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GrippeWeb-Wochenbericht

Kalenderwoche 47 (21.11. – 27.11.2022), Datenstand: 29.11.2022

Zusammenfassung der 47. KW 2022

Die für die Bevölkerung in Deutschland geschätzte Rate von Personen mit einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung mit Fieber, Husten oder Halsschmerzen (ARE) ist in der 47. Kalenderwoche (KW) (21.11. – 27.11.2022) im Vergleich zur Vorwoche deutlich gestiegen (9,9 %; Vorwoche: 8,4 %). Die Rate der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI, definiert als ARE mit Fieber) ist im Vergleich zur Vorwoche ebenfalls deutlich gestiegen (3,0 %; Vorwoche: 2,6 %). Die Gesamt-ARE-Rate und die Gesamt-ILI-Rate liegen in der 47. KW 2022 über dem Bereich der Vorjahre und auf einem Niveau, das z. B. zum Höhepunkt der starken Grippewelle in der Saison 2017/18 beobachtet wurde.

Die für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten Raten für die 47. KW 2022 beruhen auf den Angaben von 6.235 GrippeWeb-Teilnehmenden, von diesen meldeten 633 eine ARE und 197 eine ILI (Datenstand: 29.11.2022, 0:00 Uhr). Durch Nachmeldungen, die bis zu vier Wochen lang möglich sind, können sich noch Änderungen ergeben.

Akute Atemwegserkrankungen (ARE)

Abbildung (1). Quelle: © RKI

Abbildung (1): Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ARE-Raten (gesamt, in Prozent; Linien) in den Saisons 2017/18 bis 2022/23 sowie die COVID-19-Rate (Anteil der durch PCR-Untersuchung bestätigten Fälle in Prozent der Bevölkerung; sandfarbene Fläche), die aus den Meldedaten nach IfSG berechnet wurde, dargestellt ab der 40. KW 2022 (Stand Meldedaten: 28.11.2022). In Jahren mit 53 KW wird der Wert der 53. KW aus den vorliegenden Daten berechnet, für Jahre mit 52 KW wird der Wert für die 53. KW als Mittelwert der 52. KW und der 1. KW dargestellt. Der schwarze, senkrechte Strich markiert die 53. KW (Jahreswechsel).
Quelle: RKI

Abbildung 1 zeigt die Gesamt-ARE-Rate in den Saisons 2017/18 bis 2022/23 sowie zum Vergleich die COVID-19-Rate ab der 40. KW 2022.

Mit einer Gesamt-ARE-Rate von 9,9 % (entsprechend 9.900 ARE-Fällen pro 100.000 Einwohner) hatten – bezogen auf die Bevölkerung in Deutschland – in der 47. KW etwa 8,2 Millionen Personen eine neu aufgetretene akute Atemwegserkrankung (mit mindestens Husten oder Halsschmerzen sowie mit oder ohne Fieber), unabhängig von einem Arztbesuch. Die Gesamt-ARE-Rate zeigt seit der 45. KW 2022 einen deutlich steigenden Trend und liegt mit 9,9 % deutlich über den Vorjahreswerten zu dieser Zeit, ist aber auch höher als in den vorpandemischen Jahren (Median der 47. KW in 2011 bis 2019: 6,8 % (Spannweite: 5,7 % – 8,1 %)). Dieser relativ hohe Wert wurde in den vorpandemischen Jahren im Rahmen von Grippewellen erreicht, die i. d. R. im Februar ihren Höhepunkt haben (Abbildung 1). Aktuell gibt es laut der Definition der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) eine erhöhte Influenzaviruszirkulation im Sinne einer Grippewelle seit der 43. KW 2022. Die aktuellen hohen ARE-Raten gehen aber nicht nur auf die erhöhte Influenzaviruszirkulation, sondern u.a. auch auf die gleichzeitig ablaufende RSV-Welle bei den Kleinkindern (seit der 41. KW) zurück (siehe auch Abschnitt „Akute Atemwegserkrankungen (ARE) nach Altersgruppen“).

Die COVID-19-Rate wurde aus den nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Fällen mit SARS-CoV-2-Nachweis berechnet (sandfarbene Fläche in Abbildung 1; Stand der IfSG-Meldedaten: 28.11.2022). Zum Größenvergleich wurde die COVID-19-Rate in der gleichen Abbildung wie die Gesamt-ARE-Rate dargestellt. Die wöchentlich übermittelte COVID-19-Rate (7-Tages-Inzidenz) der 47. KW 2022 lag bei etwa 180 pro 100.000 Einwohnern. Dies entspricht ca. 0,2 % der Gesamtbevölkerung bzw. etwa 180.000 neuen, übermittelten COVID-19-Fällen in der 47. KW 2022. Zum Vergleich: Im Vorjahr zur 47. KW lag die COVID-19-Rate bei 0,5 %.

