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Häufig gestellte Fragen zur Rück­stellungs­frist für MSM von der Blutspende

Stand: 24.09.2021

Wer legt fest, wer Blut spenden darf?

In Richtlinien ist festgelegt, wer Blut spenden darf. Diese Richtlinien werden von der Bundesärztekammer und dem Paul-Ehrlich-Institut herausgegeben und regelmäßig aktualisiert (Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)). Die Basis für die Erstellung von Richtlinien für die Herstellung von Blutprodukten ist § 12 des Transfusionsgesetzes. Außerdem müssen europäische Vorgaben zur Spenderauswahl berücksichtigt werden, die zwingend in Deutschland umgesetzt werden müssen. Darüber hinaus besteht für jeden Blutspendedienst die Möglichkeit, weitergehende Auswahlkriterien für seinen Bereich festlegen.

Stand: 24.09.2021

Wieso besteht ein Infektionsrisiko für Patientinnen und Patienten, obwohl jede Spende getestet wird?

Jede Blutspende wird mindestens auf Infektionsmarker für die viralen HIV-, Hepatitis-B-, Hepatitis-C- und Hepatitis-E-Infektionen und die bakterielle Syphilis-Infektion getestet. Die verwendeten Tests auf Antikörper sind heute äußerst zuverlässig, dennoch besteht ein sogenanntes diagnostisches Fenster. Dieser Begriff steht für den Zeitraum nach einer Ansteckung, die der Körper benötigt, um Abwehrstoffe (Antikörper) gegen diese Erreger zu bilden, die in den Tests als indirekter Beleg einer Infektion nachgewiesen werden können. Zusätzlich werden Spenden direkt auf das Vorliegen von HIV und Hepatitis-Viren getestet (mittels sogenannter PCR). Aber auch dieser Test kann die Fensterphase nur weiter verkürzen, nicht aber vollständig beseitigen. Die Länge des diagnostischen Fensters kann, abhängig vom Test und vom Erreger, bis zu acht Wochen lang sein. Es bleibt also ein Restrisiko durch frisch Infizierte, die selbst von diesen hochempfindlichen Tests nicht erfasst werden können.

Ein weiteres Risiko besteht, wenn Erreger sich verändern (mutieren) und in der Folge durch die Standardtests nicht mehr nachgewiesen werden können. Derartige Mutationen sind bei HIV-infizierten Blutspenden vorgekommen, so dass der direkte Virusnachweis nicht gelang und es zu einzelnen HIV-Übertragungen gekommen ist.

Stand: 24.09.2021

Warum werden Personen mit sexuellen Infektionsrisiken erst 4 Monate nach ihrem letzten risikobehafteten Sex zur Blutspende zugelassen?

Zahlreiche schwerwiegende Infektionskrankheiten können durch Sexualkontakte übertragen werden. Dazu gehören nicht nur HIV-, HCV- und HBV-Infektionen sowie Syphilis, auf die jede Blutspende getestet wird, sondern beispielsweise auch Zikavirus- und Hepatitis-A-Infektionen oder Gonorrhö. Bei einigen dieser sexuell übertragbaren Erkrankungen können die Erreger über einen längeren Zeitraum unerkannt im Blut zirkulieren, ohne dass man sich schon krank fühlt. Bei einer Blutspende in dieser Erkrankungsphase besteht die Gefahr, dass der Erreger auf den Empfänger der Spende übertragen wird.

Aus diesem Grund werden alle Personen, deren sexuelles Verhalten ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit sich bringt, von der Blutspende zurückgestellt. Dies betrifft Sexualverkehr zwischen Frau und Mann mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen, Sexualverkehr einer Transperson mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen, Sexualverkehr zwischen Männern (MSM) mit einem neuen Sexualpartner oder mehr als einem Sexualpartner, Personen, die Sexarbeit ausüben, Sexualverkehr mit einer Person mit einer der vorgenannten Verhaltensweisen, Sexualverkehr mit einer Person, die mit HBV, HCV oder HIV infiziert ist sowie Sexualverkehr mit einer Person, die in einem Endemiegebiet/Hochprävalenzland für HBV, HCV oder HIV lebt oder von dort eingereist ist.

Stand: 24.09.2021

Warum gelten für MSM andere Kriterien?

