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GORENET (Gonokokken-Resistenz-Netzwerk)

Hintergrund

Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae (Gonorrhö) stellen nach aktuellen Schätzungen der WHO weltweit die dritthäufigste sexuell übertragbare Krankheit dar. In Deutschland stehen kaum epidemiologische Daten über Gonorrhö zur Verfügung, da hierfür keine Meldepflicht besteht. In den letzten Jahren kam es bei Infektionen mit Gonorrhö zu einer besorgniserregenden, weltweiten Ausbreitung von Resistenzen auch gegen moderne Antibiotika, sodass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals selbst an der Entwicklung eines neuen Antibiotikums beteiligt ist. Zur Überwachung der bisher bekannten Entwicklung von Resistenzen von Gonorrhö bestehen weltweit überwiegend von der WHO, den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) koordinierte Surveillance-Programme. Um die Resistenzsituation der Gonorrhö in Deutschland möglichst aussagekräftig abzubilden, wurde im Jahr 2013 in Kooperation zwischen dem Robert Koch-Institut (RKI) und dem Konsiliarlabor für Gonokokken am Vivantes-Klinikum Berlin-Neukölln das Projekt GORENET initiiert. Hierzu wurde ein deutschlandweites Netzwerk von Laboren aufgebaut, die regelmäßig Isolate und epidemiologische Daten zu bei ihnen diagnostizierten Gonokokken-Infektionen an das Konsiliarlabor und das Robert Koch-Institut einsenden. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert.

Ziel des GORENET-Projektes ist die Verbesserung der Datenlage zur Gonokokken-Resistenz in Deutschland, um

  1. einen besseren Überblick über die Resistenzlage zu bekommen,
  2. evidenzbasiert die Therapieempfehlungen anpassen zu können, und
  3. Entwicklung von Empfehlungen zielgerichteter Maßnahmen im Gesundheitswesen.

Projektstruktur und -verlauf

In der ersten Projektphase wurde 2013 eine Basisdatenerhebung durchgeführt, um Labore zu ermitteln, die in Deutschland Gonokokken-Diagnostik anbieten. Auf dieser Grundlage konnten die teilnehmenden Labore hinsichtlich ihrer Diagnostikmethoden, Qualitätsstandards bei der Anzucht der Bakterienkulturen und Antibiotika­resistenz­testungen charakterisiert werden. Die Ergebnisse hierzu sind im Epidemiologischen Bulletin 37/2014 erschienen (Link siehe unten).

Im Anschluss wurde basierend auf den Ergebnissen des Surveillance-Netzwerks und in Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften ein Rahmenkonzept für eine kontinuierliche Datenerhebung und -auswertung entwickelt, welches als Grundlage für den Aufbau des Labor-Netzwerks zur Resistenz-Surveillance der Gonorrhö in Deutschland dient. Seit April 2014 werden von den teilnehmenden Laboren regelmäßig Isolate, die dort mittels einer Kultur positiv auf GO getestet wurden, gesammelt und zusammen mit dazugehörigen pseudonymisierten Patienten-Daten an das RKI bzw. das Konsiliarlabor für Gonokokken weitergeleitet. Im Konsiliarlabor für Gonokokken werden die Proben einheitlich nachgetestet. In Datenanalysen werden die Ergebnisse der am GORENET teilnehmenden Labore mit den Nachtestungen des Konsiliarlabors miteinander verglichen. Die Ergebnisse dieser Vergleiche werden den teilnehmenden Laboren dabei regelmäßig zurückgemeldet. Die Ergebnisse tragen dazu bei, besser als bisher aktuelle Antibiotika-Resistenz-Entwicklungen bei Gonorrhö-Infektionen in Deutschland zu erfassen.

Seit Juli 2016 befindet sich GORENET in einer zweiten Projektphase, in der die Resistenz-Surveillance weiter ausgebaut wird. Dabei soll zum einen die Anzahl der eingesandten Isolate um etwa das Dreifache erhöht werden, um noch stabilere Aussagen zur Resistenzsituation in Deutschland treffen zu können. Zum anderen wird die Erhebung epidemiologischer Daten um eine Reihe weiterer Variablen erweitert, die eine genauere Charakterisierung der Isolate in Bezug auf Risikoverhalten und klinische Verläufe erlauben. Des Weiteren wird die DNA der eingesendeten Proben extrahiert und charakterisiert, um Genogruppen deutschlandweit, aber auch innerhalb Europas und weltweit miteinander vergleichen zu können. Zusätzlich sollen diese Analysen helfen, Transmissions­netzwerke und molekular­genetische Unterschiede zwischen resistenten und nicht-resistenten Gonokokken-Stämmen zu identifizieren.

Ergebnisse

Ceftriaxon, das laut Leitlinie in Kombination mit Azithromycin derzeit als First-Line-Therapeutikum eingesetzt werden sollte, bewegt sich seit einigen Jahren stabil auf sehr niedrigem Resistenzlevel mit unter einem Prozent resistenter Isolate (Abb. 1). Gegenüber Cefixim, das aktuell als Second-Line-Therapeutikum als Ersatz für Ceftriaxon gegeben werden kann, bewegt sich der Anteil resistenter Isolate zwischen 1% und 2%.

Während sich im Jahr 2015 noch 11% der eingesandten Proben ans Konsiliarlabor gegenüber Azithromycin resistent zeigten, fiel dieser Anteil 2016 nach einer Änderung der Therapieleitlinien, die auch auf GORENET-Daten basierte, erfreulicherweise deutlich ab, auf aktuell 1%. Die früher häufig zur Behandlung der Gonorrhö eingesetzten Antibiotika Penicillin und Ciprofloxacin weisen beide einen sehr hohen Anteil resistenter Isolate auf.

Diagramm: Resistenz von Neisseria gonorrhoeae in Deutschland, 2014-2017Abb. 1: Resistenz von Neisseria gonorrhoeae in Deutschland, 2014-2017 (Bewertungskriterien nach EUCAST 4.0) Quelle: GORENET

Detailliertere Ergebnisse aus dem GORENET-Projekt enthält die Publikation "Antimicrobial resistance of Neisseria gonorrhoeae in Germany: low levels of cephalosporin resistance, but high azithromycin resistance" (BMC Infect Dis., 17.1.2018, Link siehe unten).

Falls Labore, die noch nicht am GORENET teilnehmen, Interesse an einer Teilnahme haben, freuen wir uns sehr über eine Kontaktaufnahme (E-Mail siehe rechts).

Stand: 30.07.2018

Zusatzinformationen

Kontakt

Für interessierte Labore

Dr. Klaus Jansen

Telefon:
030 18754 3754

Dr. Regina Selb

Telefon:
030 18754 3799

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