Grippeähnliche Erkrankungen (ILI)

Abbildung (2). Quelle: © RKI

Abbildung (2): Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ILI-Raten (gesamt, in Prozent; Linien) in den Saisons 2017/18 bis 2022/23 sowie die COVID-19-Rate (Anteil der durch PCR-Untersuchung bestätigten Fälle in Prozent der Bevölkerung; sandfarbene Fläche), die aus den Meldedaten nach IfSG berechnet wurde, dargestellt ab der 40. KW 2022 (Stand Meldedaten: 28.11.2022). In Jahren mit 53 KW wird der Wert der 53. KW aus den vorliegenden Daten berechnet, für Jahre mit 52 KW wird der Wert für die 53. KW als Mittelwert der 52. KW und der 1. KW dargestellt. Der schwarze, senkrechte Strich markiert die 53. KW (Jahreswechsel).
Quelle: RKI

Abbildung 2 zeigt die Rate der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI, Untergruppe der ARE) in den Saisons 2017/18 bis 2022/23 sowie zum Vergleich die COVID-19-Rate ab der 40. KW 2022.

Ähnlich wie bei der Gesamt-ARE-Rate ist die Gesamt-ILI-Rate in der 47. KW 2022 von 2,6 % auf 3,0 % weiter angestiegen. In den letzten zwei Wochen hat sich die ILI-Rate verdoppelt. Die aktuelle ILI-Rate entspricht mit 3.000 ILI-Fällen pro 100.000 Einwohner ca. 2,5 Mio. neu aufgetretenen grippeähnlichen Erkrankungen (Fieber mit Husten oder Halsschmerzen) in der Gesamtbevölkerung in der 47. KW, ebenfalls unabhängig von einem Arztbesuch.

Die Gesamt-ILI-Rate liegt noch deutlicher als die ARE-Rate über dem Bereich der vorpandemischen Jahre zur 47. KW (Abbildung 2, nicht alle Vorsaisons abgebildet; Median der 47. KW in 2011 bis 2019: 1,4 % (Spannweite: 1,1 % – 1,8 %)) und den beiden Pandemiejahren. Auch hier ähneln die Werte dem sonst zu Beginn eines Jahres auftretenden Grippewellen.

Akute Atemwegserkrankungen (ARE) nach Altersgruppen

Abbildung (3). Quelle: © RKI

Abbildung (3): Links: Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ARE-Raten für Kinder (0 bis 14 Jahre) und Erwachsene (ab 15 Jahre) in den Saisons 2020/21 bis 2022/23. In Jahren mit 53 KW wird der Wert der 53. KW aus den vorliegenden Daten berechnet, für Jahre mit 52 KW wird der Wert für die 53. KW als Mittelwert der 52. KW und der 1. KW dargestellt. Der schwarze, senkrechte Strich markiert den Jahreswechsel. Rechts: Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ARE-Raten in fünf Altersgruppen von der 40. KW 2021 bis zur 47. KW 2022. Die beiden jüngsten Altersgruppen gehören zur Altersgruppe der Kinder (0 bis 14 Jahre), die anderen drei Altersgruppen zur Altersgruppe der Erwachsenen (ab 15 Jahre). Der schwarze, senkrechte Strich markiert den Jahreswechsel.
Quelle: RKI

Abbildung 3 zeigt die nach Kindern (0 bis 14 Jahre) und Erwachsenen (ab 15 Jahre) getrennt analysierten ARE-Raten im Vergleich der Saisons 2020/21 bis 2022/23 (linke Seite) und die nach fünf Altersgruppen getrennt analysierten ARE-Raten seit der 40. KW 2021 (rechte Seite).

Der Anstieg der Gesamt-ARE-Rate in der 47. KW 2022 ist sowohl auf den Anstieg der ARE-Rate bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen zurückzuführen, bei den Kindern ist die Zunahme aber besonders beachtlich (Abbildung 3, links).
Rund 24 % – d. h. in etwa jedes 4. Kind – hatte in der 47. KW eine neu aufgetretene ARE. Damit liegt die ARE-Rate bei den Kindern sehr viel höher als in den vorpandemischen Jahren (Median der 47. KW in 2011 bis 2019: 12,0 % (Spannweite: 10,6 % – 16,1 %); nicht abgebildet).
Die ARE-Rate bei den Erwachsenen befindet sich mit 7,8 % auch über dem Wertebereich der vorpandemischen Jahre (Median der 47. KW in 2011 bis 2019: 6,1 % (Spannweite: 4,9 % – 6,9 %; vorpandemische Jahre nicht dargestellt).

Bei Betrachtung der ARE-Raten in den fünf verschiedenen Altersgruppen zeigte sich nach dem Ende der Herbstferien in allen Bundesländern (44. KW 2022) ein Anstieg der ARE-Raten in allen Altersgruppen (Abbildung 3, rechts). Besonders auffällig ist dabei die weiter kontinuierliche und zum Teil starke Zunahme bei den Kleinkindern (0 bis 4 Jahre) und Schulkindern (5 bis 14 Jahre) in den vergangenen drei Wochen. Mit einem Anstieg um 40 % (von 15,3 % auf 21,5 %) ist die ARE-Rate bei den Schulkindern im Vergleich zur Vorwoche am deutlichsten gestiegen. Die aktuellen ARE-Raten liegen in allen Altersgruppen über dem Durchschnitt wie sie vor der Pandemie zur 47. KW beobachtet worden waren, bei den 5- bis 14-Jährigen sogar mehr als doppelt so hoch (nicht dargestellt).

