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Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten - Ziele, Schwerpunktthemen und Instrumente für den Infektionsschutz

Strategie-Ergänzung, Stand 23.10.2020

Änderung gegenüber der Version vom 13.10.2020: Die Infografik "Übersicht des RKI zu Präventionsmaßnahmen und anti-epidemischen Maßnahmen in der COVID-19-Pandemie" (Anlage 2) wurde ergänzt.

Präambel

Die SARS-CoV2-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor große Heraus­forderungen. Ziel der kommenden Monate muss es sein, Infektionen zu vermeiden und während­dessen trotz der weiterhin bestehenden Infektions­gefahr alle Bereiche des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens im größt­möglichem Umfang aufrecht zu erhalten. Das Verhalten jedes Einzelnen zählt: Die konsequente Ein­haltung der Abstands- und Hygiene­regeln dient nicht nur dem Eigen- und Fremd­schutz vor SARS-CoV-2, sondern kann zusätzlich andere Infektions­krank­heiten eindämmen. Mit einer Kombination gemeinsam getragener Maß­nahmen – angepasst an die jeweilige Situation – kann das Infektions­geschehen so kontrolliert werden, dass menschliches Leid und Todes­fälle vermieden werden, ohne das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zum Erliegen zu bringen. Diese Maßnahmen werden ständig überprüft und angepasst.

Dieses Strategie­papier leitet aus den bisherigen Erfahrungen in der SARS-CoV2-Pandemie Schwer­punkte für die Pandemie­kontrolle in den kommenden Monaten ab. Ziel des Papiers ist es, eine Perspektive für die Entwicklung und Eingrenzung der Pandemie in Deutschland aufzuzeigen (Anlage1: COVID-19: Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten (PDF, 38 KB, Datei ist nicht barrierefrei)).

Anlage1: COVID-19: Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten Anlage1: COVID-19: Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten Quelle: Robert Koch-Institut

Ausgangslage und Situation heute

Die ersten Monate der SARS-CoV-2 Pandemie in Deutschland sind durch erhebliche gemeinsame Anstrengungen und Sektor-übergreifende Einschränkungen (z.B. Kontakt­verbote, Geschäfte- und Schul­schließungen) bewältigt worden. Die im März 2020 in Deutsch­land getroffenen Maßnahmen hatten einschneidende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen.

Die im europäischen Vergleich relativ erfolgreiche Zwischen­bilanz in der Ein­dämmung der Pandemie für Deutsch­land darf nicht über aktuelle Heraus­forderungen und Weiter­entwicklungs­bedarf hinweg­täuschen. Im Folgenden wird ein Über­blick gegeben, mit welchen Instrumenten die Ausbreitung von SARS-CoV-2 in Deutsch­land verringert werden kann. Weiterhin zählt die gesamt­gesellschaftliche Verantwortung in der Bekämpfung der Pandemie. Die letzten Monate haben eindeutig aufgezeigt, dass z.B. ein ‚shielding approach‘ (Einzel­personen komplett zu Hause oder im Pflegeheim abzuschirmen) alleine nicht reicht, um besonders vulnerable Bevölkerungs­gruppen effektiv zu schützen. Dieser Schutz kann nur durch eine Ver­antwortung der Gemein­schaft geschehen. Ebenso sind es nicht bestimmte Orte oder Situationen, an denen ein erhöhtes Ansteckungs­risiko per se herrscht, z.B. ein bestimmtes Gebiet oder ein Transport­mittel, sondern ein Zusammenspiel zwischen individuellem Verhalten und Umfeld. Die Infektionen können also sowohl lokal erworben werden als auch durch Reisen, inklusive Ansteckungen im Ausland, durch die das Virus vermehrt nach Deutschland eingetragen wird.

