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Kontaktpersonen-Nachverfolgung bei respiratorischen Erkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2

Stand: 9.9.2020

Änderung gegenüber der Version vom 14.8.2020: Angaben zum infektiösen Zeitintervall; neu: Kat.I: Medizinisches Personal > 1,5m Abstand zur Infektionsquelle bei Aerosolproduktion und ohne adäquate Schutzkleidung; neu: Änderung der Kontaktpersonenkategorie bei Umsetzung von Schutzmaßnahmen (Tabelle); gekürzt: Kat II Beispielhafte Konstellationen; geändert:  „enger Kontakt“ ≙ < 1,5 m (vorher < 2m); Kürzung: Empfohlene Maßnahmen für Kontaktpersonen der Kategorie III.

Infografik Kontaktpersonen­nachverfolgung (in Überarbeitung)

Vorbemerkungen

  • Die folgenden Hinweise können in der Situation vor Ort im Rahmen einer Risikobewertung durch das zuständige Gesundheitsamt unter Berücksichtigung der angestrebten Schutzziele angepasst werden.
  • Aufgrund der epidemiologischen Lage weltweit und in Deutschland wurde die Kontaktpersonennachverfolgung vom 18.03.2020 bis 14.06.2020 bei Flugreisenden ausgesetzt. Aufgrund der Anzahl der neu übermittelten, autochthonen Fälle in Deutschland und des wieder verstärkten Flugreiseverkehrs wurde die Kontaktpersonennachverfolgung bei Flugreisenden ab dem 15.06.2020 wieder aufgenommen, jedoch mit einer angepassten Kontaktpersonenkategorisierung. Unter dem Ziel einer frühzeitigen Identifizierung infizierter Kontaktpersonen wird – abhängig von der Verfügbarkeit entsprechender Daten - empfohlen, eine Kontaktpersonennachverfolgung zu initiieren, wenn der Flug innerhalb der letzten 14 Tage stattgefunden hat (maximale Dauer der Inkubationszeit).

Ziel: Unterbrechung von Infektionsketten ausgehend von einem bestätigten Fall

Allgemeine Prinzipien:

  • Sowohl die "Vorwärts-Ermittlung" der von einem bestätigten Fall ausgehenden, möglichen Übertragungen, als auch die „Rückwärts-Ermittlung“ (Infektionsquellensuche) sind von Bedeutung
  • Die Ermittlung eines schon bestätigten oder potentiellen Ausbruchsgeschehens ("Herd"; Cluster) hat Vorrang vor Einzelfällen
  • Ereignisse bei oder im Kontext von vulnerablen Personen oder medizinischem Personal (z.B. Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser) haben Vorrang vor anderen Situationen
  • Bei der Ermittlung von Kontaktpersonen gilt folgende Priorität: Kategorie I (enger Kontakt) > Kategorie III > Kategorie II
  • Information der Kontaktpersonen zu ihrem Erkrankungsrisiko
  • Frühe Erkennung von Erkrankungen unter den Kontaktpersonen

Umgang mit Kontaktpersonen bestätigter COVID-19-Fälle

Personen, die im infektiösen Zeitintervall Kontakt mit einem bestätigtem COVID-19-Fall („Fallperson“) hatten, werden als „Kontaktperson“ bezeichnet. Das infektiöse Zeitintervall ist variabel und hängt davon ab, ob die Fallperson im Rahmen der SARS-CoV-2-Infektion symptomatisch wurde oder nicht.

Das infektiöse Zeitintervall für symptomatische Fälle mit bekanntem Symptombeginn:
Ab dem 2. Tag vor Auftreten der ersten Symptome des Falles bis mindestens 10 Tage nach Symptombeginn, bei schwerer oder andauernder Symptomatik ggf. auch länger, siehe www.rki.de/covid-19-entlassungskriterien.

Das infektiöse Zeitintervall für asymptomatische Fälle:
In Situationen, in denen keine weiteren Informationen zur Infektionsquelle zu dem asymptomatischen Fall vorliegen und es sich um keine besondere Risikosituation handelt (z.B. Mitarbeiterin/Mitarbeiter in der Altenpflege oder in einem Krankenhaus, dies erfordert immer eine Einzelfallentscheidung), kann in Analogie zu symptomatischen Fällen der Labornachweis als Näherung für den Symptombeginn angenommen werden, somit sind Personen mit Kontakt ab 48h vor Probenabnahmedatum nachzuverfolgen. Das Ende der infektiösen Periode wird entsprechend mit 10 Tagen nach Probenentnahme angenommen.

