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Stellungnahme des RKI zu Vorwürfen, Erkenntnisse zu asymptomatischer Übertragung ignoriert zu haben

Am 30.1.2020 veröffentlichten Rothe et al. im New England Journal of Medicine den Bericht “Transmission of 2019-nCoV Infection from an Asymptomatic Contact in Germany".

Am 30. und 31.1.2020 fanden Gespräche zwischen der chinesischen Indexpatientin und Vertretern des (federführenden) Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und des RKI statt. Im Gegensatz zu ersten Berichten und den Angaben im NEJM-Artikel, wonach die chinesische Indexpatientin während ihres Kontakts mit den deutschen Fällen als nicht symptomatisch erschien (NEJM: „...During her stay, she had been well with no signs or symptoms of infection but had become ill on her flight back to China, ...“), haben diese Gespräche auf chinesisch jedoch ergeben, dass sie während des Kontakts wahrscheinlich milde, unspezifische Symptome wie Rückenschmerzen hatte. Diese Symptome waren jedoch schwer zu bewerten, da die Patientin ein fieber- und schmerzsenkendes Medikament eingenommen hatte.

Die Ergebnisse der Befragung wurden am 30. und 31.1.2020 an die WHO, das European Centre for Disease Control (ECDC) und die Europäische Kommission weitergegeben und die Umstände, unter denen die Ansteckungen stattgefunden hatten, präzisiert.

Am 7. Februar haben die Autoren des NEJM-Artikels Material ergänzt, in dem detailliert auf die chinesische Patientin und ihre frühe Symptomatik eingegangen wird (Supplement; allerdings ohne Publikationsdatum).

Aus Einzelfällen wie diesen ergibt sich jedoch nicht automatisch eine Änderung der Einschätzung. Relevant ist immer, wie häufig bestimmte Phänomene stattfinden. Wichtiger für die Einschätzung des RKI waren daher die Untersuchungsergebnisse des Ausbruchs bei der Firma Webasto. Aus diesen ging zweifelsfrei hervor, dass bei mehreren Fällen eine frühe Übertragung, d.h. am Tag des Symptombeginns oder vielleicht schon davor, festgestellt werden konnte. Zusätzlich wurde klar, dass es eine so genannte prodromale Phase mit unspezifischer Symptomatik geben kann, während der aber eine Übertragung schon möglich scheint. Dies stand im Einklang mit dem im NEJM beschriebenen Fall. Die Untersuchungsergebnisse wurden in The Lancet Infectious Diseases publiziert ("Investigation of a COVID-19 Outbreak in Germany Resulting From a Single Travel-Associated Primary Case: A Case Series", preprint am 30.3.2020, siehe auch Kommentar von Rybniker und Fätkenheuer) und am 10.2.2020 an WHO und ECDC kommuniziert (Korrektur: zuvor war hier der 4.3.2020 angegeben).

Insgesamt haben diese Fälle gezeigt, dass COVID-19-Patienten schon anfangs sehr unspezifische Symptome zeigen können und erst etwas später Atemwegsbeschwerden und Fieber entwickeln. Für das RKI bedeutete das, dass bei der Kontaktpersonennachverfolgung auch die Personen mit einbezogen werden müssen, die mit dem bestätigte Fall bis zu zwei Tage vor Auftreten seiner/ihrer Symptome Kontakt hatten. Entsprechend wurden die Empfehlungen für das Kontaktpersonenmanagement bereits am 30.1.2020 angepasst. Am 7.2.2020 wurden die Falldefinitionen erweitert: als Verdachtsfälle galten dann u.a. auch Patienten mit unspezifischen Allgemeinsymptomen, die Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall gehabt hatten.

Das Robert Koch-Institut hatte die Möglichkeit von symptomlosen Übertragungen von Anfang an in Betracht gezogen und u.a. in den FAQ kommuniziert („Es wurden auch einzelne Fälle bekannt, in denen sich Personen möglicherweise bei Betroffenen angesteckt haben, die noch keine Symptome gezeigt hatten", Stand 31.1.2020). Es hatte auch vor dem NEJM-Artikel und der Webasto-Untersuchung schon eine Veröffentlichung aus China gegeben, die eine Übertragung durch eine präsymptomatische bzw. asymptomatische Person vermuten ließ. Zu Beginn der Pandemie war jedoch nicht klar, in welchem Ausmaß solche Übertragungen stattfinden. Das Wissen dazu füllte sich erst in den kommenden Monaten durch Publikation weiterer epidemiologischer Analysen von Ausbrüchen oder anderen dafür auswertbaren Ereignissen, z.B. so genannte Infector-Infectee-Paare.

Stand: 03.07.2020

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