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Häufig gestellte Fragen zur Rück­stellungs­frist für MSM von der Blutspende

Stand: 26.11.2020

Wer legt fest, wer Blut spenden darf?

In Richtlinien ist festgelegt, wer Blut spenden darf. Diese Richtlinien werden von der Bundesärztekammer und dem Paul-Ehrlich-Institut herausgegeben und regelmäßig aktualisiert (Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)). Die Basis für die Erstellung von Richtlinien für die Herstellung von Blutprodukten ist §12 des Transfusionsgesetzes. Außerdem müssen europäische Vorgaben zur Spenderauswahl berücksichtigt werden, die zwingend in Deutschland umgesetzt werden müssen. Darüber hinaus besteht für jeden Blutspendedienst die Möglichkeit, weitergehende Auswahlkriterien für seinen Bereich festlegen.

Stand: 09.07.2013

Wieso besteht ein Infektionsrisiko für Patientinnen und Patienten, wenn jede Spende getestet wird?

Jede Blutspende wird mindestens auf Infektionsmarker für die viralen HIV-, Hepatitis-B-, Hepatitis-C- und Hepatitis-E-Infektionen und die bakterielle Syphilis-Infektion getestet. Die verwendeten Tests auf Antikörper sind heute äußerst zuverlässig, aber es besteht ein in der Natur der Sache liegender schwacher Punkt: Das sogenannte diagnostische Fenster. Dieser Begriff steht für den Zeitraum nach einer Ansteckung, die der Körper benötigt, um Abwehrstoffe (Antikörper) gegen diese Viren zu bilden, die in den Tests nachgewiesen werden können, als indirekter Beleg einer Infektion. Zusätzlich werden Spenden direkt auf das Vorliegen von HIV und Hepatitis-Viren getestet (mittels sogenannter PCR). Aber auch dieser Test kann die Fensterphase nur weiter verkürzen, nicht aber vollständig beseitigen. Die Länge des diagnostischen Fensters kann, abhängig vom Test und vom Erreger, bis zu acht Wochen lang sein. Es bleibt also ein Restrisiko durch frisch Infizierte, die selbst von diesen hochempfindlichen Tests nicht erfasst werden können.

Ein weiteres Risiko besteht, wenn Erreger sich verändern (mutieren) und in der Folge durch die Standardtests nicht mehr nachgewiesen werden können. Derartige Mutationen sind bei HIV-infizierten Blutspenden vorgekommen, so dass der direkte Virusnachweis nicht gelang und es zu einzelnen HIV-Übertragungen gekommen ist.

Stand: 26.11.2020

Warum werden MSM erst 12 Monate nach ihrem letzten Sex zur Blutspende zugelassen?

Zahlreiche schwer­wiegende Infektions­krankheiten können durch Sexual­kontakte übertragen werden. Dazu gehören nicht nur HIV-, HCV- und HBV-Infektionen sowie Syphilis, auf die jede Blutspende getestet wird, sondern beispiels­weise auch Zikavirus- und Hepatitis-A-Infektionen oder Gonorrhö. Bei einigen dieser sexuell übertragbaren Erkrankungen können die Erreger über einen längeren Zeitraum unerkannt im Blut zirkulieren, ohne dass man sich schon krank fühlt. Bei einer Blutspende in dieser Erkrankungs­phase besteht die Gefahr, dass der Erreger auf den Empfänger der Spende übertragen wird.

Aus diesem Grund werden alle Personen, deren sexuelles Verhalten ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit sich bringt, von der Blutspende zurück­gestellt. Dies betrifft nicht nur MSM sondern auch hetero­sexuelle Personen mit häufig wechselnden Partnern, Sex­arbeite­rinnen und Sexarbeiter und Trans­sexuelle mit sexuellem Risiko­verhalten.

Stand: 21.08.2017

Warum gelten MSM als "Personen, deren Sexual­verhalten ein gegen­über der Allgemein­bevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungs­risiko für durch Blut über­trag­bare schwere Infektions­krankheiten birgt"?

Epidemio­lo­gische Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Sex unter Männern mit einem besonders hohen Übertragungs­risiko für verschiedene Infektionen einhergeht. So entfallen mehr als zwei Drittel der jährlichen Neu­in­fek­tionen mit HIV auf die Gruppe der MSM. Auch bei Syphilis­erkrankungen mit bekanntem Infektions­weg wurden 85% aller Erkran­kungen auf Sex unter Männern zurückgeführt. Aus der Diskrepanz zwischen der Infektions­häufigkeit bei MSM und dem Anteil von MSM an der Bevölkerung (ca. 3-5%) resultiert das gegen­über der Allgemein­bevölkerung deutlich erhöhte Infektions­risiko.

