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Optionen zum Management von Kontaktpersonen unter Personal der kritischen Infrastruktur bei Personalmangel

Stand: 30.4.2021

Änderungen gegenüber der Version vom 3.2.2021: Anpassungen an die aktuellen Kontaktpersonendefinitionen, Präzisierung der Situationen und Voraussetzung für vorzeitige Tätigkeitszulassung von engen Kontaktpersonen und Empfehlungen für SARS-CoV-2-positives, geimpftes oder genesenes Personal.

I. Hintergrund

Während des gegenwärtigen COVID-19-Ausbruchs konkurrieren beim Umgang mit Kontaktpersonen und infiziertem besonderem Personal der kritischen Infrastruktur (KritIs-Personal) folgende Ziele miteinander:

  1. Die Absonderung/Quarantäne von Personal, um das Risiko von Übertragungen zu minimieren (Infektionsschutz) und
  2. die Gewährleistung einer weiter funktionierenden kritischen Infrastruktur.

Die folgenden Handlungsoptionen sollen nur in Situationen zur Anwendung kommen, in denen ein relevanter KritIs-Personalmangel vorliegt und ohne Nutzung der Optionen die Aufrechterhaltung des Betriebs der Kritischen Infrastruktur nicht sichergestellt werden kann. Eine grundsätzliche Auflistung der Sektoren und Brancheneinteilung der kritischen Infrastruktur findet sich auf der Webseite https://www.kritis.bund.de.

Im Rahmen der betrieblichen Pandemieplanung wurden bereits organisatorische Regelungen für die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit getroffen, auf diese sollte zurückgegriffen werden. Hierzu gehört auch ein betriebliches Konzept, das darüber Auskunft gibt, welches essenzielles KritIs-Personal bei Bedarf durch wen oder wie zu ersetzen ist (z.B. Teambildung). Dabei soll auch eine Liste mit essenziellem bzw. hochspezialisiertem und nur schwer zu ersetzendem Funktionspersonal erstellt sein.

Aufgrund des mit der Anwendung der Optionen einhergehenden erhöhten Risikos der Weiterverbreitung von Infektionen mit SARS-CoV-2 dürfen die Handlungsoptionen nur angewendet werden, wenn alle anderen Maßnahmen zur Sicherstellung einer unverzichtbaren Personalbesetzung ausgeschöpft sind. Die Anwendung der Ausnahmeregelung muss beschränkt bleiben auf essenzielles und/ oder hoch spezialisiertes KritIS-Personal, welches nicht durch Umsetzung oder kurzfristiges Anlernen von Personal aus anderen Bereichen ersetzt werden kann (z.B. Techniker in der Energie- und Wasserversorgung, Fluglotsen, IT-Ingenieure, Veterinärmedizinisches-, Pharmazeutisches- und Laborpersonal).

Die unten beschriebenen Handlungsoptionen sind somit NICHT pauschal auf das gesamte Personal in den KritIS- Sektoren und Branchen anzuwenden. In jedem Fall sollte zudem ein betriebliches Konzept mit präventiven Maßnahmen bestehen, beispielsweise mit Festlegung, welche Schutzmaßnahmen an welchem Arbeitsplatz vorzunehmen sind (z.B. Abstandsregelungen, Vereinzelung, Zuordnung fester Teams, um wechselnde Kontakte zu vermeiden etc.). Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass in solchen Ausnahmefällen/Notfällen eingesetztes Personal, nach Möglichkeit keinen unmittelbaren Kontakt mit anderem Personal hat.

Die folgenden Hinweise eröffnen Möglichkeiten zur weiteren Anpassung vor Ort. Diese Anpassungen sollten möglichst gemeinsam mit dem betriebsärztlichen Dienst sowie der Betriebsleitung unter Berücksichtigung der angestrebten Schutzziele vorgenommen werden und im Anschluss mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden.

II. Mögliche Anpassung der grundsätzlichen Empfehlungen für Kontaktpersonen und infiziertes Personal in Situationen mit relevantem Personalmangel

Die folgenden Hinweise sind NICHT anwendbar, wenn Kontakt zu einer Person mit Infektion mit einer der besorgniserregenden SARS-CoV-2 Varianten (variants of concern, VOC) oder Hinweise auf eine solche Infektion vorliegen.

Liegt eine Situation mit Personalmangel in Sektoren und Branchen der KritIS vor, können Kontaktpersonen unter dem Personal unter bestimmten Bedingungen vorzeitig wieder zur Arbeit zugelassen werden, vorausgesetzt, dass nur so der Weiterbetrieb der KritIS sichergestellt werden kann.

