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GOARN Einsatz im WHO Regionalbüro Westpazifik (WPRO) und WHO Länderbüro der Philippinen (24.2.2020)

Einem Aufruf der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über das Global Outbreak Alert & Response Network (GOARN) folgend, entsandte das Robert Koch-Institut (RKI) eine Mitarbeiterin der Informationsstelle für internationalen Gesundheitsschutz zur Unterstützung des WHO Regionalbüros Westpazifik (WPRO) sowie des WHO Länderbüros der Philippinen bei der COVID-19 Bekämpfung. Diese meldeten seit Anfang März einen deutlichen Anstieg der COVID-19 Fall- und Todeszahlen. Das Landesbüro der WHO unterstützt die philippinische Regierung dabei, die begrenzten Kapazitäten im Land für die bevorstehende Gesundheitskrise zu stärken.

Die Entsendung in das WPRO Regionalbüro nach Manila, Philippinen, erfolgte in der Zeit vom 24.02.2020 bis zum 21.03.2020. Die RKI-Mitarbeiterin unterstützte die COVID-19-Ausbruchsmaßnahmen des Regionalbüros im Bereich Datenmanagement und technische Beratung. Zudem war sie kurzzeitig im WHO Länderbüro der Philippinen eingesetzt, um von dort das philippinische Gesundheitsamt und die epidemiologischen Aktivitäten im Rahmen des COVID-19-Ausbruchs zu unterstützen.

Abbildung links: WHO Western Pacific Regional Ofice; rechts: Department of Health (Gesundheitsamt)/Epidemiologisches Büro Philippinen. Quelle: RKIAbb. 1 links: WHO Western Pacific Regional Ofice; rechts: Department of Health (Gesundheitsamt) / Epidemiologisches Büro Philippinen. Quelle: RKI

WPRO ist eine der 6 Regionen der WHO und besteht aus 37 Mitgliedsstaaten im südöstlichen Asien sowie westlichen Pazifik mit Hauptsitz in Manila, Philippinen1. Die Mitgliedsstaaten zeichnen sich durch sehr große Diversität ihrer Bevölkerungen sowie ökonomischer Faktoren und der Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitssysteme aus. Dadurch haben die Länder sehr unterschiedliche Bedarfe in der Unterstützung durch die WHO. So haben Länder wie z.B. Australien, China, Japan und Südkorea umfangreiche Ressourcen und Mechanismen, um auf Gesundheitskrisen zu reagieren. Hingegen Länder wie Kambodscha, Laos, Papua-Neuguinea, Philippinen, Vietnam und die Inselstaaten im Pazifik verfügen über weniger finanzielle und menschliche Ressourcen sowie schwache Gesundheitssysteme, um sich auf einen großen Krankheitsausbruch angemessen vorzubereiten und bewältigen zu können.

Mit dem COVID-19-Ausbruch, der am 31.12.2019 in China erklärt wurde, war die Region WPRO schon sehr früh von der Pandemie betroffen und die WHO aktivierte frühzeitig Mechanismen zur Vorbereitung und Reaktion auf eine Gesundheitskrise auf 3 Ebenen (Länderbüros, Regionalbüro und Hauptquartier). Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Aktivierung eines Incident Management Systems innerhalb der WHO. Dieses regelt und koordiniert die technische und operative Unterstützung der Länderbüros durch das Regionalbüro in verschiedenen Bereichen der Ausbruchsbekämpfung. So wurde in WPRO beispielsweise die gesundheitliche Notfallbereitschaft der einzelnen Länder anhand bestimmter Indikatoren bewertet. Dies soll Bedarfe identifizieren um Unterstützung durch das Regionalbüro gezielt einbringen zu können, z.B. bei der Entwicklung nationaler Krisenpläne. Die aktuelle Strategie der Region ist darauf ausgelegt, die Länder auf eine großflächige Ausbreitung von COVID-19 in der Bevölkerung (Large-scale community transmission) vorzubereiten und Strategien im Umgang damit zu entwickeln. Besonders ressourcenarme Länder mit fragilen Gesundheitssystemen werden prioritär durch die WHO unterstützt, z.B. bei der Beschaffung und Lieferung von persönlicher Schutzausrüstung für Gesundheitspersonal sowie von Diagnosetests.

Fokus Philippinen

Die Philippinen meldeten bereits Ende Januar über erste importierte COVID-19-Fälle. Der erste Fall ohne Reisevorgeschichte wurde schließlich am 05.03.2020 berichtet. Dieser besuchte regelmäßig eine muslimische Gebetshalle in der Hauptstad Manila, was vermuten ließ, dass in der 13 Mio. Metropole bereits eine Übertragung in der Bevölkerung (Community Transmission) von SARS-CoV-2 stattgefunden hatte. Als die Philippinen in den ersten Märzwochen einen Anstieg von COVID-19 Fällen und Todesfällen verzeichneten, entsandte das Regionalbüro WPRO umgehend mehrere Mitarbeitende in das WHO Landesbüro in Manila um das dortige Gesundheitsamt bei der epidemiologischen Arbeit zu unterstützen.

Bis zum 06.04.2020 meldeten die Philippinen insgesamt 3.660 bestätigte COVID-19-Fälle, darunter 163 Todesfälle (Fallsterblichkeit 4,5%). Ausgehend von der Hauptstadtregion National Capital Region (NCR) breitet sich SARS-CoV-2 nun auch in die ländlichen Regionen aus. NCR auf der Insel Luzon ist mit 54% aller Fälle bisher am stärksten betroffen (Datenstand 06.04.2020).

