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COVID-19-Impfempfehlung (Stand 18.8.2022)

Welche Neuerungen ergeben sich durch die 21. Aktualisierung der STIKO-Impfempfehlung?

Die STIKO aktualisiert ihre COVID-19-Impfempfehlung und empfiehlt

  1. eine weitere Auffrischimpfung bereits für Personen ab dem Alter von 60 Jahren (bisher ab 70 Jahren) sowie Personen im Alter ab 5 Jahren mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung,
  2. den COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid von Novavax zur Grundimmunisierung entsprechend der erweiterten Zulassung auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren,
  3. für bestimmte Personengruppen ab 12 Jahren zusätzlich zur Impfung eine medikamentöse Präventionsmaßnahme (sog. SARS-CoV-2-Präexpositionsprophylaxe) in Form des Kombinationspräparates Evusheld, welches aus den beiden SARS-CoV-2-neutralisierenden monoklonalen Antikörper Tixagevimab und Cilgavimab besteht.

1. Indikationserweiterung für die 2. COVID-19-Auffrischimpfung

Personen im Alter von über 60 Jahren sowie Personen im Alter ab 5 Jahren mit einer Grunderkrankung gemäß bestehender STIKO-Empfehlung sollen eine weitere Auffrischimpfung erhalten, wenn sie bislang drei immunologische Ereignisse hatten, z.B. Grundimmunisierung plus 1. Auffrischimpfung oder Grundimmunisierung plus SARS-CoV-2-Infektion. Als immunologisches Ereignis wird eine COVID-19-Impfung bzw. eine SARS-CoV-2-Infektion gezählt, sofern entsprechende Abstände eingehalten werden (siehe Tabelle 7 in der aktuellen COVID-19-Impfempfehlung).

Für Auffrischimpfungen soll in der Regel ein mRNA-Impfstoff verwendet werden. Dabei soll ein Mindestabstand von 6 Monaten zum letzten Ereignis (vorangegangene Infektion oder COVID-19-Impfung) eingehalten werden. In begründeten Einzelfällen kann der Abstand auf 4 Monate reduziert werden.

Es ist für die genannten Risikogruppen nicht empfohlen, auf einen angepassten Impfstoff zu warten und eine indizierte Impfung zu verschieben. Sobald Varianten-angepasste Impfstoffe zugelassen und verfügbar sind, wird die STIKO die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit prüfen und eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen aussprechen.

Für Personen im Alter von < 60 Jahren ohne Grunderkrankung, die bereits 3 immunologische Ereignisse (davon mind. 1 Impfstoffdosis) hatten, empfiehlt die STIKO vorerst keine weitere Auffrischimpfung. Diese Personengruppe würde nach derzeitigem Kenntnisstand von einer weiteren Impfstoffdosis nicht nennenswert profitieren. Eine Ausnahme bildet das Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen, für die aufgrund des erhöhten Expositionsrisikos eine weitere Auffrischimpfung bereits empfohlen ist.

Für Personen, die bereits 4 immunologische Ereignisse hatten, wird vorerst keine weitere Auffrischimpfung empfohlen. Bei besonders gefährdeten Personen (z. B. Hochbetagte) kann es aufgrund einer nachlassenden Leistungsfähigkeit des Immunsystems (Immunoseneszenz) sinnvoll sein, nach dem 4. Ereignis (z. B. 2. Auffrischimpfung) noch eine weitere Impfstoffdosis zu verabreichen. Die Indikation sollte unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands und der Gefährdung individuell getroffen werden.

2. Grundimmunisierung von Personen im Alter von 12 bis 17 Jahren mit dem COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid von Novavax

Alternativ zu den bereits empfohlenen COVID-19-Impfstoffen empfiehlt die STIKO zur Grundimmunisierung gegen COVID-19 den Impfstoff Nuvaxovid von Novavax nun auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren mit zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 3 Wochen und mit der gleichen Dosierung wie für Personen im Alter ab 18 Jahren.

