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COVID-19: Entlassungskriterien aus der Isolierung

Stand: 31.3.2021

Änderungen gegenüber der Version vom 26.2.2021:

  • Angesichts der inzwischen vorherrschenden Verbreitung der Variante B.1.1.7 wird unabhängig vom individuellen Verdacht auf oder Nachweis einer VOC bei allen SARS-CoV-2-Infizierten, unabhängig von Schwere der Erkrankung, Hospitalisierung und Alter eine 14-tägige Isolierungsdauer und eine abschließende Diagnostik vor Entisolierung empfohlen.

Die Infografik ist als PDF-Datei zum Selbstausdrucken verfügbar:

COVID-19: Entlassungskriterien aus der Isolierung: Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte (31.3.2021) (PDF, 236 KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zur Erläuterung der Entlasskriterien

Im Rahmen der Maßnahmen zur Vermeidung der Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 ist die Entlassung einer an COVID-19 erkrankten Person aus der stationären Isolierung eine verantwortungsvolle ärztliche Entscheidung. Dies gilt insbesondere in solchen Fällen, in denen eine Weiterbetreuung stationär bzw. in einer Gemeinschaftseinrichtung mit vulnerablen Personen geplant ist. Hierbei spielt die Einschätzung der Kontagiosität der betroffenen Person eine wesentliche Rolle.

Die Kontagiosität eines von einer Infektion betroffenen Menschen wird von verschiedenen Faktoren bestimmt; dazu zählen:

  • die Manifestationsform und Schwere der Infektion (leichte, milde, schwere, kritische Erkrankung)
  • das Zeitintervall nach Infektion bzw. Symptombeginn in Tagen
  • Art und Umfang der protektiven Immunreaktion des Betroffenen
  • das Verhalten bzw. der klinische Zustand/ die klinischen Symptome des Patienten (z.B. Husten, Niesen, lautes Sprechen, Singen bei respiratorischer Symptomatik)
  • Art und Menge der ausgeschiedenen Erreger über Sekrete und Exkrete sowie mögliche Schwankungen in der Ausscheidung.

Erkenntnisse aus medizinisch-virologischen sowie epidemiologischen Studien können die Entscheidung zur Entisolierung eines Patienten unterstützen. Dazu gehören etwa Erkenntnisse zur Ausscheidungskinetik von SARS-CoV-2 RNA, SARS-CoV-2-Protein sowie aus der In-vitro-Kultur der Erreger in übertragungsrelevanten Ausscheidungen auf geeigneten Zellkulturen im Verlauf der Infektion. Aus derartigen Untersuchungen liegen Ergebnisse für SARS-CoV-2 bei COVID-19 Patienten vor. Für den klinischen Alltag ist die Virusanzucht zu aufwendig und zu zeitintensiv. Daher kommen andere Formen des direkten Erregernachweises zum Einsatz; hierzu gehören:

  • Genombasierte Verfahren wie die PCR und
  • Antigennachweise.

Die PCR weist RNA des Virus nach, welche insbesondere bei schweren und kritischen Verläufen oder bei Immunsupprimierten oder sehr alten Menschen mit zahlreichen Begleiterkrankungen noch Wochen nach Infektion nachweisbar sein kann. Antigennachweise weisen Virusproteine nach; die Sensitivität des Nachweises ist allerdings in der Regel geringer als beim PCR-Nachweis und damit auf hohe Virustiter beschränkt, wie sie typischerweise in der frühen akuten Infektion nachgewiesen werden und ist in hohem Maße von der konkreten Qualität des Tests sowie der Qualität der Probengewinnung abhängig. Zur Korrelation der Ergebnisse der o.g. Testmethoden mit der In-vitro-Kultur liegen einige Studien vor, die jeweils aktuellen Informationen in den Hinweisen zur Testung auf SARS-CoV-2 (www.rki.de/covid-19-diagnostik).

sowie entsprechende Übersichtsarbeiten (z.B. https://doi.org/10.1093/cid/ciaa1764, https://www.hiqa.ie/reports-and-publications/health-technology-assessment/duration-infectiousness-sars-cov-2).

Die Angaben in der Infografik (PDF, 236 KB, Datei ist nicht barrierefrei) geben auf der Basis der bisher vorliegenden Literatur eine Orientierung zu wesentlichen Parametern, die bei den Entscheidungen im Rahmen des Entlassmanagements helfen können.

Die Datenlage zur Ausscheidungskinetik von besorgniserregenden SARS-CoV-2-Varianten (variants of concern, VOC) ist noch unzureichend. Angesichts der inzwischen vorherrschenden Verbreitung der Variante B.1.1.7 wird unabhängig vom individuellen Verdacht auf oder Nachweis einer VOC vorsorglich und unabhängig von Schwere der Erkrankung, Hospitalisierung und Alter eine 14-tägige Isolierungsdauer und eine abschließende Diagnostik vor Entisolierung empfohlen.

Für Patienten mit leichtem oder mildem/ moderatem Krankheitsverlauf (gemäß WHO-Definition) und ungestörter Immunkompetenz kann eine Entisolierung erfolgen, wenn (1) mindestens 14 Tage seit Auftreten der ersten Symptome verstrichen sind, (2) eine nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung seit >48 h vorliegt und (3) ein negativer Antigentest..

Für Patienten mit schwerem und insbesondere kritischem Krankheitsverlauf (gemäß WHO-Definition) sowie für Bewohner von Altenpflegeheimen wird im eine Entisolierung empfohlen, wenn (1) mindestens 14 Tage seit Auftreten der ersten Symptome verstrichen sind, (2) eine nachhaltige Besserung der akuten COVID-19-Symptomatik gemäß ärztlicher Beurteilung seit >48 h vorliegt und (3) ein aussagekräftiges PCR-Untersuchungsergebnis, das darauf hindeutet, dass keine hohen Erregermengen ausgeschieden werden.

Für immunsupprimierte Patienten muss eine Einzelfallbeurteilung erfolgen. Im Hinblick auf die protrahierte Ausscheidung der Viren durch Defekte bei der protektiven Immunantwort und die damit verbundene Möglichkeit der Mutation des Virus im Wirtsorganismus wird bei Ausscheidung hoher Virusmengen über Tag 21 nach Symptombeginn hinaus eine Sequenzierung der in der Probe enthaltenen Viren empfohlen.

Stand: 31.03.2021

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