Bei der gegenwärtigen ARE-Dynamik dominieren in den Altersgruppen verschiedene Atemwegserreger: RSV bei den 0 bis 4 Jahre alten Kindern, Influenzaviren vor allem bei den Schulkindern und jungen Erwachsenen sowie Rhinoviren und SARS-CoV-2 bei den Erwachsenen, in der ältesten Altersgruppe spielt auch RSV wieder eine Rolle (mehr Informationen dazu unten unter „Daten aus der Arbeitsgemeinschaft Influenza“).

Grippeähnliche Erkrankungen (ILI) nach Altersgruppen

Abbildung (4). Quelle: © RKI

Abbildung (4): Links: Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ILI-Raten für Kinder (0 bis 14 Jahre) und Erwachsene (ab 15 Jahre) in den Saisons 2020/21 bis 2022/23. In Jahren mit 53 KW wird der Wert der 53. KW aus den vorliegenden Daten berechnet, für Jahre mit 52 KW wird der Wert für die 53. KW als Mittelwert der 52. KW und der 1. KW dargestellt. Der schwarze, senkrechte Strich markiert den Jahreswechsel. Rechts: Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ILI-Raten in fünf Altersgruppen von der 40. KW 2021 bis zur 47. KW 2022. Die beiden jüngsten Altersgruppen gehören zur Altersgruppe der Kinder (0 bis 14 Jahre), die anderen drei Altersgruppen zur Altersgruppe der Erwachsenen (ab 15 Jahre). Der schwarze, senkrechte Strich markiert den Jahreswechsel.
Quelle: RKI

Abbildung 4 zeigt die nach Kindern (0 bis 14 Jahre) und Erwachsenen (ab 15 Jahre) getrennt analysierten ILI-Raten im Vergleich der Saisons 2020/21 bis 2022/23 (linke Seite) und die nach fünf Altersgruppen getrennt analysierten ARE-Raten seit der 40. KW 2021 (rechte Seite).

Die ILI-Rate zeigt in den unterschiedlichen Altersgruppen eine ähnliche Dynamik wie bei den ARE-Raten. Auch hier liegen die ILI-Raten in der 47. KW 2022 höher als in den vergleichbaren Vorjahreszeiträumen. Den deutlichsten Anstieg im Vergleich zur Vorwoche gab es hier allerdings bei den jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre, orange Linie in Abbildung 4, rechter Bildrand). Die ILI-Raten in der 47. KW 2022 liegen bei den Kindern und jungen Erwachsenen (0 bis 34 Jahre) mehr als doppelt so hoch als im Durchschnitt der vorpandemischen Jahre (2011 bis 2019).

Im Vergleich mit der starken Grippewelle 2017/18 (52. KW 2017 bis 14. KW 2018) liegt die ILI-Rate bei den Kindern (o bis 14 Jahre) mit 10,4 % aktuell höher als im Grippewellenzeitraum 2017/18 (höchster Wert in der 6. KW 2018: 9,0 %).

Durch Nachmeldungen der GrippeWeb-Teilnehmenden, die bis zu vier Wochen lang möglich sind, können sich noch Änderungen in den ARE- und ILI-Raten ergeben.

Daten aus der Arbeitsgemeinschaft Influenza

Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), die Meldungen von Haus- und Kinderarztpraxen auswertet, berichtet, dass im ambulanten Bereich die Zahl der Arztbesuche wegen ARE in der 47. KW im Vergleich zur Vorwoche bundesweit gestiegen ist. Die Zahl der Arzt¬besuche liegt über dem Wertebereich der vorpandemischen Jahre um diese Zeit.
Im Nationalen Referenzzentrum für Influenzaviren wurden in der 47. KW in insgesamt 226 (75 %) der 301 eingesandten Sentinelproben Atemwegsviren identifiziert. In den eingesandten Sentinelproben wurden hauptsächlich Influenzaviren (36 %), RSV (19 %) und Rhinoviren (11 %) nachgewiesen. Im Rahmen der ICD-10-Code basierten Krankenhaussurveillance (ICOSARI) ist die Zahl schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI) insgesamt leicht gestiegen. Der Anteil der mit einer schweren Atemwegserkrankung hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit einer Influenza-Diagnose steigt weiter an und lag in der 47. KW bei insgesamt 12 %, der Anteil an COVID-19-Diagnosen lag bei 10 %. Bei 0- bis 4-jährigen SARI-Patientinnen und Patienten blieb der Anteil der RSV-Diagnosen stabil bei 59 %.
Insbesondere bei Kleinkindern führt die anhaltende RSV-Aktivität zu Arztkonsultationen und Krankenhauseinweisungen. Steigende Influenzavirus- und hohe RSV-Aktivität wird auch aus anderen Ländern in Europa berichtet.

Weitere Informationen sind abrufbar im aktuellen ARE-Wochenbericht der AGI.

Stand: 02.12.2022

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