Epidemiologische Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Sex unter Männern mit einem besonders hohen Übertragungsrisiko für verschiedene Infektionen einhergeht. So entfallen ca. zwei Drittel der jährlichen Neuinfektionen mit HIV auf die Gruppe der MSM. Auch bei Syphiliserkrankungen mit bekanntem Infektionsweg wurden 85% aller Erkrankungen auf Sex unter Männern zurückgeführt. Aus der Diskrepanz zwischen der Infektionshäufigkeit bei MSM und dem Anteil von MSM an der Bevölkerung (ca. 3-5%) resultiert das gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhte Infektionsrisiko. Dieses ist vor allem bei neuen Sexualkontakten gegeben oder bei Sexualkontakten mit mehr als einem Partner in den letzten 4 Monaten. Für MSM, die seit mindestens 4 Monaten in einer sexuell exklusiven Partnerschaft leben, besteht kein erhöhtes Infektionsrisiko. Daher können diese MSM ohne Rückstellung spenden.

Stand: 24.09.2021

Warum gilt die 4-monatige Rückstellfrist auch für MSM mit einem neuen Partner oder mehr als einem Partner, die ausschließlich safer sex haben?

Kondome sind unbestritten ein geeignetes Mittel, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, sofern sie sachgerecht und wirklich bei jedem Sexualkontakt verwendet werden. Bei der Befragung im Rahmen der Blutspende kann nicht mit Sicherheit nachvollzogen werden, ob Kondome bei jedem Sexualverkehr tatsächlich und wirksam angewendet wurden. Zudem stellt der Kondomgebrauch wegen möglicher Anwendungsfehler und eines möglichen Materialversagens nicht hinreichend sicher, dass die Qualitätskriterien für ein Arzneimittel aus Blut immer erfüllt werden.

Stand: 24.09.2021

Warum wird nicht jede spendewillige Person nach ihren individuellen Risiken (Anzahl Partner bzw. Partnerinnen, Kondomgebrauch, Sexualpraktiken) befragt?

Das individuelle Verhalten jedes Einzelnen – und hier insbesondere das Sexual- oder Partnerschaftsverhalten oder sexuelle Praktiken – im Rahmen einer Spenderbefragung bei der Blut- und Plasmaspende detailliert zu erfragen, ist nicht sinnvoll. Zum einen fehlt im Rahmen der Spende die Zeit, diese sehr persönlichen Fakten zu erfragen und zu bewerten, und zum anderen kann im Rahmen einer Spende kein vertrauensvolles Verhältnis zwischen der spendewilligen Person und Mitarbeitenden der Spendedienste aufgebaut werden, in dem derartig private Dinge verlässlich erörtert werden können. Auch zeigen aktuelle Studien, dass ein nicht unerheblicher Teil der Spendenden nicht bereit ist, detailliert über sein Sexualleben Auskunft zu geben.

Stand: 24.09.2021

Wie sind die Regelungen für Blut- und Plasmaspende bei sexuellen Risikoverhalten in anderen Ländern?

In vielen Ländern mit ähnlichen Strukturen der Blutspende und ähnlicher Verbreitung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen werden die Regelungen für die Zulassung zur Spende derzeit intensiv diskutiert. Aktuell werden meist MSM für einen bestimmten Zeitraum nach dem letzten Sexualkontakt mit einem Mann von der Spende zurückgestellt. Diese Zeiträume reichen von 3 Monaten bis zu 12 Monaten. In wenigen Ländern gilt noch immer ein lebenslanger Ausschluss für MSM von der Blutspende.

In einigen Ländern wie z.B. Spanien, Italien und Großbritannien hat man sich entschieden, Spendende nach individueller Risikobeurteilung ihres Sexualverhaltens durch das ärztliche Personal zur Spende zuzulassen. MSM mit wechselnden Partnern sind auch hier immer von der Spende ausgeschlossen. Der Anteil von HIV-positiven Spendern in Italien und Spanien ist in diesen beiden Ländern deutlich höher als in Deutschland. Für Großbritannien liegen noch keine Daten vor, da die Änderung erst im Sommer 2021 erfolgte.

Stand: 24.09.2021

Warum stellen die Zulassungskriterien für Personen mit sexuellen Infektionsrisken zur Spende keine Diskrimi-nierung dar?

Spenderauswahlkriterien dienen der Sicherheit von Spendewilligen und Patientinnen und Patienten. Entscheidend für die Festlegung der Kriterien ist das Risiko für eine Infektionsübertragung durch die Blutspende. Bei Personen mit sexuellen Infektionsrisiken hängt die Rückstellung nicht von der sexuellen Orientierung oder Identifikation ab, sondern von dem Verhalten, von dem das Risiko ausgeht.

Stand: 24.09.2021

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