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Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung

Stand: 29.01.2018

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grundimmunisierung oder entsprechende Auffrischungsimpfung mit einem für Kinder bzw. Erwachsene zugelassenen FSME-Impfstoff nach Angaben der Hersteller für Personen, die in FSME-Risikogebieten (www.rki.de/fsme-karte) gegenüber Zecken exponiert sind und Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind wie zum Beispiel Forstarbeiter, in der Landwirtschaft arbeitende Personen, sowie Laborpersonal (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html).

Des Weiteren gilt eine Impfempfehlung bei möglicher Zeckenexposition für Reisen in FSME-Risikogebiete auch außerhalb Deutschlands (siehe auch "Wo bekommt man Informationen zur FSME-Situation im Ausland?"). Daher ist eine reisemedizinische Beratung wichtig. Tropeninstitute, darauf spezialisierte niedergelassene Ärzte und teilweise die Gesundheitsämter stehen als kompetente Anbieter zur Verfügung. Das Auswärtige Amt bietet ebenfalls Länder- und Reiseinformationen an. Derzeit besteht für zahlreiche Europäische Länder ein sehr unterschiedliches Infektionsrisiko, wobei auch in diesen Ländern das jeweilige Risiko lokal sehr unterschiedlich sein kann. Für folgende Länder bzw. begrenzte Regionen in diesen Ländern ist ein hohes FSME Risiko bekannt: Finnland, Schweden, Litauen, Lettland, Estland, Dänemark, Polen, Weißrussland, Russland, Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Norditalien, Ungarn, Rumänien (Siebenbürgen). Für folgenden Länder ist ein mittleres bis geringes Risiko bekannt: Norwegen, Schweiz, Bulgarien, Ukraine. Auch für Reisen außerhalb Europas nach Asien besteht ein bekanntes, zum Teil hohes Infektionsrisiko für eine FSME bei Zeckenexposition: Russland (Sibirien), Mongolei, Nord-China, Nord-Japan. Derzeit sind diese Risikogebiete in einigen Karten von Impfstoffherstellern mehr oder weniger gut dargestellt. Da FSME-Infektionen in diesen Ländern zum Teil nicht erfasst oder dokumentiert werden, ist eine genaue Risikoabschätzung nicht möglich.

Stand: 29.01.2018

Wo bekommt man Informationen zur FSME-Situation im Ausland?

Impfempfehlung gelten bei möglicher Zeckenexposition für Reisen in FSME-Risikogebiete auch außerhalb Deutschlands. Daher ist eine reisemedizinische Beratung wichtig. Tropeninstitute, darauf spezialisierte niedergelassene Ärzten und teilweise die Gesundheitsämter stehen als kompetente Anbieter zur Verfügung. Das Auswärtige Amt bietet Länder- und Reiseinformationen an, in denen auch über Impfungen informiert wird (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/Uebersicht_Navi.html). Die ausländischen Gesundheitsbehörden können ebenfalls Informationen zur FSME-Situation im Reisegebiet geben. Sie finden auf unserer Internetseite unter „Reiseassoziierte Infektionskrankheiten“ Informationen reisemedizinisch erfahrener Anbieter zu Risikogebieten im Ausland (siehe auch "Wer sollte sich impfen lassen?").

Literaturhinweise

Donoso Mantke O, Escadafal C, Niedrig M, Pfeffer M, Working Group For Tick-Borne Encephalitis Virus C. Tick-borne encephalitis in Europe, 2007 to 2009. Euro surveillance: bulletin europeen sur les maladies transmissibles = European communicable disease bulletin. 2011;16(39). Epub 2011/10/05.

Süss J. Tick-borne encephalitis 2010: epidemiology, risk areas, and virus strains in Europe and Asia-an overview. Ticks and tick-borne diseases. 2011;2(1):2-15. Epub 2011/07/21.

Stand: 28.11.2012

Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?

