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Übersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC)

Stand: 2.12.2021

Besorgniserregende Virusvarianten (variants of concern, VOC) sind Varianten von SARS-CoV-2, die sich in ihren Erregereigenschaften wie beispielsweise der Übertragbarkeit, der Virulenz, oder der Suszeptibilität gegenüber der Immunantwort von genesenen oder geimpften Personen relevant von den herkömmlichen Virusvarianten unterscheiden. Darüber hinaus stehen weitere Viruslinien aufgrund verschiedener besorgniserregender Mutationen unter besonderer Beobachtung (VOI – variants of interest). Daten zum Vorkommen von VOC und VOI in Deutschland werden jeden Donnerstag im ausführlichen Wochenbericht des RKI zu COVID-19 veröffentlicht. Die bis Mitte Juli 2021 veröffentlichten gesonderten VOC-Berichte sind abrufbar unter www.rki.de/covid-19-voc-berichte.

Übersicht

Die WHO stellt eine Übersicht über SARS-CoV-2-Varianten bereit. Molekularbiologische Details zu den Varianten sind unter SARS-CoV-2: Virologische Basisdaten und Virusvarianten abrufbar. Karten zur internationalen Verbreitung stellt die Seite cov-lineages.org zur Verfügung.

Die WHO listet derzeit folgende VOC:

Delta (B.1.617.2): Diese Variante wurde erstmals im Oktober 2020 in Indien nachgewiesen und dominiert derzeit das Geschehen in vielen Ländern, darunter auch in Deutschland. Delta zeichnet sich durch Mutationen aus, die die Übertragbarkeit des Virus erhöhen und mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden. Studien deuten darauf hin, dass nach vollständiger Impfung ein sehr guter Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta besteht. Bei einer unvollständigen Impfserie (eine von zwei Dosen) ist die Wirksamkeit gegen milde Verläufe jedoch verringert .

Delta gilt nicht als Virusvariante im Sinne von §10 Abs. 2 Nr. 1 der Verordnung zur Regelung von Erleichterungen und Ausnahmen von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung – SchAusnahmV).

Omikron (B.1.1.529): Über diese Variante wurde zuerst am 24.11.2021 vom südafrikanischen Gesundheitsministerium berichtet, sie wurde am 26.11.2021 von der WHO zur VOC erklärt. Phylogenetische Untersuchungen zeigen, dass Omikron unabhängig von der derzeit dominierenden Delta-Variante entstanden ist. Sie besitzt im Vergleich zum ursprünglichen SARS-CoV-2 aus Wuhan eine ungewöhnlich hohe Zahl von ca. 30 Aminosäureänderungen im Spike-Protein, darunter solche mit bekanntem phänotypischem Einfluss (Erhöhung der Transmission, Immunevasion, Übertragbarkeit), aber auch viele Mutationen, deren Bedeutung unklar ist. Die Variante wurde bereits in verschiedenen Ländern weltweit nachgewiesen, darunter auch in Deutschland. Das RKI informiert auf einer eigenen Seite über Omikron. Die WHO stellt ebenfalls Informationen bereit.

Alpha (B.1.1.7): Im Dezember 2020 berichteten britische Behörden von dieser SARS-CoV-2-Virusvariante, die erstmals im September 2020 in Großbritannien nachgewiesen wurde. Sie ist leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als die zuvor zirkulierenden Varianten und weist eine höhere Reproduktionszahl auf, so dass ihre Ausbreitung schwerer einzudämmen ist. Es gibt Hinweise darauf, dass Alpha mit einer erhöhten Fallsterblichkeit in allen Altersgruppen einhergeht. Hinweise auf eine substantiell verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe gibt es bislang nicht. Nachdem Alpha das europäische Pandemiegeschehen im Frühjahr 2021 dominiert hat, wird die Variante inzwischen nur noch in wenigen Fällen in Europa nachgewiesen.

Alpha gilt nicht als Virusvariante im Sinne von §10 Abs. 2 Nr. 1 der Verordnung zur Regelung von Erleichterungen und Ausnahmen von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung – SchAusnahmV).