Wenn bekannt oder sehr wahrscheinlich ist, bei wem und wann oder bei welchem Ereignis sich der asymptomatische Fall vermutlich angesteckt hat (häufig werden diese im Rahmen der Umgebungsuntersuchung von Fällen identifiziert), können Kontakte (entsprechend der mittleren Inkubationszeit von 5-6 Tagen (Median) und abzüglich einer Zeitdauer von 2 Tagen davor) ab dem dritten Tag nach der Exposition gegenüber dem Indexfall als potenziell infektiös angenommen werden, aber nicht später als das Datum der Probennahme. Das Ende der infektiösen Periode wird entsprechend mit 10 Tagen nach Probenentnahme angenommen.

Kontaktpersonen der Kategorie I mit engem Kontakt ("höheres" Infektionsrisiko):

  • Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichts- ("face-to-face") Kontakt mit einem bestätigten COVID-19-Fall, z.B. im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören z.B. Personen aus demselben Haushalt
  • Personen mit direktem Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten, insbesondere zu respiratorischen Sekreten eines bestätigten COVID-19-Falls, wie z.B. Küssen, Anhusten, Anniesen, Kontakt zu Erbrochenem, Mund-zu-Mund Beatmung, etc.
  • Personen, die nach Risikobewertung durch das Gesundheitsamt mit hoher Wahrscheinlichkeit einer relevanten Konzentration von Aerosolen auch bei weiterem Abstand zum bestätigten COVID-19-Fall als 1,5m entfernt ausgesetzt waren (z.B. Feiern, gemeinsames Singen oder Sporttreiben in Innenräumen) oder wenn sich zusätzlich zuvor der bestätigten COVID-19-Fall eine längere Zeit (>30 min) im Raum aufgehalten hat
  • Personen in relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation mit dem bestätigten COVID-19-Fall (z.B. Kitagruppe, Schulklasse), unabhängig von der individuellen Risikoermittlung
  • Medizinisches Personal mit Kontakt zum bestätigten COVID-19-Fall z.B. im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung (≤ 1,5m) ohne adäquate Schutzkleidung (siehe unten)
  • Medizinisches Personal mit Kontakt zum bestätigten COVID-19-Fall im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung (> 1,5m) mit relevanter Aerosolproduktion, ohne adäquate Schutzkleidung (siehe unten)
  • Falls die Kontaktperson früher bereits selbst ein bestätigter COVID-19-Fall war, ist keine Quarantäne erforderlich. Es soll ein Selbstmonitoring erfolgen und bei Auftreten von Symptomen eine sofortige Selbst-Isolation und Testung. Bei positivem Test wird die Kontaktperson wieder zu einem Fall. In dieser Situation sollten alle Maßnahmen ergriffen werden wie bei sonstigen Fällen auch (inkl. Isolation)
  • Kontaktpersonen der Kategorie I eines bestätigten COVID-19-Falls im Flugzeug sind:
    o Passagiere, die Armlehnenkontakt zum bestätigten COVID-19-Fall hatten, unabhängig von der Flugzeit. Saß der COVID-19-Fall am Gang, so zählen Passagiere in derselben Reihe jenseits des Ganges nicht als Kontaktperson der Kategorie I, sondern als Kontaktperson der Kategorie II
    o Besatzungsmitglieder oder andere Passagiere unabhängig vom Sitzplatz, sofern eines der anderen Kriterien für engen Kontakt zutrifft (z.B. längeres Gespräch)

Herdsituation (Cluster)

  • Da manche Fälle mehr Personen anstecken als andere (Überdispersion) und somit auch mehr zum Infektionsgeschehen beitragen, sollte ein besonderes Augenmerk auf schon bestätigte oder potentielle Herdsituationen gelegt werden. Dazu sollten die folgenden Schritte beachtet werden:

    • In die Risikobewertung gehen u. a. ein: einmalige Exposition vs. fortdauernde Exposition; Beurteilung des Infektionsumfelds/Setting (z.B. Räumlichkeit, Dauer des Aufenthalts, Personendichte, Lüftungsverhältnisse, Aktivitäten)
    • Epidemiologische Analyse: z.B. ob alle Übertragungen im direkten Kontakt stattfanden, oder ob es Hinweise auf Aerosol-Übertragung > 1,5 m gibt
    • Ggf. Einbindung des Veranstalters oder einer anderen Schlüsselperson (z.B. zur Erstellung einer Kontaktpersonenliste; schnelle Informationsweiterleitung)
    • Fallsuche (ggf. Kommunikation mit anderen Gesundheitsämtern; ad hoc-Testung von symptomatischen und asymptomatischen Exponierten)
    • Ggf. Quarantäne aller Personen in der Gruppe, z.B. nach relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation mit dem bestätigten COVID-19-Fall, unabhängig von der individuellen Risikoermittlung (Bsp. Schulklasse, Büro)

Empfohlenes Vorgehen für das Management von Kontaktpersonen der Kategorie I

  • Ermittlung, namentliche Registrierung sowie Mitteilung der Telefonnummer der Ansprechperson (z.B. des Veranstalters) für das Gesundheitsamt
  • Information der Kontaktpersonen zu Übertragungsrisiken und über das COVID-19-Krankheitsbild, mögliche Krankheitsverläufe .
  • Häusliche Absonderung  für 14 Tage (Quarantäne)
  • Zusätzlich Reduktion der Kontakte zu anderen Personen im Haushalt
  • Ggf. kann die Absonderung unter Abwägung der Möglichkeiten und nach Risikobewertung des Gesundheitsamtes in einer anderen Einrichtung erfolgen
  • Im Haushalt nach Möglichkeit zeitliche und räumliche Trennung der Kontaktperson von anderen Haushaltsmitgliedern. Eine „zeitliche Trennung“ kann z.B. dadurch erfolgen, dass die Mahlzeiten nicht gemeinsam, sondern nacheinander eingenommen werden. Eine räumliche Trennung kann z.B. dadurch erfolgen, dass sich die Kontaktperson in einem anderen Raum als die anderen Haushaltsmitglieder aufhält
  • Häufiges Händewaschen, Einhaltung der Nies- und Hustenregeln
  • War der Kontakt in relativ beengten Raumsituationen oder gab es eine schwer zu überblickenden Kontaktsituation, kann eine Quarantäneanordnung für alle Personen unabhängig von der individuellen Risikoermittlung sinnvoll sein (z.B. der Kitagruppe oder Schulklasse)
  • Gesundheitsüberwachung bis zum 14. Tag nach dem letzten Kontakt mit dem bestätigten COVID-19-Fall auf folgende Weise:

    • Zweimal täglich Messen der Körpertemperatur durch die Kontaktperson selbst
    • Führen eines Tagebuchs durch die Kontaktperson selbst bezüglich Symptomen, Körpertemperatur, allgemeinen Aktivitäten und Kontakten zu weiteren Personen:

      • Retrospektiv kumulativ oder, wenn möglich/erinnerlich, retrospektiv täglich (Beispiel eines „Tagebuchs“ auf den RKI-Seiten, www.rki.de/covid-19-kontaktpersonen)
      • Prospektiv täglich
    • Tägliche Information des Gesundheitsamts zu der häuslichen Quarantäne sowie über den Gesundheitszustand
  • Wird eine Kontaktperson innerhalb von 14 Tagen nach dem letzten Kontakt mit einem bestätigten COVID-19-Fall symptomatisch und ist die Symptomatik vereinbar mit einer SARS-CoV-2-Infektion, so gilt sie als krankheitsverdächtig und eine weitere diagnostische Abklärung muss erfolgen. Folgender Ablauf wird empfohlen:

    • Sofortige Kontaktaufnahme der Person mit dem Gesundheitsamt zur weiteren diagnostischen Abklärung und Besprechung des weiteren Vorgehens
    • Isolation nach Maßgabe des Gesundheitsamtes. Dies kann eine häusliche Absonderung während der weiteren diagnostischen Abklärung unter Einhaltung infektionshygienischer Maßnahmen oder eine Absonderung in einem Krankenhaus umfassen
    • In Absprache mit Gesundheitsamt ärztliche Konsultation, inklusive Diagnostik mittels einer geeigneten Atemwegsprobe gemäß den Empfehlungen des RKI zur Labordiagnostik (www.rki.de/covid-19-diagnostik) und ggf. Therapie
  • Eine Testung asymptomatischer Kontaktpersonen der Kategorie 1 zur frühzeitigen Erkennung von prä- oder asymptomatischen Infektionen sollte durchgeführt werden. Die Testung sollte so früh wie möglich an Tag 1 der Ermittlung erfolgen, um mögliche Kontakte der positive getesteten asymptomatischen Kontaktpersonen rechtzeitig in die Quarantäne zu schicken. Zusätzlich sollte 5-7 Tage nach der Erstexposition ein zweiter Test erfolgen, da zu diesem Zeitpunkt die höchste Wahrscheinlichkeit für einen Erregernachweis besteht. Es ist zu betonen, dass ein negatives Testergebnis das Gesundheitsmonitoring nicht aufhebt und die Quarantänezeit nicht verkürzt!
  • Für Kontaktpersonen der Kategorie 1, die zu medizinischem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern gehören, gibt es in Situationen mit relevantem Personalmangel Optionen zum Management, siehe hier: www.rki.de/covid-19-hcw