In der Regel sind drei Impfungen notwendig, um den vollen Impfschutz zu erreichen. Nach der ersten Impfung findet entsprechend dem klassischen Schema die zweite ein bis drei Monate später statt. Die dritte Impfung ist dann - je nach Impfstoff (s.u.) - fünf bis zwölf bzw. neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung fällig. Der Impfschutz hält dann mindestens drei Jahre. Nach vollständiger Impfung kann bei 99% der Geimpften mit einem vollständigen Schutz vor FSME gerechnet werden. Bereits nach zwei Impfungen besteht bei 98% ein Schutz, der allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Derzeit werden von den Herstellern verschiedene Impfschemata angeboten, unter anderem auch sog. Schnellschemata, die kurzfristig angewendet werden können, z.B. bei anstehender Reise in ein Risikogebiet:

Impfschema:
FSME-Immun® Baxter

Standardimpfung

Schnellimpfung
1. Impfdosis = Tag Null
2. Impfdosis1-3 Monate später14 Tage später
3. Impfdosis5-12 Monate später
4. Impfdosis (1.Booster) 3 Jahre später
Auffrischungsimpfungen alle:3 Jahre (≥60 Jahre) - 5 Jahre (< 60 Jahre)
Impfschema:
Encepur® Novartis

Standardimpfung

Schnellimpfung
1. Impfdosis = Tag Null
2. Impfdosis1-3 Monate später7 Tage später
3. Impfdosis9-12 Monate später21 Tage später
4. Impfdosis3 Jahre später12-18 Monate später
Auffrischungsimpfungen alle:3 Jahre (≥50 Jahre) - 5 Jahre (< 50 Jahre)

Stand: 03.04.2017

Kann man bei der Impfung gegen FSME vom angegebenen Impfschema abweichen – gilt auch für das FSME-Impfschema „Jede Impfung zählt“?

In Postmarketing Studien hat sich eine lang anhaltende Immunität nach erfolgter Grundimmunisierung plus erster Auffrischimpfung mit den verfügbaren FSME-Impfstoffen gezeigt. Eine Studie bei jüngeren Erwachsenen im Alter von 19 bis 51 Jahren fand 5 Jahre nach der Grundimmunisierung und ersten Auffrischungsimpfung mit Encepur® noch bei 99% der Teilnehmer protektive Antikörper-Konzentrationen.1 In einer ähnlichen Studie bei Kindern lag dieser Anteil sogar bei 100%.2 In einer Studie zur Persistenz nach Grundimmunisierung plus erster Auffrischimpfung mit FSME-Immun hatten 87% bzw. 77% der Teilnehmer nach 8 bzw. 10 Jahren noch einen ausreichenden Antikörpertiter. Allerdings lag dieser Anteil bei Personen >50 Jahren nach 10 Jahren nur noch bei 66%. Auch 10 Jahre nach der ersten FSME-Auffrischimpfung mit Encepur® hatte in einer prospektiven Studie ein hoher Anteil der Teilnehmer protektive Antikörper-Konzentrationen, allerdings war dieser Anteil bei Personen jünger als 50 Jahre (89%) höher als bei Personen im Alter von 50-60 Jahren (74%) bzw. älter als 60 Jahre (62%).3 In einer Studie zum Vergleich der FSME-Inzidenz bei Geimpften und Nichtgeimpften in Österreich konnte eine hohe Impfeffektivität von mindestens 96% bei Personen geschätzt werden, die mindestens eine Grundimmunisierung gegen FSME mit allen Impfdosen in den empfohlenen Abständen erhalten hatten.4 Bei Personen, die von den empfohlenen Impfschemata abgewichen waren, lag die Effektivität jedoch immer noch bei 91%.4 In einer früheren Studie lag die Effektivität in den 5 bis 12 Monaten nach 2 regulär erhaltenen FSME-Impfstoff-Dosen bei mindestens 99%.5

Verschiedene Studien zeigen nach Impfungen mit den verfügbaren FSME-Impfstoffen zudem eine langjährige Boosterfähigkeit. Nach dem 3-Dosen Schnellimmunisierungsschema mit Encepur® wurde z.B. bei der nachfolgenden 4. Boosterimpfung in einer kleineren Studie auch noch 11 Jahre nach der dritten Impfdosis eine gute Immunantwort beobachtet.6 Eine prospektive Studie zur Boosterfähigkeit von FSME-Immun® bei Personen mit unregelmäßigen Impfschemata kam zu ähnlichen Ergebnissen: Auch bis zu 10 Jahren nach nur einer einzigen Impfung wurden nach einer erneuten Impfung schützende Impfantikörper erzielt.7 Die Antikörperkonzentrationen lagen allerdings in diesem Fall niedriger als bei Personen, die in der Vergangenheit bereits 2 oder 3 Dosen erhalten hatten. In der Summe sprechen die vorliegenden Daten dafür, dass der Impfschutz durch die verfügbaren FSME-Impfungen bei einem hohen Anteil der Geimpften länger anhält als die empfohlenen Auffrischungsintervalle, wobei der Anteil mit steigendem Alter abnimmt, und dass tatsächlich "jede Impfung zählt". Dennoch muss berücksichtigt werden, dass eine gute Boosterfähigkeit trotz Überschreiten der empfohlenen Impfintervalle nicht bedeutet, dass der Immunschutz über das empfohlene Intervall hinaus anhält; sondern nur, dass durch Verabreichung der ausstehenden Impfung wieder ein Schutz erreicht wird.

