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Impfung bei Kindern und Jugendlichen (Stand: 17.12.2021)

Welche Erkenntnisse bestehen zu Long-COVID und PIMS bei Kindern und Jugendlichen?

Die STIKO hat für ihre Empfehlung der COVID-19-Impfung für Kinder und Jugendliche die Evidenz zur Epidemiologie und Krankheitslast der COVID-19-wiederholt umfassend aufgearbeitet. Auch wenn COVID-19 in der Regel bei Kindern und Jugendlichen keine schwere Erkrankung ist, kann es in Einzelfällen in Folge der Erkrankung zu schwerwiegenden Krankheitsmanifestationen kommen. So bestehen mit Long-COVID und dem sogenannten Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) zwei Krankheitsbilder, deren Langzeitprognosen noch nicht endgültig bekannt sind.

Es handelt sich bei Long-COVID nicht um ein einheitliches Krankheitsbild, weshalb die Epidemiologie schwer zu erfassen ist. Als Long-COVID bzw. Post-COVID-19-Syndrom werden Krankheitszeichen und Symptome beschrieben, die mehr als 12 Wochen nach Krankheitsbeginn bestehen bzw. mehr als 12 Wochen nach Infektion auftreten, deren Pathogenese bisher nicht geklärt ist und für die keine andere Erklärung als die Folge einer SARS-CoV-2-Infektion festzustellen ist. Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Long-COVID schwere Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die Lebensqualität, das soziale Leben und das Familienleben haben kann. Häufige Symptome sind anhaltende Erschöpfungszustände (Fatigue), Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung und Herzrhythmusstörungen. Insgesamt ist die Symptomatik variabel und der Zeitraum variiert zwischen Wochen und Monaten. Bisher wurden größtenteils Studien zu Long-COVID bei Erwachsenen publiziert, wohingegen die Datenlage bei Kindern noch sehr limitiert ist. Die Häufigkeit von Long-COVID kann derzeit bei Kindern noch nicht verlässlich erfasst werden. Einige Symptome von Long-COVID wie Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen und depressive Verstimmung sind sehr unspezifisch und treten auch infolge von psychosozialen Belastungen während der Pandemie zum Beispiel durch Ängste, Schulschließungen oder Isolation, unabhängig von SARS-CoV-2-Infektionen auf. Daher sind Studien wichtig, die eine Kontrollgruppe von Kindern und Jugendlichen einschließen, die keine SARS-CoV-2-Infektion hatten. In den drei vorliegenden Studien mit Kontrollgruppe sind Kinder mit SARS-CoV-2-Infektion nicht häufiger von Spätfolgen betroffen als Kinder ohne SARS-CoV-2-Infektion.

Die bisherigen wissenschaftlichen Studien zu Long-COVID bei Kindern und Jugendlichen haben erhebliche Einschränkungen. Es ist unklar, ob und in welcher Häufigkeit Long-COVID bei Kindern vorkommt. Insgesamt scheint Long-COVID für diese Altersgruppe eine geringere Bedeutung zu haben als für Jugendliche und Erwachsene.

PIMS ist ein schweres entzündliches Krankheitsbild, das in seltenen Fällen bei Kindern und Jugendlichen i.d.R. 3-4 Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 (auch asymptomatisch) beobachtet wurde. In vielen Fällen geht PIMS mit Schocksymptomatik und i.d.R. vorübergehender Herz-Kreislauf-Insuffizienz einher. Die Ursache der Entstehung der Erkrankung ist unklar und auch zur Häufigkeit gibt es derzeit keine verlässlichen Daten. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) definiert PIMS als Fälle, bei denen neben Fieber, erhöhte systemische Entzündungsparameter, mindestens zwei Organbeteiligungen und eine aktuelle oder stattgehabte SARS-CoV-2-Infektion oder ein SARS-CoV-2-Kontakt nachzuweisen waren, sowie andere infektiologische Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Das zunächst neue Krankheitsbild wird von den behandelnden Ärzt:innen zunehmend besser verstanden und ist inzwischen gut behandelbar PIMS-TS trat bisher bei ca. 3/10.000 Kindern und Jugendlichen mit SARS-CoV-2-Infektion auf und ist damit sehr selten. Bei dem Großteil der Erkrankten lagen keine Vorerkrankungen vor. Die in Deutschland gemeldeten Fälle wurden vor allem in den ersten beiden Wellen der Pandemie nach Infektionen mit der Virusvariante Alpha festgestellt. Die Hälfte der erkrankten Kinder musste intensivmedizinisch behandelt werden. PIMS-TS ist in der Regel gut behandelbar und hat eine gute Prognose. Todesfälle sind in Deutschland nicht berichtet worden.

