Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Bericht zum UNSGM-Workshop in Berlin, Oktober 2017

UNSGM Designated Laboratories Workshop on data assessment and laboratory capabilities

Vom 25. bis 27. Oktober 2017 fand der "UNSGM Designated Laboratories Workshop on data assessment and laboratory capabilities" in Berlin statt, der von Mitarbeitern des ZBS 2 Hochpathogene mikrobielle Erreger mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes ausgerichtet wurde.

Der Secretary-General’s Mechanism for Investigation of Alleged Use of Chemical and Biological Weapons (UNSGM) wurde in den späten 80-iger Jahren als ein Werkzeug ins Leben gerufen, das es dem Generalsekretär der Vereinten Nationen erlaubt, auf Bitten eines Mitgliedsstaates bei einem vermuteten Einsatz von biologischen oder chemischen Waffen ein Expertenteam zu benennen, das einen solchen Vorfall untersucht und an alle Mitgliedsstaaten die Ergebnisse berichtet. Die Koordination und Ausführung der Maßnahmen erfolgt durch das United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA).

Insbesondere für die Aufklärung eines vermuteten Einsatzes von biologischen Waffen ist aufgrund der spezifischen Eigenschaften von Infektions­erregern und biologischen Toxinen noch eine Reihe von Fragen offen. Bereits 2014 hat das RKI einen wichtigen Beitrag zur Klärung von fachlichen und logistischen Fragen bei der Probenahme vor Ort mit einem ebenfalls vom Auswärtigen Amt unterstützten Projekt beigetragen (Link siehe unten).

Der Generalsekretärs-Mechanismus der Vereinten Nationen führt zudem eine Liste (ein sog. Roster) von Referenzlaboren, die von den Mitgliedsstaaten nominiert wurden, und aus denen anlassbezogen vom Leiter des Untersuchungsteams in Abstimmung mit dem Generalsekretär Labore zur Untersuchung von Proben aus dem vermuteten Einsatzgebiet biologischer Waffen ausgewählt werden. Zu den Aufgaben dieser Labore gehören die Bestätigung oder der Ausschluss des vermuteten biologischen Agens sowie das Auffinden von Hinweisen, die einen vorsätzlichen Einsatz dieser Agenzien stützen. Ein dabei zu gewährleistendes Kriterium ist die sogenannte geographische und politische Breite der für den gegebenen Fall ausgewählten Labore (in der Regel drei), um eine möglichst hohe Akzeptanz der Untersuchungsergebnisse durch die Mitgliedsstaaten zu erzielen.

Im Gegensatz zu Laboren, die auf die Untersuchung chemischer Waffen spezialisiert sind und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) angehören, gab es allerdings bisher keine Ansätze, eine Validierung der Fähigkeiten und der Qualität der nominierten Labore im Bereich biologischer Waffen vorzunehmen. Aufbauend auf drei Workshops, die von unseren Schweizer Kollegen vom Labor Spiez zu allgemeinen Fragen der Rolle der Referenzlabore organisiert wurden, hat das RKI/ZBS2 nun erstmalig mit der Unterstützung von UNODA und des Auswärtigen Amtes einen Workshop organisiert, bei dem es sehr konkret um Fragen der Anwendung unterschiedlicher Methoden zur Identifizierung und Charakterisierung von Bakterien und Viren als biologische Agenzien sowie um die Beurteilung der erzielten Ergebnisse ging. Zudem wurden basierend auf den Ergebnissen des Workshops fachliche Empfehlungen für die Mitgliedsstaaten erarbeitet, die sie bei der Auswahl der von ihnen nominierten Referenzlabore berücksichtigen können. An dem Workshop haben 38 Laborexperten aus 14 Ländern teilgenommen.

Zunächst wurde in verschiedenen Vorträgen beleuchtet, wie in unterschiedlichen Laboren (FBI, USA; Anti-Plague Research Institute, Russland) und Organisationen (NATO, OIE, WHO) Labordaten für einen Laborendbericht zur Beurteilung einer Ausbruchssituation zusammengefasst werden. In einer weiteren Serie von Vorträgen wurde ein breites Spektrum relevanter Methoden, die zur Erregeridentifizierung und -charakterisierung beitragen können, besprochen. Neben ausländischen Gästen konnte hier das RKI mit Vorträgen von Cristina Domingo Carrasco (ZBS 1) zur Virusdiagnostik, Daniela Jacob (ZBS 2) zur Bakteriendiagnostik, Jörg Döllinger (ZBS 6) zu modernen Proteomikansätzen, Michael Laue (ZBS 4) zu mikroskopischen Analysen sowie Andrea Thürmer (MF 2) zu Möglichkeiten und Grenzen der Next-Generation-Sequenzierungs­technologien mit einem hohen Wissensstand und technologischer Breite wesentlich zur weiteren Diskussion beitragen. Für die anschließende Debatte zur Wertigkeit von Ergebnissen, die mit den unterschiedlichen Methoden und Verfahren erzielt wurden, stellte Roland Grunow ein Bewertungsschema vor, das bereits als ein Ergebnis während des letzten Workshops in Spiez initial diskutiert und hier nun weiter besprochen wurde. In der sehr lebhaften Diskussion zeigten sich unterschiedliche Auffassungen zur Anwendung eines solchen Beurteilungsansatzes. Eine breite Übereinstimmung wurde darin erzielt, dass praktisch erzielte Labordaten am besten zur Evaluierung eines solchen Schemas oder anderer alternativer Ansätze führen können.

Dafür haben wir im zweiten Teil des vom Auswärtigen Amt geförderten Projektes "Deutscher Beitrag zur Stärkung der Referenzlabore Bio im UNSGM (RefBio)" bereits Vorsorge getroffen. Noch in diesem Jahr soll eine erste Qualitätsübung von ZBS 2 für die interessierten Labore im Rahmen des UNSGM ausgerichtet werden. Dazu werden an die entsprechenden Labore Proben verschickt, die es erlauben, von einfachen bis hin zu komplexen und aufwendigen Methoden das gesamte Laborarsenal zur Beantwortung der relevanten Fragestellungen zur eindeutigen Identifizierung und Charakterisierung biologischer Agenzien im Rahmen des UNSGM anzuwenden. Bisher haben sich weltweit ca. 16 Labore angemeldet. Natürlich wird auch das RKI selbst mit den verfügbaren Möglichkeiten fachgebiets­übergreifend an dieser Übung teilnehmen. Wir freuen uns auf diese Herausforderung und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse. Die Teilnehmer und wir hoffen, dass wir diese hochinteressanten und sinnvollen Aktivitäten zur Stärkung des Generalsekretärs-Mechanismus auch in Zukunft fortsetzen können.

Stand: 03.11.2017

Zusatzinformationen

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.