Stand: 21.08.2017

Warum gilt die 12-monatige Rück­stell­frist auch für MSM, die ausschließlich safer sex haben oder in einer festen Partner­schaft leben?

Kondome sind unbestritten ein geeignetes Mittel, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, sofern sie sachgerecht und wirklich bei jedem Sexualkontakt verwendet werden. Zum einen kann bei der eingehenden Befragung im Rahmen der Blutspende nicht mit Sicherheit nachvollzogen werden, ob Kondome bei jedem Sexualverkehr tatsächlich und wirksam angewendet wurden. Zudem stellt der Kondomgebrauch wegen möglicher Anwendungsfehler und eines möglichen Materialversagens nicht hinreichend sicher, dass die Qualitätskriterien für ein Arzneimittel aus Blut immer erfüllt werden.

Auch in einer festen Beziehung ist nicht auszuschließen, dass beide Partner tatsächlich treu sind. Der Partner setzt sich bei Sexualverkehr außerhalb der Partnerschaft einem erhöhten Infektionsrisiko aus und stellt damit auch für den treuen Partner ein Infektionsrisiko dar.

Stand: 21.08.2017

Welche Rückstellungsfrist gilt für Heterosexuelle?

Auch hetero­sexuelle Personen, die durch ihr Sexual­verhalten ein erhöhtes Risiko haben, sich mit gefährlichen Erregern zu infizieren, dürfen entsprechend der Hämo­therapie­richtlinien erst 12 Monate nach ihrem letzten Sex spenden. Dies betrifft z.B. Hetero­sexuelle mit häufig wechselnden Partnern.

Stand: 21.08.2017

Warum wird nicht jede spendewillige Person nach ihren individuellen Risiken (Anzahl Partner bzw. Partnerinnen, Kondomgebrauch, Sexualpraktiken) befragt?

Das individuelle Verhalten jedes Einzelnen – und hier insbesondere das Sexual- oder Partnerschaftsverhalten oder sexuelle Praktiken – im Rahmen einer Spenderbefragung detailliert zu erfragen, ist für die Spendeeinrichtungen nicht durchführbar. Zum einen fehlt im Rahmen der Spende die Zeit, diese sehr persönlichen Fakten zu erfragen und zu bewerten und zum anderen kann im Rahmen einer Spende kein vertrauensvolles Verhältnis zwischen der spendewilligen Person und Mitarbeitenden der Spendedienste aufgebaut werden, in dem derartig private Dinge verlässlich erörtert werden können. Auch zeigen aktuelle Studien, dass ein nicht unerheblicher Teil der Spendenden nicht bereit ist, detailliert über ihr Sexualleben Auskunft zu geben.

Stand: 26.11.2020

Dürfen MSM auch in anderen Ländern erst 12 Monate nach ihrem letzten Sex spenden?

In den meisten Ländern mit ähnlichen Strukturen der Blutspende werden MSM für einen bestimmten Zeitraum nach dem letzten Sexualkontakt mit einem Mann von der Spende zurückgestellt. Diese Zeiträume reichen von 3 Monaten bis zu 12 Monaten, wobei 12 Monate aktuell noch der häufigste Rückstellzeitraum ist. In wenigen Ländern gilt noch immer ein lebenslanger Ausschluss für MSM von der Blutspende.

In einigen Ländern wie z.B. Spanien und Italien hat man sich entschieden, Spendende nach individueller Risikobeurteilung ihres Sexualverhaltens durch das ärztliche Personal zur Spende zuzulassen. MSM mit wechselnden Partnern sind auch hier immer von der Spende ausgeschlossen. Der Anteil von HIV-positiven Spendern ist in diesen beiden Ländern deutlich höher als in Deutschland.

Stand: 26.11.2020

Warum stellt das Zulassungs­kriterium für MSM zur Spende keine Diskrimi­nierung dar?

Spenderauswahlkriterien dienen der Sicherheit von Spendewilligen und Patientinnen und Patienten. Entscheidend für die Festlegung der Kriterien ist das Risiko für eine Infektionsübertragung durch die Blutspende. Bei MSM hängt die Rückstellung nicht von der sexuellen Orientierung ab, sondern von dem Verhalten, von dem das Risiko ausgeht (Sex unter Männern). Dieses ist nachweislich mit einem erhöhten Infektionsrisiko für sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV assoziiert.

Stand: 26.11.2020

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