Diese Ausnahme gilt NUR für die Arbeitssituation. Außerhalb ihrer Tätigkeit in der KritIS unterliegen die Beschäftigten den allgemeinen Empfehlungen zum Management von Kontaktpersonen in der Allgemeinbevölkerung. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit ist dem Personal in der Quarantänezeit allerdings erlaubt. Auf keinen Fall dürfen aber in der Quarantänezeit z.B. Veranstaltungen, Geschäfte oder Restaurants besucht werden. Das allgemein empfohlene „Management von Kontaktpersonen“ ist beschrieben unter www.rki.de/covid-19-kontaktpersonen.

Vor Anwendung der im folgenden angegebenen Handlungsoptionen für Situationen mit akutem Personalmangel ist eine Einweisung durch den betriebsärztlichen Dienst unbedingt anzustreben, u.a. zu: korrektes Tragen eines medizinischen Mund-Nase-Schutzes (MNS); Hygienemaßnahmen (u.a. Handhygiene) und weitere Schutzmaßnahmen (z.B. Vermeidung nicht unbedingt notwendiger Kontakte).

Optionen zum Management von engen Kontaktpersonen (grundsätzlich gilt: je länger und enger der Kontakt, desto höher das Risiko)

  • Bei Symptomfreiheit ab Tag 1 bis 14:

    • die häusliche Quarantäne kann zum Zweck der Tätigkeitsaufnahme und nur für diesen Zweck aufgehoben werden
    • Arbeiten NUR mit medizinischem MNS möglich
    • unbedingt Abstand zu anderen Personen (mind. 1,5 m) halten (auch während Pausen etc.), wenn möglich kein gemeinsamer Einsatz mit Personen, die zu Risikogruppen gehören
    • regelmäßiges Lüften von Innenräumen
  • So früh wie möglich SARS-CoV-2 Testungen (möglichst PCR), und regelmäßige Wiederholung bis Ende der Quarantäne
  • Intensive Selbstbeobachtung und zusätzliche Dokumentation (bis Ende der Quarantäne)
  • Beim Auftreten von Symptomen:

    • umgehende Freistellung von der Tätigkeit
    • Testung auf SARS-CoV-2
    • Selbstisolation bis zum Ergebnis,
  • bei positivem Test siehe „Handlungsoptionen für Personal mit SARS-CoV-2-Infektion

Handlungsoptionen für Personal mit Symptomen vereinbar mit einer COVID-19-Erkrankung

Prinzipiell gilt, Personal mit Krankheitssymptomen bleibt der Arbeit fern. Das Personal soll bei Krankheitssymptomen eine Testung auf SARS-CoV-2 (möglichst PCR) erhalten. Bei positivem Test siehe „Handlungsoptionen für Personal mit SARS-CoV-2-Infektion“.

In Situationen mit relevantem Personalmangel kann KritIS-Personal mit Symptomen bei negativem Testergebnis und Arbeitsfähigkeit die Tätigkeit mit medizinischem Mund-Nase-Schutz wieder aufnehmen, dabei ist unbedingt Abstand zu anderen Personen (mind. 1,5 m) zu halten (auch während Pausen etc.), Innenräume regelmäßig zu lüften und wenn möglich kein gemeinsamer Einsatz mit Angehörigen besonderer Risikogruppen.

Handlungsoptionen für Personal mit SARS-CoV-2-Infektion

SARS-CoV-2 positives Personal wird grundsätzlich nicht zur Tätigkeit eingesetzt.

Voraussetzung für Wiederaufnahme der Tätigkeit:

Hinweise zu von COVID-19 genesenem Personal

Personal, das früher bereits selbst eine mittels Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR) bestätigte SARS-CoV-2-Infektion hatte und wieder als genesen gilt, muss alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen wie anderes Personal einhalten.

Wenn es sich bei der engen (immungesunden) Kontaktperson um einen früheren PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Fall handelt, ist – aufgrund der aktuellen Datenlage zu Reinfektionen und Kontagiosität bei erneuter Infektion – nur dann keine Quarantäne erforderlich, wenn der Kontakt innerhalb von 6 Monaten nach dem Nachweis der vorherigen SARS-CoV-2-Infektion erfolgte.

Bei Verdacht auf eine Infektion des laborbestätigten Quellfalls mit einer besorgniserregenden SARS-CoV-2-Variante (VOC), außer der Variante B.1.1.7, ist eine erneute Quarantäne der vollständig geimpften bzw. genesenen Kontaktperson grundsätzlich immer empfohlen.

Für dieses Personal gelten wieder die o.g. Optionen zum Management von engen Kontaktpersonen.