Daher sollte für einen sicheren und aktuellen Impfschutz die Grundimmunisierung komplettiert werden bzw. empfohlene Boosterimpfdosen erfolgen. Zur korrekten Anwendung von FSME-Impfstoffen sollten immer die Fachinformationen (FI) berücksichtigt werden. In Studien wurde belegt, dass die dort vorgegebenen Impfschemata zum Aufbau eines sicheren Impfschutzes führen (s. vorherige Frage "Wann kann man von einem effizienten/vollständigen Impfschutz gegen FSME ausgehen (Impfschemata)?"). Allerdings führen Erkenntnisse aus Studien, die nach der Zulassung durchgeführt wurden, nicht zwingend zu Änderungen der FI (außer bei Sicherheitsproblemen). So finden sich in den FI zu Encepur keine Hinweise zum Vorgehen bei Überschreitung der empfohlenen Impfintervalle. In den FI zu FSME-Immun wird dagegen trotz der hier dargestellten Datenlage bei Überschreiten des empfohlenen Intervalls zwischen der 1. und 2. Impfung ein Neubeginn des Impfschemas empfohlen; bei Überschreiten von empfohlenen Impfintervallen nach Erhalt von mindestens 2 Impfdosen in der Vergangenheit soll das Impfschema dagegen normal fortgesetzt werden.

Literatur

  1. Plentz A, Jilg W, Schwarz TF, Kuhr HB, Zent O. Long-term persistence of tick-borne encephalitis antibodies in adults 5 years after booster vaccination with Encepur« Adults. Vaccine 2009;27:853-6.
  2. Wittermann C, Izu A, Petri E, Gniel D, Fragapane E. Five year follow-up after primary vaccination against tick-borne encephalitis in children. Vaccine 2015;33:1824-9.
  3. Konior R, Brzostek J, Poellabauer EM, Jiang Q, Harper L, Erber W. Seropersistence of TBE virus antibodies 10 years after first booster vaccination and response to a second booster vaccination with FSME-IMMUN 0.5mL in adults. Vaccine 2017;35:3607-13.
  4. Heinz FX, Stiasny K, Holzmann H, et al. Vaccination and Tick-borne Encephalitis, Central Europe. Emerg Infect Dis 2013;19:69-76.
  5. Heinz FX, Holzmann H, Essl A, Kundi M. Field effectiveness of vaccination against tick-borne encephalitis. Vaccine 2007;25:7559-67.
  6. Schondorf I, Schonfeld C, Nicolay U, Zent O, Banzhoff A. Response to tick-borne encephalitis (TBE) booster vaccination after prolonged time intervals to primary immunization with the rapid schedule. Int J Med Microbiol 2006;296:208-12.
  7. Schosser R, Reichert A, Mansmann U, Unger B, Heininger U, Kaiser R. Irregular tick-borne encephalitis vaccination schedules: the effect of a single catch-up vaccination with FSME-IMMUN. A prospective non-interventional study. Vaccine 2014;32:2375-81.

Stand: 29.01.2018

Soll im Rahmen der FSME-Impfung eine serologische Kontrolle der Antikörper zum Nachweis des Impfschutzes erfolgen?

Eine Kontrolle der durch die Impfung induzierten Antikörper wird laut Fachinformationen vor allem für immunsupprimierte Personen sowie älteren Personen nach der 2. Teilimpfung empfohlen, zur Entscheidung, ob ggf. eine zusätzliche Dosis notwendig ist (für weitere Informationen siehe hierzu die jeweiligen Fachinformationen). Dagegen sind serologische Kontrollen in der Regel nicht empfohlen, um zu entscheiden, ob Auffrischimpfungen notwendig sind. Der FSME-Impfschutz sollte nach den in den Fachinformationen empfohlenen Impfabständen aufgefrischt werden.

Stand: 29.01.2018

Ist eine Impfung gegen FSME für eine ungeimpfte Person nach einem Zeckenstich zur Prophylaxe sinnvoll?