3. SARS-CoV-2-Prä-Expositionsprophylaxe mit Tixagevimab/Cilgavimab (Evusheld)

Die STIKO empfiehlt eine neue medikamentöse Präventionsmaßnahme zusätzlich zur Impfung für bestimmte Personengruppen. Die SARS-CoV-2-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) soll in Form des Kombinationspräparates Evusheld mit den beiden SARS-CoV-2-neutralisierenden monoklonalen Antikörpern Tixagevimab und Cilgavimab gegeben werden. Sie wird in einer Dosierung von 300 mg/300 mg (cave: formell off-label, da Dosierungsempfehlung gemäß bisheriger Zulassung 150mg/150mg) ab einem Alter ≥ 12 Jahren und einem Gewicht > 40 kg für folgende Personengruppen empfohlen:

  • Personen mit Immundefizienz (Immunschwäche), bei denen das Ausbleiben einer schützenden Immunantwort auch nach mehreren Impfstoffdosen zu erwarten ist.
  • Personen mit nachgewiesener fehlender Bildung erregerspezifischer Antikörper im Blut (Serokonversion) nach der Schutzimpfung und einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf.
  • Personen, bei denen Impfungen gegen COVID-19 mit keinem der aktuell zugelassenen Impfstoffe aufgrund von Kontraindikationen durchgeführt werden können und gleichzeitig Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19 vorliegen.

Stand: 18.08.2022

Warum empfiehlt die STIKO allen Personen ab 12 Jahren eine Auffrischimpfung?

Die STIKO empfiehlt die generelle Auffrischimpfung aller Personen ab 12 Jahren, primär um schwere COVID-19-Verläufe, Hospitalisierungen und Tod zu verhindern. Eine Auffrischimpfung schützt auch nach mindestens 6-9 Monaten noch gut vor einer schweren Infektion. Außerdem können sich auch Geimpfte mit zunehmendem Zeitabstand zur Grundimmunisierung mit SARS-CoV-2 infizieren und dann das Virus ohne eigene Symptome oder im Rahmen einer milden Erkrankung weitergeben. Eine Auffrischimpfung kann die SARS-CoV-2-Übertragung von infizierten Geimpften auf andere Personen für eine gewisse Zeit deutlich reduzieren. Zudem lässt die Auffrischimpfung einen längerfristigen robusten Impfschutz erwarten. Eine Grundimmunisierung mit einer Auffrischimpfung, zu kombinieren, ist bei anderen Impfungen mit Totimpfstoffen bereits ein etabliertes Vorgehen und ist aus immunologischer Sicht absolut sinnvoll.

Die STIKO empfiehlt allen Personen ab einem Alter von ≥ 12 Jahren eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, wenn sie 2 immunologische Ereignisse hatten (z.B. 2 Impfstoffdosen zur Grundimmunisierung). Als immunologisches Ereignis wird eine COVID-19-Impfung bzw. eine SARS-CoV-2-Infektion gezählt, sofern entsprechende Abstände der geltenden STIKO-Empfehlung eingehalten werden. Eine tabellarische Übersicht bietet Tabelle 7 in der aktuellen COVID-19-Impfempfehlung. Die Auffrischimpfung soll mit einem mRNA-Impfstoff und einem Mindestabstand von 6 Monaten zur letzten Impfstoffdosis oder SARS-CoV-2-Infektion durchgeführt werden. In begründeten Einzelfällen kann der Abstand auf 4 Monate reduziert werden.

Stand: 18.08.2022

Welchen Personengruppen wird eine weitere Auffrischimpfung empfohlen und warum?

Die STIKO empfiehlt gesundheitlich besonders gefährdeten bzw. exponierten Personengruppen eine weitere Auffrischimpfung, wenn sie bislang drei immunologische Ereignisse hatten (z.B. Grundimmunisierung plus 1. Auffrischimpfung oder Grundimmunisierung plus SARS-CoV-2-Infektion) und wenn das letzte dieser immunologischen Ereignisse länger als 6 Monate zurückliegt. Demnach sollen laut STIKO derzeit folgende Personengruppen eine weitere Auffrischimpfung erhalten:

  • Personen ab 60 Jahren
  • Personen im Alter ab 5 Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung gemäß bestehender STIKO-Empfehlung
  • BewohnerInnen und Betreute in Einrichtungen der Pflege sowie Personen mit einem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
  • Tätige in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen (insbesondere bei direktem Kontakt zu PatientInnen und BewohnerInnen).