Szenarien der Pandemieentwicklung in den nächsten Monaten

Für die kommenden Monate gehen wir von einem Pandemieverlauf aus, der wie folgt gekennzeichnet sein könnte:

  1. Einzelfälle, lokal und zeitlich begrenzte Ausbrüche mit vielen Neuinfektionen, die jederzeit Kapazitäten binden können und ein dem Risiko angepasstes, lokales Vorgehen erfordern.
  2. Ausbrüche in einzelnen Settings (etwa durch Familienfeiern oder in Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen), auch noch weiter verstärkt im Herbst/Winter bedingt durch verändertes Verhalten (z.B. längere Aufenthalte in geschlossenen Räumen).
  3. Ausbrüche in mehreren Settings, regionale Ausbreitung, die nicht mehr auf einzelne Infektionsketten zurückgeführt werden kann und die in den betroffenen Regionen zu einer Wieder­einführung von Maß­nahmen führt (siehe Anlage 2).

Anlage 2: Übersicht des RKI zu Präventionsmaßnahmen und anti-epidemischen Maßnahmen in der COVID-19-Pandemie Anlage 2: Übersicht des RKI zu Präventionsmaßnahmen und anti-epidemischen Maßnahmen in der COVID-19-Pandemie Quelle: Robert Koch-Institut

Ein oder mehrere Impfstoff(e) werden voraussichtlich im kommenden Jahr (2021) zur Verfügung stehen. Dies kann die Bekämpfung und den Verlauf der Pandemie entscheidend verbessern. Das RKI rechnet trotz Einführung eines Impf­stoffs oder mehrerer Impf­stoffe damit, dass dieser oder diese initial nur in begrenzten Mengen verfügbar sein werden, so dass anfangs bestimmte Risiko­gruppen zu impfen sind und im weiteren Verlauf die restliche Bevölkerung.
Auch wenn die Impfung ein wichtiger Teil der Pandemie­bekämpfung ist, wird diese allein –insbesondere in der ersten Phase der sicher limitierten Verfügbar­keit – nicht ausreichen und muss weiterhin einhergehen mit verantwortlichem Verhalten und gewissen Modifikationen des Miteinander-Seins, insbesondere im Sinne der weiteren Einhaltung der AHA+A+L-Regeln (Abstandhalten – Hygiene­regeln beachten – Alltags­masken tragen, Corona-Warn-App nutzen und Lüften) sowie der Verlegung von Freizeit­aktivitäten möglichst nach draußen, so dass geschlossene Räume mit schlechter Belüftung und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort vermieden werden.

Ziele

Übergeordnetes Ziel ist es, die Ausbreitung sowie die gesund­heitlichen Auswirkungen der Pandemie zu minimieren, während das gesamt­gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben (inklusive Bildungs­einrichtungen) in Deutschland möglichst wenig beeinträchtigt wird. Die evtl. erforderlichen Maßnahmen und Einschränkungen werden dem spezifischen Risiko angepasst und regional und zeitlich beschränkt. Die Maßnahmen sollen rechtlich und organisatorisch verhältnis­mäßig sowie praktisch umsetzbar sein.

Durch wirksame Impf­stoffe, verbesserte Therapie­ansätze und nicht-medikamentöse Maß­nahmen (z.B. Einhalten der AHA+L-Regeln) sollen eine Über­lastung des Gesund­heits­systems (für eine best­mögliche Behandlung von COVID-19-Patient*innen sowie für die reguläre Behandlung aller anderen Patient*innen), Spätfolgen der Erkrankung und Todes­fälle soweit wie möglich vermieden werden.

Die strategischen Ziele für die öffentliche Gesund­heit und den Infektions­schutz sind:

  1. Reduktion des Ansteckungs­risikos bei Aktivitäten des beruflichen und sozialen Lebens aller Bevölkerungs­gruppen in Deutschland,
  2. Verhinderung einer erneuten unkontrollierten und raschen Ausbreitung des Erregers,
  3. dauerhafte Stärkung und Vernetzung des Öffentlichen Gesundheits­dienstes (ÖGD) und Gesundheits­wesens, um ein krisensicheres System weiter aufzubauen,
  4. Ausbau einer übergreifenden COVID-19-Versorgung im ambulanten und stationären Bereich.

