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Workshop „Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus“ – eine wissenschaftshistorische Bestandsaufnahme

Gemeinsame Pressemitteilung des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité / Universitätsmedizin Berlin und des Robert Koch-Instituts

Am 19. und 20. Januar 2007 findet im Robert Koch-Institut (Standort Seestraße 10) der Workshop „Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus“ statt. Seit Mai 2006 untersucht eine am medizinhistorischen Institut der Charité angesiedelte Forschergruppe die Geschichte des Robert Koch-Instituts im Nationalsozialismus. Der Workshop wurde von den Mitarbeiterinnen des Projekts - Dr. Marion Hulverscheidt, Dr. Anja Laukötter, Dr. Annette Hinz-Wessels – organisiert. Die Tagung bringt die wichtigsten Wissenschaftler des Feldes zusammen, um die bisherigen Kenntnisse zu diskutieren und weitere Forschungslücken zu identifizieren. Für die Vorträge wurden internationale Experten aus den Bereichen der Allgemeinen Geschichte, Medizin- und Wissenschaftsgeschichte gewonnen.

Ziel des vom Robert Koch-Institut initiierten und finanzierten Projektes ist es, das wissenschaftliche, politische und wissenschaftspolitische Handeln der Institution Robert Koch-Institut in der Zeit des Nationalsozialismus so vollständig wie möglich, rückhaltlos und ohne institutionelle Befangenheit zu erforschen. Dazu wurde unter Leitung der Berliner Professoren Volker Hess, Medizingeschichte Charité, und Rüdiger vom Bruch, Wissenschaftsgeschichte (HU), eine „Historische Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Robert Koch-Instituts im Nationalsozialismus“ eingerichtet, die mit international renommierten Historikerinnen und Historikern besetzt ist. Dieses aktive und beratende Gremium wird die wissenschaftliche Unabhängigkeit und Qualität des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprogramms gewährleisten. Die weiteren Mitglieder der Kommission sind Prof. Christian Bonah, Strasbourg, Prof. Dr. Peter Kröner, Münster, Prof. Dr. Christoph Gradmann, Oslo, Dr. Andrew Mendelsohn, PhD, London, Prof. Carola Sachse, Wien, und Prof. Paul Weindling, Oxford.

Das Robert Koch-Institut wurde als ehemaliges Preußisches Institut für Infektionskrankheiten 1935 zunächst dem Reichsgesundheitsamt angegliedert, 1942 dann sogar zur Reichsanstalt aufgewertet. Aufgrund seiner Aufgabenstellung war es erheblich in die nationalsozialistische Gesundheitspolitik involviert. Einzelne Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts beteiligten sich an den inhumanen Menschenversuchen in Konzentrationslagern, andere hatten wichtige Positionen im Wissenschaftssystem des „Dritten Reichs“ inne. Damit unterscheidet sich das Institut nicht wesentlich von anderen medizinischen Einrichtungen dieser Zeit. Das wird auf dieser ersten von mehren geplanten Tagungen unter dreierlei Perspektive deutlich, nämlich für die beteiligten Wissenschaftler, für ihre Forschungen und für die Institution im Ganzen.

In einem personenbezogenen Zugang werden die Auswirkungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, die Berufungspolitik des Institutes sowie der Einfluss der zunehmenden Mobilmachung während des Krieges auf die personelle Zusammensetzung und Größe des Institut betrachtet; ferner wird nach den personellen Beziehungen zum Reichsgesundheitsamt gefragt.

Die wissenschaftlichen Felder, auf denen sich das Robert Koch-Institut betätigte, waren mannigfaltig: Produktion und Qualitätskontrolle von Sera und Impfstoffen, moderne Virusforschung, Seuchenbekämpfung, tropenmedizinische Forschung und Tuberkuloseforschung mit jeweils unterschiedlichen politischen Implikationen. Die Bedeutung der am Robert Koch-Institut stattgefundenen wissenschaftlichen Arbeiten und deren Ergebnisse für die serologische Forschung, die tropenmedizinische Forschung, die Fleckfieberforschung und die Tuberkuloseforschung werden in Einzelbeiträgen dargestellt.

Die institutionelle Einbindung des Robert Koch-Instituts ist in vieler Hinsicht auszumachen: erstens in Konkurrenz zum Reichsgesundheitsamt und dessen Forschungsinstituten in Berlin-Dahlem; zweitens als weisungsbefugte und qualitätskontrollierende Fachaufsicht über die Hygiene-Institute und Gesundheitsämter reichsweit; drittens als nationale Lehr- und Forschungsanstalt, die auch an der städtischen Krankenversorgung und der universitären Lehre beteiligt war, und viertens in Form enger Kooperationen zwischen Militär und Industrie. Auf die Beziehungen zum Militär sowie zu einzelnen universitären Instituten wird im Besonderen eingegangen.

Das Programm des Workshops ist auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar: www.rki.de > Das Institut > Geschichte > RKI im Nationalsozialismus > Programm.

Stand: 18.01.2007

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