Stand: 17.12.2021

Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen wurden bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis einschließlich 17 Jahren nach einer COVID-19-Impfung mit Comirnaty beobachtet?

Die STIKO empfiehlt seit dem 18.11. eine COVID-19-Impfung in dieser Altersgruppe (bis 30 Jahre) ausschließlich mit dem Impfstoff Comirnaty. Wie bei jeder Impfung, können auch nach der COVID-19-Impfung mit Comirnaty (BioNTech/Pfizer) bei Kindern und Jugendlichen Impfreaktionen und unerwünschte Wirkungen auftreten. Insgesamt sind die Impfreaktionen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vergleichbar. Lokalreaktionen (Schmerzen an der Einstichstelle, Rötung, Schwellung) traten nach den beiden Impfstoffdosen etwa gleichhäufig auf, während systemische Impfreaktionen (Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerz, Schüttelfrost, Übelkeit, Durchfall, Gelenk- und Muskelschmerzen) nach der zweiten Impfstoffdosis häufiger auftraten. Lokalreaktionen sowie systemische Reaktionen traten zwischen dem 1. und 7. Tag nach Impfung auf und hielten nur wenige Tage an.

Insgesamt gilt der mRNA-Impfstoff Comirnaty als „reaktogen“, das heißt er löst häufig eine stärkere körperliche Reaktion aus. Die Beschwerden nach der Impfung vergehen jedoch nach wenigen Tagen von selbst und zeigen, dass das Immunsystem auf die Impfstoffe reagiert und einen Impfschutz aufbaut. Wirkliche unerwünschte Nebenwirkungen (wie eine Herzmuskelentzündung) sind sehr selten und können auch nach der COVID-19-Infektion auftreten.

Zu den häufigsten Impfreaktionen nach der Impfung mit Comirnaty zählten auf Basis der Zulassungsstudien bei Kindern und Jugendlichen Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit sowie Kopfschmerzen. Die Reaktionen waren größtenteils mild bis moderat. Gelegentlich (zwischen 0,1 % und 1 %) traten Lymphknotenschwellungen auf, die auf den Impfstoff zurückgeführt wurden. Die Einnahme von fiebersenkenden Medikamenten (Antipyretika) gaben 14% der 5- bis 11-Jährigen nach der ersten Impfstoffdosis und 20% nach der zweiten Impfstoffdosis an; bei den 12- bis 15-Jährigen gaben dies 37% nach der ersten Impfstoffdosis und 51% nach der zweiten Impfstoffdosis an; bei den 16- bis 25-Jährigen waren es 32% nach der ersten Impfstoffdosis und 46% nach der zweiten Impfstoffdosis. Anaphylaktische Rektionen wurden weder bei den 5- bis 11-Jährigen und 12- bis 15-Jährigen noch bei den 16- bis 25-Jährigen beobachtet. Genauere Häufigkeitsangaben zu möglichen Impfreaktionen und Nebenwirkungen können der Fachinformation entnommen werden oder finden sich in den entsprechenden Abschnitten zum Impfstoff der 9. Aktualisierung bzw. 15. Aktualisierung.

Seltene Nebenwirkung: Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung (Myokarditis und Perikarditis)

Seit Einführung der COVID-19-Impfung mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty (BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) ist bekannt, dass nach Verabreichung dieser Impfstoffe in seltenen Fällen Herzmuskel- und/oder Herzbeutelentzündungen bei jüngeren Personen auftreten. Die Symptomatik tritt typischerweise innerhalb von wenigen Tagen nach der Imp¬fung auf und ist nach der 2. Impfstoffdosis häufiger als nach der 1. Impfstoffdosis. Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach mRNA-Impfung wurden bei Jungen und jungen Männern deutlich häufiger beobachtet als bei Mädchen und Frauen. Die Verläufe waren zumeist mild, es fehlten jedoch Daten zum Langzeitverlauf. Da Myo- und Perikarditiden im Alter von unter 30 Jahren nach Spikevax häufiger vorkommen als nach der Impfung mit Comirnaty, empfiehlt die STIKO seit Anfang November (s. 13. Aktualisierung) für die Impfung von Personen im Alter von 12 bis 29 Jahren ausschließlich Comirnaty einzusetzen. Alleine in den USA und Kanada wurden bei den 12-17-Jährigen bereits über 12 Millionen Impfstoffdosen verabreicht. Bisher wurden in dieser Altersgruppe keine weiteren schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse nach der COVID-19-Impfung nachgewiesen.

