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Ausstellung über das SA-Gefängnis General-Pape-Straße "Verfolgte Ärzte im Nationalsozialismus" eröffnet. RKI gedenkt der Opfer des Nazi-Terrors

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 entstanden an verschiedenen Orten in Berlin sogenannte "wilde Konzentrationslager", die den neuen Machthabern dazu dienten, politische Gegner nach willkürlichen Verhaftungen zu verhören und zu mißhandeln. Auch auf dem Gelände des damaligen Kasernenkomplexes an der General-Pape-Straße, das heute teilweise vom Robert Koch-Institut belegt wird, befand sich von März bis Dezember 1933 ein Gefängnis der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg. Hier wurden etwa 2.000 Menschen - darunter bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur - gefangengehalten, gefoltert und psychisch mißhandelt. In vielen Fällen führten die willkürlichen Mißhandlungen zum Tode der Inhaftierten.

Mit der Ausstellung im Robert Koch-Institut sollen die Beiträge der im Tempelhofer SA-Gefängnis Inhaftierten zum Gesundheitswesen in Forschung, Praxis und Politik gewürdigt werden. Die Ausstellung rekonstruiert Lebenswege dieser verfolgten Menschen vor 1933 und - sofern sie überlebten - nach 1945. Auf sieben Tafeln werden Ärzte und Ärztinnen sowie Gesundheitspolitiker vorgestellt, die in den zwanziger Jahren als Hausärzte, Kliniker oder fortschrittliche Sozialmediziner tätig waren. Dr. Arno Philippsthal und der Krankenkassen-Geschäftsführer und Geschäftsführer der Ambulatorien Max Ebel waren z.B. zwei der Opfer, die an ihren Verletzungen aus den Folterungen im SA-Gefängnis starben.

Aus den Biographien der Opfer wird deutlich, daß mit ihrer Vertreibung oder ihrem Tod viele Ideen und Konzepte des sich damals schnell entwickelnden Public Health-Gedankens zerstört wurden. Welche Folgen die nationalsozialistische Herrschaft für die Medizin hatte, wird am Beispiel des Krankenhauses Moabit und den Fürsorgestellen, Ambulatorien sowie Polikliniken gezeigt.

Nach 1945 gerieten der Ort und die Ereignisse in Vergessenheit. Erst 1992 wurden die Kellerräume des Gefängnisses an der General-Pape-Straße durch den Hinweis eines Zeitzeugen wiederentdeckt. Der Tod oder die Emigration der Opfer machen es schwierig, die Namen und Lebensgeschichten der Betroffenen und die Geschehnisse zu rekonstruieren.

"Das Robert Koch-Institut will mit der Ausstellung "Verfolgte Ärzte im Nationalsozialismus" an die Gewalt, Willkür und Brutalität der nationalsozialistischen Herrschaft auch gegenüber Ärzten erinnern", sagt Prof. Reinhard Kurth, Leiter des Robert Koch-Instituts, der am 16.6.1999 um 11 Uhr, die Ausstellung eröffnet. Paul Tollmann, ein ehemaliger Gefangener, wird über die Zeit seiner Inhaftierung berichten. Außerdem wird die Soziologin Sylvia Walleczek die Entdeckung der Kellerräume des SA-Gefängnisses Papestraße beschreiben, die nach 60 Jahren Licht in die dunkle Vergangenheit der General-Pape-Straße brachte.

Die Ausstellung "Verfolgte Ärzte im Nationalsozialismus" befindet sich im Robert Koch-Institut, General-Pape-Straße 62, Berlin-Tempelhof. Sie ist werktags von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

Stand: 16.06.1999

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