Graphik 1: Täglich bestätigte COVID-19 Fälle und Fallsterblichkeit in den Philippinen, 05.03.-06.04.20. Quelle: WHOGraphik 1: Täglich bestätigte COVID-19 Fälle und Fallsterblichkeit in den Philippinen, 05.03.-06.04.20. Quelle: WHO

Anfang März wurde auf den Philippinen eine im globalen Vergleich sehr hohe Fallsterblichkeit mit bis zu 12,5% beobachtet. Dies kann einerseits durch eine hohe Morbidität der älteren, erkrankten Menschen erklärt werden. Anderseits lässt eine hohe Fallsterblichkeit aber auch vermuten, dass nur ein geringer Teil der tatsächlichen Fälle im Land erfasst wird. So begrenzen z.B. mangelnde Kapazitäten im Gesundheitswesen und eine unzureichende finanzielle Absicherung der Bevölkerung im Krankheitsfall den Zugang zum Gesundheitssystem. Dies begünstigt die Untererfassung der Gesamtfallzahlen. Aber auch eine geringe Testkapazität aufgrund fehlender Labor-Test-Kits, weniger funktionsfähiger Labore und knapper personeller Ressourcen, erschwert die Erfassung von COVID-19-Fällen. Mit Unterstützung der WHO und weiterer Hilfsorganisationen, wie UNICEF und USAID, konnten die Labor- und Testkapazitäten im Land etwas gestärkt werden. Aktuell verfügen 10 Labore über die notwendige Ausrüstung, um Proben auf SARS-CoV-2 testen zu können, 69 weitere sollen noch hinzukommen. Bis zum 03.04.2020 wurden insgesamt etwa 16.000 Tests durchgeführt.

Begrenzte Ressourcen und Kapazitäten des Gesundheitswesens erschweren die Bekämpfung und Eindämmung des COVID-19-Ausbruchs auf den Philippinen. Dazu gehören neben mangelnden Laborkapazitäten z.B. auch fehlende Schutzausrüstung für medizinisches Personal sowie eine geringe Verfügbarkeit von Krankenhaus-, Isolations- und Intensivbetten mit Beatmungsgeräten für schwer Erkrankte. Auch die Umsetzung von Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen im häuslichen Bereich für erkrankte Personen mit mildem Verlauf scheint eine Herausforderung. Ein Großteil v.a. der ländlichen Bevölkerung lebt in Haushalten mit vielen Personen auf engem Raum zusammen. Eine effektive Isolation von bestätigten Fällen innerhalb eines Haushalts ist dadurch oft nicht möglich, wodurch die weitere Ausbreitung des Virus begünstigt wird. Um die bestätigten Fälle adäquat von gesunden Menschen zu isolieren, werden nun z.B. Evakuierungszentren genutzt, die sonst für den Fall von Erdbeben bereitgestellt sind.

Abbildung: Gesundheitsminister Francisco Duque III (rechts) und WHO-Vertreter Dr. Rabindra Abeyasinghe (links) bei der Übergabe von Schutzausrüstung für medizinisches Personal. Quelle: WHOGesundheitsminister Francisco Duque III (rechts) und WHO-Vertreter Dr. Rabindra Abeyasinghe (links) bei der Übergabe von Schutzausrüstung für medizinisches Personal. Quelle: WHO

Seit 15.03.2020 ist die Insel Luzon unter erweiterter Community Quarantäne. Diese soll bis mindestens 14.04.2020 andauern. Andere Regionen der Philippinen haben eigene ähnliche Quarantäne-Maßnahmen eingeführt. Auf Luzon wurde die Bewegungsfreiheit der knapp 50 Mio. Einwohner stark eingeschränkt. Alle Bildungseinrichtungen sowie öffentliche und religiöse Orte sind geschlossen, Massenveranstaltungen sind verboten und sowohl die Außengrenzen als auch die Grenzen zwischen den Regionen innerhalb des Landes wurden geschlossen. Auch musste der Privatsektor seine Arbeit pausieren und Läden und Einkaufzentren bleiben geschlossen. Am 17.03.2020 hat Präsident Rodrigo Duterte den Katastrophenzustand in den Philippinen für eine vorläufige Periode von 6 Monaten ausgerufen.

Durch die Quarantäne-Maßnahmen im COVID-19-Ausbruch zeigen sich im Land auch soziale Herausforderungen. Viele Menschen haben keine finanzielle Absicherung und geraten durch den Wegfall ihres Arbeitseinkommens zunehmend in finanzielle Not. Dies hat in der letzten Zeit zu Unruhen in der Bevölkerung geführt und vor allem ärmere Gruppen protestierten gegen zu geringe Nahrungsmittelhilfe durch die Regierung.

Für die Philippinen ist der COVID-19-Ausbruch eine große gesellschaftliche Herausforderung. Zudem scheinen andere Krankheitsausbrüche im Land, wie z.B. Poliomyelitis oder Denguefieber, weniger Aufmerksamkeit zu bekommen und drohen sich nun wieder verstärkt auszubreiten.

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1Australien, Brunei Darussalam, China, Demokratische Volksrepublik Laos, Hongkong (China), Japan, Kambodscha, Macao (China), Malaysia, Mongolei, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Philippinen, Südkorea, Singapur, Vietnam, Pazifische Inselstaaten (PICs): Amerikanisch-Samoa (USA), Cook-Inseln, Fidschi, Kiribati, Marshall-Inseln, Mikronesien (Föderierte Staaten von), Nauru, Niue, Palau, Samoa, Salomon-Inseln, Tonga, Tuvalu, Vanuatu, Französisch-Polynesien (Frankreich), Guam (USA), Neukaledonien (Frankreich), Nördliche Marianen-Inseln (USA), Pitcairn (Großbritannien), Tokelau (Neuseeland), Wallis und Futuna (Frankreich)

Stand: 04.06.2020

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