlegenheit der Impfeffektivität bei älteren Menschen wird von der STIKO für alle Personen ≥ 60 Jahre ein quadrivalenter Hochdosis-Impfstoff mit aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination empfohlen (Epid Bull 1/2021, siehe FAQ "Warum empfiehlt die STIKO den Hochdosis-Impfstoff zur Impfung von Senioren seit der Saison 2021/2022?")

Siehe Begründung der STIKO zu Aktualisierung der Influenza-Impfempfehlung für Personen im Alter von ≥ 60 Jahren.

Stand: 07.09.2021

Welche Arten von Influenza-Impfstoffen gibt es?

In Deutschland sind Influenza-Impfstoffe zahlreicher Hersteller erhältlich. Alle Impfstoffe enthalten die von der WHO festgelegten Antigene (siehe "Wie ist der diesjährige Influenza-Impfstoff zusammengesetzt?").

Bei den in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffen für Kinder und Erwachsene handelt es sich meist um Totimpfstoffe. Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Viren bzw. Bestandteile der Viren.

Einer der Influenza-Impfstoffe, der für ältere Menschen (ab 65 Jahren) zugelassen ist, enthält sogenannte Adjuvantien (Wirkverstärker), ein weiterer eine höhere Menge Antigen (zugelassen ab 60 Jahren), um eine verbesserte Wirksamkeit zu erreichen (siehe auch "Sollten ältere Menschen wirkverbesserte Influenza-Impfstoffe erhalten?").

Für Kinder ist zusätzlich ein Lebendimpfstoff (Live Attenuated Influenza Vaccine, LAIV) zugelassen, der als Nasenspray verabreicht wird (siehe "Was ist bei dem Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) zu beachten?").

Detaillierte Informationen zu Influenza-Impfstoffen sind beim Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, abrufbar: www.pei.de/influenza-impfstoffe.

Stand: 07.09.2021

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