Die nachfolgende Tabelle soll als Wegweiser, nicht als absolute Vorgabe dienen, um dem Gesundheitsamt im Einzelfall eine adäquate Entscheidung zu ermöglichen. Sie dient zur Einstufung von Kontaktpersonen als Kategorie 1 (KP1, "höheres" Infektionsrisiko) aufgrund Kontakts im Nahbereich (<1,5m) bzw. „Fernbereich“ (>>1,5m) sowie mögliche Reduktion des Infektionsrisikos in derselben Situation durch Schutzmaßnahmen zu Kontakt-Kategorie 2 (KP2) geringeres Infektionsrisiko) oder Kontakt-Kategorie 3 (nur im medizinischen/pflegerischen Bereich).

KP1Enger Kontakt (<1,5 m)Kontakt mit Abstand (>>1,5 m)*
Dauer> 15 Min. (etwa)>30 Min. (etwa*)
Räum­lichkeitNicht relevantInnenraum
und schlechte Lüftung
und längerer Aufenthalt von Quellfall vor/zeitgleich mit längerem Aufenthalt von Kontaktperson
Aero­sol­emission(Singen/lautes Sprechen>>normales Sprechen>Atmen)Singen/lautes Sprechen>>normales Sprechen>Atmen
Reduktion des Infektionsrisikos
Allgemeinbevölkerung
(Nicht medizinisches Personal bzw. Kontakt außerhalb der Pflege oder medizinischen Versorgung)
Kann zu KP2 werden, wennEnger Kontakt (<1,5 m)Kontakt mit Abstand (>>1,5 m)*
MNS/MNB#
(in Situa­tionen, in denen 1,5 m Min­dest­ab­stand nicht ein­gehalten werden konnte)
Fall und Kontaktperson tragen MNS oder eine MNB durchgehend und korrektIn dieser Situation ist durch Tragen eines MNS keine Änderung der Kontaktkategorie erreichbar.
Nur für medizinisches Personal
Kann zu KP3 werden, wenn

Enger Kontakt (<1,5 m)

Kontakt mit Abstand (>>1,5 m)*
MNS/MNBKontaktperson (med. Personal) trägt MNS durchgehend und korrekt UND Fall trägt MNS/MNB+In dieser Situation durch Tragen eines MNS keine Änderung der Kontaktkategorie erreichbar
PSA ent­spre­chend BAuA-Emp­feh­lunggetragen von Kontaktperson (ob Fall MNS/MNB trägt hat keinen weiteren Einfluss)getragen von Kontaktperson (ob Fall MNS/MNB trägt hat keinen weiteren Einfluss)

*die Faktoren Lüftung/Frischluftzufuhr, Aufenthaltsdauer (von Quellfall bzw. Kontaktperson) und Aerosolproduktion des Quellfalls müssen gegeneinander abgewogen werden, absolute Angaben können nicht gemacht werden

# wenn folgende Bedingungen erfüllt werden: (1) MNS oder eine MNB nach Definition wie bei BfArM (oder nach neuem Eurostandard (CWA 17553)) UND (2) wenn diese durchgehend und korrekt, d.h. enganliegend und sowohl über Mund und Nase getragen wurde

+ Falls kein(e) MNS/MNB beim Patienten, individuelle Entscheidung basierend auf der jeweiligen Expositionssituation

Kontaktpersonen der Kategorie II (geringeres Infektionsrisiko)

Beispielhafte Konstellationen:

  • Personen, die sich im selben Raum wie ein bestätigter COVID-19-Fall aufhielten, z.B. Arbeitsplatz, jedoch keinen kumulativ mindestens 15-minütigen Gesichts- („face-to-face“) Kontakt mit dem COVID-19-Fall hatten UND eine Situation, bei der kein Anhalt dafür besteht, dass eine Aerosolübertragung jenseits von 1,5 m vom Quellfall entfernt stattgefunden hat
  • Kontaktpersonen eines bestätigten COVID-19-Falls im Flugzeug:

    • Passagiere, die in derselben Reihe wie der bestätigte COVID-19-Fall oder in den zwei Reihen vor oder hinter diesem gesessen hatten, unabhängig von der Flugzeit, jedoch nicht unter Kategorie I fallen

Empfohlenes Vorgehen für das Management von Kontaktpersonen der Kategorie II

  • Falls gemäß Risikoeinschätzung des Gesundheitsamtes als sinnvoll angesehen, ist optional möglich:

    • Information zu COVID-19, insbesondere zu Kontaktreduktion und Vorgehen bei eintretender Symptomatik

Kontaktpersonen der Kategorie III (nur bei medizinischem Personal anzuwenden)

Hintergrund:
Unerkannte Infektionen bei medizinischem Personal stellen eine potentielle Gefährdung für die Betroffenen, ihre Angehörigen, andere Mitarbeitende sowie für die von ihnen betreuten Patienten dar und können zu nosokomialen Übertragungen führen. Personen in der Pflege und medizinischen Versorgung sind im Rahmen ihrer Tätigkeit regelmäßig in engem Kontakt mit einer großen Zahl von Personen mit chronischen Grundkrankheiten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf (vulnerable Gruppen). Der Schutz des medizinischen Personals ist daher zusätzlich zu den allgemeinen Arbeitsschutzanforderungen auch in Bezug auf die Sicherstellung der medizinischen Versorgung und der Prävention von nosokomialen Übertragungen von besonderer Bedeutung.

Die organisatorischen Maßnahmen und Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für medizinisches Personal dienen einer Minimierung des Infektionsrisikos. Bei Einhaltung der empfohlenen Schutzmaßnahmen besteht daher kein Anlass für eine Absonderung nach  Kontakt mit einem COVID-19-Patienten. Die „Empfehlungen der BAuA und des ad-Hoc AK „Covid-19“ des ABAS zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2“ dienen in erster Linie dem Arbeitnehmerschutz.

Hinweise zum niederschwelligen Testung von medizinischem Personal siehe nationale Teststrategie. Trotz gewissenhafter Umsetzung der  Schutzmaßnahmen und ausreichendem Training können Fehler in der Handhabung und damit eine Exposition nicht vollständig ausgeschlossen werden. Daher wird medizinisches Personal mit engem Kontakt zu bestätigten Fällen von COVID-19 (inklusive asymptomatische Fälle mit labordiagnostischem Nachweis von SARS-CoV-2) bei Einsatz von adäquaten Schutzmaßnahmen den Kontaktpersonen der Kategorie III zugeordnet (s. Tabelle 1).

  • Medizinisches Personal mit Kontakt ≤ 1,5 m (z.B. Fall im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung), wenn eine adäquate Schutzbekleidung während der gesamten Zeit des Kontakts gemäß Kategorie I getragen wurde
  • Medizinisches Personal mit Kontakt ≤ 1,5 m (z.B. im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung) ohne relevante Aerosolproduktion, wenn neben dem Personal auch Patient(en) medizinischem Mund-Nasenschutz trugen.
  • Medizinisches Personal mit Kontakt > 1,5 m ohne adäquate Schutzbekleidung, ohne direkten Kontakt mit Sekreten oder Ausscheidungen der/des Patientin/en und ohne Aerosolexposition

Empfohlenes Vorgehen für das Management von Kontaktpersonen der Kategorie III

Kernprinzipien:
Sensibilisierung, Information und Schulung der Beschäftigten sowie Erfassung und aktives Monitoring aller Kontaktpersonen von wahrscheinlichen oder bestätigten Fällen mit COVID-19 (inklusive asymptomatischer Fälle mit labordiagnostischem Nachweis von SARS-CoV-2).