Primäres Ziel der (weiteren) Auffrischimpfung für besonders vulnerable Personengruppen ist die Verhinderung von schweren COVID-19-Krankheitsverläufen und -Todesfällen. Der Schutz der COVID-19-Impfstoffe vor Infektionen mit der Omikron-Variante ist im Vergleich zu vorherigen Varianten deutlich abgeschwächt. Unter den momentan zirkulierenden Virusvarianten schützt die COVID-19-Impfung aber weiterhin sehr gut vor schweren COVID-19-Erkrankungen, insbesondere COVID-19-bedingten Hospitalisierungen und Todesfällen. Immungesunde Personen im Alter < 60 Jahren, die bereits 3 immunologische Ereignisse (davon mind. 1 Impfstoffdosis) hatten, würden nach derzeitigem Kenntnisstand von einer weiteren Impfung nicht nennenswert profitieren. Bei älteren Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf kann die Schutzwirkung durch eine weitere Auffrischimpfung weiter optimiert werden und damit ihr individueller Schutz verbessert werden.

Auch BewohnerInnen und Betreute in Einrichtungen der Pflege sowie Personen mit einem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe sollen unabhängig von ihrem Alter eine weitere Auffrischimpfung nach 3 immunologischen Ereignissen erhalten, da sie durch eine erhöhte Ausbruchsgefahr in der Einrichtung zusätzlich gefährdet sind.

Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen soll durch die weitere Auffrischimpfung individuell besser geschützt werden, da es durch den vermehrten Kontakt zu SARS-CoV-2-Infizierten ein erhöhtes Ansteckungsrisiko hat. Ein weiteres Ziel ist dabei die Aufrechterhaltung der medizinischen und pflegerischen Versorgung durch Verringerung von Isolation und Quarantänemaßnahmen.

Auffrischimpfungen sollen frühestens 6 Monate nach der letzten Impfstoffdosis oder SARS-CoV-2-Infektion mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. In begründeten Einzelfällen kann die (weitere) Auffrischimpfung auch bereits nach frühestens 4 Monaten erwogen werden. Nur bei Patient:innen mit Immundefizienz und daraus resultierender relevanter Einschränkung der Impfantwort empfiehlt die STIKO einen Abstand von mindestens 3 Monaten.

Stand: 18.08.2022

Wem empfiehlt die STIKO die COVID-19-Impfung mit Nuvaxovid?

Die STIKO empfiehlt neben den bisherigen COVID-19-Impfstoffen den Impfstoff Nuvaxovid von Novavax zur Grundimmunisierung von Personen ab 12 Jahren. Hierbei sind zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 3 Wochen zu geben.

Des Weiteren gilt:

  • Die Anwendung von Nuvaxovid während der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund fehlender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfohlen. Eine Impfung mit Nuvaxovid kann jedoch in Einzelfällen nach ausführlicher Aufklärung erwogen werden, wenn bei einer Schwangeren oder Stillenden eine produktspezifische, medizinische Kontraindikation für mRNA-Impfstoffe besteht (siehe FAQ Welche medizinischen Gründe (Kontraindikationen) sprechen gegen die COVID-19-Impfung?). Eine akzidentielle Impfung in der Schwangerschaft ist keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.
  • Die STIKO empfiehlt die Anwendung des Impfstoffes Nuvaxovid bei Kindern <12 Jahren aufgrund fehlender Daten nicht. Der Impfstoff ist in dieser Altersgruppe darüber hinaus noch nicht zugelassen.
  • Immundefiziente Patienten, die eine produktspezifische, medizinische Kontraindikation gegenüber COVID-19-Impfstoffen aufweisen oder die auf die bisher verfügbaren Impfstoffe keine messbare Immunantwort gegen SARS-CoV-2 entwickelt haben, können mit Nuvaxovid geimpft werden.
  • Ungeimpfte Personen mit einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion können eine Impfstoffdosis Nuvaxovid zur Vervollständigung der Grundimmunisierung erhalten.
  • Besteht nach Verabreichung eines COVID-19-Impfstoffs eine produktspezifische, medizinische Kontraindikation gegen eine Fortführung der Impfserie mit dem verwendeten COVID-19-Impfstoff, kann die Grundimmunisierung mit Nuvaxovid vervollständigt werden.
  • Obwohl Nuvaxovid bisher nicht zur Auffrischimpfung zugelassen ist, kann Nuvaxovid bei produktspezifischen, medizinischen Kontraindikationen gegenüber mRNA-Impfstoffen zur Auffrischimpfung verwendet werden.

