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BURDEN 2020 – Studie zur Nationalen Berechnung der Krankheitslast in Deutschland

Am 12. und 13. April 2018 war das Robert Koch-Institut zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) und dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) Gastgeber des internationalen Workshops "Burden of Disease in Germany and its regions". Ziel des Workshops war es, von Erfahrung und Know-how der Burden of Disease-Studien ausgewählter europäischer Länder zu profitieren und mit den nationalen und internationalen Teilnehmenden methodische Herausforderungen zu diskutieren. Der Workshop war gleichzeitig ein Kick Off-Treffen für das dreijährige Forschungsprojekt BURDEN 2020, das von RKI, UBA und WIdO mit Fördergeldern des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA umgesetzt wird. BURDEN 2020 etabliert ein Konzept zur Krankheitslastrechnung für Deutschland und seine Regionen anhand ausgewählter Erkrankungen mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung [1].

Ein Konzept zur Quantifizierung der Gesundheit der Bevölkerung

Das Konzept der Krankheitslast (Burden of Disease) bemisst, welchen Einfluss einzelne Erkrankungen auf die verlorenen oder in Einschränkung verbrachten Lebensjahre einer Bevölkerung haben und berücksichtigt die Erkrankungsschwere sowie Risikofaktoren. Die Messung der Krankheitslast ist wichtig, um Bereiche aufzuzeigen, in denen gesundheitspolitische Maßnahmen den größten Nutzen für die Lebensqualität der Menschen erbringen. Die Ende der 1980er Jahre eingeführte Global Burden of Disease (GBD)-Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Messung der globalen Krankheitslast beleuchtete erstmals, wie stark Krankheiten, Verletzungen und Risikofaktoren zur Mortalität und Morbidität der Weltbevölkerung beitragen [2]. Seit 2015 führt das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) jährliche Aktualisierungen der Studie durch [3-5]. Die höchste Krankheitslast wurde nach der GBD-Studie 2016 von ischämischen Herzerkrankungen, Rücken- und Nackenschmerzen und Sinnesorganerkrankungen verursacht.

Eine Erhebung der Krankheitslast in Deutschland ist sinnvoll

Aufgrund der spezifischen Modellierungsverfahren weichen bestimmte Schätzungen der GBD-Studie für Deutschland jedoch erheblich von den Befunden der amtlichen Statistiken und wichtigen Studienergebnissen aus Deutschland ab. Zudem liefern sie keine Schätzungen auf regionaler Ebene. Eine zuverlässige Datengrundlage, die die Krankheitslast der Bevölkerung - auch regional - umfassend und vergleichbar abbilden kann fehlt zurzeit. BURDEN 2020 strebt an, mit den national verfügbaren Datenquellen (amtliche Statistiken, Register, RKI-Surveys, Routinedaten, Umweltdaten) über die GBD-Studie hinaus genauere und regional-differenziertere Berechnungen für Deutschland zu ermöglichen und damit die Akzeptanz des Konzepts bei nationalen Stakeholdern zu erhöhen.

Mit der GBD-Studie wurden Indikatoren zur Beschreibung des Gesundheitszustandes und den Auswirkungen von Mortalität und Morbidität eingeführt. Anhand von Informationen über das Todesalter und die Lebenserwartung in diesem Alter werden die so genannten Lebensjahre berechnet, die durch vorzeitigen Tod (Years of life lost, YLL) verloren gehen. Für die Morbidität werden Informationen über die Prävalenz der Erkrankung in Kombination mit Informationen über die Schwere der Erkrankung (Severity distributions und Disability weights) verwendet, um die Lebensjahre mit Beeinträchtigung (Years lived with disability, YLD) zu schätzen. Die Summe von YLL und YLD ist das Maß für die Gesundheit der Bevölkerung, das Gesundheitseinbußen quantitativ in Form verlorener gesunder Lebensjahre (Disability adjusted life years, DALYs) angibt. Um den Anforderungen an eine nationalen Studie gerecht zu werden, berieten die Workshop-Teilnehmer angeregt, wie besonders zu Beginn des Projekts mit wichtigen methodischen Fragestellungen z.B. zu Severity distributions und Disability weights oder der Verteilung (Redistribution) ungültiger Codierungen in der Statistik zu Mortalitätsursachen umgegangen wird. Herausforderungen des Projekts, wie die Zusammenführung verschiedener Datenquellen und welche Methoden sich zum Schließen von Datenlücken eignen, waren vor allem Thema des zweiten Workshop-Tages. Vertreterinnen und Vertreter der schottischen und belgischen Burden of Disease-Studien stellten Ihre Ansätze zur Umsetzung ihrer Studien vor und stellten spezifische Herausforderungen und entsprechende Anpassungen der Methoden im Vergleich zu IHME zur Diskussion.

Eine Grundlage für Public Health und Gesundheitspolitik

Am Ende der Projektlaufzeit wird Burden 2020 ein transparentes Informationssystem für politische Entscheidungsträger und andere Akteure der Gesundheitsversorgung zur Verfügung stellen. Die Zusammenführung fragmentierter Datenquellen schafft eine epidemiologische Informationsgrundlage für bedarfsgerechte gesundheitspolitische Entscheidungen. Dazu gehört eine interessenunabhängige Darstellung der Krankheitslast in Deutschland und seinen Regionen für eine Auswahl von überwiegend nicht übertragbaren Krankheiten und ihren Risikofaktoren. Darüber hinaus erfolgt eine Darstellung des Zusammenhangs zwischen Krankheitslast und sozialer Deprivation auf regionaler Ebene. Die Berechnungen werden Open Access, sowohl elektronisch als auch in Form von Gesundheitsberichten und Fachbeiträgen kostenlos zugänglich sein. Für die Zukunft ist geplant, diese Schätzungen auf andere Erkrankungen und Risikofaktoren auszuweiten und die Methodik auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen in Deutschland weiter anzupassen. Langfristiges Ziel ist eine differenzierte und kontinuierliche Krankheitslastberechnung für Deutschland, welche die verfügbaren Daten nutzt und die Abschätzung künftiger Rahmenbedingungen mittels Prognosen ermöglicht.

Publikationen zum Text

  1. Rommel, A, et al., BURDEN 2020 – BURDEN of disease in Germany and its regions, Bundesgesundheitsblatt, September 2018 (https://rdcu.be/42n7).
  2. Murray, C.J.L. and A.D. Lopez, The Global Burden of Disease: A comprehensive assessment of mortality and disability from diseases, injuries, and risk factors in 1990 and projected to 2020, ed. C.J.L. Murray and A.D. Lopez. Vol. I. 1996, Cambridge: Harvard School of Public Health on behalf of the World Health Organization and the World Bank.
  3. Murray, C.J.L., et al., Disability-adjusted life years (DALYs) for 291 diseases and injuries in 21 regions, 1990-2010: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2010. The Lancet, 2012. 380(9859): p. 2197-2223.
  4. Murray, C.J.L., et al., GBD 2010: design, definitions, and metrics. The Lancet, 2012. 380(9859): p. 2063-2066.
  5. Murray, C.J.L., et al., GBD 2010: a multi-investigator collaboration for global comparative descriptive epidemiology. The Lancet, 2012. 380(9859): p. 2055-2058.

Autoren: Alexander Rommel, Elena von der Lippe, Aline Anton, Thomas Ziese

Ansprechpartner des Projekts:

Alexander Rommel
Robert Koch-Institut
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring
FG24 Gesundheitsberichterstattung
Postfach 650261 | D-13302 Berlin
Tel: +49 (0)30 18754 3490
E-Mail: Alexander Rommel

Stand: 23.08.2018

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