Bei Kindern von 5 bis 11 Jahren wurden in den Zulassungsstudien keine schweren Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen beobachtet. Allerdings liegen aufgrund der Studiengröße bei Zulassung und der vergleichsweise kurzen Beobachtungszeit nach Impfung in den Ländern, die bereits in dieser Altersgruppe impfen, bisher noch keine ausreichenden Daten vor, um seltene und sehr seltene unerwünschte Wirkungen erkennen zu können.

Stand: 17.12.2021

Welchen Kindern und Jugendlichen wird die COVID-19-Schutzimpfung besonders empfohlen?

Die STIKO empfiehlt allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren eine COVID-19-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (BioNTech/Pfizer). Zusätzlich empfiehlt die STIKO Kindern im Alter von 5-11 Jahren, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung haben die COVID-19-Impfung mit Comirnaty. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche ab 5 Jahren, in deren Umfeld sich Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hoher Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf befinden, die selbst nicht geimpft werden können oder bei denen der begründete Verdacht auf einen nicht ausreichenden Schutz nach Impfung besteht (z. B. Menschen unter relevanter immunsuppressiver Therapie). Außerdem besteht eine berufliche Impfindikation für Jugendliche, die arbeitsbedingt entweder ein erhöhtes Expositionsrisiko aufweisen oder engen Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben.

Zu den Grunderkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Verläufe bei Kindern und Jugendlichen einhergehen, gehören:

  • Adipositas (> 97. Perzentile des Body Mass Index (BMI))
  • Angeborene oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression
  • Angeborene zyanotische Herzfehler (O2-Ruhesättigung <80 %) und Einkammerherzen nach Fontan-Operation
  • Chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion unterhalb der 5. Perzentile, definiert als z-Score-Wert < -1,64 für die forcierte Einsekundenkapazität (FEV1) oder Vitalkapazität (FVC) (ein gut eingestelltes Asthma bronchiale ist hier nicht gemeint)
  • Schweres oder unkontrolliertes Asthma bronchiale
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen
  • Diabetes mellitus, wenn nicht gut eingestellt bzw. mit HbA1c-Wert >9,0%
  • Schwere Herzinsuffizienz
  • Schwere pulmonale Hypertonie
  • Syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung
  • Trisomie 21
  • Tumorerkrankungen und maligne hämatologische Erkrankungen

Eine allgemeine Impfempfehlung der STIKO für nicht voerkrankte Kinder von 5-11 Jahren besteht derzeit nicht. Die COVID-19-Impfung kann aber auch bei 5- bis 11-jährigen Kindern ohne Vorerkrankungen bei individuellem Wunsch von Kindern und Eltern bzw. Sorgeberechtigten nach ärztlicher Aufklärung erfolgen.

Stand: 17.12.2021

Wie wirksam ist die COVID-19-Impfung für Kinder und Jugendliche?

In klinischen Studien zur Zulassung zeigte eine vollständige Impfung mit Comirnaty (BioNTech/ Pfizer) bei 12- bis 15-Jährigen eine Wirksamkeit gegenüber einer COVID-19-Erkrankung von bis zu 100 %. Es ist davon auszugehen, dass die Wirksamkeit in Bezug auf eine schwere COVID-19-Erkrankung ähnlich hoch ist.

Der bei Kindern von 5 bis 11-Jahren eingesetzte Impfstoff Comirnaty für Kinder (BioNTech/ Pfizer) hat in dieser Altersgruppe mit etwa 90% eine sehr hohe Wirksamkeit zur Verhinderung symptomatischer COVID-19-Erkrankungen.

Es ist derzeit noch unklar, ob die Impfstoffe das Risiko von PIMS-TS oder Long-COVID bei Kindern und Jugendlichen reduzieren können.
Wie lange der Impfschutz anhält, ist derzeit auch noch nicht bekannt. Der Schutz setzt auch nicht sofort nach der Impfung ein und einige geimpfte Personen bleiben ungeschützt.

Die STIKO empfiehlt in der 13. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung für Personen unter 30 Jahren die ausschließliche Impfung mit Comirnaty (BioNTech/ Pfizer). Weitere Informationen finden sie hier.

Stand: 17.12.2021

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