Stand: 18.08.2022

Braucht man nach einer Grundimmunisierung mit Nuvaxovid (Novavax) eine Auffrischung und mit welchem Impfstoff sollte diese erfolgen?

Ja, eine Auffrischimpfung ist auch für Personen empfohlen, die mit 2 Impfstoffdosen Nuvaxovid grundimmunisiert wurden. Die STIKO empfiehlt die Auffrischimpfung für alle Personen ab 12 Jahre, die bereits 2 immunologische Ereignisse hatten (COVID-19-Impfung oder SARS-CoV-2-Infektion) und deren letztes Ereignis mind. 6 Monate her ist (siehe auch Warum empfiehlt die STIKO allen Personen ab 12 Jahren eine Auffrischimpfung?).

Zurzeit ist die Verwendung von Nuvaxovid von den Zulassungsbehörden aber nur zur Grundimmunisierung zugelassen. Daher empfiehlt die STIKO für die Auffrischimpfung(en) zum jetzigen Zeitpunkt die COVID-19-Impfstoffe Comirnaty oder Spikevax im Abstand von mind. 6 Monaten zur Grundimmunisierung. Es ist zu erwarten, dass der Hersteller für Nuvaxovid auch eine Zulassung für eine Anwendung als Auffrischimpfung beantragen wird. Die STIKO wird die Daten dann evaluieren und die Empfehlungen zu den möglichen Impfstoffen für die Auffrischimpfung ggf. anpassen.

Die Verwendung des COVID-19-Impfstoffs Nuvaxovid zur Auffrischimpfung ist derzeit in Ausnahmefällen bereits möglich. Dazu gehört das Vorliegen von produktspezifischen medizinischen Kontraindikationen gegen die Verwendung von Comirnaty bzw. Spikevax.

Stand: 18.08.2022

Wie werden die Impfempfehlungen erarbeitet?

Seit Mitte Mai 2020 gibt es eine STIKO-Arbeitsgruppe zur COVID-19-Impfung. Neben der Bewertung der neuen Impfstoffe bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit war ein Schwerpunkt ihrer Arbeit zunächst die Priorisierung beim Impfen. Aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit galt es Menschen mit einem besonderen Infektionsrisiko und Personen mit dem Risiko für einen schweren Verlauf bzw. hohen Sterblichkeitsrisiko zu identifizieren.

Mittlerweile wurde die Empfehlung der STIKO zur COVID-19-Impfung mehrere Male überarbeitet und aktualisiert. Das ist notwendig, weil laufend neue Erkenntnisse zu dem Virus, der Erkrankung und den Impfungen dazu gewonnen werden und sich die epidemiologische Lage immer wieder verändert. Auch mathematische Modellierungen, welche direkten und indirekten Auswirkungen eine Empfehlung auf z.B. die Anzahl von Erkrankungen, Hospitalisierungen und Todesfälle in verschiedenen Altersgruppen haben kann, werden berücksichtigt sowie die Impfbereitschaft und -akzeptanz in der Bevölkerung.

Die STIKO hat den Anspruch, ihre Empfehlungen auf Grundlage der besten verfügbaren Evidenz auszusprechen. Damit das gelingen kann, werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse sorgfältig aufbereitet und den Mitgliedern der STIKO verfügbar gemacht. Diese bewerten die Evidenz und fassen aufgrund dessen einen Beschluss. Danach erhalten zuständige Fachkreise (u.a. Fachgesellschaften) die Möglichkeit zu dem Beschluss Stellung zu beziehen. Diese Stellungnahmen werden wiederum von der STIKO in einem weiteren Schritt diskutiert und ggf. in der Empfehlung berücksichtigt. Am Ende steht eine (aktualisierte) Empfehlung zu den COVID-19-Impfungen im Sinne einer "Living Guideline".

Mit diesem Prozess der laufenden Berücksichtigung neuer Evidenzlagen und resultierenden Aktualisierungen der bestehenden Empfehlung stellt die STIKO sicher, dass das Impfen gegen COVID-19 stets auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.

Die aktualisierte STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung ist im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht (www.rki.de/covid-19-impfempfehlung).

Stand: 29.09.2021

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