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Ergebnisse aus der Enterovirussurveillance

Im Rahmen der bundesweiten Enterovirus-Surveillance (EVSurv) wird allen pädiatrischen und neurologischen Kliniken in Deutschland bei Patienten mit Verdacht auf virale Meningitis bzw. Enzephalitis sowie akuten schlaffen Paresen (AFP) eine unentgeltliche Enterovirusdiagnostik angeboten. Deutschlandweit nehmen derzeit ca. 150 Kliniken an der EVSurv teil. Jährlich werden durchschnittlich 2.500 Proben innerhalb der EVSurv untersucht; in 20-30% der Proben können Enteroviren (EV) nachgewiesen werden (Tab. 1).

Im Vergleich zu den Vorjahren sind 2020 und 2021 weniger als die Hälfte der Proben an ein LaNED gesandt worden. Das zeigt, dass die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Schließung von Schulen und Kitas aufgrund der COVID 19 Pandemie wirksam sind, um Infektionsgeschehen effektiv zu verlangsamen oder aufzuhalten.

Tabelle 1: Ergebnisübersicht der Enterovirus-Surveillance (EVSurv) in Deutschland 2010 – Februar 2022

Tabelle 1: Ergebnisübersicht der Enterovirus-Surveillance (EVSurv) in Deutschland 2010 – Februar 2022. Quelle: RKI

Um Polioviren sicher ausschließen zu können, werden primär Stuhlproben zur Untersuchung empfohlen. Sie machen insgesamt ca. 68% des eingesandten Untersuchungsmaterials aus weitere 27% sind Liquorproben. Vereinzelt werden auch andere Materialien eingesandt. Beim Auftreten eines polio-ähnlichen Verlaufes mit vorangegangener respiratorischer Symptomatik ist die Untersuchung einer zusätzlichen Probe des oberen Respirationstraktes sinnvoll und wird im Rahmen der EVSurv ebenfalls kostenlos durchgeführt.

Etwa 57% der Einsendungen stammten von männlichen, 42% von weiblichen Patienten. Bei den untersuchten Patienten handelte es sich überwiegend um Kinder <15 Jahren (84%, Median 4 Jahre), wobei der Anteil EV-positiver Proben (34%) in der Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen im Gesamtzeitraum am höchsten ist.

Seit 2014 sind die Einsendungen von Proben der Kinder über 5 Jahren rückläufig, während die Anzahl der Einsendungen von Kindern unter 5 Jahren stabil blieb.

Bei ca. 80% der positiven Proben kann der EV-Serotyp bestimmt werden. Über den Gesamtzeitraum wurden ~50 verschiedene EV-Serotypen nachgewiesen. Polioviren wurden im gesamten Zeitraum nicht detektiert.

EV-Infektionen zeigen eine deutliche Saisonalität und dominieren in den Monaten Juli bis September (64% aller EV-Infektionen im Jahr). In der Saison 2013 wurde eine sehr starke EV-Aktivität beobachtet, gekennzeichnet durch das bislang höchste Probenaufkommen sowie einer sehr hohen EV-PCR-Positivrate (nahezu 60% im August). Seither ist das jährliche Probenaufkommen moderat und in den Pandemiejahren 2020 und 2021 deutlich reduziert. Insbesondere die Anzahl der EV-positiven Proben ging stark zurück.

Abbildung 1: EV-PCR Ergebnisse von 2010 bis 2021 nach Monat/Jahr

Abbildung 1: EV-PCR Ergebnisse von 2010 bis 2021 nach Monat/Jahr. Quelle: RKI

Dominante Serotypen waren bisher vor allem Echovirus Typ 30 (E-30), aber auch Echovirus-6 (E-6) und Enterovirus A-71 (EV-A71), gefolgt von Coxsackievirus B5 (CV-B5) wie in Tabelle 2 dargestellt. In den letzten beiden Jahren war aufgrund der geringen Zahl an Nachweisen keine Aussage zur Prädominanz von Serotypen zu treffen.

Tabelle 2: Typisierungsergebnisse 2010-2019 nach Häufigkeiten (Darstellung der Top 10 der EV-Nachweise; weniger häufige Serotypen sind unter "weitere" zusammengefasst). Angabe 2019 bis einschließlich September

Tabelle 2: Typisierungsergebnisse 2010-2019 nach Häufigkeiten (Darstellung der Top 10 der EV-Nachweise; weniger häufige Serotypen sind unter "weitere" zusammengefasst). Angabe 2019 bis einschließlich September. Quelle RKI

Die Anzahl der pro Jahr untersuchten AFP-Fälle lag in den Jahren 2010 - 2021 zwischen 29 und 76 bei einer Enterovirus-Positivrate zwischen 6,5 und 14% (mit Ausnahme der Jahre 2020 und 2021 mit je 3%). In Deutschland wurden bisher insgesamt 20 verschiedene Serotypen bei Patienten mit AFP nachgewiesen (Abb. 2).

Abbildung 2: EV-Serotypen, die bei Patienten mit akuten schlaffen Paresen (AFP) nachgewiesen wurden [n= 20).

Abbildung 2: EV-Serotypen, die bei Patienten mit akuten schlaffen Paresen (AFP) nachgewiesen wurden [n= 20). Quelle: RKI Abbildung 2: Unter „Andere“ werden folgende einmalig detektierte EV Serotypen zusammengefasst dargestellt: CV-A6, CV-A8, CV-B3, E-7, E-9, E-25, EV-D68. Bei weiteren 21 AFP Fällen mit positiver EV PCR konnte kein eindeutiger Serotyp zugeordnet, jedoch Polio ausgeschlossen werden.

Bei akuten schlaffen Lähmungen mit vorangegangener respiratorischer Symptomatik empfiehlt es sich, eine zusätzliche respiratorische Probe einzusenden und ebenfalls kostenfrei untersuchen zu lassen. Diese Möglichkeit wurde seither allerdings nur selten in Anspruch genommen (<5 Fälle pro Jahr). Grund für die Einführung der kostenfreien Untersuchung einer respiratorischen Probe sind Berichte über AFP Fälle mit Nachweis einer Läsion des Rückenmarks (Akute schlaffe Myelitis, AFM), die möglicherweise im Zusammenhang mit Enterovirus D68 (EV-D68) stehen. Dieser Serotyp ist säureinstabil und übersteht nur selten die Magen-Darm Passage. Daher werden EV-D68 im Stuhl selten nachgewiesen (n= 8). Um die Rolle von EV-D68 bei AFP/AFM zu bewerten, sind Untersuchungen von respiratorischen Proben wichtig. Dabei ist eine Probenentnahme innerhalb der ersten Krankheitstage für den Labornachweis entscheidend.

Unter "Datenbank-Abfrage zur Enterovirus-Surveillance" haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, selbst Abfragen aus der EVSurv-Datenbank vorzunehmen (Link siehe unten).

Stand: 22.03.2022

Ausgewählte Publikationen

  • Keeren K, Böttcher S on behalf of the LaNED; Diedrich S (2021): Enterovirus surveillance (EVSurv) in Germany.
    Microorganisms 9 (10): 2005. Epub Sep 22. doi: 10.3390/microorganisms9102005. mehr

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