Die Schwerpunktthemen und Instrumente für den Infektionsschutz1


Die Mehrheit der Bevölkerung kennt die Maßnahmen zur Minimierung des Ansteckungs­risikos und setzt sie in wesentlichen Lebensbereichen um: Die AHA+L-Regeln (Abstand halten – Hygieneregeln beachten – Alltagsmasken tragen und Lüften) müssen weiterhin eingehalten werden. Es muss ein Bewusstsein für Risiko­verhalten geschaffen werden, so dass der Einzelne in die Lage versetzt werden kann, sein Verhalten entsprechend anzupassen.

Die Maßnahmen zur Minimierung des Ansteckungsrisikos werden kontinuierlich evaluiert und neue wissenschaftliche Erkenntnisse umgesetzt: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Ansteckungs­wegen und -prozessen werden in verschiedenen Lebens­bereichen (Wohnen, Schulen, öffentlicher Transport, Betriebe, Büros, Restaurants, Groß­veranstaltungen, usw.) und Bevölkerungs­gruppen genutzt, um angepasste Strategien zur Risiko­minimierung im beruflichen und privaten Leben weiter zu entwickeln und umzusetzen. Erfahrungen zu Maßnahmen und deren Wirksamkeit müssen auf allen Ebenen ausgetauscht werden, insbesondere auch auf der Ebene der Länder.

Bildungseinrichtungen offenhalten: Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kitas sind ein wesentlicher Teil des öffentlichen Lebens. Die Evidenz zu genauer Auswirkung von Schulen und Kitas auf die Pandemie ist heterogen – zeigt aber klar auf, dass Bildungseinrichtungen einer der Orte sind, die eine Rolle im Infektionsgeschehen haben.2,3,4 Zugleich sind Schulen und Kitas entscheidend für die Entwicklung, Bildung und Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen sowie dafür, dass Eltern ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen können. Es ist wichtig, diese Einrichtungen durch Einhalten von Hygienekonzepten weiter offen zu halten. Hierfür sind organisatorische Vorbereitungen und Maßnahmen in enger und Sektoren-übergreifender Zusammenarbeit aller Akteure notwendig, um den Eintrag von Infektionen möglichst zu verhindern und, falls es doch dazu kommt, diese frühzeitig zu erkennen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Anzahl der Betroffenen klein gehalten und eine Ausbreitung ohne die Schließung der Einrichtungen verhindert werden kann.

Sicher mit Mobilität (national und grenzübergreifend) umgehen: Es ist wichtig, die Analyse der internationalen Lage weiter fortzuführen und Maßnahmen und Strategien proaktiv anzupassen. Hierbei ist es wesentlich zu betonen: erhöhte Mobilität (berufliche oder private Reisetätigkeit) bedeutet erweitertes Risiko; jedoch ist dieses Risiko nicht primär an den Ort der Reise oder ein spezifisches Gebiet gebunden, sondern hängt wesentlich von dem Verhalten des Einzelnen in einem Gebiet mit Virusübertragungen ab.5 Risikobehaftetes Verhalten muss bekannt sein, so dass es vermieden werden kann. Für Reisende müssen Kommunikationsmittel in unterschiedlichen Sprachen vorgehalten werden, damit diese über Test, Quarantäne und Isolation informiert werden.

Differenzierter Infektionsschutz bei größeren Veranstaltungen: Menschenansammlungen, insbesondere in geschlossenen Räumen, erhöhen das Risiko der Verbreitung von SARS-CoV-2.6 Unter diesen Bedingungen haben in den vergangenen Monaten auch immer wieder sogenannte „Superspreading events“ in vielen Ländern das Ausbruchgeschehen dramatisch verschärft, mehr als das durch Übertragung zwischen wenigen Einzelpersonen der Fall gewesen wäre.7 Unter Heranziehung der allgemeinen Empfehlungen müssen differenzierte, transparente und nachvollziehbare Vorgaben zur Durchführung von Veranstaltungen von den Verantwortlichen der jeweiligen Branchen erarbeitet werden. Dabei sollten sowohl die Art der Veranstaltung als auch die Gründe für Größenbeschränkungen berücksichtigt werden.

Strategische Krisenkommunikation: Die „Corona-Lage“ ist hochkomplex und es ergeben sich immer wieder neue Erkenntnisse, die eine Überarbeitung der Handlungsempfehlungen erfordern. Kommunikation und Austausch mit vulnerablen Gruppen sowie mit Personengruppen, die informationstechnisch schwerer erreichbar sind, sind hier essentiell.

