Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK

Schutzimpfung gegen Affenpocken: Häufig gestellte Fragen und Antworten

Stand: 16.8.2022

Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Affenpocken unter www.rki.de/affenpocken-faq.

Für wen ist die Impfung gegen Affenpocken empfohlen?

Die Impfung gegen Affenpocken wird aktuell nur bestimmten Personengruppen empfohlen. Eine Impfung anderer Bevölkerungsgruppen ist, basierend auf der aktuellen Risiko-Nutzen-Bewertung, nicht notwendig und nicht empfohlen.

Die STIKO empfiehlt die Impfung mit Imvanex / Jynneos (Modified Vaccinia Ankara, Bavaria-Nordic [MVA-BN])

a) für die Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach Affenpockenexposition von asymptomatischen Personen im Alter ≥18 Jahre. Hierzu zählen:

  • Enge körperliche Kontakte über nicht intakte Haut oder über Schleimhäute (z.B. sexuelle Kontakte, zwischenmenschliche Kontakte von Familienangehörigen) oder längerer ungeschützter face-to-face-Kontakt <1m mit einer an Affenpocken erkrankten Person (z.B. Haushaltskontakte).
  • Nach engem Kontakt ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe, FFP2-Maske/medizinischer Mund-Nasenschutz und Schutzkittel) zu einer Person mit einer bestätigten Affenpockenerkrankung, ihren Körperflüssigkeiten oder zu kontaminiertem potenziell infektiösen Material (z.B. Kleidung oder Bettwäsche von Erkrankten) in der medizinischen Versorgung.
  • Personal in Laboratorien mit akzidentiell ungeschütztem Kontakt zu Laborproben, die nichtinaktiviertes Affenpockenmaterial enthalten; insbesondere, wenn Virusanreicherungen in Zellkulturen vorgenommen werden.

b) als Indikationsimpfung von Personen mit einem erhöhten Expositions- und Infektionsrisiko (z.B. während eines Affenpockenvirus-Ausbruchs). Hierzu zählen:

  • Derzeit Männer ≥18 Jahre, die Sex mit Männern haben (MSM) und dabei häufig die Partner wechseln.
  • Personal in Speziallaboratorien, das gezielte Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben, die Orthopockenmaterial enthalten, ausübt und nach individueller Risikobewertung durch den Sicherheitsbeauftragten als infektionsgefährdet eingestuft wird.

Stand: 27.07.2022

Wie sollte geimpft werden?

Die Grundimmunisierung für Personen ≥18 Jahre, die in der Vergangenheit keine Pockenimpfung erhalten haben, erfolgt mit 2 Impfstoffdosen Imvanex / Jynneos (MVA-BN) im Abstand von mindestens 28 Tagen (1 Impfstoffdosis je 0,5ml). Auch wenn der Impfabstand von 28 Tagen überschritten wurde, muss die Impfserie nicht neu begonnen werden. Während die 1. Impfstoffdosis bereits einen guten Basisschutz gegenüber Affenpocken vermittelt, dient die 2. Impfstoffdosis insbesondere dazu die Dauer des Impfschutzes zu verlängern. Bei Personen, die in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft worden sind, reicht eine 1-malige Impfstoffgabe aus. Die Impfung erfolgt subkutan.

Die Impfung soll auch bei Personen mit Immundefizienz erfolgen. Immungeschwächte Personen, die zuvor bereits gegen Pocken geimpft wurden, sollen 2 Auffrischimpfungen erhalten. Die 2. Auffrischungsimpfung darf nicht früher als 28 Tage nach der 1. Impfstoffdosis erfolgen.

Stand: 27.07.2022

In welchem Zeitraum nach Exposition ist eine postexpositionelle Impfung mit Imvanex sinnvoll und soll eine Impfung auch noch länger als 14 Tage nach Exposition erfolgen?

Die STIKO empfiehlt Personen nach Affenpockenexposition eine postexpositionelle Prophylaxe (PEP) mit dem Impfstoff Imvanex / Jynneos. Die Impfung soll möglichst frühzeitig in einem Zeitraum von bis zu 14 Tagen nach Exposition verabreicht werden, aber nur solange die Person noch keine Symptome aufweist. Basierend auf Erkenntnissen aus der Pockenimpfära nimmt man an, dass bis zu 4 Tage nach Exposition durch die Impfung eine Infektion wahrscheinlich verhindert werden kann. Wird die 1. Impfstoffdosis erst im Zeitraum von >4 bis 14 Tage nach Exposition verabreicht, kann die Erkrankung zwar nicht verhindert, aber die Schwere der Symptomatik noch reduziert werden.

Sind bis 14 Tage nach Exposition keine Symptome aufgetreten (Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Hauteffloreszenzen), die auf eine Affenpockeninfektion hinweisen, ist davon auszugehen, dass es nicht zu einer Ansteckung kam. Es ist zu diesem Zeitpunkt ohne weiteres möglich und ggf. ratsam eine Impfung mit Imvanex / Jynneos gegen Affenpocken anzubieten, wenn die Person zu einer der Gruppen gehört für die eine Indikationsimpfung empfohlen ist.

