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Schutzimpfung gegen Diphtherie: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 11.1.2018

Wer sollte sich gegen Diphtherie impfen lassen?

Jeder, der keinen aktuellen Impfschutz entsprechend den STIKO-Empfehlungen gegen Diphtherie besitzt. Ein aktueller Impfschutz besteht aus einer vollständigen Grundimmunisierung und einer Auffrischimpfung in den letzten 10 Jahren. Fehlt die Grundimmunisierung oder ist sie unvollständig, sollte sie zeitnah nachgeholt bzw. vervollständigt werden. Eine fehlende oder unvollständige Grund- bzw. Erstimmunisierung kann und sollte nicht nur im Kindesalter, sondern auch unbedingt noch im Erwachsenenalter nachgeholt bzw. vervollständigt werden. Da die Immunität gegen Diphtherie über die Zeit nachlässt, sollte alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung durchgeführt werden. Es ist daher wichtig, auch bei Erwachsenen routinemäßig den Diphtherie-Impfstatus zu überprüfen und ggf. aufzufrischen. Dies kann z.B. zusammen mit der Überprüfung und Auffrischung der Tetanus-Impfung vorgenommen werden.

Stand: 11.01.2018

Wann sollte gegen Diphtherie geimpft werden?

Die STIKO empfiehlt die Diphtherie-Impfung als Standardimpfung für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene (siehe Impfkalender der STIKO). Empfohlen wird die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 und 11-14 Monaten, gefolgt von einer Auffrischimpfung im Alter von 5-6 Jahren und 9-17 Jahren. Im Erwachsenenalter ist eine Auffrischimpfung als Td-Impfung (bzw. einmalig in Kombination mit Pertussis-Komponente (Tdap) oder bei entsprechender Indikation zusätzlich mit Polio-Komponente (Tdap-IPV)) alle 10 Jahre empfohlen.
Empfehlungen der STIKO zu Nachholimpfungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit unvollständigem oder unbekanntem Impfstatus gegen Diphtherie (inklusive potentieller Impfstoffe für die Erstimmunisierung von Kindern > 5-6 Jahre und Erwachsenen) finden Sie in Abschnitt 6 (Empfehlungen zu Nachholimpfungen) in den aktuellen Empfehlungen der STIKO.

Stand: 11.01.2018

Muss eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie wiederholt werden, wenn sie mehr als zehn Jahre zurückliegt oder reicht eine Auffrischung?

Generell gilt der Grundsatz: Jede Impfung zählt! Eine einmal erfolgte Grundimmunisierung muss daher auch bei einem Abstand von mehr als 10 Jahren nicht wiederholt werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in Abschnitt 6 (Empfehlungen zu Nachholimpfungen) in den aktuellen Empfehlungen der STIKO.

Stand: 11.01.2018

Es treten doch kaum noch Diphtherie-Fälle in Deutschland auf: warum noch gegen Diphtherie impfen?

Seit der jährlichen Erfassung von Impfquoten unter Schulanfängern beginnend im Jahr 2005 liegen die Diphtherie-Impfquoten bei Kindern kontinuierlich bei >95%. Anders sieht dies jedoch bei den Erwachsenen aus: in der bundesweiten Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) in den Jahren 2008-2011 hatten nur knapp über die Hälfte der Erwachsenen trotz STIKO-Empfehlung in den letzten 10 Jahren eine Auffrischimpfung gegen Diphtherie erhalten. Der Prozentsatz unterschied sich dabei nicht wesentlich für die verschiedenen untersuchten Altersgruppen zwischen 18 und 79 Jahren.

Die Erwachsenen profitieren dabei von einem guten, durch die hohen Impfraten der Kinder bedingten Herdenschutz. Bei Auslandsreisen entfällt dieser Schutz, so dass der Impfschutz zumindest vor Reisen in eines der zahlreichen Endemiegebiete unbedingt aktualisiert werden sollte. Weiterhin endemisch ist die Diphtherie in vielen Ländern Afrikas, Asiens, des Südpazifiks und Osteuropas. Oft treten die Fälle dabei in Ausbrüchen auf, so kam es z.B. seit 2011 zu größeren Ausbrüchen in Indonesien, Thailand und Laos. Die letzten ausgedehnten regionalen Epidemien in der WHO-EURO Region traten in den 1990er Jahren in den GUS-Staaten und im Baltikum auf. Die Ukraine gehörte 2015 zu den sechs Staaten weltweit (neben Syrien, Somalia, dem Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorial-Guinea) mit Diphtherie-Impfquoten unter Säuglingen von <50%, so dass es dort in Zukunft zu einem Anstieg von Diphtherie-Fällen kommen könnte.

Stand: 11.01.2018

Muss nach einer durchgemachten Diphtherie-Erkrankung noch gegen Diphtherie geimpft werden oder entsteht eine lebenslange Immunität?

Eine Infektion mit Diphtherie-Erregern erzeugt nicht immer eine sichere Immunität. Nach Rekonvaleszenz sollte daher je nach dokumentiertem Impfstatus eine Grund- bzw. Erstimmunisierung (für Details siehe auch die aktuellen Empfehlungen der STIKO) begonnen bzw. abgeschlossen werden oder, wenn die letzte Impfung > 5 Jahre zurückliegt, eine Auffrischimpfung gegen Diphtherie gegeben werden.

Stand: 11.01.2018

Wie kann es dazu kommen, dass unter gegen Diphtherie geimpften Personen Keimträger vorkommen können?