Nationale Teststrategie kontinuierlich weiterentwickeln, flächendeckende Diagnostik gewährleisten: Eine anlassbezogene und regional zur Verfügung stehende Diagnostik zur Erkennung Infizierter ist Grundvorrausetzung für das Meldewesen und zur Kontrolle der Pandemie. Die Ergebnisse aus direkten (Erregernachweis) und indirekten (Antikörper) Nachweisverfahren werden entsprechend des jeweiligen Kenntnisstandes und der jeweiligen Fragestellung zur Beurteilung der Situation in der Nationalen Teststrategie berücksichtigt. Bei der Anwendung von Tests ist ein zielgerichtetes Vorgehen unter Berücksichtigung von Prätestwahrscheinlichkeit und Risikodisposition im Hinblick auf den Erkenntnisgewinn und den effektiven Einsatz der Ressourcen essenziell. Die Testung symptomatischer Personen sowie der Schutz vulnerabler Gruppen wie etwa älterer Menschen in Pflegeheimen hat Priorität. Trotz hoher Testkapazitäten in diesem Bereich sind personelle und materielle Ressourcen grundsätzlich begrenzt. Daher müssen für den optimalen Einsatz die Indikation und Aussagekraft der Untersuchungen allgemein bekannt sein. So ist etwa ein negativer Virus-Nachweis nur eine Momentaufnahme und darf nicht zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen: ein negativer Test entbindet dementsprechend auch nicht von infektionspräventivem Verhalten, wie etwa der Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Kurze Zeitabläufe im Testprozess realisieren: Um Übertragungsrisiken effektiv zu reduzieren, ist eine zeitnahe Erkennung akut Infizierter und die rasche Übermittlung der Befunde essenziell und sollte innerhalb von 24 bis 36 Stunden (zwischen Durchführung des Tests und Mitteilung des Befundes) möglich gemacht werden. Dies muss durch die beteiligten Akteure, insbesondere in Zusammenarbeit der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung und des ÖGD, organisiert und laufend überprüft werden. Zertifizierte Antigen-Tests auf COVID-19 stehen zur Verfügung und ergänzen die Kapazitäten der PCR-Diagnostik. Antigen-Tests sind etwas weniger empfindlich als die im Labor durchgeführten PCR-Tests. Sie erlauben jedoch auch eine Testung vor Ort und zeigen ein Ergebnis bereits nach wenigen Minuten. Studien zur besseren Einschätzung der Leistungsfähigkeit verfügbarer Tests laufen. Anwendungs­möglichkeiten werden zurzeit im Rahmen der Fortentwicklung der Nationalen Teststrategie beraten.

Epidemiologische und Fall-Daten zeitnah verfügbar machen: Ziel ist es, dass der ÖGD möglichst frühzeitig über SARS-CoV-2-Infektionen informiert wird. Damit können erstens konkrete Infektionsschutzmaßnahmen vor Ort eingeleitet und zweitens regionale Präventions-maßnahmen gesteuert werden. Hierzu ist der weitere Ausbau des „Deutsche Elektronische Melde- und Informations­system“ für den Infektionsschutz (DEMIS) wichtig. Das Meldesystem liefert zuverlässig bundesweite, belastbare und zeitnahe Daten für die Bewertung der epidemiologischen Situation in Deutschland. Die syndromische Surveillance (= auf Symptomkombinationen basierende Überwachung) von Atemwegs­infektions­krankheiten und anderen Erkrankungen wird nachhaltig auf- und ausgebaut. Darüber hinaus sollen Studien zur Seroprävalenz und dem Gesundheitsverhalten während der Pandemie sowie weitere Datenerhebungen (z.B. laborbasierte Surveillance, Corona-Kita-Studie, Routinedaten aus Notaufnahmen) ergänzende Informationen zum akuten Infektionsgeschehen liefern.