Eine sofort begonnene FSME-Impfung kann eine Infektion mit größter Wahrscheinlichkeit nicht verhindern, zum einen, weil ein sicherer Schutz erst nach 2 Teilimpfungen erreicht wird und zum anderen, weil schützende Antikörper erst 7-14 Tage nach der Impfung gebildet werden. Bei einer bestehenden Teilimpfung wird der Schutz möglicherweise schneller erreicht; Evidenz für eine tatsächliche Schutzwirkung nach Zeckenstich steht jedoch auch in diesem Fall aus. Bei bestehender Indikation für eine FSME-Impfung kann es sinnvoll sein, nach einem Zeckenstich ca. vier Wochen mit der FSME-Impfung zu warten, da die nach einer eventuellen Infektion gebildeten Antikörper nicht von impfinduzierten Antikörpern unterschieden werden können. Bei auftretendem FSME-Verdacht wäre die serologische Diagnose daher erschwert. Besteht jedoch weiterhin ein hohes Infektionsrisiko, kann es dennoch sinnvoll sein, sofort nach einem Zeckenstich zu impfen. Eine Prophylaxe durch eine passive Impfung mit FSME-Immunglobulinen steht nicht zur Verfügung, da entsprechende Präparate seit 2003 in Deutschland nicht mehr zugelassen sind. Lesen Sie auch: „STIKO antwortet auf häufig gestellte Fragen (FAQ)“: STIKO Zur Impfung nach Zeckenstich, Epid Bull 15/07.

Stand: 28.11.2012

Ist eine passive Impfung gegen FSME für eine ungeimpfte Person nach einem Zeckenstich möglich?

Eine passive Impfung gegen FSME ist seit 2003 in Deutschland nicht mehr verfügbar. Ein eindeutiger Nutzen dieser Impfung wurde nie bewiesen. In Einzelfällen wurden schwere FSME-Krankheitsverläufe nach Verabreichung dieser passiven Impfung vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen berichtet.

Stand: 28.11.2012

Gibt es einen definierten Antikörper-Schutztiter (nach abgeschlossener FSME-Grundimmunisierung) zum Nachweis eines Impfschutzes?

In klinischen Studien mit FSME-IMMUN 0,5 ml ist die Seropositivität als ein ELISA-Wert von 126 VIE U/ml oder ein NT-Titer von ≥1:10 definiert. Dies wurde ca. 1 Monat nach abgeschlossener Grundimmunisierung als ausreichende Immunantwort gewertet. Bisher ist jedoch kein Antikörper-Schwellenwert definiert, ab dem nach längeren Zeitintervallen nach der Grundimmunisierung oder nach einer Auffrischungsimpfung ein sicherer Impfschutz vorliegt. Ebenso ist nicht bekannt, ab welchem Titer kein Immunschutz mehr vorhanden ist. Demzufolge kann bei einem positiven Nachweis von FSME-Antikörpern nicht sicher auf einen bestehenden Impfschutz der Person zurückgeschlossen werden. Die Indikation für eine FSME-Auffrischungsimpfung bei einer gesunden Person sollte daher im Regelfall aus den Fachinformationen zu den Impfabständen abgeleitet werden.

Stand: 29.01.2018

Darf man sich während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit gegen FSME impfen lassen?

Da es sich bei dem FSME-Impfstoff um inaktiviertes FSME-Virus handelt, ist eine indizierte Impfung grundsätzlich auch während der Schwangerschaft möglich, solange nicht andere Gründe dagegen sprechen. Dabei sollte auch das spezielle individuelle Expositionsrisiko berücksichtigt werden, zum Beispiel vermehrt Spaziergänge in freier Natur mit dem Säugling in einem Risikogebiet. Eine Impfung ist zudem kein Grund für das Aufschieben einer geplanten Schwangerschaft. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten allerdings grundsätzlich nur dringend notwendige Impfungen durchgeführt werden, um zu verhindern, dass die in der Frühschwangerschaft häufigen Fehlgeburten oder sehr selten auftretende Fehlbildungen fälschlicherweise mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden.

Stillen ist keine Kontraindikation für eine FSME-Impfung der Mutter.

Stand: 29.01.2018

Ist eine Impfung gegen FSME bei Kindern sinnvoll und ab welchem Alter empfohlen?