Die Virulenz des Diphtherie-Erregers entsteht durch das Diphtherie-Toxin. Die Diphtherie-Impfung richtet sich daher gegen das Diphtherie-Toxin, nicht gegen den Diphtherie-Erreger selbst. Die erzeugte antitoxische Immunität verhindert weitgehend Erkrankungen, nicht aber eine Infektion bzw. Kolonisation, so dass auch unter Geimpften Keimträger vorkommen können. Asymptomatische Keimträger, die mit toxigenen C. diphtheriae, C. ulcerans oder C. pseudotuberculosis besiedelt sind, sollten daher zur Sanierung antibiotisch mit Penicillin oder Erythromycin behandelt werden. Der Therapieerfolg sollte nach Abschluss der Therapie mit Rachen- und Nasenabstrichen bzw. bei Hautdiphtherie mit Rachen- und Hautabstrichen kontrolliert werden.
Detaillierte Informationen hierzu finden Sie im RKI-Ratgeber Diphtherie.

Stand: 11.01.2018

Was sollte bei Kontakt zu an Diphtherie erkrankten Personen getan werden (postexpositionelle Maßnahmen)?

Das Risiko einer Diphtherie-Infektion ist direkt abhängig von der Nähe und Dauer des Kontaktes mit der erkrankten Person. Epidemiologisch von Bedeutung sind enge Kontaktpersonen des Erkrankten, die unabhängig von ihrem Diphtherie-Impfstatus eine postexpositionelle antibiotische Prophylaxe erhalten sollten, z.B. mit Penicillin oder Erythromycin (bei Unverträglichkeit auch z.B. Azithromycin oder Clarithromycin). Hierunter fallen z.B. Personen im gemeinsamen Haushalt bzw. Gemeinschafts­einrichtungen mit haushalts­ähnlichem Charakter (Internate, Wohnheime, Kasernen) und Personen mit vorübergehend engem Kontakt, wenn sie direkt oropharyngealen Sekreten bzw. bei Hautdiphtherie einer unbedeckten Wunde des Erkrankten ausgesetzt waren.
Falls die letzte Diphtherie-Auffrischimpfung > 5 Jahre zurückliegt, sollte auch einmalig gegen Diphtherie geimpft werden. Bei unvollständiger oder fehlender Grund- bzw. Erstimmunisierung sollte diese vervollständigt bzw. begonnen werden.
Weitere Informationen hierzu erhalten Sie im RKI-Ratgeber Diphtherie.

Stand: 11.01.2018

Wann wird Diphtherie-Antitoxin gegeben?

Bereits bei klinischer Verdachtsdiagnose einer respiratorischen Diphtherie sollte sofort eine spezifische Therapie mit Antitoxin und Antibiotikagabe eingeleitet werden!
Diphtherie-Antitoxin neutralisiert zirkulierendes, noch nicht in Zellen eingedrungenes Toxin und verhindert die Progression der Erkrankung. Antitoxin kann über die von den Landesapotheker­kammern eingerichteten Notfalldepots für Arzneimittel (s. Notfalldepots Rote Liste) bezogen werden. Beim Diphtherie-Antitoxin handelt es sich um ein Immunglobulin vom Pferd. Daher kann es häufiger als bei menschlichen Immun­globulinen zu einer schweren anaphy­laktischen Reaktion kommen. Entsprechend den Hinweisen des Herstellers sollte vor Antitoxin-Gabe eine Vortestung und die Anwendung nur im Krankenhaus erfolgen.
Für die meisten Fälle von Hautdiphtherie ist eine für systemische Symptome ausreichende Toxin-Absorption unwahrscheinlich, eine Antitoxin-Gabe wird daher in der Regel nicht empfohlen. Lediglich bei großen Ulcera (> 2cm2) mit Pseudomembran­bildung kann eine Antitoxin-Gabe diskutiert werden.

Stand: 11.01.2018

Warum ist es sinnvoll, bei Hautdiphtherie und fehlender Reiseanamnese (Haus-)Tiere der erkrankten Person auf den Diphtherie-Erreger untersuchen zu lassen?

Haus- und Nutztiere sind v. a. bei humanen tox+ C.-ulcerans-Fällen häufige Infektionsquellen. Derzeit existieren keine evidenzbasierten Empfehlungen zum Umgang mit (symptomatischen oder asymptomatischen) tierischen Trägern toxigener Corynebacterium spp. Es gibt jedoch einzelne Fallberichte zur erfolgreichen Eradikations­therapie bei Haustieren (Hunde, Katzen) im Rahmen des Infektions­schutz­managements humaner Erkrankungen.

Stand: 11.01.2018

Wann und warum sollte Material zur weiteren kostenfreien Diagnostik ins Konsiliarlabor für Diphtherie gesandt werden?

Der Nachweis des Diphtherietoxins am isolierten Erreger erfolgt molekularbiologisch mittels PCR und bei tox-PCR-positiven Isolaten über eine Immun­präzipitation (Elek-Test). Da der Elek-Test in den meisten Laboren nur noch äußerst selten durchgeführt wird, häufig falsch negative Ergebnisse zeigt und die PCR nicht in allen Laboren etabliert ist, sollten verdächtige Stämme zum kostenfreien Toxinnachweis unverzüglich in das Konsiliarlabor für Diphtherie geschickt werden. Dort können auch Resistenz­testungen, Stamm­differenzierungen und -typisierungen (z. B. mittels MLST oder Next Generation Sequencing zur Identifi­zierung von Infektions­ketten) durchgeführt werden.
Detaillierte Informationen hierzu finden Sie im RKI-Ratgeber Diphtherie.

Stand: 11.01.2018

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