Kontaktnachverfolgung zur Clustererkennung und Infektionskettenunterbrechung durch aufsuchende Epidemiologie durchhaltefähig ausgestalten: Das aktuelle Ausbruchsgeschehen belegt die Effektivität der bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Unterstützung der Gesundheitsbehörden in Ländern und Kommunen: Ermittlung von potentiell infektiösen Personen und Kontaktnachverfolgung sind effektive Maßnahmen zur Unterbrechung von Infektions-ketten.8,9 Es gelingt meist zuverlässig und zeitgerecht, Verdachtsfälle zu identifizieren, zu isolieren, die notwendige Diagnostik durchzuführen und Infektionsschutzmaßnahmen lageabhängig umzusetzen.
Diese Fähigkeit muss konsolidiert und weiterentwickelt werden. Gemachte Erfahrungen werden analysiert und Erkenntnisse übergreifend zur Verfügung gestellt. Umsetzungshilfen werden angeboten.
Die notwendigen Ressourcen zur Unterstützung der Gesundheitsämter stammen gegenwärtig zum Großteil aus dem Programm „Containment Scouts“, welches zeitlich begrenzt ist. Die möglichen epidemiologischen Szenarien bedürfen allerdings einer nachhaltigen substantiellen personellen Stärkung des ÖGD durch die Länder. Die neu eingerichtete ÖGD-Kontaktstelle des RKI kann zusammen mit Partnern zur Qualifizierung des neuen Personals beitragen.

Verfügbarkeit von hinreichender persönlicher Schutzausrüstung sicherstellen: Für den ambulanten und stationären Bereich sichern die verantwortlichen Institutionen (Kassenärztliche Vereinigungen, Ärzte, Krankenhäuser, Gemeinden, Länder, Bund) eine hinreichende lokale Verfügbarkeit und Bevorratung von Schutzmaterial, um für alle Situationen gewappnet zu sein.

Umfassende Gesundheitsversorgung unter Pandemiebedingungen: Ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Strategie ist ein barrierefreier Zugang zum Gesundheitssystem für alle symptomatischen Personen, d.h. dass alle Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens und der Gesundheits­versorgung niedrigschwellig genutzt werden können. Zugleich ist unter allen künftig anzunehmenden epidemiologischen Szenarien (also bei verschiedenen Ausbreitungsmustern des Virus) die vollumfängliche Gesundheitsversorgung ambulant und stationär entscheidend. Dazu erlauben die bisherigen Erfahrungen insbesondere zu den benötigten Intensivkapazitäten eine nachhaltige regionale Versorgungsplanung. Einschränkungen der Gesundheitsversorgung sollten unter Nutzung von Entlastungsplanung vermeidbar sein.10 Sowohl die stationäre als auch die ambulante Versorgungsstruktur sollte eine getrennte Versorgung von Infektionspatienten und nicht-infektiösen Patienten kontinuierlich ermöglichen.

Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken verfügbar machen und Erreichung hoher Durchimpfung insbesondere in Risikogruppen: Für die Pandemiekontrolle der kommenden Monate spielen Impfstoffe gegen andere Atemwegs-erkrankungen vor allem in der kalten Jahreszeit eine entscheidende Rolle. Das klinische Bild dieser Erkrankungen ist ohne ergänzende Diagnostik nicht immer mit ausreichender Sicherheit von COVID-19 zu unterscheiden. Zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems kann der größte Effekt erzielt werden, wenn die Influenza- (Grippe-) und Pneumokokken-Impfquoten entsprechend der STIKO-Empfehlungen vor allem in den Risikogruppen erheblich gesteigert werden. In Bezug auf die Grippe sollten zudem hohe Impfquoten in besonders exponierten und epidemiologisch bedeutsamen Berufsgruppen (ärztliches und pflegerisches Personal, andere Beschäftigte im Gesundheitswesen) erzielt werden, um Übertragungen in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen zu vermeiden.