Bei Kindern verlaufen die Erkrankungen im Allgemeinen leichter als bei Erwachsenen, vorwiegend als Meningitis (Hirnhautentzündung), seltener als Enzephalitis (Gehirnentzündung). In einer Auswertung prospektiv erhobener Daten von insg. 1001 FSME-Patienten aus Baden-Württemberg wurden bei Kindern in ca. 25% der Fälle der Verlauf als schwerwiegend eingestuft, bei Erwachsenen dagegen bei 50%. Überdies wurde, im Vergleich zu Erwachsenen mit 30-40% der Fälle, bei Kindern deutlich seltener (ca. 2%) über neurologische Folgeschäden berichtet (Kaiser R. Frühsommer-Meningoenzephalitis Prognose für Kinder und Jugendliche günstiger als für Erwachsene. Deutsches Ärzteblatt. 2004;101(33):C1822-C6.). Im Einzelfall kann nicht vorhergesagt werden, ob eine Infektion blande oder schwerer verläuft (Hansson ME, Orvell C, Engman ML, Wide K, Lindquist L, Lidefelt KJ, et al. Tick-borne encephalitis in childhood: rare or missed? The Pediatric infectious disease journal. 2011;30(4):355-7. Epub 2011/03/18).

Bei Kindern ist die Gefahr besonders groß von einer Zecke gestochen zu werden, da sie sich viel im Freien aufhalten. Da die Impfung den einzigen wirksamen Schutz vor einer FSME-Erkrankung darstellt, sollten die Risiken sorgfältig abgewogen werden. Auch wenn Fieber (über 38°C) nach der Impfung bei circa 15% der ein- bis zweijährigen Kinder und bei 5% der Drei- bis Elfjährigen auftreten kann, gibt es keine vergleichbar effektive alternative Präventionsmaßnahme. Eine spezifische Behandlung gibt es im Falle einer Erkrankung nicht. Daher sollte sich die Impfindikation bei Kindern ähnlich wie bei Impfungen für Erwachsene nach dem Expositionsrisiko richten, dies gilt auch für Kinder unter 3 Jahren. Im Übrigen gelten für den Kinder-Impfstoff wie für den Erwachsenen-Impfstoff die in Tabelle 2 der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) dargelegten Grundsätze einer Indikationsimpfung einschließlich der in der Tabelle enthaltenen Hinweise zu Risikogebieten und zur Saisonalität der Erkrankung.

Stand: 28.11.2012

Ist ein Wechsel zwischen den FSME-Impfstoffen der beiden verschiedenen Hersteller möglich?

Die FSME-Impfstoffe beider Hersteller (FSME-Immun® und Encepur®) werden als gleichwertig und austauschbar angesehen. In Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass im Bedarfsfall ein Wechsel zwischen den Impfstoffen ohne Einbuße der Wirksamkeit möglich ist. Wenn möglich, empfiehlt es sich aber in der Grundimmunisierung beim FSME-Impfstoff des gleichen Herstellers zu bleiben. Für weitere Informationen kann folgende Publikation herangezogen werden:

Broker M, Schondorf I. Are tick-borne encephalitis vaccines interchangeable? Expert review of vaccines. 2006;5(4):461-6. Epub 2006/09/23.

Stand: 28.11.2012

Helfen die hier erhältlichen FSME-Impfstoffe auch gegen die in Russland zirkulierenden Stämme?

Beide zugelassenen Impfstoffe sind gegen alle drei FSME-Subtypen wirksam (europäischer, sibirischer und fernöstlicher Subtyp).

Stand: 28.11.2012

Sollte man sich nach einer FSME-Erkrankung trotzdem impfen lassen oder hat man dadurch einen lebenslangen Schutz?

Wenn es sich um eine bestätigte FSME-Erkrankung (klarer Antikörper-Titeranstieg, eindeutiger Nachweis von IgG- und IgM-Antikörpern, oder klar positiver Neutralisationstest, Nachweis von FSME-mittels PCR in der akuten Phase oder Virusnachweis mittels Virusanzucht) handelt, ist von einem langjährigen Immunschutz auszugehen. Da die genaue Schutzdauer jedoch nicht bekannt ist, sollte der Immunschutz nach drei bis fünf Jahren bei Fortbestehen eines Expositionsrisikos durch eine Dosis eines FSME-Impfstoffs wieder aufgefrischt werden (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html).

Stand: 29.01.2018

Wie hoch ist das potentielle FSME-Infektionsrisiko ohne Impfung? In meinem Land ist keine FSME-Impfung erhältlich, und ich möchte in Deutschland Urlaub machen.