Beta (B.1.351): Über diese Virusvariante, die zuerst in Südafrika nachgewiesen wurde, wurde ebenfalls erstmals im Dezember 2020 berichtet. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Menschen, die mit der ursprünglichen Variante infiziert waren oder einen auf dieser beruhenden Impfstoff erhalten haben, weniger gut vor einer Infektion mit Beta geschützt sind, da die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, gegen das veränderte Virus weniger wirksam sind. Auch für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit diskutiert.

Gamma (P.1): Diese Variante wurde erstmals im brasilianischen Staat Amazonas nachgewiesen und ähnelt in ihren Veränderungen der südafrikanischen Variante. Sie weist bestimmte Mutationen wie E484K auf, die u.a. auch in Beta präsent sind. Experimentelle Daten deuten auch für diese Variante auf eine reduzierte Wirksamkeit neutralisierender Antikörper bei Genesenen bzw. Geimpften hin. Eine erhöhte Übertragbarkeit wird auch für diese Virusvariante angenommen.

Situation in Deutschland

Daten zum Vorkommen von VOC und VOI in Deutschland werden jeden Donnerstag im ausführlichen Wochenbericht (abrufbar unter www.rki.de/covid-19-situationsbericht) veröffentlicht.

Am 24.12.2020 berichtete das Land Baden-Württemberg erstmals über einen Nachweis der Alpha-Variante. Anschließend hat sich Alpha rasch verbreitet und wurde zunächst die dominierende Variante in Deutschland. Ab Ende Mai 2021 hatte jedoch der Anteil der Delta-Variante sehr stark zugenommen. Seit Ende Juni 2021 ist Delta die dominierende Variante in Deutschland. Am 26. und 27.11.2021 wurden die ersten Fälle durch die Variante Omikron in Hessen und in Bayern bestätigt, jeweils bei Reiserückkehrern aus Südafrika. Beta und Gamma sind bislang nur selten nachgewiesen worden.

Die Impfung (vollständige Impfung/Auffrischung gemäß STIKO-Empfehlungen) bietet einen sehr guten Schutz gegen COVID-19. Ein relevanter Teil der Bevölkerung hat jedoch weiterhin noch keinerlei Immunschutz. Deshalb ist es umso wichtiger, die bekannten Regeln – Kontaktreduktion, mind. 1,5 Meter Abstand halten, Testangebote wahrnehmen, Hygieneregeln beachten, insbesondere in Innenräumen Mund-Nasen-Schutz („OP-Maske“) tragen und lüften – konsequent einzuhalten, um generell Übertragungen zu verhindern.

Unter Berücksichtigung der Eigenschaften der VOC hat das RKI seine Empfehlungen u.a. zum Kontaktpersonenmanagement und zur Entisolierung angepasst. In den Dokumenten zur Diagnostik sind ebenfalls verschiedene Hinweise dazu zu finden. Siehe auch aktuelle Risikobewertung zu COVID-19 in Deutschland: www.rki.de/covid-19-risikobewertung.

Molekulare Surveillance in Deutschland

Zirkulierende SARS-CoV-2-Viren werden in Deutschland u.a. molekularbiologisch untersucht (siehe Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit). Genomsequenzierungen werden inzwischen bei etwa 10% aller Proben durchgeführt. Ansprechpartner für Sequenzierungen ist das Konsiliarlabor für Coronaviren an der Berliner Charité (einen Überblick über aktuelle Sequenzen liefert u.a. die Internetseite des Konsiliarlabors: https://civnb.info/sequences/). Auch das Robert Koch-Institut führt Genomsequenzierungen durch, ebenso Universitätskliniken, Landeslabore oder entsprechend befähigte private Labore (Erläuterungen unter "Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2", Abschnitt "Molekulare Surveillance"). Die Sequenzdaten werden aus verschiedenen Quellen am RKI zusammengeführt. Das RKI stellt zur Übermittlung von Sequenzdaten eine technische Plattform zur Verfügung: Deutscher elektronischer Sequenzdaten-Hub, kurz DESH (siehe auch COVID-19-FAQ > Diagnostik > Warum sind Genomsequenzierungen wichtig?)

Stand: 02.12.2021

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