Stand: 27.07.2022

Wie soll mit der postexpositionellen Impfung verfahren werden, wenn innerhalb von 14 Tagen nach Exposition Symptome auftreten?

Treten bei einer Person im Zeitraum von bis zu 14 Tagen nach Affenpockenexposition Symptome auf, die mit einer Affenpockeninfektion vereinbar sind, sollte keine postexpositionelle Prophylaxe mit Imvanex / Jynneos mehr durchgeführt werden. Generell sollten Impfungen bei akuten behandlungsbedürftigen Erkrankungen unterbeleiben. Die Impfung mit Imvanex / Jynneos hat keinen therapeutischen Effekt und ist daher nicht mehr indiziert. Treten Symptome unmittelbar oder innerhalb weniger Tage nach Verabreichen der Impfung auf, so hat die Impfung keinen Nutzen aber auch keinen Schaden.

Stand: 27.07.2022

Kann der Affenpocken-Impfstoff Imvanex auch zur Post-Expositionsprophylaxe bei Kindern eingesetzt werden?

Das Risiko für Kinder, sich mit dem Affenpocken-Virus zu infizieren, ist in Deutschland sehr gering. Bis Mitte August wurden in Deutschland im Rahmen des aktuellen weltweiten Ausbruchsgeschehen zwei Fälle bei Jugendlichen registriert. Erfahrungen aus Ländern mit endemischem Vorkommen von Affenpocken zeigen, dass Säuglinge, Kinder unter 8 Jahren, immundefiziente Kinder sowie Kinder mit Hautekzemen und anderen Hauterkrankungen nach einer Affenpockenvirus-Infektion besonders gefährdet sind schwer zu erkranken. Die Symptomatik von Affenpocken ist mit der bei Erwachsenen vergleichbar. Enzephalitiden, Pneumonien, Septikämien, Hämorrhagien und bakterielle Superinfektionen können den Krankheitsverlauf von Affenpocken komplizieren.

Der von der STIKO empfohlene Modified Vaccinia Ankara-Bavarian-Nordic (MVA-BN)-Impfstoff Imvanex (in den USA unter dem Namen Jynneos zugelassen) zur Impfung gegen Affenpocken ist ab dem Alter von 18 Jahren in Europa zugelassen. Bisher gibt es keine Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs Imvanex bei Kindern. In begründeten Ausnahmefällen ist es jedoch möglich, diesen Impfstoff als Post-Expositionsprophylaxe (PEP) außerhalb der Zulassung im Off-label-Gebrauch bei Kindern nach Affenpocken-Exposition einzusetzen. Es sind mehrere pädiatrische Studien zu Tuberkulose- und Malaria-Impfstoffen durchgeführt worden, bei denen MVA als Vektor eingesetzt wurde. Trotz einer teilweise höheren Dosierung als im Falle des Imvanex-Impfstoffs, wurden die Impfstoffe gut vertragen. Es ist nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu erwarten, dass das Nebenwirkungsprofil von MVA-BN mit dem Nebenwirkungsprofil der Tuberkulose- und Malaria-Impfstoffkandidaten vergleichbar ist, der Impfstoff also gut vertragen wird. Laut EMA soll bei der Anwendung von MVA-BN im Kindesalter das gleiche Impfschema und die identische Dosierung wie bei Erwachsenen verwendet werden (s. FAQ: Wie sollte geimpft werden?).

Bei der Entscheidung, ob MVA-BN im Rahmen einer PEP für Kinder angeboten werden sollte, sind das individuelle Expositionsrisiko und das Risiko für eine schwere Erkrankung zu berücksichtigen. Ebenso sind eine vorherige umfassende Aufklärung und Beratung über Nutzen und Risiken der Impfung und deren Off-label-Einsatz unabdingbar. Die erfolgte ärztliche Aufklärung und Durchführung der Impfung müssen in der Patient:innenakte umfassend und mit der Erwähnung des Off-label-Einsatzes dokumentiert werden.

Bei schweren Erkrankungen infolge einer Affenpocken-Virusinfektion oder bei zu befürchtendem schweren Krankheitsverlauf kann eine Therapie mit Tecovirimat (zugelassen ab dem Körpergewicht von 13 kg) erwogen werden. Hinweise zur Therapie von Affenpocken hat der Ständige Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am RKI publiziert (Download Stellungnahme-Affenpocken).

Für weiterführende Informationen siehe:

American Academy of Pediatrics: Monkeypox

CDC: Clinical Considerations for Monkeypox in Children and Adolescents

UK Health Security Agency: Recommendations for the use of pre and post exposure vaccination during a monkeypox incident

EMA: Possible use of the vaccine Jynneos against infection by monkeypox virus

Stand: 15.08.2022

Wo kann man sich gegen Affenpocken impfen lassen?

Aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit des Impfstoffes werden die Impfstoffdosen von den Bundesländern verteilt. Die Verteilung ist je nach Bundesland unterschiedlich. In einigen Fällen wird der Impfstoff an die HIV-Schwerpunktpraxen ausgegeben. Weitere Informationen können die Gesundheitsämter in den jeweiligen Bundesländern geben.

Stand: 29.06.2022

Wann ist man nach Impfung vor der Infektion geschützt?

Man kann davon ausgehen, dass ein guter Basisschutz gegenüber Affenpocken bereits ab 14 Tagen nach Verabreichung der 1. Impfstoffdosis besteht. Die 2. Impfstoffdosis dient insbesondere dazu, die Dauer des Impfschutzes zu verlängern. Immunologische Studien haben gezeigt, dass der durch eine 1. Impfung vermittelte Immunschutz ab 2 Jahren nach Impfung nachlässt und dann eine 2. Impfstoffdosis für einen dauerhaften Impfschutz erforderlich ist. Die zweite Impfstoffdosis sollte nachgeholt werden, sobald ausreichend Impfstoff verfügbar ist. Neue Impfstofflieferungen sind für das 3. Quartal 2022 angekündigt. Einschränkend muss man jedoch festhalten, dass eine Impfung aus verschiedensten Gründen niemals einen 100%-igen Schutz vor einer Erkrankung vermittelt.

Stand: 27.07.2022

Welcher Impfstoff kann zum Schutz vor Affenpocken angewendet werden?

Der Impfstoff Imvanex ist zum Schutz vor Pocken seit 2013 in Deutschland und seit Juli 2022 auch für den Schutz vor Affenpocken zugelassen. In den USA ist der identische Impfstoff unter dem Namen Jynneos und in Kanada unter dem Namen Imvamune bereits seit mehreren Jahren gegen Affenpocken zugelassen. Es handelt sich bei Imvanex / Jynneos / Imvamune um einen im Menschen nicht vermehrungsfähigen Lebendimpfstoff, der auf einem abgeschwächten Vacciniavirus (modifiziertes Vaccinia-Virus Ankara (MVA-Impfstoff) beruht. Derzeit steht in Deutschland der Impfstoff Jynneos zur Verfügung

Stand: 16.08.2022

Ist eine Impfung gegen Affenpocken nach durchgemachter Infektion notwendig?

Aktuell ist noch nicht eindeutig geklärt, ob nach durchgemachter Affenpockeninfektion eine lebenslange Immunität besteht. Man kann dies jedoch vermuten, da dies bei den heute ausgerotteten Pocken, die mit Affenpocken verwandt sind, der Fall war.

Auch nach einer durchgemachten Erkrankung ist eine Impfung sicher und wird in der Regel gut vertragen. Für Personen, die im aktuellen Affenpockenausbruch erkrankten, ist bis auf weiteres keine Impfung notwendig, da der Immunschutz, der durch die Erkrankung vermittelt wurde, mehrere Jahre besteht.

Stand: 29.06.2022

Ist man vor Affenpocken geschützt, wenn man bereits gegen Pocken geimpft wurde?

Man geht davon aus, dass Personen, die in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, aufgrund einer Kreuzimmunität auch einen Schutz gegen Affenpocken aufweisen. Trotz der mit der Zeit nachlassenden Wirkung der Pockenimpfung, schätzt man auf der Basis von Studienergebnissen, dass eine vorangegangene Pockenimpfung einen Schutz von 85% gegenüber Affenpocken vermittelt. Vor schweren Krankheitsverläufen ist man noch besser geschützt. Die STIKO empfiehlt daher für Personen, die bereits gegen Pocken geimpft sind, nur eine 1-malige Impfung mit Imvanex / Jynneos. Diese Impfung boostert die Impfantwort

Stand: 27.07.2022

Wer ist gegen Pocken geimpft worden?

Die Pockenimpfung war bis in die 1970/1980er Jahre eine Pflichtimpfung in Deutschland. In der Regel wurde im frühen Kindesalter <2 Jahren und im späten Kindesalter >12 Jahren gegen Pocken geimpft. Nachdem Ende der 1970er Jahre der letzte Pockenfall bei einem Menschen in Afrika aufgetreten war, wurde die routinemäßige Pockenimpfung eingestellt. In den westlichen Bundesländern war das 1976 der Fall und in den östlichen Bundesländern 1982. Das bedeutet, dass die Mehrheit der Bevölkerung unter 50 Jahren nicht mehr gegen Pocken geimpft wurde. Wer sich nicht sicher ist, ob er in der Kindheit geimpft wurde, kann prüfen, ob eine Pockennarbe am Oberarm besteht, die eine erfolgreiche Pockenimpfung nachweist. Bei Personen, die in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine 1-malige Impfung mit Imvanex /Jynneos zum Schutz vor Affenpocken aus.

Stand: 27.07.2022

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.