Die FSME ist nicht in allen Gebieten in Deutschland verbreitet, so dass es davon abhängt, wohin man reist. Die aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete finden Sie auf der RKI-Homepage: [www.rki.de/fsme-karte]. Zusätzlich veröffentlicht das RKI die Inzidenz der FSME in den einzelnen Landkreisen als elektronischer Anhang zur Veröffentlichung der akutellen FSME-Karte im Epidemiologischen Bulletin. Ein potentielles Infektionsrisiko ist von vielen Variablen abhängig. Falls ein längerer Deutschlandaufenthalt in einem Risikogebiet mit Freilandaktivitäten geplant ist und im jeweiligen Heimatland keine FSME-Impfung erhältlich ist, kann eine Schnellimpfung kurz nach der Einreise noch sinnvoll sein.

Stand: 29.01.2018

Welche Nebenwirkungen sind bei einer Impfung gegen FSME zu erwarten?

Die Häufigkeit der zu erwartenden Nebenwirkungen werden in den Fachinformationen der Impfstoffe beschrieben (abrufbar auf der PEI-Homepage unter http://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/fsme-fruehsommer-meningoenzephalitis/fsme-fruehsommer-meningoenzephalitis-node.html). Diese werden im Fall neuer Erkenntnisse regelmäßig aktualisiert. In einem Cochrane-Review aus dem Jahr 2009 (Demicheli et al. Cochrane database of systematic reviews. 2009(1):CD000977. Epub 2009/01/23) wurden beobachtete Nebenwirkungen aus verschiedenen Studien zusammengefasst.

Innerhalb der ersten 1–4 Tage können häufig Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Sehr selten werden Missempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln beobachtet. Häufig treten vorübergehende Arthralgien und Myalgien auf; bei Manifestation im Nackenbereich können sie mit meningitischen Zeichen verwechselt werden. Die Symptome werden vor allem nach der ersten Impfung beobachtet, nach weiteren Impfungen werden sie seltener. In der Regel sind diese genannten Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab. Am häufigsten mit bis zu 45% traten in verschiedenen Studien Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle auf. Fieber trat bei ca. 5-6% der Fälle auf; vor allem jedoch nach der 1. Teilimpfung. Bei Kindern <3 Jahren ist das Risiko von Fieberreaktionen etwas höher (ca. 15%); daher empfiehlt die STIKO für diese zusammen mit den Eltern eine besonders sorgfältige Indikationsstellung. Es wurden keine schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Nebenwirkungen in verschiedenen Zulassungsstudien oder in der post-marketing Surveillance beschrieben (Demicheli et al, siehe oben). Ein Bericht über einige Fälle von Narkolepsie nach FSME-Impfung (Hidalgo et al. 2016 Sleep 39:1811-1814) wurde vom Paul-Ehrlich-Institut mit einem erhöhten Bewusstsein für diese Diagnose in Zusammenhang mit der H1N1-Influenza-Impfung im Zeitraum 2009-2010 erklärt. Da es in keinem anderen Land zu Narkolepsiefällen nach einer FSME-Impfung kam, sieht das Paul-Ehrlich-Institut hier kein Risikosignal (siehe https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/vigilanz/bulletin-zur-arzneimittelsicherheit/2017/1-2017.pdf?__blob=publicationFile&v=7).

Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Impfkomplikation ist diese dem Impfarzt, der hierfür zuständigen Zulassungsbehörde (Paul-Ehrlich-Institut) und dem jeweiligen Impfstoffhersteller zu melden (siehe auch Hinweise auf den Seiten des PEI zur Meldung von Verdachtsfällen unerwünschter Arzneimittelwirkungen und Impfkomplikationen: http://www.pei.de/DE/infos/fachkreise/meldeformulare-fach/meldeformulare-fach-node.html). Im Einzelfall muss dann geklärt werden, ob hier ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung oder ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen zu der aufgetretenen Erkrankung vorliegt.

Stand: 29.01.2018

Ist eine FSME-Impfung bei Patienten mit Immunsuppression, z.B. unter Cortisonbehandlung oder bei Dialyse-Patienten möglich?

Bei Immunsuppression muss mit einer verringerten bzw. sogar ausbleibenden Immunantwort gerechnet werden. Eine Untersuchung auf Antikörper gegen FSME nach der Impfung wird von den Impfstoffherstellern nach der 2. Teilimpfung empfohlen, um den Impferfolg zu kontrollieren (s. Fachinformationen). Bei geplanter medikamentöser Immunsuppression oder Transplantation ist es sinnvoll, eine indizierte Impfung wenn möglich vorab durchzuführen. Fragen zur Anwendung des Impfstoffs bei Personen mit seltenen Erkrankungen können darüber hinaus ggf. direkt an die jeweiligen Impfstoffhersteller gestellt werden.

Stand: 29.01.2018

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