Es soll wie immer eine tägliche Eigenbeobachtung erfolgen und bei Auftreten von Symptomen sollte die berufliche Tätigkeit umgehend unterbrochen werden sowie eine Selbstisolierung bis zur diagnostischen Klärung erfolgen. Bei positivem Test wird die Kontaktperson wieder selber zu einem Fall. In dieser Situation sollten alle Maßnahmen ergriffen werden wie bei sonstigen Fällen unter Personal (inkl. Isolation).

Hinweise zum Einsatz von gegen COVID-19 geimpftem Personal

Vollständig gegen COVID-19 geimpfte Personen sind nach Exposition zu einem bestätigten SARS-CoV-2-Fall von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen, ebenso wie (immungesunde) Personen, die in der Vergangenheit eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben („Genesene“) und mit einer Impfstoffdosis geimpft sind. Nach bisherigem Kenntnisstand gilt diese Ausnahme von der Quarantäne für die aktuell in Deutschland zugelassenen und von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfstoffe. Bis zum 14. Tag nach Exposition zu dem SARS-CoV-2-Fall sollte ein Selbstmonitoring (Körpertemperatur, Symptome) erfolgen. Entwickelt die Kontaktperson trotz vorausgegangener Impfung Symptome, so muss sie sich in eine Selbstisolierung begeben und eine zeitnahe Testung veranlassen.

Bei Verdacht auf eine Infektion des laborbestätigten Quellfalls mit einer besorgniserregenden SARS-CoV-2-Variante (VOC), außer der Variante B.1.1.7, ist eine erneute Quarantäne der vollständig geimpften bzw. genesenen Kontaktperson grundsätzlich immer empfohlen.

III. Ergänzende allgemeine organisatorische Maßnahmen in der aktuellen Situation

Die organisatorischen Maßnahmen sowie Empfehlungen des RKI "COVID-19-Hygienemaßnahmen: Hinweise für nicht-medizinische Einsatzkräfte" und "Hinweise zu Reinigung und Desinfektion von Oberflächen außerhalb von Gesundheitseinrichtungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie" dienen einer Minimierung des Infektionsrisikos. Weiterhin hat die BAuA Empfehlungen zum Einsatz von Schutzmasken in der Arbeitswelt im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 erarbeitet (www.baua.de/schutzmasken).

Weitere allgemeine Maßnahmen für das Personal sollten durch den Betriebsarzt/die Betriebsärztin in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt definiert werden. Hierbei seien exemplarisch folgende Prinzipien genannt:

  • Information und Schulung des Personals zum infektionshygienischen Management, dem korrekten Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung und zum Selbstmonitoring auf Symptome.
  • Das Personal sollte grundsätzlich einen medizinischen Mund-Nase-Schutz (MNS) tragen. Alle weiteren Maßnahmen der Basishygiene sind ebenso zu beachten. Durch das korrekte Tragen von MNS durch Personal innerhalb des Betriebes kann das Übertragungsrisiko auf anderes Personal reduziert werden. Cave: FFP2-Masken mit Ausatemventil sind nicht zum Drittschutz geeignet.
  • Es wird empfohlen, Personal in KritIS, in Abhängigkeit vom jeweiligen Testkonzept der Einrichtung bzw. des Unternehmens regelmäßig zu testen. Regelmäßige vorsorgliche (Reihen-)Testungen von Personal z.B. im Rahmen von betriebsärztlichen Untersuchungen sind möglich (siehe nationale Teststrategie und ggf. die jeweilige Landesverordnung).
  • Personal höheren Alters und mit Grunderkrankungen (s. www.rki.de/covid-19-risikogruppen) sollte möglichst NICHT in Bereichen eingesetzt werden, in denen häufiger enger Kontakt zu anderen Personen vorkommt.
  • In den Betrieben sind direkte Kontakte aller Art (z.B. Treffen und Besprechungen) auf ein Minimum zu reduzieren bzw. direkter Kontakt unter Personal zu vermeiden. Verantwortungsbewusstes Verhalten ist auch bei Kontakten im privaten Bereich empfohlen.
  • Bei Auftreten von Symptomen, welche mit einer COVID-19-Erkrankung vereinbar sind, sollte die berufliche Tätigkeit umgehend unterbrochen werden sowie eine Selbstisolierung bis zur diagnostischen Klärung erfolgen.
  • Im privaten Bereich und auf dem Weg von oder zu der Arbeit sind die allgemeinen Verhaltensregeln und -empfehlungen zum Schutz vor COVID-19 zu beachten (AHA+L-Regeln: Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Masken tragen und lüften), siehe www.infektionsschutz.de und www.zusammengegencorona.de.

Stand: 30.04.2021

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