Empfohlene Maßnahmen:

Maßnahmen sollten durch das Hygienefachpersonal in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt und dem Gesundheitsamt durchgeführt werden

  • Gemäß Absprache mit dem Gesundheitsamt Information an das Gesundheitsamt über Kontaktpersonen unter dem Personal
  • Bei Auftreten von Symptomen (auch unspezifischen Allgemeinsymptomen) sofortige Freistellung von der Tätigkeit, Befragung der Beschäftigten über mögliche Expositionssituationen (z.B. Probleme beim Einsatz der PSA), namentliche Meldung an das Gesundheitsamt und Isolation der Betroffenen bis zur diagnostischen Klärung (siehe "Empfehlungen des RKI zur Meldung von Verdachtsfällen von COVID-19")
  • Wegen der gravierenden Implikationen sollte jede/r Beschäftigte/r mit Kontakt zu bestätigten Fällen mit COVID-19 angehalten werden, fortlaufend ein Tagebuch zu führen, in dem die angewendete persönliche Schutzausrüstung, das Ergebnis der Selbstprüfung auf Symptome festgehalten werden (Beispiel eines Tagebuchs siehe www.rki.de/covid-19-kontaktpersonen)
  • Bei Exposition ohne adäquate Schutzausrüstung oder selbst wahrgenommener Beeinträchtigung der Schutzmaßnahmen sofortige Mitteilung an den Betriebsarzt/ärztin sowie an die/den Krankenhaushygieniker/in, Information des Gesundheitsamtes und je nach Risikoeinschätzung ggf. Absonderung zu Hause (s.o. Kontaktpersonenmanagement für Kontaktpersonen der Kategorie I)

Synopse Kategorie I, II und III

Kategorie IKategorie IIKategorie III
In­fek­tions­risiko++++(+)

Prä­ven­ti­ves Po­ten­zial
++++++
Art der Kontakt­person
  • Person mit ≥15 Min. face-to-face Kontakt
  • Wahrscheinlich relevante Aerosol-exposition (>1,5 m vom Quellfall entfernt)
  • Direkter Kontakt zu Sekreten
  • Flugzeug: direkter Sitznachbar
  • Med. Personal ≤1,5 m, ohne adäquate Schutzkleidung
  • Med. Personal >1,5 m, ohne adäquate Schutzkleidung mit direktem Kontakt zu Sekreten oder Ausscheidungen der/des Patientin/en oder bei möglicher Aerosolexposition
  • Per­so­nen <15 Min. face-to-face Kontakt (ku­mu­la­tiv)
  • Wahrscheinlich KEINE relevante Aerosolexposition im Raum (>1,5 m vom Quellfall entfernt)
  • Flugzeug:  innerhalb 2 Reihen davor/dahinter, jedoch nicht Kat I 
  • Per­sonal ≤1,5 m, mit adäquater Schutzkleidung
  • Per­so­nal >1,5 m, ohne adäquate Schutzkleidung, ohne direk­ten Kon­takt zu Se­kreten oder Aus­schei­dungen der/des Pa­tien­tin/en und ohne Aero­sol­ex­po­sition
  • Kontakt ≤ 1,5 m bei Tragen von medizinischem MNS bei sowohl Personal als auch MNS/MNB bei Patient(en) ohne relevante Aerosolproduktion
Er­mitt­lung, na­ment­liche Re­gistrie­rung durch GA
  • Ja
  • Nein
  • Nein
Info über Krank­heit und  Über­tra­gung
  • Ja
  • Optional
  • Ja
Kontakt­re­duk­tion
  • Reduk­tion der Kon­takte zu an­de­ren Per­sonen
  • häus­liche Ab­son­derung (unter Ab­wä­gung der Mög­lich­keiten und nach Risiko­bewer­tung des GA)
  • Ja
  • Nein
Gesund­heits­über­wachung
  • täglicher Kontakt mit Gesundheitsamt
  • 2x täglich Messung der Körper­tem­pera­tur, Tage­buch zu Sympto­men
  • ab Auf­treten einer Sympto­ma­tik:

    • sofor­tiger Kontakt zu GA
    • Isolation gemäß GA
    • Kontakt­per­sonen no­tieren
  • Nein
  • Nein
  • ab Auf­treten einer Sympto­ma­tik:

    • sofor­tiger Kontakt zu GA
    • Isolation gemäß GA
    • Kontakt­per­sonen no­tieren
  • Tägliches Selbstmonitoring

 

  • ab Auf­treten einer Sympto­ma­tik:

    • sofor­tiger Kontakt zu GA
    • Isolation gemäß GA
    • Kontakt­per­sonen no­tieren
Testung
  • So früh wie möglich auch asymptomatische Kontaktpersonen testen, d.h. an Tag 1 nach Ermittlung und zusätzlich 5–7 Tage nach Erstexposition
  • Testung symptomatischer Kontaktpersonen
  • Testung symptomatischer Kontaktpersonen

Stand: 09.09.2020

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

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