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Ergebnisse aus der Enterovirus­surveillance

Im Rahmen der bundesweiten Enterovirus-Surveillance (EVSurv) wird allen pädiatrischen und neurologischen Kliniken in Deutschland bei Patienten mit Verdacht auf virale Meningitis bzw. Enzephalitis sowie akuten schlaffen Paresen (AFP) eine unentgeltliche Enterovirusdiagnostik angeboten. Deutschlandweit nehmen derzeit ca. 150 Kliniken an der EVSurv teil. Jährlich werden durchschnittlich 2.500 Proben innerhalb der EVSurv untersucht; in 20-30% der Proben können Enteroviren (EV) nachgewiesen werden (Tab. 1).

Tabelle 1:

Tabelle 1: Ergebnisübersicht der Enterovirus-Surveillance (EVSurv) in Deutschland 2010– September 2019 Ergebnisübersicht der Enterovirus-Surveillance (EVSurv) in Deutschland 2010– September 2019

Um Polioviren sicher ausschließen zu können, werden primär Stuhlproben zur Untersuchung empfohlen. Sie machen insgesamt ca. 68% des eingesandten Untersuchungsmaterials aus (Tendenz steigend: 2019: 77%), weitere 27% sind Liquorproben (2019: 21%). Vereinzelt werden auch andere Materialien eingesandt.

Etwa 57% der Einsendungen stammten von männlichen, 42% von weiblichen Patienten. Bei den untersuchten Patienten handelte es sich überwiegend um Kinder <15 Jahren (84%, Median 4 Jahre), wobei der Anteil EV-positiver Proben (34%) in der Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen im Gesamtzeitraum am höchsten ist.

Seit 2014 sind die Einsendungen von Proben der Kinder über 5 Jahren rückläufig, während die Anzahl der Einsendungen von Kindern unter 5 Jahren stabil blieben. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung über die letzten 3 Jahre im Vergleich zum Jahr 2010 als die EVSurv in den Aufgabenbereich des RKI aufgenommen wurde.

Abbildung 1:

Einsendungen der letzten 3 Jahre (2017-2019, hell) im Vergleich zum Jahr 2010 (dunkel) nach Altersgruppen. blau = PCR negativ; rot = PCR positiv Einsendungen der letzten 3 Jahre (2017-2019, hell) im Vergleich zum Jahr 2010 (dunkel) nach Altersgruppen. blau = PCR negativ; rot = PCR positiv

Bei ca. 80% der positiven Proben kann der EV-Serotyp bestimmt werden. Über den Gesamtzeitraum wurden ~50 verschiedene EV-Serotypen nachgewiesen (2019 bisher: 27). Polioviren wurden im gesamten Zeitraum nicht detektiert.

EV-Infektionen zeigen eine deutliche Saisonalität und dominieren in den Monaten Juli bis September (64% aller EV-Infektionen im Jahr). In der Saison 2013 wurde eine sehr starke EV-Aktivität beobachtet, gekennzeichnet durch das bislang höchste Probenaufkommen sowie einer sehr hohen EV-PCR- (nahezu 60% im August). Seither ist das jährliche Probenaufkommen moderat mit jeweils wechselnden prädominanten EV Serotypen (Abb. 2).

Abbildung 2:

EV-PCR Ergebnisse von 2010 bis 2019 nach Monat/Jahr mit Darstellung der jährlich prädominant zirkulierenden EV- Serotypen EV-PCR Ergebnisse von 2010 bis 2019 nach Monat/Jahr mit Darstellung der jährlich prädominant zirkulierenden EV- Serotypen

Dominante Serotypen waren bisher vor allem Echovirus Typ 30 (E-30), aber auch Echovirus-6 (E-6) und Enterovirus A-71 (EV-A71), gefolgt von Coxsackievirus B5 (CV-B5). In der laufenden Saison 2019 wurde bisher neben dem dominanten EV-A71 auch CV-B5 häufig nachgewiesen (Tab. 2).

Tabelle 2:

Typisierungsergebnisse 2010-2019 nach Häufigkeiten (Darstellung der Top 10 der EV-Nachweise; weniger häufige Serotypen sind unter "weitere" zusammengefasst). Angabe 2019 bis einschließlich September Typisierungsergebnisse 2010-2019 nach Häufigkeiten (Darstellung der Top 10 der EV-Nachweise; weniger häufige Serotypen sind unter "weitere" zusammengefasst). Angabe 2019 bis einschließlich September

Die Anzahl der pro Jahr untersuchten AFP-Fälle lag in den Jahren 2010 - 2019 zwischen 29 und 76 bei einer Enterovirus-Positivrate zwischen 6,5 und 14%. In Deutschland wurden bisher insgesamt 20 verschiedene Serotypen bei Patienten mit AFP nachgewiesen (Abb. 3). Der Serotyp Echovirus-9 (EV-9) wurde in diesem Jahr erstmalig in Deutschland bei einem Patienten mit Verdacht auf AFP detektiert.

Abbildung 3:

Bei akuten schlaffen Lähmungen mit vorangegangener respiratorischer Symptomatik empfiehlt es sich, eine zusätzliche respiratorische Probe einzusenden und ebenfalls kostenfrei untersuchen zu lassen. Diese Möglichkeit wurde seither allerdings nur selten in Anspruch genommen (<5 Fälle pro Jahr). Grund für die Einführung der kostenfreien Untersuchung einer respiratorischen Probe sind Berichte über AFP-Fälle mit Nachweis einer Läsion des Rückenmarks (Akute schlaffe Myelitis, AFM), die möglicherweise im Zusammenhang mit Enterovirus D68 (EV-D68) stehen. Dieser Serotyp ist säureinstabil und übersteht nur selten die Magen-Darm-Passage. Daher werden EV-D68 im Stuhl selten nachgewiesen (n= 8). Um die Rolle von EV-D68 bei AFP/AFM zu bewerten, sind Untersuchungen von respiratorischen Proben wichtig. Dabei ist eine Probenentnahme innerhalb der ersten Krankheitstage für den Labornachweis entscheidend.

Unter "Datenbank-Abfrage zur Enterovirus-Surveillance" haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, selbst Abfragen aus der EVSurv-Datenbank vorzunehmen (Link siehe unten).

Stand: 01.11.2019

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