Impfstrategie gegen SARS-CoV-2 erarbeiten: Es wird eine bundesweite Impfkampagne vorbereitet, selbst wenn nicht sofort ein wirksamer und sicherer Impfstoff zur Verfügung steht. Dazu werden jetzt tragfähige Konzepte für Lagerung, Kühlketten, Verteillogistik, Durchführung, priorisierte Zielgruppen und umfassende Überwachung der Impfstoff-Sicherheit und -Wirksamkeit im Rahmen der breiten Anwendung erarbeitet. Die Planungen dafür finden unter Beteiligung verschiedener Akteure und Institutionen auf Bundes- und Landesebene sowie der Ständigen Impfkommission und der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen statt. Es ist davon auszugehen, dass Impfstoffe nicht sofort flächendeckend und für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen werden. Deshalb werden Impfungen schrittweise in einer begründeten und abgestimmten Reihenfolge stattfinden. Die Einführung der Impfung muss möglichst frühzeitig unter Einbindung relevanter Akteure kommunikativ begleitet werden, um Desinformation und Mythenbildung zu verhindern und eine informierte Impfentscheidung der Menschen zu ermöglichen.

Dieser Katalog operativer Ziele erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Es ist wesentlich zu betonen, dass es nur durch ein Zusammenspiel all dieser unterschiedlichen Elemente gelingen kann, dass Deutschland die Pandemie bewältigt. Die Umsetzung der in dieser Strategie umrissenen Aktivitäten sollte dabei als gesamtgesellschaftliches Ziel verstanden werden.

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1 Die Reihenfolge der operativen Ziele bedeutet keine Priorisierung; Ausplanung und Umsetzung müssen in großen Teilen parallel erfolgen.

2 Otte Im Kampe E, Lehfeld AS, Buda S, Buchholz U, Haas W. Surveillance of COVID-19 school outbreaks, Germany, March to August 2020. Euro Surveill. 2020 Sep;25(38):2001645. doi: 10.2807/1560-7917.ES.2020.25.38.2001645.

3 Viner RM, Russell SJ, Croker H, Packer J, Ward J, Stansfield C, Mytton O, Bonell C, Booy R. School closure and management practices during coronavirus outbreaks including COVID-19: a rapid systematic review. Lancet Child Adolesc Health. 2020 May;4(5):397-404. doi: 10.1016/S2352-4642(20)30095-X.

4 Pozo-Martin, F., Weishaar, H., Cristea, F., Hanefeld, J., Schaade, L., El Bcheraoui, C. Impact of Type and Timeliness of Public Health Policies on COVID-19 Epidemic Growth: Organization for Economic Co-Operation and Development (OECD) Member States, January–July 2020.

5 Für eine Einschätzung der Effektivität Reise-assoziierter Maßnahmen während der COVID-19 Pandemie siehe z.B.: Burns J, Movsisyan A, Stratil JM, Coenen M, Emmert-Fees KMF, Geffert K, Hoffmann S, Horstick O, Laxy M, Pfadenhauer LM, von Philipsborn P, Sell K, Voss S, Rehfuess E. Travel-related control measures to contain the COVID-19 pandemic: a rapid review.Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 9. Art. No.: CD013717. DOI: 10.1002/14651858.CD013717.

6 Liu Y, Eggo RM, Kucharski AJ. Secondary attack rate and superspreading events for SARS-CoV-2. Lancet. 2020 Mar 14;395(10227):e47. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30462-1.

7 Frieden TR, Lee CT. Identifying and Interrupting Superspreading Events-Implications for Control of Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2. Emerg Infect Dis. 2020 Jun;26(6):1059-1066. doi: 10.3201/eid2606.200495.

8 Reintjes R. Lessons in contact tracing from Germany. BMJ. 2020 Jun 25;369:m2522. doi: 10.1136/bmj.m2522.

9 Han E, Tan MMJ, Turk E, Sridhar D, Leung GM, Shibuya K, Asgari N, Oh J, García-Basteiro AL, Hanefeld J, Cook AR, Hsu LY, Teo YY, Heymann D, Clark H, McKee M, Legido-Quigley H. Lessons learnt from easing COVID-19 restrictions: an analysis of countries and regions in Asia Pacific and Europe. Lancet. 2020 Sep 24:S0140-6736(20)32007-9. doi: 10.1016/S0140-6736(20)32007-9.

10 Arentz, C,. and Wild , F., 2020. Vergleich europäischer Gesundheitssysteme in der Covid-19-Pandemie

Stand: 23.10.2020

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